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Der Einzähnige

2603 Bestarium

Die Angst geht um im in­di­schen Bun­des­staat Jhark­hand: Ein Se­ri­en­tä­ter hat al­lei­ne im noch jun­gen Jahr 2026 über 20 Men­schen durch stump­fe Ge­walt ge­tö­tet. Pro­fi­ler be­schrei­ben den Ver­däch­ti­gen als männ­lich, jung und un­be­re­chen­bar. Das Grau­en schlug nachts und mit un­be­schreib­li­cher Bru­ta­li­tät zu und hin­ter­liess ei­ne Schnei­se der Zer­stö­rung. Ob­wohl zahl­rei­che Er­mitt­ler aus be­nach­bar­ten Di­strik­ten der Son­der­kom­mis­si­on zur Hil­fe eil­ten, konn­te der Tä­ter bis­lang nicht ge­fasst wer­den. Zeu­gen schil­der­ten ein un­ge­wöhn­li­ches De­tail: Im Ge­gen­satz zu sei­nen Art­ge­nos­sen be­sitzt der ver­meint­li­che Mehr­fach­mör­der nur ei­nen Stoss­zahn!

Yes – und hier zer­geht die fal­sche Fähr­te, denn Hep­pel­ers Bes­tia­ri­um bleibt auch in die­ser Aus­ga­be ei­ne Ko­lum­ne über Tie­re und nicht über True-Crime-Re­por­ta­gen. Ob­wohl letz­te­re ja auch im Jahr 2026 tie­risch an­ge­sagt blei­ben. Der Mensch be­sitzt ei­ne ex­tre­me Fas­zi­na­ti­on für das Ex­tre­me. Und das schwam­mi­ge Gen­re True Crime trig­gert in uns seit Jahr­hun­der­ten ge­wach­se­ne und einst durch Mo­ri­ta­te ge­still­te In­ter­es­sens­in­stink­te: Men­schen, die sich am Ran­de der Mo­ral be­we­gen, er­re­gen un­se­re un­be­ding­te Auf­merk­sam­keit, weil sie nicht nur ei­ne po­ten­zi­el­le Ge­fahr für das ei­ge­ne Ich, son­dern auch für die Ge­sell­schaft an sich dar­stel­len.

Tie­re in­des wer­den nur dann als ge­fähr­lich oder gar kri­mi­nell ge­framed, wenn sich ih­re Ta­ten ge­gen Men­schen rich­ten. Auch des­halb ging die ein­gangs an­ge­te­as­te Ge­schich­te des wild­ge­wor­de­nen Ele­fan­ten­bul­len welt­weit vi­ral. Da­bei schei­nen die Hin­ter­grün­de der Sto­ry auf ver­schie­de­nen Ebe­nen tra­gisch. Denn die tot­ge­tram­pel­ten Men­schen wa­ren al­le­samt bet­tel­ar­me Bau­ern, die sich da­zu ge­zwun­gen sa­hen, auf ih­ren Fel­dern zu schla­fen, um die­se vor Dieb­stäh­len zu be­schüt­zen. Der jun­ge Ele­fan­ten­bul­le, dem tat­säch­lich ein hal­ber Stoss­zahn fehlt, könn­te laut Wis­sen­schaft­lern nach ei­ner so­zia­len Aus­gren­zung aus sei­ner Her­de die Kon­trol­le ver­lo­ren ha­ben. Seit­her irrt er ori­en­tie­rungs­los durch die schwin­den­de Hei­mat sei­ner Ah­nen und lässt sei­ne Wut an den ver­meint­lich Schwächs­ten aus. Die Ge­schich­te er­in­nert im Kern an den un­ge­wöhn­li­chen in­di­schen Hor­ror­film Jal­li­k­at­tu, wo­bei es dort ein wil­der Stier war, der für Angst und Schre­cken sorg­te.

Die An­zahl töd­li­cher Ele­fan­ten­an­grif­fe stieg in In­di­en zu­letzt ex­po­nen­ti­ell an, da die na­tür­li­chen Ter­ri­to­ri­en der Dick­häu­ter un­wie­der­bring­lich durch Men­schen­hand zer­stört wer­den. Wo Mensch und Tier zu­vor nur sel­ten auf­ein­an­der­tra­fen, ist die Kon­fron­ta­ti­on heu­te un­ver­meid­lich. Und trotz KI-Früh­warn­sys­te­men star­ben in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren cir­ca 2800 Men­schen durch ent­spre­chen­de At­ta­cken. 

Und na­tür­lich lei­den vor al­lem die Ele­fan­ten selbst: Et­wa 10 Pro­zent ih­rer trans­ge­ne­ra­tio­na­len Mi­gra­ti­ons­rou­ten wur­den be­reits zer­stört, was zu ei­nem An­stieg von oft töd­li­chen Zug­un­fäl­len, Strom­schlä­gen und Ver­gel­tungs­ver­gif­tun­gen führt. Die mensch­li­che Ka­pi­ta­lis­mus­kul­tur zer­stört auch hier in Zeit­raf­fern die ge­wach­se­ne Na­tur und pro­vo­ziert Kon­flik­te, die kei­ne Ge­win­ner:in­nen ken­nen.

JE­RE­MI­AS HEP­PE­L­ER, 1989, lebt und ar­bei­tet als Künst­ler, Mu­si­ker und Au­tor im Do­nau­tal und ir­gend­wie auch über­all sonst in den in­ter­me­dia­len Zwi­schen­räu­men die­ser Welt. In sei­ner Ko­lum­ne streift Hep­pe­l­er li­te­ra­risch durch das kun­ter­bun­te Tier­reich des Pop­kul­tur-Pla­ne­ten Er­de – auf der Su­che nach den selt­sams­ten Le­be­we­sen, den ab­sur­des­ten Fak­ten und den er­schre­ckends­ten Um­welt­sün­den. Die Il­lus­tra­ti­on stammt eben­falls aus sei­ner Fe­der.

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
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Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
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Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
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Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
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Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover