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Rauchende Raben

2602 Bestiarium

Das schwe­di­sche Start-up Cor­vid Clea­ning ging En­de des letz­ten Jah­res vi­ral, weil es ei­ne Ma­schi­ne ent­wi­ckelt hat­te, die Krä­hen im Aus­tausch für ein­ge­sam­mel­te Zi­ga­ret­ten­stum­mel mit Le­cke­rei­en be­lohn­te. Ei­ne Art Pfand­au­to­mat für Ra­ben­vö­gel! Die Vö­gel sind oh­ne­hin be­rühmt und be­rüch­tigt für ih­re aus­ser­or­dent­li­che In­tel­li­genz – in frei­er Wild­bahn be­nut­zen sie Werk­zeu­ge, las­sen Nüs­se von Fahr­zeu­gen kna­cken und be­dan­ken sich bei Men­schen, die sie ge­füt­tert ha­ben, mit klei­nen Ge­schen­ken. Ra­ben kön­nen sich nicht nur Ge­sich­ter mer­ken, son­dern wur­den schon beim ge­mein­schaft­li­chen Schmie­den von Plä­nen er­wischt. Ge­flü­gel­te Ge­nies!

Die Idee, den Spiel­trieb und die Tausch­fä­hig­keit der Vö­gel zum Müll­sam­meln zu nut­zen, ist in­des nicht neu: Der fran­zö­si­sche Frei­zeit­park Puy du Fou setz­te 2018 ei­ne Ban­de von Krä­hen mit den gran­dio­sen Na­men Bou­bou, Bam­boo und Bri­co­le als Auf­räum­kom­man­do ein. Der Prä­si­dent des Parks gab da­mals zu Pro­to­koll: «Der Zweck der Krä­hen ist es, die Men­schen zum Nach­den­ken an­zu­re­gen. Die Vö­gel tun et­was, wo­zu wir viel bes­ser fä­hig sind als sie, al­so soll­ten wir ih­rem Vor­bild fol­gen.» Puh, wer sagt es dem Herrn Prä­si­den­ten?

Schon 2009 hat­te der selbst­er­nann­te «quint­essen­ti­el­le Ha­cker» Josh Klein ei­nen Snack­au­to­ma­ten ge­bas­telt, in dem Ra­ben ge­fun­de­ne Mün­zen ge­gen Es­sen tausch­ten (oder wie wir Men­schen es nen­nen: be­zahl­ten!). Klingt ir­gend­wie fair. Aber kann es das über­haupt sein, wenn ein der­ar­ti­ges Macht­ge­fäl­le zwi­schen den Le­be­we­sen vor­herrscht?

Die Ge­schich­te der Mensch­heit ist seit je­her eng dar­an ge­bun­den, an­de­re Ar­ten aus­zu­beu­ten. Das «Nutz» in Nutz­tier kommt oh­ne Zwei­fel von aus­nut­zen. Ent­spre­chend schmal ist der tier­ethi­sche Grat, auf dem wir uns be­we­gen, wenn wir Ei­gen­hei­ten von Tie­ren ge­zielt aus­beu­ten, da­mit sie un­se­ren Scheiss weg­räu­men. Ver­ein­zelt kommt es den­noch zu sym­bio­ti­schen Win-win-Si­tua­tio­nen: Das Bil­li­on-Oys­ter-Pro­ject et­wa hat es sich zur Auf­ga­be ge­macht, ei­ne Mil­li­ar­de Aus­tern im Ha­fen von New York an­zu­sie­deln. Die Mu­scheln fil­tern ver­schmutz­tes Was­ser ex­trem ef­fek­tiv und schich­ten sich zu ver­wach­se­nen Rif­fen auf, die nach­weis­lich für ma­ri­ti­me Ar­ten­viel­falt sor­gen. Im Ge­gen­satz da­zu lau­fen die müll­sam­meln­den Ra­ben durch­aus Ge­fahr, sich zu ver­gif­ten. Zi­gis­tummel, von de­nen jähr­lich Mil­li­ar­den ein­fach weg­ge­wor­fen wer­den, gel­ten als ex­trem schäd­lich. Voll­ge­so­gen mit al­ler­lei Gift­stof­fen dau­ert es Jahr­zehn­te, bis sich ei­ne Kip­pe zer­setzt hat.

Schluss­end­lich wur­de das Krä­hen-Start-up oh­ne­hin von den er­bar­mungs­lo­sen Fäus­ten des Ka­pi­ta­lis­mus zer­malmt: Die Tie­re ar­bei­te­ten zwar für ei­ne Hand­voll Erd­nüs­se, die Fir­ma selbst warf in­des kei­ner­lei Ge­winn ab und ging fol­ge­rich­tig im Ok­to­ber 2025 bank­rott. Die vi­ra­le Welt­be­rühmt­heit er­folg­te so­zu­sa­gen post­hum, als sich die Ra­ben längst wie­der auf dem frei­en Ar­beits­markt be­wei­sen muss­ten.

JE­RE­MI­AS HEP­PE­L­ER, 1989, lebt und ar­bei­tet als Künst­ler, Mu­si­ker und Au­tor im Do­nau­tal und ir­gend­wie auch über­all sonst in den in­ter­me­dia­len Zwi­schen­räu­men die­ser Welt. In sei­ner Ko­lum­ne streift Hep­pe­l­er li­te­ra­risch durch das kun­ter­bun­te Tier­reich des Pop­kul­tur-Pla­ne­ten Er­de – auf der Su­che nach den selt­sams­ten Le­be­we­sen, den ab­sur­des­ten Fak­ten und den er­schre­ckends­ten Um­welt­sün­den. Die Il­lus­tra­ti­on stammt eben­falls aus sei­ner Fe­der.

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3.

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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