Horror unter dem Mikroskop
Autor:innen des Horrorgenres bedienen sich seit jeher der Ästhetik der Insektenwelt. Legendäre Monsterdesigns wie der Xenomorph in Alien, die Bugs in Starship Troopers oder «It» in Resident Evil 4 nahmen Anleihen aus der schaurigen Welt der Vielbeiner, deren vielgliedrige Andersartigkeit von Exoskelett bis Facettenaugen definitiv Urängste auslösen kann. Schlimmer als die menschliche Fantasie scheint nur die Realität selbst. Deshalb blicken wir heute auf zwei Larvenarten, deren alltägliche Verhaltensweisen selbst die grausigsten Horror-Storys wie Gute-Nacht-Geschichten wirken lassen.
Da wäre etwa der Meloe franciscanus, eine Unterart der Ölkäfer, die einzig in den Wüsten des amerikanischen Südwestens vorkommt. Die Larven des Tieres schlüpfen aus unterirdischen Gelegen, von wo sie in Richtung Licht aufsteigen und gemeinsam mit hunderten Geschwistern an Grashalmen eine Art Ball formen. So weit so harmlos. Im nächsten Schritt aber sondert der Larvenball eine flüssige Substanz ab, die den Pheromonen der weiblichen Sandbiene ähnelt. Diese Parfümierung zieht dann naturgemäss männliche Sandbienen an, die sich blind vor Liebe auf den Larvenball stürzen, nichtsahnend, welche Unglücksspirale sie damit lostreten. Denn die Franziskaner-Larven krallen sich ihrerseits zunächst an der männlichen Biene fest und springen, sobald der Casanova doch noch eine reale Partnerin gefunden hat, auf deren Körper über. Im Nest der Biene lassen sich die Larven fallen und fressen sich nicht nur am mühevoll gesammelten Nektar und den Pollenreserven satt, sondern stürzen sich im zweiten Gang auf die Eier und den Nachwuchs der Sandbienen. Ein Massaker, das keine Überlebenden zurücklässt!
Auf O’ahu (Hawaii) existiert ein Insekt, das allen Arachnophobiker:innen zusätzliche Albträume beschert. Denn wer hier einer Spinne ins Netz geht, muss sich nicht nur mit der achtbeinigen Hausherrin auseinandersetzen, sondern sieht sich mit einem noch grausigeren Schrecken konfrontiert: Die fleischfressenden Mottenlarven, von denen die Rede ist, messen zwar nur wenige Millimeter, machen die fehlende Grösse aber definitiv durch Morbidität wieder wett. Die gefrässigen Jungtiere bedienen sich selbstgefällig am All-you-can-eat-Buffet der Spinne und machen auch nicht davor halt, sich die bereits von ihrer Vermieterin eingewickelten Leckerbissen einzuverleiben. Doch damit nicht genug: Die ungeniessbaren Teile der tragisch verschiedenen Flug-Insekten packt sich die modisch bewusste Motte-to-be kurzerhand auf den Rücken, wo sie ihre eigene Kollektion an Serienmörder-Sammlerstücken mit sich herumträgt.
Und yes, das ist schon wirklich Material, aus dem Horrorfilme gemacht werden. Doch bei genauerem Hinsehen wird klar: Genau das machen wir Menschen auch! Wer Echtpelz oder Echtleder trägt, sollte sich wahrlich nicht vor einer Mottenlarve gruseln, die Leichenteile als Mode-Accessoires zur Schau trägt. Alles eine Frage der Perspektive!
Jeremias Heppeler, 1989, lebt und arbeitet als Künstler, Musiker und Autor im Donautal und irgendwie auch überall sonst in den intermedialen Zwischenräumen dieser Welt. In seiner Kolumne streift Heppeler literarisch durch das kunterbunte Tierreich des Popkultur-Planeten Erde – auf der Suche nach den seltsamsten Lebewesen, den absurdesten Fakten und den erschreckendsten Umweltsünden. Die Illustration stammt ebenfalls aus seiner Feder.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Hast du schon einmal einen Biber Fallschirmspringen sehen? Nein? Ich auch nicht! Um dieses Ereignis bestaunen zu können, müsste man mittels Zeitreise zu einem sehr spezifischen Zeitpunkt in der Geschichte springen. Genauer gesagt ins Jahr 1949 in Northern Idaho. Damals nämlich warf das…
Geständnis vorab: Die Idee, diesen Text zu schreiben, wurde vor allem von der Tatsache befeuert, dass «Cappuccino-Bär» einfach eine zuckersüsse Artenbeschreibung ist.
Tatsächlich bezeichnet die Kaffee-Referenz aber den realen Hybriden aus Eisbär und Grizzly, der seit einigen Jahren im…
Die Angst geht um im indischen Bundesstaat Jharkhand: Ein Serientäter hat alleine im noch jungen Jahr 2026 über 20 Menschen durch stumpfe Gewalt getötet. Profiler beschreiben den Verdächtigen als männlich, jung und unberechenbar. Das Grauen schlug nachts und mit unbeschreiblicher Brutalität zu…
Das schwedische Start-up Corvid Cleaning ging Ende des letzten Jahres viral, weil es eine Maschine entwickelt hatte, die Krähen im Austausch für eingesammelte Zigarettenstummel mit Leckereien belohnte. Eine Art Pfandautomat für Rabenvögel! Die Vögel sind ohnehin berühmt und berüchtigt für ihre…
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.
Es ist seine letzte Session nach zehn Jahren im St.Galler Kantonsrat. SP-Kulturpolitiker Martin Sailer setzt künftig ganz auf den Zeltainer. Das Geld für den Neubau in Wildhaus ist fast zusammen, 2027 soll es losgehen.
Die Ansiedlung des Internet Archive Switzerland in St.Gallen ist Piero Stinelli zu verdanken. Er kontaktierte vor zehn Jahren die Verantwortlichen von archive.org aus eigenem Antrieb. In den 90er-Jahren war der Mitgründer von Vadian.net und Klang und Kleid ein Internetpionier.
Ohm41 stellen wieder aus
Das Thurgauer Pop-Phänomen Noemi Beza veröffentlicht Anfang Juni ihre neue EP. You’ll Find Me There vereint Country-Vibes mit astreinem Pop – was man ein wenig vermisst, sind Ecken und Kanten.
Kolumne: Stimmrecht im Juni
Ausstellung in Herisau
Nach 22 Jahren gibt Matthias Peter die Leitung der St.Galler Kellerbühne ab. Vom Raum ist er nach wie vor begeistert. Aber dem Kabarett ging es auch schon besser, erzählt er im Gespräch.
Die Thurgauer Künstlerin Micha Stuhlmann befasst sich in ihrem neuen Projekt mit dem Dasein im Moment. Am 7. Juni findet dazu ein Workshop in St.Gallen statt und am 26. Juni zeigt sie mit ihrem Ensemble die finale Performance in Kreuzlingen.
Die Tonhalle Wil wurde 1876 eröffnet. Seither bereichert sie praktisch ununterbrochen das kulturelle Leben der Äbtestadt. An den kommenden zwei Wochenenden wird gefeiert.
Jonas Ulrich taucht mit seinem ersten Spielfilm in die Black-Metal-Welt ab. Wolves ist eine bildstarke Geschichte über Einsamkeit und das Dazugehören, voller Gegensätze und mit etwas holprigen Dialogen.
St.Gallen bewahrt nicht mehr nur 1000-jährige Handschriften. Mit dem Internet Archive Switzerland entsteht hier ein Archiv für Webseiten, künstliche Intelligenz und das digitale Gedächtnis der Zukunft.
Mit Internet Archive Switzerland entsteht in St.Gallen ein Ableger des grössten Archivs für Websiten und Künstliche Intelligenz weltweit. Ausserdem im Juniheft: Männer unter Generalverdacht, das grosse St.Galler 80er-Buch, das Abschiedsinterview mit dem langjährigen Kellerbühnenchef und die Flaschenpost aus Venedig.
Der WWF St.Gallen wird 50 Jahre alt. Sein Geschäftsleiter Lukas Indermaur zieht bei der Beurteilung der aktuellen Situation von Natur und Umwelt eine durchzogene Bilanz.
«Urs Frei. A – Z» im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Retrospektive zum ausserordentlichen Schaffen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Arbeiten geben Einblick in ein Werk, das kaum zu fassen ist. Das gehört zu seiner Qualität.
Wie wollen wir künftig leben und unsere Nahrungsmittel produzieren? Die Ausstellung «How goes Tomorrow» der Ostschweizer Künstlerin Claude Bühler in der Shedhalle in Frauenfeld sensibilisiert für nachhaltige Handlungsstrategien.
«Das Kind zurücklassen? Wie kann man so dumm und herzlos sein», schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über seine Mutter, die keine Mutter für ihn sein konnte. In seinem neuen Buch schaut er in die Vergangenheit und hat Verständnis, nicht für die Mutter, aber doch für diese Frau, die nie Glück und immer zu wenig Geld hatte.