Kategorie
Autor:innen
Jahr

Horror unter dem Mikroskop

2606 Bestiarium

Au­tor:in­nen des Hor­ror­gen­res be­die­nen sich seit je­her der Äs­the­tik der In­sek­ten­welt. Le­gen­dä­re Mons­ter­de­signs wie der Xe­no­morph in Ali­en, die Bugs in Star­ship Tro­o­pers oder «It» in Re­si­dent Evil 4 nah­men An­lei­hen aus der schau­ri­gen Welt der Viel­bei­ner, de­ren viel­glied­ri­ge An­ders­ar­tig­keit von Exo­ske­lett bis Fa­cet­ten­au­gen de­fi­ni­tiv Ur­ängs­te aus­lö­sen kann. Schlim­mer als die mensch­li­che Fan­ta­sie scheint nur die Rea­li­tät selbst. Des­halb bli­cken wir heu­te auf zwei Lar­ven­ar­ten, de­ren all­täg­li­che Ver­hal­tens­wei­sen selbst die grau­sigs­ten Hor­ror-Sto­rys wie Gu­te-Nacht-Ge­schich­ten wir­ken las­sen.

Da wä­re et­wa der Me­loe fran­cisca­nus, ei­ne Un­ter­art der Öl­kä­fer, die ein­zig in den Wüs­ten des ame­ri­ka­ni­schen Süd­wes­tens vor­kommt. Die Lar­ven des Tie­res schlüp­fen aus un­ter­ir­di­schen Ge­le­gen, von wo sie in Rich­tung Licht auf­stei­gen und ge­mein­sam mit hun­der­ten Ge­schwis­tern an Gras­hal­men ei­ne Art Ball for­men. So weit so harm­los. Im nächs­ten Schritt aber son­dert der Lar­ven­ball ei­ne flüs­si­ge Sub­stanz ab, die den Phe­ro­mo­nen der weib­li­chen Sand­bie­ne äh­nelt. Die­se Par­fü­mie­rung zieht dann na­tur­ge­mäss männ­li­che Sand­bie­nen an, die sich blind vor Lie­be auf den Lar­ven­ball stür­zen, nichts­ah­nend, wel­che Un­glücks­spi­ra­le sie da­mit los­tre­ten. Denn die Fran­zis­ka­ner-Lar­ven kral­len sich ih­rer­seits zu­nächst an der männ­li­chen Bie­ne fest und sprin­gen, so­bald der Ca­sa­no­va doch noch ei­ne rea­le Part­ne­rin ge­fun­den hat, auf de­ren Kör­per über. Im Nest der Bie­ne las­sen sich die Lar­ven fal­len und fres­sen sich nicht nur am mü­he­voll ge­sam­mel­ten Nek­tar und den Pol­len­re­ser­ven satt, son­dern stür­zen sich im zwei­ten Gang auf die Ei­er und den Nach­wuchs der Sand­bie­nen. Ein Mas­sa­ker, das kei­ne Über­le­ben­den zu­rück­lässt!

Auf O’ahu (Ha­waii) exis­tiert ein In­sekt, das al­len Arach­no­pho­bi­ker:in­nen zu­sätz­li­che Alb­träu­me be­schert. Denn wer hier ei­ner Spin­ne ins Netz geht, muss sich nicht nur mit der acht­bei­ni­gen Haus­her­rin aus­ein­an­der­set­zen, son­dern sieht sich mit ei­nem noch grau­si­ge­ren Schre­cken kon­fron­tiert: Die fleisch­fres­sen­den Mot­ten­lar­ven, von de­nen die Re­de ist, mes­sen zwar nur we­ni­ge Mil­li­me­ter, ma­chen die feh­len­de Grös­se aber de­fi­ni­tiv durch Mor­bi­di­tät wie­der wett. Die ge­fräs­si­gen Jung­tie­re be­die­nen sich selbst­ge­fäl­lig am All-you-can-eat-Buf­fet der Spin­ne und ma­chen auch nicht da­vor halt, sich die be­reits von ih­rer Ver­mie­te­rin ein­ge­wi­ckel­ten Le­cker­bis­sen ein­zu­ver­lei­ben. Doch da­mit nicht ge­nug: Die un­ge­niess­ba­ren Tei­le der tra­gisch ver­schie­de­nen Flug-In­sek­ten packt sich die mo­disch be­wuss­te Mot­te-to-be kur­zer­hand auf den Rü­cken, wo sie ih­re ei­ge­ne Kol­lek­ti­on an Se­ri­en­mör­der-Samm­ler­stü­cken mit sich her­um­trägt.

Und yes, das ist schon wirk­lich Ma­te­ri­al, aus dem Hor­ror­fil­me ge­macht wer­den. Doch bei ge­naue­rem Hin­se­hen wird klar: Ge­nau das ma­chen wir Men­schen auch! Wer Echt­pelz oder Echt­le­der trägt, soll­te sich wahr­lich nicht vor ei­ner Mot­ten­lar­ve gru­seln, die Lei­chen­tei­le als Mo­de-Ac­ces­soires zur Schau trägt. Al­les ei­ne Fra­ge der Per­spek­ti­ve!

Je­re­mi­as Hep­pe­l­er, 1989, lebt und ar­bei­tet als Künst­ler, Mu­si­ker und Au­tor im Do­nau­tal und ir­gend­wie auch über­all sonst in den in­ter­me­dia­len Zwi­schen­räu­men die­ser Welt. In sei­ner Ko­lum­ne streift Hep­pe­l­er li­te­ra­risch durch das kun­ter­bun­te Tier­reich des Pop­kul­tur-Pla­ne­ten Er­de – auf der Su­che nach den selt­sams­ten Le­be­we­sen, den ab­sur­des­ten Fak­ten und den er­schre­ckends­ten Um­welt­sün­den. Die Il­lus­tra­ti­on stammt eben­falls aus sei­ner Fe­der.

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3.

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2