Kategorie
Autor:innen
Jahr

Wo Kunst entsteht

Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.

260708 Sitterwerk Andri Voehringer 11

Im Sit­ter­tal be­fin­det sich ein rie­si­ges Are­al mit meh­re­ren Hal­len, ei­nem Pool, Ate­liers und ei­ner Bi­blio­thek mit Werk­stoff­ar­chiv. Letz­te­re bei­den ge­hö­ren zur Stif­tung Sit­ter­werk, ei­ner Art Schatz­kam­mer des Kunst­wis­sens. Die Kunst­gies­se­rei, ein se­pa­ra­ter Be­trieb, um­fasst lau­ter Räu­me, in de­nen rund 80 Spe­zia­list:in­nen mit di­ver­sen Hin­ter­grün­den an un­ter­schied­li­chen Ma­schi­nen und mit un­zäh­li­gen Ma­te­ria­len und Werk­zeu­gen ar­bei­ten. Wer die­sen Ort zum ers­ten Mal be­tritt, wähnt sich in ei­nem ma­gi­schen La­by­rinth für Hand­wer­ker:in­nen und Er­fin­der:in­nen. Ge­mein­sam mit den Künst­ler:in­nen als Auf­trag­ge­ber:in­nen sucht und fin­det die Kunst­gies­se­rei hier We­ge und Lö­sun­gen, um de­ren Wer­ke in höchs­ter Qua­li­tät zu pro­du­zie­ren. So sind über die letz­ten Jahr­zehn­te nicht nur tau­sen­de Wer­ke ent­stan­den, son­dern auch un­zäh­li­ge neue Tech­ni­ken er­lernt, er­probt und wei­ter­ent­wi­ckelt wor­den. Es wur­de mit di­ver­sen Ma­te­ria­len ex­pe­ri­men­tiert, ge­forscht und ge­schei­tert, ge­plant und er­folg­reich pro­du­ziert. Nor­ma­ler­wei­se hat die Öf­fent­lich­keit kei­nen Zu­tritt zur Kunst­gies­se­rei – wer­den vie­le der hier ent­ste­hen­den Ob­jek­te re­nom­mier­ter Künst­ler:in­nen doch zu aus­ge­wähl­ten Zeit­punk­ten der Welt prä­sen­tiert. Für die­ses Ko­ope­ra­ti­ons­heft wird uns ein Ein­blick in das fan­tas­ti­sche La­bor ge­währt.

Es ist ein heis­ser Ju­ni­tag. Mo­ritz Leh­ner, Mit­glied der Ge­schäfts­lei­tung und zu­stän­dig für die Me­tall­werk­statt und das En­gi­nee­ring, führt uns durch die Kunst­gies­se­rei. Sein Va­ter, Fe­lix Leh­ner, grün­de­te vor 40 Jah­ren den Be­trieb und fun­giert bis heu­te als Ge­schäfts­lei­ter. Das Sit­ter­tal, er­zählt der ge­lern­te Schlos­ser, sei für ihn als Kind schon ei­ne Art Spiel­platz ge­we­sen und na­tür­lich sein Zu­hau­se, wohn­te er doch teils mit sei­nem Va­ter und des­sen Frau Ka­ta­lin Deér im hin­te­ren Teil des Kes­sel­hau­ses, das zum Ge­län­de ge­hört.

Zwei neue Hir­sche für Lies­tal

Zu­erst führt uns Mo­ritz ins Re­stau­rie­rungs-Ate­lier. Hier lie­gen mit­ten im Raum zwei Hir­sche ne­ben Bil­dern ei­nes ver­gan­ge­nen Auf­trags, der Re­stau­rie­rung ei­ner Gi­a­co­metti-Skulp­tur. Bei­de Tie­re sind aus Zink, ei­nes oh­ne Ge­weih. «Im 19. Jahr­hun­dert konn­te man Sta­tu­en wie die­se in ei­nem Ka­ta­log aus­wäh­len», er­zählt Rói­sín Beir­ne aus der Ab­tei­lung Kon­ser­vie­rung und Re­stau­ra­ti­on. Seit 1867 la­gen die bei­den Hir­sche in Lies­tal, be­wach­ten ei­nen Park, bis ein Baum ei­nem der bei­den den Schä­del zer­trüm­mer­te. Rói­sín Beir­ne und Ma­ri­us Go­ihl, Lei­ter der Ab­tei­lung, ha­ben das ka­put­te Tier un­ter­sucht und fest­ge­stellt, dass die Skulp­tur auf­grund der Wit­te­rung im In­ne­ren kor­ro­diert ist. Die Ver­mu­tung, dass auch der zwei­te Hirsch be­schä­digt sein könn­te, be­stä­tig­te sich und so müs­sen nun bei­de Tie­re kom­plett er­setzt wer­den. Des­halb wur­den die Skulp­tu­ren nun ge­scannt, Mo­del­le an­ge­fer­tigt und Ma­te­ria­li­en dis­ku­tiert. Ziel ist es, iden­ti­sche Re­pli­ken an­zu­fer­ti­gen, die der Wit­te­rung wei­te­re Jahr­hun­der­te stand­hal­ten. Und ge­nau das sei das fas­zi­nie­ren­de an ih­rer Ar­beit, er­klärt Beir­ne: «Wir wol­len die Funk­ti­on und das Werk mit mi­ni­ma­len Ein­grif­fen er­hal­ten.»

260708 Sitterwerk Andri Voehringer 04
260708 Sitterwerk Andri Voehringer 03

Din­ge ana­log, in 3D-Mo­del­len oder durch ein hoch­auf­lö­sen­des Mi­kro­skop zu un­ter­su­chen, hel­fe Pro­zes­se und Pro­ble­me zu ver­ste­hen, er­klärt Leh­ner. So be­fin­det sich auf dem Are­al auch ein Bü­ro, in dem Spe­zia­list:in­nen sol­che 3D-Mo­del­le er­stel­len. Je­des Pro­jekt wer­de von ei­nem Pro­jekt­lei­ter oder ei­ner Pro­jekt­lei­te­rin ge­führt, die dann eng mit den je­wei­li­gen Werkt­statt­lei­ter:in­nen und zu­stän­di­gen Spe­zia­list:in­nen zu­sam­men­ar­bei­ten, er­klärt Leh­ner, wäh­rend er uns über Trep­pen, durch Gän­ge, vor­bei an klei­nen und gros­sen Skulp­tu­ren, von ei­nem Raum zum nächs­ten führt. «Die Künst­ler:in­nen kom­men zu uns, mit ei­ner Idee und ei­nem Plan, manch­mal auch nur mit ei­ner Vor­stel­lung. Die­se kon­kre­ti­siert sich in der Aus­ein­an­der­set­zung mit un­se­ren Ma­te­ri­al­mus­tern und Mög­lich­kei­ten. Wir ver­su­chen dann ei­nen Weg zu fin­den, ih­re Wer­ke qua­li­ta­tiv hoch­wer­tig und nach­hal­tig zu pro­du­zie­ren – im ste­ten Dia­log mit den Künst­ler:in­nen. Häu­fig müs­sen wir da­für ex­pe­ri­men­tie­ren, Lö­sun­gen oder Tech­ni­ken fin­den, die wir bis­her noch nicht kann­ten.»

Bie­nen und Wachs­men­schen

Ein gu­tes Bei­spiel da­für ist Un­tit­led, die von der Zeit­schrift «The Guar­di­an» zum «dritt­bes­ten Werk des 21. Jahr­hun­derts» aus­ge­zeich­ne­te Skulp­tur von Pierre Huyg­he. Für die Do­cu­men­ta in Kas­sel 2011 ent­warf der fran­zö­si­sche Künst­ler ei­ne lie­gen­de Frau. Der Clou: Ihr Kopf soll­te von le­ben­den Bie­nen um­hüllt sein. Die Mit­ar­bei­ter:in­nen der Kunst­gies­se­rei pro­du­zier­ten dar­auf­hin ei­nen Ze­ment­ab­guss für den Kör­per. Und muss­ten dann ei­nen Weg fin­den, die Bie­nen­wa­ben am Kopf zu fi­xie­ren und wie sich die Bie­nen dort wohl­füh­len, da­mit sie blei­ben. In ei­nem ers­ten Schritt bau­ten sie im Kopf der Skulp­tur ei­ne Hei­zung ein, die den Be­ton auf 37 Grad tem­pe­rier­te. Beim zwei­ten Ab­guss funk­tio­nier­te es dann oh­ne Hei­zung. Und bis heu­te wer­den auf dem Are­al im Sit­ter­tal die Bie­nen­stö­cke ge­pflegt, die den Weg da­hin be­rei­te­ten.

Als nächs­tes führt un­ser Rund­gang in die Pro­duk­ti­ons­werk­stät­ten. Hier riecht es nach Lack, Holz, Me­tall und heis­sem Wachs. Es dröhnt, häm­mert, fräst. Ir­gend­wo läuft Mu­sik. In der Kunst­gies­se­rei ent­ste­hen im­mer wie­der neue Werk­stät­ten oder Ate­liers – je nach Ob­jekt, das pro­du­ziert wer­den soll. Wer hier ar­bei­tet, hat folg­lich ei­nen viel­sei­ti­gen All­tag.

260708 Sitterwerk Andri Voehringer 02
260708 Sitterwerk Andri Voehringer 08

Ma­thi­as Ru­tis­hau­ser zum Bei­spiel. Wie vie­le an­de­re Mit­ar­bei­ten­de hier, ist auch er schon lan­ge da­bei. Vor 15 Jah­ren be­gann Ma­thi­as als Prak­ti­kant in der haus­ei­ge­nen Schrei­ne­rei. Heu­te ar­bei­tet er in der Werk­hal­le. Zur­zeit fer­tigt er haupt­säch­lich Ker­zen an. Kei­ne nor­ma­len Ker­zen, son­dern Kunst­wer­ke. Le­bens­gros­se Men­schen in All­tags­si­tua­tio­nen aus bun­tem Wachs mit ei­nem Docht drin – die Wer­ke des Künst­lers Urs Fi­scher. Be­reits rund 50 sol­cher Skulp­tu­ren wur­den in der Kunst­gies­se­rei an­ge­fer­tigt. Die Samm­ler:in­nen von Fi­schers Wer­ken kön­nen ih­re Skulp­tu­ren, die «Ker­zen», nach­pro­du­zie­ren las­sen. «Sie müs­sen aber her­un­ter­ge­brannt sein» sagt Ru­tis­hau­ser und deu­tet hin­ter sich auf ei­ne bei­na­he gro­tesk wir­ken­de Sze­ne­rie: Aus den Res­ten zwei­er mit Russ be­deck­ter Wachs­bei­ne ra­gen noch re­la­tiv in­tak­te Füs­se in ro­sa Adi­let­ten.

Träu­me aus Zu­cker und Ze­ment

Un­weit des Wach­s­ate­liers be­tre­ten wir die Zu­cker­werk­statt. Hier hat sich ein Team wäh­rend der letz­ten Jah­re mit ei­nem Pro­zess be­schäf­tigt, der es er­mög­licht, aus Zu­cker, Ge­la­ti­ne und Har­zen Skulp­tu­ren zu gies­sen und zu for­men. Pierre Huyg­he – der Künst­ler mit der Bie­nen­skulp­tur – hat­te für ein Pro­jekt Skulp­tu­ren auf Ba­sis von mit Ma­gnet­re­so­nanz­to­mo­gra­fien re­gis­trier­ten Hirn­ak­ti­vi­tä­ten ent­wor­fen. Die­se Bild­da­ten woll­te er aus Zu­cker und an­de­rem or­ga­ni­schen Ma­te­ri­al in drei­di­men­sio­na­le Ob­jek­te um­set­zen. In der Zu­cker­werk­statt ex­pe­ri­men­tier­ten Mit­ar­bei­ten­de der Kunst­gies­se­rei mit di­ver­sen Mi­schun­gen und Far­ben, um Huyg­hes Wer­ke best­mög­lich zu rea­li­sie­ren. Ei­ni­ge Mo­del­le der Ob­jek­te ste­hen in der Werk­statt: Sie se­hen aus wie klei­ne ro­sa-vio­let­te Ali­ens oder We­sen aus ei­ner sur­rea­len Traum­welt.

Als nächs­tes führt un­ser Rund­gang da­hin, wo ge­wis­ser­mas­sen al­les be­gann: Wir be­fin­den uns in je­nem Teil der Kunst­gies­se­rei, wo die For­men für die Ab­güs­se ent­ste­hen. Mit dem Gies­sen von Skulp­tu­ren star­te­te 1983 die Kunst­gies­se­rei in Bein­wil am See, ehe sie 1994 ins Sit­ter­tal in die ehe­ma­li­ge Fär­be­rei zog. Heu­te ste­hen hier rie­si­ge Öfen, La­ser, mit de­nen Sty­ro­por­for­men ge­schnit­ten wer­den, und 3D-Dru­cker. Ne­ben dem Wachs­aus­schmelz­ver­fah­ren, bei dem aus ei­nem Si­li­kon-Ne­ga­tiv­mo­dell Wachs-Po­si­tiv­mo­del­le (ei­ne Art Hül­len) ent­ste­hen, wer­den Me­tall­güs­se im­mer öf­ter mit­hil­fe von 3D-Dru­ckern er­stellt. Da­für wer­den die Po­si­tiv­mo­del­le di­rekt in so­ge­nann­ten PMMA, ei­nen Kunst­stoff, ge­druckt. Da­nach wer­den die­se For­men in Scha­mott ein­ge­packt. Beim Er­hit­zen in den Öfen schmilzt der Kunst­stoff aus und der Hohl­raum kann spä­ter mit flüs­si­gem Me­tall aus­ge­gos­sen wer­den.

Den öko­lo­gi­schen Fuss­ab­druck ver­rin­gern

Doch all die­se ther­mi­schen Pro­zes­se er­zeu­gen viel CO₂. Ei­ne Tat­sa­che, mit der sich die Kunst­gies­se­rei seit Jah­ren be­schäf­tigt. «Wir ha­ben ei­ne Stel­le ge­schaf­fen, die sich um Kli­ma­fra­gen küm­mert. Stel­la Carlsen und Ist­ván Schei­b­ler sind bei vie­len Of­fer­ten und Pro­jek­ten be­tei­ligt und rech­nen mit», er­klärt Mo­ritz Leh­ner, wäh­rend die Öfen vor uns ein ste­tes Brum­men von sich ge­ben. Schon seit dem frü­hen 19. Jahr­hun­dert ver­fügt das Are­al im Sit­ter­tal über sein ei­ge­nes, CO₂-neu­tra­les Was­ser­kraft­werk, nun ist auch ein Py­ro­ly­se­kraft­werk ge­plant. Den­noch müs­sen al­le Skulp­tu­ren am En­de an ih­re Be­stim­mungs­or­te trans­por­tiert wer­den. Auch hier ach­tet die Kunst­gies­se­rei auf Nach­hal­tig­keit, ge­ra­de weil die Wer­ke oft meh­re­re tau­send Ki­lo­me­ter rei­sen. Ein Fuss­ab­druck lässt sich nicht ver­mei­den. Carlsen und Schei­b­ler küm­mern sich des­halb ge­mein­sam mit dem ge­sam­ten Be­trieb dar­um, in an­de­ren Be­rei­chen CO₂  ein­zu­spa­ren oder Emis­sio­nen zu kom­pen­sie­ren. Ge­mäss den Kli­ma­bi­lan­zen scheint dies zu ge­lin­gen. In den letz­ten Jah­ren konn­te die Kunst­gies­se­rei ih­ren En­er­gie­ver­brauch in vie­len Be­rei­chen re­du­zie­ren.

260708 Sitterwerk Andri Voehringer 09
260708 Sitterwerk Andri Voehringer 07

Mitt­ler­wei­le ste­hen wir draus­sen, vor ei­nem pilz­ähn­li­chen Kon­strukt, das weit über un­se­re Köp­fe reicht. Die Skulp­tur ist ein Werk der fran­zö­si­schen Künst­le­rin Mar­gue­ri­te Hu­meau. 15 Me­ter hoch soll­te sie ur­sprüng­lich sein und aus Chrom­stahl. Das küh­le und kor­ro­si­ons­ab­wei­sen­de Ma­te­ri­al ist al­ler­dings schlecht pa­ti­nier­bar, aber um die Skulp­tur in der Grös­se aus ei­nem an­de­ren Ma­te­ri­al her­zu­stel­len und die Sta­tik zu ga­ran­tie­ren, brauch­te es neue Tech­ni­ken. Beim Er­schei­nen die­ses Hefts ist die Skulp­tur ver­mut­lich be­reits in Kis­te­fos, Nor­we­gen, mit­ten in ei­nem Wald, als Teil ei­nes rie­si­gen Skulp­tu­ren­parks. Statt kom­plett aus Bron­ze wur­de sie aus ver­schie­de­nen Ma­te­ria­li­en und mit un­ter­schied­li­chen Tech­ni­ken her­ge­stellt. Die Spe­zia­list:in­nen muss­ten bei­spiels­wei­se für das Netz­ge­flecht, die Ba­sis der Skulp­tur, mit ei­nem Ro­bo­ter Chrom­stahl auf­schweis­sen, die Ober­flä­che mit Bron­ze be­schich­ten und die­se so pat­ti­nie­ren, dass sie je­ner von Pil­zen äh­nelt.

Und im­mer ein neu­es Pro­jekt

Je­de Ober­flä­chen­struk­tur ver­än­dert sich im Lau­fe der Zeit: Mö­bel, Koch­töp­fe oder eben Skulp­tu­ren, sie al­le be­kom­men ei­ne Pa­ti­na. Die­ser Ef­fekt lässt sich be­wusst her­bei­füh­ren – und steu­ern. Ei­ne äs­the­tisch po­si­ti­ve Al­te­rung. Der Wert oder die Be­deu­tung von Ob­jek­ten kann da­durch stei­gen, stellt Mo­ritz Leh­ner fest. «Da­hin­ter steckt ei­ne gan­ze Wis­sen­schaft. Pa­ti­neur:in­nen be­schäf­ti­gen sich mit che­mi­schen und ther­mi­schen Pro­zes­sen. Das ist nicht ein­fach Far­be, die auf­ge­tra­gen wird». In der Kunst­gies­se­rei gibt da­für ei­ne ei­ge­ne Werk­statt. Hier lässt man Me­tall wie Holz oder Ton aus­se­hen. Und sorgt für Cha­rak­ter – und lang­fris­ti­ge Halt­bar­keit.

Denn was in der Kunst­gies­se­rei pro­du­ziert wird, lan­det in Mu­se­en und Samm­lun­gen auf der gan­zen Welt. In der ei­ge­nen Mon­ta­ge­hal­le wer­den Kis­ten für den Trans­port der Kunst­wer­ke her­ge­stellt. Klei­ne und gros­se, je nach In­halt und Trans­port­weg. Da­vor be­schäf­tigt ein sol­ches Pro­jekt ein Team hier im Sit­ter­tal manch­mal über meh­re­re Mo­na­te bis Jah­re.

Ob man beim Ab­schlies­sen ei­nes Pro­jekts, in das man ei­nen Hau­fen Ar­beit und Ge­dan­ken in­ves­tiert hat, in ein Loch fällt – ge­ra­de wenn die Ar­beit ja am En­de das Werk ei­nes an­de­ren ist? Nach­denk­lich schweift Mo­ritz Leh­ners Blick über das Are­al, wäh­rend wir den Rück­weg an­tre­ten. Dann ant­wor­tet er: «Los­las­sen ist Teil un­se­rer Ar­beit.» Und nach ei­ner Wei­le: «Und nein, man fällt nicht wirk­lich in ein Loch, weil ein nächs­tes, oft ganz an­ders ge­la­ger­tes Pro­jekt, un­se­re Auf­merk­sam­keit ver­langt.» Wir ver­las­sen das Sit­ter­tal, nicht in ei­ner Kis­te und oh­ne Pa­ti­na, da­für mit mehr Wis­sen und ver­rück­ten Ge­schich­ten im Ge­päck.

Ein ziem­lich ab­ge­fah­re­nes Ding

Seit zehn Jah­ren gibt es die Re­si­den­cy in der Bi­blio­thek An­dre­as Züst im Al­pen­hof, die­sem so schwer zu fas­sen­den Ort in In­ner­rho­den. Der run­de Ge­burts­tag wird nun mit ei­nem viel­fäl­ti­gen Fes­ti­val ge­fei­ert.

Von Hanspeter Spörri,
Alpenhof bibliothek andreas zuest residency

Ein künst­le­ri­sches Ge­ne­ra­tio­nen­tref­fen

Be­vor die Kunst­hal­le St.Gal­len im De­zem­ber we­gen Um­bau­ar­bei­ten vor­aus­sicht­lich bis April 2027 schliesst, dreht sie noch­mals voll auf. In der Aus­stel­lung «House of Ch­an­ge: Pre-Con­s­truc­tion-Warm-Up-Ga­lo­re» prä­sen­tiert sie im lau­fen­den Mo­nat ein dich­tes, bun­tes Pro­gramm an Kunst und Kul­tur.

Von Larisa Baumann,
House of change larisa baumann 1

Zwi­schen Kunst und Kör­per 

In der Aus­stel­lung «Smi­le ma­nia­cal­ly we’re ali­ve» ver­bin­det Ja­la Wa­hid schein­bar ge­trenn­te Wel­ten. Sie schlägt dar­in ei­ne Brü­cke zwi­schen Er­in­ne­rung, Emo­ti­on, Wis­sen­schaft und Po­li­tik. 

Von Sieglinde Wöhrer,
Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Von Roman Hertler,
2611 Kulturgelder gaffa rappenspalter 2 farbe

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
226736

Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
DSC02464

Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2