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Cyborg-Kakerlaken

2609 Bestarium

Okay, das wird jetzt ein biss­chen ab­ge­fah­ren. Da doom-scroll­te ich vor ei­ni­gen Ta­gen un­schul­dig durch die Un­tie­fen der Al­go­rith­men, als mich plötz­lich fol­gen­de Schlag­zei­le kalt er­wisch­te: «For­scher ha­ben ei­nen Mi­ni-Tauch­an­zug für Cy­borg-Ka­ker­la­ken ent­wi­ckelt.» Der Blick in den Ka­len­der ver­riet mir, dass ich mich im­mer noch im Jahr 2026 be­fand. Al­so erst­mal No-Ha­te, so ein Tau­cher­an­zug ist ga­ran­tiert ei­ne tol­le Sa­che und die Ent­wick­lung wahr­schein­lich ex­trem kom­pli­ziert, aber … WAS ZUR HÖL­LE SIND CY­BORG-KA­KER­LA­KEN?

Oh­ne Furcht stülp­te ich mir mei­nen ei­ge­nen In­ter­net-Tau­cher­an­zug über und stürz­te mich in den brach­lie­gen­den Ka­nin­chen­bau. Und was soll ich sa­gen: Die gan­ze Ge­schich­te ist noch ein biss­chen ver­rück­ter, als ihr es euch ge­gen­wär­tig vor­stel­len könnt.

Cy­borg-Ka­ker­la­ken sind kei­ne voll­stän­dig künst­li­chen Ro­bo­ter, son­dern so­ge­nann­te Bio­hy­brid-Sys­te­me. Das be­deu­tet: Es han­delt sich um le­ben­de In­sek­ten, die durch an ihr Ner­ven­sys­tem an­ge­dock­te Elek­tro­den fern­ge­steu­ert wer­den. Die Elek­tro­nik gibt da­bei aus­schliess­lich Lenk-Im­pul­se, wäh­rend die Ka­ker­la­ke selbst wei­ter­hin läuft und ih­re Um­ge­bung wahr­nimmt – soll heis­sen: wei­ter­lebt!

Die Cy­borg-Ka­ker­la­ken wur­den von ei­nem For­schungs­team der Nan­yang Tech­no­lo­gi­cal Uni­ver­si­ty in Sin­ga­pur ent­wi­ckelt. Ge­lei­tet wird das Pro­jekt von Pro­fes­sor Hi­rot­a­ka Sa­to, der seit vie­len Jah­ren an so­ge­nann­ten In­sek­ten-Cy­borgs forscht. Aus­lö­ser für Sa­tos For­schung war das Erd­be­ben 2011, das in Ja­pan un­ter an­de­rem das Atom­kraft­werk Fu­ku­shi­ma mas­siv be­schä­dig­te und über 18’000 Men­schen das Le­ben kos­te­te. Sa­to be­ob­ach­te­te die hilf­lo­sen Ret­tungs­mis­sio­nen und mach­te sich dar­an, ei­ne Tech­nik zu ent­wi­ckeln, die da­bei hel­fen soll­te, zer­stör­te Ge­bäu­de nach Über­le­ben­den zu un­ter­su­chen. Ka­ker­la­ken sind be­kannt da­für, selbst un­ter wid­rigs­ten Be­din­gun­gen zu über­le­ben. Sie sind ro­bust, aus­dau­ernd und ex­trem be­weg­lich. 

An­statt ei­ne Art Mi­nia­tur­ro­bo­ter zu kon­stru­ie­ren, der die Ei­gen­hei­ten der Tie­re ko­pier­te, ent­schied sich Sa­tos Team schon bald für ei­ne res­sour­cen­scho­nen­de Lö­sung. Als idea­le Ba­sis wur­de die Ma­da­gas­kar-Scha­be aus­er­ko­ren, die in der La­ge ist, ei­nen 15 Gramm schwe­ren Ruck­sack mit Mi­ni­con­trol­ler, In­fra­rot-Ka­me­ra und ei­ner Funk­ver­bin­dung zu tra­gen.

Der Tauch­an­zug löst das Pro­blem, dass Ka­ker­la­ken un­ter Was­ser nor­ma­ler­wei­se nicht lan­ge at­men kön­nen. Er be­steht aus ei­ner fle­xi­blen was­ser­dich­ten Hül­le, klei­nen Schläu­chen zu den Atem­öff­nun­gen (Spi­ra­keln) und ei­nem win­zi­gen Sau­er­stoff­ge­ne­ra­tor, in wel­chem Was­ser­stoff­per­oxid und Man­gan­di­oxid mit­ein­an­der re­agie­ren. Cra­zy!

Bei al­ler Fas­zi­na­ti­on darf hier aber der mo­ra­li­sche Aspekt nicht zu kurz kom­men: Wie wür­den wir re­agie­ren, wenn die For­scher:in­nen ei­nen Hund oder ei­nen Af­fen fern­steu­ern wür­den, um Ver­schüt­te­te in Ve­ne­zue­la, Ko­lum­bi­en oder In­do­ne­si­en auf­zu­spü­ren? In­sek­ten wer­den in der öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung kaum als Le­be­we­sen wahr­ge­nom­men. Mit traum­wand­le­ri­scher Selbst­si­cher­heit zer­tre­ten wir Amei­sen, elek­tri­fi­zie­ren wir Mü­cken und schla­gen Wes­pen tot. Al­le Tie­re sind gleich … aber man­che sind glei­cher als an­de­re!

Je­re­mi­as Hep­pe­l­er, 1989, lebt und ar­bei­tet als Künst­ler, Mu­si­ker und Au­tor im Do­nau­tal und ir­gend­wie auch über­all sonst in den in­ter­me­dia­len Zwi­schen­räu­men  die­ser Welt. In sei­ner Ko­lum­ne streift Hep­pe­l­er li­te­ra­risch durch das kun­ter­bun­te Tier­reich des Pop­kul­tur-Pla­ne­ten Er­de – auf der Su­che nach den selt­sams­ten Le­be­we­sen, den ab­sur­des­ten Fak­ten und den er­schre­ckends­ten Um­welt­sün­den. Die Il­lus­tra­ti­on stammt eben­falls aus sei­ner Fe­der.

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3.

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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