Der Cappuccino-Bär oder: Wenn die Natur Barista spielt
Geständnis vorab: Die Idee, diesen Text zu schreiben, wurde vor allem von der Tatsache befeuert, dass «Cappuccino-Bär» einfach eine zuckersüsse Artenbeschreibung ist.
Tatsächlich bezeichnet die Kaffee-Referenz aber den realen Hybriden aus Eisbär und Grizzly, der seit einigen Jahren im Niemandsland zwischen Antarktis und Alaska auf dem Vormarsch zu sein scheint. Noch Anfang der Nullerjahre war die Forschung sich nicht sicher, ob Eisbären und Grizzlys überhaupt paarungsfähig seien, bis zwei Bären im Zoo von Osnabrück 2004 das Gegenteil bewiesen. Resultat des süssen Unfalls waren die beiden Cappucino-Welpen Taps und Tips (letztere wurde übrigens 2017 nach einem Ausbruchversuch erschossen). 2006 wurde dann erstmals ein Cappuccino in Nordamerika nachgewiesen, als er von einem Jäger mit Eisbären-Jagdlizenz (warum gibt es so etwas überhaupt?) über den Haufen geschossen wurde. In den vergangenen Jahren häuften sich die Sichtungen von Hybriden, nicht zuletzt, weil Eisbären unter verstärkter Beobachtung stehen.
Denn das grösste Landraubtier unseres Planeten reifte zu einem traurigen Sinnbild des menschengemachten Klimawandels. Speziell in der Arktis verliert das Tier mehr und mehr die Lebensgrundlage, weil seine natürlichen Jagdgründe – Eisbären jagen auf dem zugefrorenen Meer junge Robben – einfach wegschmelzen. In der Folge sind die Tiere gezwungen, immer grössere Distanzen für Nahrung auf sich zu nehmen. Bilder von Tieren, die sich immer öfter in Städte verirrten oder bis auf die Knochen abmagerten, gingen viral. Die Streifzüge auf der Suche nach Nahrung haben aber auch eine andere Konsequenz: Die Eisbären treffen nun verstärkt auf ihre braunen Verwandten, was die Wahrscheinlichkeit von grösseren Cappuccino-Bärenpopulationem erhöht. Manche Journalist:innen befürchteten bereits, dass dem Eisbären ein Neandertaler-Schicksal bevorstehe: Der Urmensch starb vor circa 35’000 Jahren aus und überlebte nur als Spur in der DNS des Homo sapiens.
Apropos Frühgeschichte: Tatsächlich konnten Forscher:innen nachweisen, dass der Cappuccino-Bär keinesfalls eine reine Erfindung des 21. Jahrhunderts darstellt, sondern sich ideal in gängige Retrotrends einreiht: Bereits vor 110’000 bis 130’000 Jahren spielte die Natur erstmals Barista, als während der Eiszeit unter anderem die Behringsee zufror und ganz neue Datingmöglichkeiten zwischen den zuvor getrennten Bärenpopulationen ermöglichte.
Hoffnung für den koffeinfreien Eisbären macht gegenwärtig die Anpassung einiger Bären im Süden Grönlands. Den Tieren gelang es, ihre Diät von fettreichen Robben auf teils pflanzliche Ernährung umzustellen, was zu rasanten genetischen Veränderungen führte.
Unter anderem war das Immunsystem der Teilzeit-Vegetarier stärker aktiviert, die ausserdem durch den verstärkten Einsatz von Hitzeschockproteinen besser auf Hitzewellen reagieren konnten.
JEREMIAS HEPPELER, 1989, lebt und arbeitet als Künstler, Musiker und Autor im Donautal und irgendwie auch überall sonst in den intermedialen Zwischenräumen dieser Welt. In seiner Kolumne streift Heppeler literarisch durch das kunterbunte Tierreich des Popkultur-Planeten Erde – auf der Suche nach den seltsamsten Lebewesen, den absurdesten Fakten und den erschreckendsten Umweltsünden. Die Illustration stammt ebenfalls aus seiner Feder.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Angst geht um im indischen Bundesstaat Jharkhand: Ein Serientäter hat alleine im noch jungen Jahr 2026 über 20 Menschen durch stumpfe Gewalt getötet. Profiler beschreiben den Verdächtigen als männlich, jung und unberechenbar. Das Grauen schlug nachts und mit unbeschreiblicher Brutalität zu…
Das schwedische Start-up Corvid Cleaning ging Ende des letzten Jahres viral, weil es eine Maschine entwickelt hatte, die Krähen im Austausch für eingesammelte Zigarettenstummel mit Leckereien belohnte. Eine Art Pfandautomat für Rabenvögel! Die Vögel sind ohnehin berühmt und berüchtigt für ihre…
Kolumne: Heppelers Bestarium
Selbstverständlich wollen wir das Bestiarium frei von Clickbait halten, aber bei einer Schlagzeile der Marke «Warum sind die Hunde in Tschernobyl blau?» wird auch der integerste Tierkolumnist schwach. Zu aufregend sind die Bilder, die sich umgehend vor dem inneren Auge auftun: Kunterbunt…
Reiche Menschen tragen in einem absurden Mass zum Klimawandel und der Zerstörung unseres Planeten bei. Das ist ein Fakt. Und da die Regierungen unseres Planeten einen Teufel tun, die Superreichen adäquat zu besteuern oder in irgendeiner anderen Art und Weise zur Rechenschaft zu ziehen, scheint…
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
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Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
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Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
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Der «Landesverräter» war gern am Fluss
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 1: Openair-Kinos, Blablabor – «Guerilla Radio», Michail Pirgelis – «HYLE», «Heimatflimmern», Kulturfestival St.Gallen, Leonce und Lena, Kunstspaziergänge und Musik im «Flöözli» sowie Rundgänge zum Blumenwies und zur Schwammstadt.
Musik im Rorschacherberg
In Konstanz gastiert derzeit die Gruppe As Karuana – ein politischer Frauenchor aus dem Amazonas. Sie zeigt mit ihrer Musik, ihrem Tanz, ihrer Kunst und ihrem Wissen politische Résistance und kämpft für die Rückeroberung ihrer indigenen Kultur.