Im Biberregen
Hast du schon einmal einen Biber Fallschirmspringen sehen? Nein? Ich auch nicht! Um dieses Ereignis bestaunen zu können, müsste man mittels Zeitreise zu einem sehr spezifischen Zeitpunkt in der Geschichte springen. Genauer gesagt ins Jahr 1949 in Northern Idaho. Damals nämlich warf das Department of Fish and Game 76 mutige Biberpiloten mit Spezialauftrag über der nordamerikanischen Wildnis ab.
Doch weil die Anekdote der fallschirmspringenden Biber in vielerlei Punkten an die Historie des Bundesstaates Idaho geknüpft ist, reisen wir zunächst noch ein wenig tiefer in dessen Geschichte. Während der gewaltsamen, kolonialistischen Erschliessung des amerikanischen Kontinents wurde der nordamerikanische Biber erbarmungslos bejagt, weil sein Fell vor allem für die damals hochmodernen Biberfilzhüte in Europa gebraucht wurde. Auch die Trapper im Film The Revenant, der Leonardo DiCaprio endlich seinen langersehnten Oscar einbrachte, jagten vor allem den robusten Pelzen der haarigen Dammbauer nach. Der bizarre Fellhype sorgte für eine Beinahe-Ausrottung in Rekordzeit. Dass die Fleissarbeit der Nager entscheidend war, um die fruchtbaren Feuchtgebiete der Region zu erhalten, störte die von Profitgier angetriebenen Siedler recht wenig. Erst ab 1936 wurde der Biber mit durchschlagendem Erfolg nach Idaho zurückgebracht – natürlich nicht ohne kapitalistische Hintergedanken: Eine Biberaussetzung kostete die amerikanische Regierung gerade einmal 8 Dollar, während ein durchschnittlicher Biber laut zeitgenössischen Berichten über seine Lebensspanne Arbeit im Wert von 300 Dollar lieferte.
Doch das nächste Drama sollte nicht lange auf sich warten lassen: Als Idahos Bevölkerung nach Ende des Zweiten Weltkrieges aus den Städten zurück aufs Land zog, kam es zu zahlreichen Nachbarschafsstreiten zwischen Mensch und Tier. Felder wurden geflutet, Zierbäume gefällt, Privatsphäre missachtet. Kurzum: Die hochdekorierten Biber, die es sich gerade erst gemütlich gemacht hatten, mussten erneut weichen. Der Transport in die alpinen Regionen auf Pferderücken gestaltete sich für die Nagetiere aber so stressig, dass viele von ihnen auf der Reise verendeten. Gerade als man in Idaho darüber nachdachte, die Biberpelzmütze zurückzubringen, hatte ein findiger Forstarbeiter die entscheidende Idee: Fallschirmabwurf! Die irrwitzige Mission reifte zum grossen Erfolg: Nur ein einziger Biber, der während des Flugs seine Transportkiste eigenhändig öffnete, überlebte die Mission nicht. Die restlichen 75 Fallschirm-Biber machten sich sogleich an die Arbeit.
Übrigens: Um ein Haar wäre die absurde Episode komplett vergessen worden, wäre da nicht die lokale Historikerin Sharon Clark gewesen, die das Video digitalisierte, auf Youtube hochlud und einen Hype generierte, der die Biber zu einer «Ikone Idahos» («East Idaho News») machte. Fortan schmückten die tierischen Flieger lokale Merch-Artikel, die Bierdosen einer Brauerei und die Trikots der Baseballmannschaft Battle Beavers.
JEREMIAS HEPPELER, 1989, lebt und arbeitet als Künstler, Musiker und Autor im Donautal und irgendwie auch überall sonst in den intermedialen Zwischenräumen dieser Welt. In seiner Kolumne streift Heppeler literarisch durch das kunterbunte Tierreich des Popkultur-Planeten Erde – auf der Suche nach den seltsamsten Lebewesen, den absurdesten Fakten und den erschreckendsten Umweltsünden. Die Illustration stammt ebenfalls aus seiner Feder.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
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Das schwedische Start-up Corvid Cleaning ging Ende des letzten Jahres viral, weil es eine Maschine entwickelt hatte, die Krähen im Austausch für eingesammelte Zigarettenstummel mit Leckereien belohnte. Eine Art Pfandautomat für Rabenvögel! Die Vögel sind ohnehin berühmt und berüchtigt für ihre…
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Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
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Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
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In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
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