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Wegweiser in der Ostschweizer Kulturlandschaft

Sarah Lüthy, Geschäftsführerin von Thurgaukultur, und Philip Stuber, Co-Verlagsleiter von Saiten. (Bild: Michael Lünstroth)

Sarah Lüthy, Geschäftsführerin von Thurgaukultur, und Philip Stuber, Co-Verlagsleiter von Saiten. (Bild: Michael Lünstroth)

Wie schafft man mehr Sichtbarkeit für Kultur? Indem man Veranstalter:innen und Kulturschaffenden die Verbreitung ihrer Termine so einfach wie möglich macht und Menschen so leichteren Zugang zu Kultur verschafft. Genau das leistet das Kalenderprojekt Minasa von Saiten und Thurgaukultur. Jetzt noch nutzerfreundlicher und grenzüberschreitender.

Je­des Pro­blem hat min­des­tens zwei Sei­ten, und bei die­sem hier lau­ten sie so: Kul­tur­in­ter­es­sier­ten Men­schen fehlt heu­te oft die Über­sicht, um in der Viel­falt des An­ge­bots die span­nends­ten Ver­an­stal­tun­gen zu fin­den. Und Ver­an­stal­ter:in­nen wün­schen sich ma­xi­ma­le Ver­brei­tung der ei­ge­nen Ter­mi­ne, müs­sen da­für bis­lang al­ler­dings oft meh­re­re Ver­an­stal­tungs­ka­len­der be­fül­len. Das kos­tet Zeit und oft auch Ner­ven.

Wä­re es da nicht ei­ne gu­te Idee, den Wunsch des Pu­bli­kums nach Über­sicht und Ori­en­tie­rung mit der Sehn­sucht der Ver­an­stal­ter:in­nen nach ein­fa­cher und ef­fi­zi­en­ter Ver­brei­tung ih­rer Da­ten zu ver­knüp­fen? Ge­nau das ist der Kern­ge­dan­ke des Ka­len­der­pro­jekts Mi­na­sa (ara­bisch für Platt­form). Es wur­de ge­mein­sam von Sai­ten und Thur­gau­kul­tur ent­wi­ckelt und zeigt, wie Di­gi­ta­li­sie­rung Kul­tur­ver­mitt­lung ein­fa­cher, sicht­ba­rer und wirk­sa­mer ma­chen kann.

«Mi­na­sa stärkt die di­rek­te Nä­he zu un­se­ren lo­ka­len Ver­an­stal­tern, in­dem es durch ei­ne schweiz­weit ein­ma­lig dich­te Ver­net­zung müh­sa­me Dop­pel­er­fas­sun­gen re­du­ziert und un­se­re in­ter­nen Pro­zes­se da­mit ent­las­tet.»

Rafael Enzler, Präsident St.Gallen-Bodensee-Tourismus

Das Mot­to bei Mi­na­sa lau­tet: ein­mal ein­tra­gen, an mög­lichst vie­len Or­ten sicht­bar sein. Ver­an­stal­ter:in­nen er­fas­sen ih­re Events al­so nur ein­mal – die Soft­ware sorgt da­für, dass sie auf Me­di­en­platt­for­men, Apps und in öf­fent­li­che Ka­len­der aus­ge­spielt wer­den kön­nen. Der Open-Da­ta-Ge­dan­ke ist prä­gend für die Idee: Da­ten sol­len frei zu­gäng­lich sein, da­mit sie al­le be­tei­lig­ten Ak­teur:in­nen oh­ne Ein­schrän­kun­gen nut­zen, wei­ter­ver­ar­bei­ten und ver­brei­ten dür­fen.

Da­ten mit­tels Wid­get auf der ei­ge­nen Web­site ein­bau­en

Ein Mon­tag En­de April. Sa­rah Lüt­hy und Phil­ip Stu­ber sit­zen auf ei­nem ro­ten So­fa in Bot­tig­ho­fen. Seit Jah­ren ar­bei­ten die Ge­schäfts­füh­re­rin von Thur­gau­kul­tur und der Co-Ver­lags­lei­ter von Sai­ten ge­mein­sam an der Mis­si­on, Kul­tur­schaf­fen sicht­ba­rer zu ma­chen. «Mit Mi­na­sa leis­ten wir vor al­lem zwei Din­ge: Die Ver­an­stal­ter:in­nen er­hal­ten Zu­gang zu ei­nem Netz­werk, das wir ak­tiv pfle­gen und aus­bau­en, und un­se­re Nut­zer:in­nen pro­fi­tie­ren vom kos­ten­lo­sen Ser­vice pu­blic, der ei­nen Über­blick über das Kul­tur­le­ben in der Ost­schweiz er­mög­licht», sagt Stu­ber. 

Minasa grafik

Erläuterungen von Sarah Lüthy zur Grafik

Die Mi­na­sa-In­fra­struk­tur er­mög­licht die Sicht­bar­keit und Wei­ter­lei­tung von Ver­an­stal­tungs­ter­mi­nen in der Ost­schweiz – und auch dar­über hin­aus. Ver­an­stal­ten­de in der Ost­schweiz kön­nen die Mi­na­sa-Ser­vices ein­fach und kos­ten­los nut­zen und da­mit viel Zeit spa­ren. 
Wie das geht?

1) Als Ers­tes re­gis­trie­ren sich Ver­an­stal­ten­de, In­sti­tu­tio­nen und Kul­tur­schaf­fen­de auf dem Mi­na­sa-CMS von Sai­ten oder thur­gau­kul­tur.ch. Im Thur­gau be­hei­ma­te­te Kul­tur­schaf­fen­de ge­ben ih­re Ter­mi­ne auf thur­gau­kul­tur.ch ein. Al­le an­de­ren auf Sai­ten.

2) Die er­fass­ten und re­di­gier­ten Ein­trä­ge wer­den au­to­ma­tisch an den Mi­na­sa-Da­ten­hub wei­ter­ge­lei­tet - dies kos­ten­los und nach Open Da­ta-Grund­sät­zen. 

3) Der Mi­na­sa-Da­ten­hub stellt die Da­ten den wich­tigs­ten Event-Platt­for­men der Schweiz, wie auch re­gio­na­len Platt­for­men zur Ver­fü­gung. Zu­dem be­zieht Mi­na­sa aus­ge­wähl­te Da­ten von Part­ner­platt­for­men. 

4) Neu kön­nen die vor­han­de­nen Ver­an­stal­tungs-Da­ten ein­fach und kos­ten­güns­tig via Wid­get in ei­ne be­stehen­de Web­sei­te in­te­griert wer­den. Dies er­mög­licht ei­ne wei­te­re Ver­brei­tung und Sicht­bar­keit des kul­tu­rel­len An­ge­bots und bie­tet viel­fäl­ti­ge Ein­satz­mög­lich­kei­ten z.B. für Ver­bän­de, Spar­ten-An­ge­bo­te, Kul­tur­pools, Kul­tur­zen­tren, Städ­te, Tou­ris­mus etc. Wie das aus­se­hen kann, zeigt Ap­pen­zell Kul­tu­rell 


Wert­schöp­fung 

  • Für Ver­an­stal­ten­de
    Mit Hil­fe der Mi­na­sa-In­fra­struk­tur und Ser­vices er­hal­ten Ver­an­stal­ten­de mit ei­nem ein­zi­gen Ein­trag kos­ten­los ei­ne op­ti­ma­le Ver­brei­tung ih­res An­ge­bots in der Ost­schweiz und auf den wich­tigs­ten na­tio­na­len Platt­for­men. 
  • Für Da­ten­be­zie­hen­de
    Re­gio­na­le Platt­for­men, Ge­mein­den, Me­di­en und wei­te­re Da­ten­be­zü­ge­rin­nen kön­nen re­di­gier­te und qua­li­ta­tiv gu­te Da­ten be­zie­hen.
  • Für Le­ser:in­nen & das Pu­bli­kum
    Kul­tur­in­ter­es­sier­te er­hal­ten ei­nen um­fas­sen­den Über­blick über das kul­tu­rel­le An­ge­bot in ih­rer Re­gi­on und kön­nen sich auf voll­stän­di­ge In­for­ma­tio­nen ver­las­sen.

In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ha­ben Lüt­hy und Stu­ber die Mög­lich­kei­ten von Mi­na­sa er­wei­tert. Neu ist un­ter an­de­rem: Ver­bän­de, Ver­ei­ne, Kul­tur­zen­tren und sons­ti­ge Ver­an­stal­ter:in­nen kön­nen den Ver­an­stal­tungs­ka­len­der von Mi­na­sa jetzt über ein Wid­get in ih­re ei­ge­ne Web­site ein­bau­en. «Das er­spart ih­nen ei­ner­seits Ent­wick­lungs­kos­ten für ei­ge­ne Mo­del­le und bie­tet an­de­rer­seits Zu­gang zu al­len für die je­wei­li­ge In­sti­tu­ti­on in­ter­es­san­ten Ver­an­stal­tungs­da­ten. Ver­an­stal­ter:in­nen kön­nen ei­ne ge­fil­ter­te Aus­wahl be­zie­hen und pro­fi­tie­ren so vom Netz­werk, das Mi­na­sa auf­ge­baut hat», er­klärt Sa­rah Lüt­hy. Wie das aus­se­hen kann, zeigt das Pi­lot­pro­jekt Ap­pen­zell Kul­tu­rell.

Die Kos­ten für den Ein­bau ei­nes sol­chen Wid­gets sei­en mo­de­rat: «Wir bie­ten ein ge­staf­fel­tes Pri­cing. Es soll für al­le zu­gäng­lich sein, aber al­le müs­sen ei­nen Bei­trag leis­ten, da­mit wir das ge­sam­te Sys­tem er­hal­ten und fort­ent­wi­ckeln kön­nen», sagt die Thur­gau­kul­tur-Ge­schäfts­lei­te­rin.

 «Wir spa­ren durch die­ses Tool Zeit und er­rei­chen trotz be­grenz­tem Bud­get ei­ne ho­he Sicht­bar­keit in der Re­gi­on.»

Karin Gubler, Vorstandsmitglied Kultur im Eisenwerk

Was Mi­na­sa für Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen be­deu­tet, kann Ka­rin Gu­b­ler ver­an­schau­li­chen. Sie ist im Vor­stand des Frau­en­fel­der Kul­tur­zen­trums Ei­sen­werk und ar­bei­tet re­gel­mäs­sig mit der Da­ten­platt­form. Mi­na­sa bie­te ei­ne ech­te Al­ter­na­ti­ve zu kom­mer­zi­el­len An­ge­bo­ten. Der Nut­zen für Ver­an­stal­ter:in­nen lie­ge auf der Hand: «Wir spa­ren durch die­ses Tool Zeit und er­rei­chen trotz be­grenz­tem Bud­get ei­ne ho­he Sicht­bar­keit in der Re­gi­on.»

Auch die kan­tons­über­grei­fen­de re­gio­na­le För­der­or­ga­ni­sa­ti­on Th­ur­kul­tur be­zieht in­zwi­schen Da­ten von Mi­na­sa für ih­re ei­ge­ne Web­site. Für Ma­nue­la Schöb, die Lei­te­rin der Ge­schäfts­stel­le, hat sich das be­währt. «Mi­na­sa schafft Leich­tig­keit im All­tag, in­dem das Ka­len­der­pro­jekt die Pfle­ge von In­for­ma­tio­nen ver­ein­facht und gleich­zei­tig für ei­ne stär­ke­re, kla­re­re Wir­kung nach aus­sen sorgt.» Für sie sei die pra­xis­na­he und be­nut­zer­freund­li­che Aus­rich­tung be­son­ders wich­tig, sagt Schöb. Dies ma­che Mi­na­sa «zu ei­ner ech­ten Un­ter­stüt­zung im Kul­tur­be­reich». 

Ko­ope­ra­ti­on und Teil­ha­be sind zen­tra­le Ge­dan­ken

Selbst für ei­nen gros­sen Play­er wie Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len ist Mi­na­sa re­le­vant. Trotz ei­ge­ner Web­site und ei­ge­nen So­cial-Me­dia-Ka­nä­len ist die Prä­senz des Thea­ters in ei­nem gut sor­tier­ten Ver­an­stal­tungs­ka­len­der für das St.Gal­ler Haus wich­tig. Mar­ke­ting­lei­te­rin Su­si Rein­hardt er­läu­tert, wie­so: «Mi­na­sa un­ter­stützt un­se­ren Auf­trag, Kul­tur für mög­lichst vie­le Men­schen nie­der­schwel­lig zu­gäng­lich zu ma­chen. Mit sehr we­nig Zu­satz­auf­wand und ge­rin­gen Mehr­kos­ten wird un­se­re di­gi­ta­le Prä­senz deut­lich ge­stärkt.»

«Mi­na­sa un­ter­stützt un­se­ren Auf­trag, Kul­tur für mög­lichst vie­le Men­schen nie­der­schwel­lig zu­gäng­lich zu ma­chen.»

Susi Reinhardt, Leitung Marketing Konzert und Theater St.Gallen

Dass Ko­ope­ra­ti­on und Teil­ha­be er­mög­licht wer­den, sei ei­ne der gröss­ten Leis­tun­gen von Mi­na­sa, fin­det Phil­ip Stu­ber: «Kan­to­ne, Me­di­en und Kul­tur­ak­teur:in­nen wer­den mit­ein­an­der ver­netzt, Ver­an­stal­tun­gen be­kom­men ei­ne grös­se­re Prä­senz und Men­schen leich­te­ren Zu­gang zu Kul­tur.» 

Da­zu kom­me, dass die Idee, die hin­ter Mi­na­sa ste­he, nach­hal­tig und ska­lier­bar sei: «Die In­fra­struk­tur ist nicht auf ei­nen Kan­ton oder ei­ne Platt­form be­schränkt. Sie kann wach­sen, neue Part­ner:in­nen auf­neh­men und die di­gi­ta­le Kul­tur­ver­mitt­lung lang­fris­tig ver­bes­sern», zeigt sich Stu­ber über­zeugt. 

Wie wei­ter nach der Ab­leh­nung im Kan­tons­rat?

Wachs­tum se­hen die bei­den Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen als we­sent­lich für die Ent­wick­lung von Mi­na­sa. «Wir sind be­reit, un­ser Wis­sen zu tei­len, Wachs­tum wird der Schlüs­sel sein, um die Idee trag­fä­hig für die Zu­kunft zu ma­chen», sagt der Sai­ten-Co-Ver­lags­lei­ter.

Wie es mit Mi­na­sa wei­ter­geht, hängt aber auch von der Po­li­tik ab. Im ver­gan­ge­nen Jahr war ein Ge­such des Ver­eins Sai­ten über 195’000 Fran­ken aus dem Lot­te­rie­fonds für die nächs­ten drei Jah­re im Kan­tons­rat am Ve­to von bür­ger­li­chen Par­tei­en ge­schei­tert. Als Re­ak­ti­on dar­auf wur­de ein neu­er, un­ab­hän­gi­ger Ver­ein «Ka­len­der Ost­schweiz» ge­grün­det und das Ge­such über­ar­bei­tet. Es kommt im Ju­ni nun er­neut in den Kan­tons­rat.

«Mi­na­sa un­ter­stützt die zeit­ge­mäs­se Ver­mitt­lung kul­tu­rel­ler In­hal­te. Sie stärkt da­mit er­folg­reich die kul­tu­rel­le Viel­falt in der Re­gi­on.»

Kathrin Hug, Bereichsleiterin Bibliothek bei der Stiftsbibliothek St.Gallen

Klar ist für Phil­ip Stu­ber und Sa­rah Lüt­hy schon jetzt: Oh­ne öf­fent­li­che Gel­der sei das Vor­ha­ben nicht mög­lich, der Auf­bau des Netz­werks sei eben kein Ge­schäfts­mo­dell, son­dern ein Ser­vice pu­blic. Ei­ne zeit­ge­mäs­se Ka­len­der­da­ten­bank, wel­che die Be­dürf­nis­se der Nut­zer:in­nen und Ver­an­stal­ten­den ins Zen­trum stellt, las­se sich nicht kom­mer­zi­ell be­trei­ben.

Auf die Fra­ge, ob das Pro­jekt zu schwer ver­ständ­lich und kaum in die Po­li­tik ver­mit­tel­bar sei, ant­wor­tet Sa­rah Lüt­hy: «So schwer ist es ei­gent­lich nicht. Mi­na­sa ist ei­ne di­gi­ta­le In­fra­struk­tur, die Kul­tur sicht­bar macht so­wie ef­fi­zi­ent und nach­hal­tig ver­brei­tet. Wer hier in­ves­tiert, stärkt nicht nur Ver­an­stal­ter:in­nen und Me­di­en, son­dern die ge­sam­te kul­tu­rel­le Land­schaft der Re­gi­on.»

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