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Mi casa, su casa, Minasa

Saiten und thurgaukultur.ch arbeiten an einem gemeinsamen Open-Data-Projekt: Ein neuer Veranstaltungskalender als Service public für die Ostschweiz, an dem auch andere Portale teilhaben können.
Von  Redaktion Saiten
Haben das Minasa-Projekt lanciert: Philip Stuber (Saiten) und Sarah Lüthy (thurgaukultur.ch). (Bild: co)

Man könnte ihn als das Rückgrat von Saiten bezeichnen: Mit dem Veranstaltungskalender begann vor bald 30 Jahren die Geschichte unseres Kulturmagazins. Schon damals bot die Saiten-Agenda (endlich) einen Überblick über alle Kulturveranstaltungen in der Ostschweiz und wurde für viele schnell unverzichtbar. Heute dürfen wir stolz behaupten, den grössten und umfassendsten Kalender für Ostschweizer Kultur zu führen – mit mehr als 2000 Veranstaltungen pro Monat.

Zusammen mit thurgaukultur.ch wollen wir dieses Rückgrat nun für die nächsten 30 Jahre fit machen, und zwar mit einer neuen Open-Data-Lösung (siehe Infobox) für Veranstaltungen – kulturelle, aber auch solche aus Tourismus, Sport, Wirtschaft und Bildung.

Die Idee: Alle erfassten Eventdaten fliessen in eine zentrale Datenbank und werden dank passender IT-Schnittstellen über beliebig viele Kanäle wieder ausgespielt. Einmal eingetippt, sind die Veranstaltungsdaten für alle zugänglich und nutzbar. So möchten wir es den regionalen Veranstalter:innen einfacher machen, ihre Anlässe breiter zu streuen, und wir wollen eine Alternative bieten zu den bestehenden kommerziellen und geschlossenen Eventkalendern. Als nützlicher Service für alle Veranstalter:innen, als Service public für die Ostschweiz (weitere Infos zu diesem Kooperationsprojekt namens «Minasa» gibts hier.)

Dass ein solcher integrierter Eventkalender ein Bedürfnis ist, wissen wir schon länger, denn wir hören von Veranstalter:innen immer wieder, dass sie es leid seien, dieselben Anlässe mehrmals einzutippen. Im vergangenen August hat Saiten eine Umfrage unter Ostschweizer Kulturveranstalter:innen durchgeführt und da tönte es so: «Es gibt zu viele Seiten und nicht ein einziges Portal mit einer gescheiten Suche.» Oder: «Es ist aufwendig und ärgerlich, die Daten bei mehreren Dienstleistern stets leicht modifiziert einzugeben.» Oder: «Das separate Erfassen der Veranstaltungen stellt eine unnötige Fehlerquelle dar.»

Mit unserer Umfrage wollten wir erfahren, auf welchen Kanälen die Veranstalter:innen ihre Anlässe bewerben und wie viel Geld sie dafür ausgeben. 63 Institutionen haben teilgenommen: grosse und kleine Museen, Kinos, Theater, Konzertlokale, Kulturvereine, Bibliotheken, Kunstverbände, Vertreter:innen von Behörden und Bildungsinstitutionen.

Ihre Antworten zeigen: Noch gleicht die Welt der Online-Eventkalender einem Dschungel. So nutzen zwar 70 Prozent der Teilnehmenden den Saiten-Kalender, 42 Prozent tippen ihre Anlässe auch in den Eventkalender ihrer Gemeinde ein und 30 Prozent nutzen jenen von thurgaukultur.ch. Daneben gibt es aber eine Vielzahl weiterer Kanäle: Tourismuswebseiten, Facebook, Instagram, spezialisierte Blogs, Newsletter und Kulturportale wie RonOrp, onthur.ch, Petzi oder nordagenda.ch, kommerzielle Anbieter wie Eventfrog, Eventbooster oder Guidle.

Jene Veranstalter:innen, die kostenpflichtige Kalender nutzen, wollen neue, teils auch jüngere Zielgruppen erreichen. «Es geht um eine bessere Verbreitung im Netz. Bei reduziertem Kulturjournalismus müssen wir eigene Wege finden», lautet eine Rückmeldung. Der beliebteste kostenpflichtige Kalender ist Guidle: 25 Prozent der Befragten nutzen ihn. 81 Prozent schalten zusätzlich Inseratewerbung in Tageszeitungen oder Fachmagazinen, in Online-Kulturportalen oder Tourismusbroschüren.

Wie viel Geld in die kostenpflichtigen Eventkalender fliesst, ist sehr individuell. Manche Veranstalter:innen stecken gezielt 20 oder 50 Franken in die Bewerbung einzelner Anlässe. Andere kaufen bei kommerziellen Anbietern ein Pauschalangebot, lösen sozusagen ein Jahresabo, um ihre Events breiter zu streuen. So reichen die Beträge von mehreren hundert bis zu mehreren tausend Franken pro Jahr.

Gut die Hälfte der Teilnehmer:innen investiert eine bis fünf Stunden pro Monat in das Erfassen ihrer Anlässe, 12 Prozent sogar fünf bis zehn Stunden. «Zu viel Aufwand für fraglichen Ertrag», heisst es in einer Antwort.

Die Umfrage gibt uns wichtige Inputs, um unseren Kalender den Bedürfnissen der Veranstalter:innen anzupassen. Nicht nur Saiten und thurgaukultur.ch sollen schliesslich von der neuen IT-Infrastruktur profitieren, auch andere Non-Profit-Agendaportale können daran teilhaben.

Nun gilt es, die Finanzierung des Betriebs sicherzustellen. Denn ein digitales Projekt in dieser Dimension kann Saiten nicht mit Inserate- und Aboeinnahmen aus dem Print querfinanzieren, dafür sind unsere finanziellen Ressourcen zu gering. Derzeit suchen wir Lösungen, wie wir den operativen Betrieb der neuen Online-Agenda sicherstellen können. Es gibt noch einiges zu tun: Für die Startphase bis Ende 2025 von rund 200’000 Franken pro Jahr haben wir erst einen Drittel des nötigen Budgets beisammen.

 

Open Data

Daten sind in der digitalen Welt der Rohstoff, mit dem viele Firmen ihr Geld verdienen. Konzerne wie Meta (Whatsapp, Facebook, Insta-gram) oder Google leben davon, Daten zu erfassen, zu analysieren und für personalisierte Werbung zu verkaufen. Sie tun dies in ihren eigenen, geschlossenen Systemen – Zugang hat nur, wer zahlt. Im Gegensatz dazu gibt es den Open-Data-Ansatz. Er steht für Daten, die frei genutzt, verbreitet und geteilt werden dürfen. Niemand soll an den Daten verdienen, möglichst viele sollen sie nutzen – möglichst im Interesse der Allgemeinheit.

Open Data wird gerade in Bereichen, wo öffentliche Gelder involviert sind, vermehrt eingefordert. In der Wissenschaft ist der Open-Data-Ansatz bereits weit verbreitet: Viele Geodaten, Wetterstatistiken und Forschungsergebnisse sind frei verfügbar. Auch zahlreiche NGOs setzen auf Open Data: Die Plattform OpenAQ verwendet Daten zur Luftqualität, um über die aktuelle Luftverschmutzung zu informieren. Das grösste Open-Data-Projekt der Schweiz ist die öffentliche Plattform opendata.swiss. Sie stellt verschiedene Datensätze aus Verkehr, Umwelt, Gesundheit und Bildung bereit.

 

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