Von der Lokremise zur Reithalle gehts jetzt unten durch
Am Sonntag wird das Fussgäger:innen- und Velotunnel zwischen Lokremise und der Reithalle in der Stadt St.Gallen mit Sprints, Musik, E-Bike-Testfahrten und vielen weiteren Attraktionen eingeweiht.
(Bilder: rho)
Der schwarze Belag der Velospur im neuen Tunnel unter der Bushaltestelle Rosenbergstrasse ist deutlich rauer als sonst neu geteerte Strassen. Das ist der Tatsache geschuldet, dass auf dem Boden der Betonwanne herkömmlicher Walzasphalt nicht haftet. Also braucht es Gussasphalt, doch der braucht als Einstreuung Steinchen, die dazu führen, dass der Belag nicht aalglatt wird.
Und dann ist da die Rampe hinauf vor die Reithalle. Sie verlangt mit ihrer 12-Prozent-Steigung kleinere Gänge. Und doch ist die Fahrt unten durch im Vergleich zum mehrfachen Warten an den Lichtsignalen oben drüber eine Freude. Für Rollstuhlfahrer:innen gibt es statt der Rampe einen Lift hinauf zur Reithalle.
Der neue Fussgänger:innen- und Velotunnel – er heisst Beginenweg und erinnert an den Frauenorden der Beginen, die sich im Mittelalter um Arme und Kranke kümmerten – ist streng genommen gar kein Tunnel, sondern eine von oben gegrabene Unterführung. Die Nachbarschaft war wegen der Aushubarbeiten zeitweise arg lärmgeplagt. Jetzt ist die Verbindung fertig: Der gelbe Fussgängerbereich hat einen Tageslichtstreifen und zwei runde Öffnungen. Auf der anderen Seite der Decke verläuft ein raffiniert in Helligkeit und Farbtemperatur steuerbarer LED-Streifen. Licht und Beleuchtung sorgen dafür, dass in der Unterführung keine mulmige Stimmung aufkommt, «denn wenn wir euch schon unten durch schicken – dann mit Anstand», sagte Stadtrat Markus Buschor an der Medieneröffnung.
Noch-Stadtingeneur Beat Riemann, Stadtrat Markus Buschor und Tobias Winiger, Leiter Aggloprogramm St.Gallen-Bodensee, eröffnen den Beginenweg.
Vor zwei Jahren, Anfangs April 2024, startete der Bau dieses 130 Meter langen, wichtigen Teils der Ost-West-Velovorzugsroute durch die Stadt St.Gallen. Die Planung hatte aber schon 2015 begonnen, denn Planungen brauchen heute deutlich mehr Zeit als die Ausführung, schilderte Stadtingenieur Beat Rietmann an einem seiner letzten öffentlichen Auftritte vor seiner Pensionierung. Er zeigte, dass die insgesamt 13,5 Kilometer lange Velo-Schnellroute längs durch die Stadt in den letzten Jahren markant verbessert werden konnte. Knapp die Hälfte der Strecke ist für den «Langsamverkehr» ausgebaut – wobei die Bikes oft schneller unterwegs sind als der stockende Autoverkehr.
Zu den jüngsten Ausbauten gehören im Westen der kürzlich eröffnete Neuhofweg, das verbreiterte Viadukt über die Sitter und die Ausbauten im Bereich der Lehnstrasse. Von dort soll es bald dem Bahntrassee entlang weiter Richtung Stadtzentrum gehen, auf einer Strecke, deren Planung weit fortgeschritten sei. Im Osten der Stadt ist mit der Linden- und der Kolumbanstrasse die Route schon länger ausgebaut. In Arbeit sind ausserdem die Pläne für die Verbreiterung der St.Leonhardbrücke und das Viadukt über die Steinachstrasse im Bereich der Sporthalle.
Der neue Komfort für Fussgänger:innen und Velofahrende ist übrigens kein «Luxusprojekt», wie einige Volksvertreter:innen aus Landgemeinden der angeblich verschwenderisch haushaltenden Stadt gerne vorwerfen. Von den knapp zehn Millionen Baukosten übernehmen der Bund aus dem Aggloprogramm und der Kanton den Löwenanteil. Die Stadtkasse kostet der Beginenweg rund drei Millionen. Mit einem Zusatzkredit von 140'000 Franken bewilligte das Stadtparlament kürzlich noch eine neue oberirdische Gestaltung. Statt der früheren «herzigen» Blumenrabatten wird bis im Herbst neben der Bushaltestelle Rosenbergstrasse ein etwas «wilder» aussehender, naturnaher Grünraum entstehen.
Die freie Fahrt unten durch werde sicher rasch in Beschlag genommen, sagte Stadtrat Markus Buschor. Und tatsächlich fuhren die ersten Velo- und Trotti-Fahrerinnen von der Kreuzbleiche her schon die Rampe herunter bevor noch auf der anderen Seite alle Absperrungen weggeräumt waren. Bisher zählte man pro Tag durchschnittlich 350 Velofahrer:innen auf diesem Teil der Ost-West-Achse durch die Stadt. Man erwarte innert kurzer Zeit eine Verdoppelung, hiess es an der Medienpräsentation. Insgesamt hat sich – nicht zuletzt dank der Ausbauten – der Anteil des Veloverkehrs am Gesamtverkehr in der Stadt St.Gallen in den letzten Jahren markant erhöht.
Das grosse Einweihungsfest findet am Sonntag zwischen 10.30 Uhr und 15 Uhr statt. Dann präsentieren sich Stadt, VCS, Pro Velo und die Quartiervereine St.Otmar und Rosenberg mit Marktständen und Aktivitäten. Ein «Goldsprint» zu Fuss und eine «Cycle Challenge» versprechen Spass-Rennen. Velos werden vor Ort kostenlos gereinigt, die Velostation unter der Fachhochschule lädt zum Tag der offenen Tür ein. Mietvelos und -Trottis können ausprobiert werden und der mit Hut velofahrende Stadtrat Markus Buschor wird eine Richtzeit für die Fahrt durch die neue Unterführung vorgeben. Wer dieser Zeit am nächsten kommt, gewinnt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?