Kategorie
Autor:innen
Jahr

Neuer St.Galler Velotunnel heisst Beginenweg

Anhängerinnen des religiösen Beginen-Ordens wohnten bei der Kirche St.Leonhard in einer Klause. Nach ihnen wird das neue Velo- und Fussgänger:innen-Tunnel zwischen Lokremise und Kreuzbleiche benannt. Jetzt starten die Arbeiten.
Von  René Hornung , 
Velotunnel mit Oblichtern und LED-Leuchten. (Bilder: pd)

Zum Baustart lud die Stadt an jene Baustelle zwischen «Leopard» und dem neuen Hotel Leo ein, die seit Monaten stillstand. Doch in diesen Tagen fahren dort wieder die Maschinen auf und verlegen die mächtigen Werkleitungen samt Fernwärme, damit hier das Portal zu jenem Bauwerk entstehen kann, das in der Stadt bisher als Velotunnel Kreuzbleiche bezeichnet wurde.

«Tunnel» sei aber der falsche Begriff, stellte Stadtingenieur Beat Rietmann fest, denn die Unterführung wird nicht gebohrt, sondern entsteht im Tagbau. Deshalb braucht es in den nächsten zwei Jahren immer wieder Spurverlegungen für den Verkehr. Technisch werde das eine anspruchsvolle Baustelle, so der Stadtingenieur, unter anderem muss eine Abwasserhauptleitung mit einem sogenannten Düker tiefergelegt werden, denn sie kreuzt die Unterführung.

Einer der verkehrsreichsten Knotenpunkte der Stadt

Insgesamt 8,6 Millionen Franken soll der Beginenweg kosten. Das Stadtparlament bewilligte schon vor zwei Jahren mit 51:7 Ja – nur die SVP sagte damals Nein – einen städtischen Anteil von 2,7 Millionen. Bund und Kanton zahlen den Rest. Diese Kreuzung, die gleichzeitig Autobahn-Ein- und -Ausfahrt ist, gehört zu den verkehrsreichsten der Stadt. Sie ist nach Bahnhof und Marktplatz auch der drittwichtigste Knotenpunkt für den öffentlichen Verkehr. Eine Zählung vor zwei Jahren ergab, dass hier 2550 Personen jeden Tag die insgesamt sieben Fahrspuren überqueren: 2200 sind zu Fuss unterwegs, 350 mit dem Velo. Wer beim Hotel Leo zur Kreuzbleiche will, muss heute vier Fussgängerstreifen mit eigenen Lichtsignalen queren und oft mehrmals länger warten.

Dieser Weg wird ab Sommer 2026 untendurch zur Direttissima. Die knapp 180 Meter lange und 3 Meter hohe Unterführung wird einen 2 Meter breiten Fussgänger- und einen 3,5 Meter breiten Veloweg aufweisen – farblich am Boden und an den Wänden optisch abgetrennt. Bei den Einfahrten und in der Mitte ist die Unterführung mit Tageslicht beleuchtet, durchgehenden wird es einen LED- Streifen geben. Weil vor der Reithalle eine 12 Prozent steile Rampe für Rollstuhlfahrer:innen nicht zu überwinden ist, gibt es auf dieser Seite einen Lift.

Man arbeite hier an einem weiteren wichtigen Element der Velo-Achse durch die Stadt, betonte Stadtrat Markus Buschor. Nach der Verbreiterung des Sitterviadukts und dieser Unterführung gibt es aber eine Reihe weiterer Projekte, die dem deutlich zunehmenden Veloverkehr in der Stadt dienen. Dazu gehört auch die geplante Verbreiterung der St.Leonhardbrücke, doch der Eigentümer der Kirche legt sich bisher quer und will kein Land abtreten. Hier werde es wohl zu einem Gerichtsentscheid kommen, sagte Stadtingenieur Rietmann am Rand der Projektpräsentation.

Bushaltestellen und Zugang via Fussgängerstreifen bleiben

Beginen-Klause

Die heutige neogotische St. Leonhardskriche wurde 1887 eingeweiht. Seit sie 2004 der Winterthurer Architekt Giovanni Cerfeda gekauft hatte steht sie leer. Er findet dafür offensichtlich keine Nutzung. Direkt neben der Kirche stand ihr Vorgängerbau. Und neben dieser früheren Kirche stand die Klause des religiösen Frauenordens der Beginen. Die «Klause» muss eine gewisse Grösse gehabt haben, denn nach dem Auszug der Klosterfrauen nutzte die Stadt das Haus als Spital. Ab 1803 sperrte der Kanton hier Straffällige im sogenannten «Strafarbeitshaus» ein. Mit dem Stickereiboom verschwand die ehemalige Klause ganz und 1900 wurde hier die Häusserreihe St.Leonhard-Strasse 79–89 gebaut. Sie hatte auf der anderen Strassenseite – dort wo heute das «Leopard»-Gebäude steht, ein gleich gebautes Gegenüber.

Dass der Veloverkehr in der Stadt in den letzten Jahren markant zugenommen hat spürt man nicht nur an den immer dichter belegten Veloparkplätzen. Der letzte Mikrozensus des Bundes wies für 2021 einen Veloanteil am Gesamtverkehr von 7 Prozent auf. Damit hat er sich im Vergleich zu 2015 fast verdoppelt. Auch die automatischen Zählstellen zeigen einen markanten Anstieg von 25 Prozent.

Ein Grund dafür ist sicher die starke Verbreitung von E-Bikes. Man wolle den Modalsplit noch weiter Richtung Langsamverkehr verschieben, erklärte Stadtrat Buschor und strebe nach einer Verkehrspolitik bei der Koexistenz und Nachhaltigkeit im Zentrum stehen. So hält es auch das Mobilitätskonzept 2040 fest.

Auch wenn die Unterführung in rund zwei Jahren fertig sein wird, bleiben die oberirdischen Zugänge zur Bushaltestelle Rosenberg mitten auf der Kreuzung und mit den Lichtsignalen gleich wie heute. Aufgänge aus der neuen Unterführung direkt zur Haltestelle habe man zwar geprüft, dann aber doch darauf verzichtet. Allerdings könnten die runden Schächte, die im Bereich der Haltestellen die Unterführung mit Tageslichte versorgen, zu Zugängen ausgebaut werden.

Und die Blumenbeete, die bisher neben der Haltestelle angelegt waren und nun für den Installationsplatz abgeräumt werden müssen, werden nach dem Bau zwar nicht in gleicher Form wieder angelegt, sondern es werde dort eine «deutlich biodiverse Grünfläche» folgen, kündigte Stadtrat Buschor an.

Mehr Infos gibts hier.

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
DSC09196

Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0505 max

Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von Jeremias Heppeler,

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
3 F1 A4812 web

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,