Zum Baustart lud die Stadt an jene Baustelle zwischen «Leopard» und dem neuen Hotel Leo ein, die seit Monaten stillstand. Doch in diesen Tagen fahren dort wieder die Maschinen auf und verlegen die mächtigen Werkleitungen samt Fernwärme, damit hier das Portal zu jenem Bauwerk entstehen kann, das in der Stadt bisher als Velotunnel Kreuzbleiche bezeichnet wurde.
«Tunnel» sei aber der falsche Begriff, stellte Stadtingenieur Beat Rietmann fest, denn die Unterführung wird nicht gebohrt, sondern entsteht im Tagbau. Deshalb braucht es in den nächsten zwei Jahren immer wieder Spurverlegungen für den Verkehr. Technisch werde das eine anspruchsvolle Baustelle, so der Stadtingenieur, unter anderem muss eine Abwasserhauptleitung mit einem sogenannten Düker tiefergelegt werden, denn sie kreuzt die Unterführung.
Einer der verkehrsreichsten Knotenpunkte der Stadt
Insgesamt 8,6 Millionen Franken soll der Beginenweg kosten. Das Stadtparlament bewilligte schon vor zwei Jahren mit 51:7 Ja – nur die SVP sagte damals Nein – einen städtischen Anteil von 2,7 Millionen. Bund und Kanton zahlen den Rest. Diese Kreuzung, die gleichzeitig Autobahn-Ein- und -Ausfahrt ist, gehört zu den verkehrsreichsten der Stadt. Sie ist nach Bahnhof und Marktplatz auch der drittwichtigste Knotenpunkt für den öffentlichen Verkehr. Eine Zählung vor zwei Jahren ergab, dass hier 2550 Personen jeden Tag die insgesamt sieben Fahrspuren überqueren: 2200 sind zu Fuss unterwegs, 350 mit dem Velo. Wer beim Hotel Leo zur Kreuzbleiche will, muss heute vier Fussgängerstreifen mit eigenen Lichtsignalen queren und oft mehrmals länger warten.
Dieser Weg wird ab Sommer 2026 untendurch zur Direttissima. Die knapp 180 Meter lange und 3 Meter hohe Unterführung wird einen 2 Meter breiten Fussgänger- und einen 3,5 Meter breiten Veloweg aufweisen – farblich am Boden und an den Wänden optisch abgetrennt. Bei den Einfahrten und in der Mitte ist die Unterführung mit Tageslicht beleuchtet, durchgehenden wird es einen LED- Streifen geben. Weil vor der Reithalle eine 12 Prozent steile Rampe für Rollstuhlfahrer:innen nicht zu überwinden ist, gibt es auf dieser Seite einen Lift.
Man arbeite hier an einem weiteren wichtigen Element der Velo-Achse durch die Stadt, betonte Stadtrat Markus Buschor. Nach der Verbreiterung des Sitterviadukts und dieser Unterführung gibt es aber eine Reihe weiterer Projekte, die dem deutlich zunehmenden Veloverkehr in der Stadt dienen. Dazu gehört auch die geplante Verbreiterung der St.Leonhardbrücke, doch der Eigentümer der Kirche legt sich bisher quer und will kein Land abtreten. Hier werde es wohl zu einem Gerichtsentscheid kommen, sagte Stadtingenieur Rietmann am Rand der Projektpräsentation.
Bushaltestellen und Zugang via Fussgängerstreifen bleiben
Beginen-Klause
Die heutige neogotische St. Leonhardskriche wurde 1887 eingeweiht. Seit sie 2004 der Winterthurer Architekt Giovanni Cerfeda gekauft hatte steht sie leer. Er findet dafür offensichtlich keine Nutzung. Direkt neben der Kirche stand ihr Vorgängerbau. Und neben dieser früheren Kirche stand die Klause des religiösen Frauenordens der Beginen. Die «Klause» muss eine gewisse Grösse gehabt haben, denn nach dem Auszug der Klosterfrauen nutzte die Stadt das Haus als Spital. Ab 1803 sperrte der Kanton hier Straffällige im sogenannten «Strafarbeitshaus» ein. Mit dem Stickereiboom verschwand die ehemalige Klause ganz und 1900 wurde hier die Häusserreihe St.Leonhard-Strasse 79–89 gebaut. Sie hatte auf der anderen Strassenseite – dort wo heute das «Leopard»-Gebäude steht, ein gleich gebautes Gegenüber.
Dass der Veloverkehr in der Stadt in den letzten Jahren markant zugenommen hat spürt man nicht nur an den immer dichter belegten Veloparkplätzen. Der letzte Mikrozensus des Bundes wies für 2021 einen Veloanteil am Gesamtverkehr von 7 Prozent auf. Damit hat er sich im Vergleich zu 2015 fast verdoppelt. Auch die automatischen Zählstellen zeigen einen markanten Anstieg von 25 Prozent.
Ein Grund dafür ist sicher die starke Verbreitung von E-Bikes. Man wolle den Modalsplit noch weiter Richtung Langsamverkehr verschieben, erklärte Stadtrat Buschor und strebe nach einer Verkehrspolitik bei der Koexistenz und Nachhaltigkeit im Zentrum stehen. So hält es auch das Mobilitätskonzept 2040 fest.
Auch wenn die Unterführung in rund zwei Jahren fertig sein wird, bleiben die oberirdischen Zugänge zur Bushaltestelle Rosenberg mitten auf der Kreuzung und mit den Lichtsignalen gleich wie heute. Aufgänge aus der neuen Unterführung direkt zur Haltestelle habe man zwar geprüft, dann aber doch darauf verzichtet. Allerdings könnten die runden Schächte, die im Bereich der Haltestellen die Unterführung mit Tageslichte versorgen, zu Zugängen ausgebaut werden.
Und die Blumenbeete, die bisher neben der Haltestelle angelegt waren und nun für den Installationsplatz abgeräumt werden müssen, werden nach dem Bau zwar nicht in gleicher Form wieder angelegt, sondern es werde dort eine «deutlich biodiverse Grünfläche» folgen, kündigte Stadtrat Buschor an.
Mehr Infos gibts hier.
Tunneleröffnung
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