Ein Bekenntnis zu Minasa
Der St.Galler Kantonsrat hat heute der Finanzierung des Kalenderprojekts Minasa zugestimmt. Damit hat das Parlament einen kurzfristigen und mit Falschaussagen begründeten Streichungsentscheid vom letzten Dezember korrigiert.
Es war wie in einem schlechten Film: Im Dezember sass das Saitenkollektiv gerade an der monatlichen Sitzung, als wir per SMS auf die laufende Kantonsratsdebatte hingewiesen wurden: Aus bürgerlichen Kreisen war ein Streichungsantrag für den Beitrag aus dem Lotteriefonds an des Kalenderprojekt Minasa eingegangen. Im Livestream zu erleben, wie das eigene Projekt abgesägt wird – notabene ein Projekt, das schweizweit als innovatives Vorzeigemodell gilt –, war ein Schock.
Auf das, was danach folgte und heute seinen erfolgreichen Höhepunkt erlebte, dürfen wir hingegen Stolz sein. Nach dem Wundenlecken schaltete das ganze Saitenkollektiv in den Vorwärtsmodus. Entweder würde es uns gelingen, Minasa breiter abzustützen und damit einen Korrekturentscheid herbeizuführen, oder die Zukunft von Minasa wäre in Frage gestanden – mit unabsehbaren Folgen. Mit sachlicher Kommunikation korrigierten wir die Falschaussagen und suchten das Gespräch mit Vertreter:innen der bürgerlichen Parteien. So wurden die relevanten Argumente und sinnvollen Anpassungen für eine erneute Eingabe geschärft.
Wir haben viel über den Politikbetrieb gelernt. Und die Politiker:innen lernten einiges über Minasa und Saiten. Es gelang uns, die Wahrnehmung von Saiten im bürgerlichen Spektrum zu erweitern und aufzuzeigen, dass wir nicht bloss ein linkes, sondern ein professionelles Medium mit hohem gesellschaftlichem Nutzen sind. Diese Annäherung ist vielleicht der grösste und nachhaltigste Gewinn aus diesem Prozess. Doch so gerne wir den Gewinn betonen, zu dem auch der Support und Zuspruch von vielen Seiten gehört, so zwingend müssen wir auch den Verlust benennen.
Der Aufwand für diese zweite Eingabe war immens und blockierte dringende Innovationen und Weiterentwicklungen. Wir hätten mit dieser Arbeitszeit viel für Minasa tun können. Beispielsweise um das Netzwerk für den Datenfluss auszubauen, wovon alle Veranstalter:innen massiv profitiert hätten, oder um weitere Entwicklungspartner ins Boot zu holen, um mehr Ressourcen in die Funktionen investieren zu können.
Diese Verzögerung wäre nicht nötig gewesen. Sie war die Folge von Profilierungsversuchen der Toggenburger SVP, die sich als selbsternannte Korrekturinstanz des Lotteriefonds scheinbar zutraut, die Expertise der Vorinstanzen, bestehend aus Finanzkommission, Regierung sowie Amt für Kultur, zu übersteuern. Der Kantonsrat täte gut daran, solches Verhalten nicht mehr zu unterstützen. Die daraus resultierenden Entscheide sind anmassend und nicht konstruktiv – vor allem, wenn die angebliche Debatte nicht mit Argumenten, sondern mit Ideologie untermauert wird. Gegen Ideologie haben Argumente keine Chance. So auch bei Minasa. Es sei der heilige Markt, welcher angeblich auf wundersame Weise für alle Probleme die bestmöglichen Lösungen hervorbringe, heisst es. Doch zumindest bei den Toggenburger Bauern und dem Ostschweizer Kalender kann es der Markt allein nicht richten.
Wir sind froh, haben wir keinen Markt, sondern Expertise. Diese setzen wir jetzt wieder ein für Minasa, damit der Veranstaltungskalender weiterhin auf möglichst vielen Plattformen sichtbar ist, als verlässliche Informationsquelle dient und den Menschen in der Ostschweiz den Zugang zu tollen Veranstaltungen ermöglicht. Doch bevor es mit Vollgas weitergeht, möchten wir uns für die wertvolle Unterstützung aus der Politik, dem Amt für Kultur und von vielen Veranstaltenden, die den Kalender nutzen und mit Inhalten füllen, bedanken. Merci, merci, merci – und jetzt wird gefeiert!
In eigener Sache
Wie schafft man mehr Sichtbarkeit für Kultur? Indem man Veranstalter:innen und Kulturschaffenden die Verbreitung ihrer Termine so einfach wie möglich macht und Menschen so leichteren Zugang zu Kultur verschafft. Genau das leistet das Kalenderprojekt Minasa von Saiten und Thurgaukultur. Jetzt noch nutzerfreundlicher und grenzüberschreitender.
Seit über vier Jahren entwickeln und betreiben Saiten und Thurgaukultur gemeinsam mit verschiedenen öffentlichen und privaten Partnern die grösste Ostschweizer Veranstaltungskalenderplattform Minasa, ein Angebot, das der Bevölkerung und den Veranstalter:innen gratis zur Verfügung steht und letzteren unkompliziert eine grosse Reichweite ermöglicht. Nun hat der Kantonsrat in einer Hauruckübung Mittel aus dem Lotteriefonds gekippt, die für das Projekt entscheidend sind.
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