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Apokalypse ist auch nicht alles

Die Kabarettistin Betty Dieterle in Aktion (Bild: pd)

Die Kabarettistin Betty Dieterle in Aktion (Bild: pd)

Mit feministischem Blick seziert die Basler Kabarettistin Betty Dieterle in «Apocalypso Blues oder im Paradies war auch nicht alles perfekt» Geschichte und Geschichten. Am 27. Juni zeigt sie das Bühnenstück im Alten Zeughaus in Herisau. 

Da ist die Eva, die in der bi­bli­schen Ur­ge­schich­te die Al­lein­schuld am Sün­den­fall trägt. Oder Xan­thip­pe, die Ehe­frau des Phi­lo­so­phen So­kra­tes, die als her­risch und wü­tend be­schrie­ben wird – halt eben das weib­li­che, ab­ge­wer­te­te Pen­dant zum be­rühm­ten Phi­lo­so­phen.

Die­se Er­zäh­lun­gen kann (und soll­te) man auch mit ei­nem fe­mi­nis­ti­schen Blick le­sen. Dann wird Eva zum gleich­be­rech­tig­ten Ge­gen­über Adams und der Biss in den Ap­fel zum Akt der Eman­zi­pa­ti­on. Die Wut von So­kra­tes’ Frau ist nur all­zu gut nach­voll­zieh­bar, wenn man be­denkt, dass sie ver­mut­lich al­lei­ne für al­les zu­stän­dig war, weil er mit sei­nen phi­lo­so­phi­schen Ab­hand­lun­gen kaum Geld ver­dien­te.

Mit bi­bli­schen und my­tho­lo­gi­schen Er­zäh­lun­gen eben­so wie mit phi­lo­so­phi­schen An­sät­zen be­fasst sich die Bas­ler Ka­ba­ret­tis­tin Bet­ty Die­ter­le in «Apo­ca­lyp­so Blues oder im Pa­ra­dies war auch nicht al­les per­fekt». Or­ga­ni­siert von der Kul­tur­ver­an­stal­tungs­grup­pe «Kul­tur is Dorf» zeigt sie ihr Stück am 27. Ju­ni im Al­ten Zeug­haus in He­ris­au. Nach «Suf­fra­get­ten Blues» und «Ego Blues» ist es das drit­te Büh­nen­pro­gramm der fe­mi­nis­ti­schen Thea­ter­ma­che­rin, die seit mehr als dreis­sig Jah­ren ih­re Ge­schich­ten auf die Büh­nen bringt.

Mit fe­mi­nis­ti­schem Blick

Das abend­fül­len­de Pro­gramm in He­ris­au be­strei­tet die «Punk-Di­va», wie sie im Pro­gramm­text be­zeich­net wird, ge­mein­sam mit der So­pra­nis­tin Ur­su­la Oel­ke. Die­ter­le über­nimmt Schau­spiel und Ge­sang. Oel­ke singt eben­falls und be­glei­tet das Stück, das Thea­ter, Ka­ba­rett und Mu­sik ver­eint, auf dem Pia­no. 

Das Stück er­zäh­le «von der Ent­ste­hung des Pa­tri­ar­chats, re­spek­ti­ve von der ste­ti­gen Ent­mach­tung der Frau­en», schreibt Die­ter­le auf An­fra­ge von Sai­ten. Denn es sei nicht im­mer so ge­we­sen, dass die «Her­ren der Schöp­fung die Ober­hand» ge­habt hät­ten.

Mit fe­mi­nis­ti­schem Blick se­ziert Die­ter­le Ge­schich­ten und Ge­schich­te, Er­zähl­mus­ter, die sich seit lan­ger Zeit hal­ten und un­ser Welt­bild prä­gen. Es ge­he um Adam und Eva, um Gleich­be­rech­ti­gung, aber auch um Herr­schafts- und Ge­walt­struk­tu­ren, ent­nimmt man dem Pro­gramm­text. In «fre­cher, klu­ger» Wei­se hin­ter­fra­ge Die­ter­le die Wirk­mäch­tig­keit des Pa­tri­ar­chats: «Wie kam es zu mehr als 2000 Jah­ren Un­ter­drü­ckung der weib­li­chen Sicht?» 

Kri­tik und Apo­ka­lyp­se

«Auch wenn wir ziem­lich über Macho­män­ner her­zie­hen, ist doch klar: Wir müs­sen al­le da­zu bei­tra­gen, dass wir fried­lich und gleich­be­rech­tigt zu­sam­men­le­ben und vor al­lem die­sem wun­der­schö­nen Pla­ne­ten Er­de Sor­ge tra­gen», schreibt Die­ter­le. Der Blick in die Zu­kunft er­scheint ihr und Oel­ke «pa­ra­die­sisch» und «apo­ka­lyp­tisch» zu­gleich: «Der Ka­pi­ta­lis­mus in die­ser Tur­bo­form und die Aus­beu­tung von Res­sour­cen ha­ben uns an den Rand ei­ner – even­tu­ell ein­tre­ten­den – Apo­ka­lyp­se ge­bracht.» 

Tat­säch­lich klingt der Abend nach ei­ner ziem­lich kri­ti­schen Odys­see durch die Aus­wüch­se von Pa­tri­ar­chat und Ka­pi­ta­lis­mus. Die Bot­schaft des Stücks lässt sich laut Die­ter­le wie folgt zu­sam­men­fas­sen: «Wir Men­schen sind nur ein Teil der Schöp­fung und kei­nes­wegs die Kro­ne. Wir dür­fen ger­ne wie­der et­was de­mü­ti­ger wer­den.»

Ins­ge­samt tö­ne das al­les zwar sehr düs­ter, meint Bet­ty Die­ter­le, «es kommt aber lus­tig da­her». Zu er­war­ten sei­en so­wohl clow­nes­ke Se­quen­zen als auch «tief­grün­di­ge Mo­no­lo­ge». Aus­ser­dem wer­de viel ge­sun­gen: so­wohl Ei­gen­kom­po­si­tio­nen als auch Co­ver­ver­sio­nen mit ad­ap­tier­ten Song­tex­ten. Ein «höl­li­scher Ge­nuss» solls wer­den, so zu­min­dest das Ver­spre­chen.

Bet­ty Die­ter­le – «Apo­ca­lyp­so Blues oder im Pa­ra­dies war auch nicht al­les per­fekt»: Ei­ne Ver­an­stal­tung der Kul­tur­ver­an­stal­tungs­grup­pe «Kul­tur ist Dorf», Sams­tag, 27. Ju­ni, Al­tes Zeug­haus, He­ris­au. 

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