Bislang ist es für Veranstalter:innen in der Ostschweiz mühsam, Informationen zu ihren Veranstaltungen breit zu streuen. Um eine gewisse Reichweite zu erreichen, müssen sie oft vier bis fünf verschiedene Veranstaltungsagenden befüllen, die alle auch meistens noch unterschiedliche Anforderungen an die Daten haben. Das kostet Zeit und manchmal auch Nerven.
Ein gemeinsames Projekt von Saiten und thurgaukultur.ch will das jetzt ändern. «Wir wollen es Veranstalter:innen vereinfachen, ihre Daten zu verbreiten», sagt Sarah Lüthy, Geschäftsführerin von thurgaukultur.ch. Die Hauptlast der Kosten von 350’000 Franken tragen die Kantone Thurgau (Transformationsprojekt 156’000 Franken) und St.Gallen (Lotteriefonds 130’000 Franken) sowie die Stadt St.Gallen (8000 Franken). Die Projektpartner Saiten und thurgaukultur.ch beteiligen sich mit je 20 Prozent ihres Kostenanteils an der Umsetzung.
Initialzündung für das Kooperationsprojekt «Minasa» (arabisch für Plattform) war die Pandemie. «Covid hat uns die Schwachstellen in unseren Systemen aufgezeigt und gleichzeitig verdeutlicht, dass es grossen Bedarf bei der zuverlässigen Weiterleitung und Weiterverbreitung von Veranstaltungsdaten gibt», ergänzt Philip Stuber, Co-Verlagsleiter von Saiten.
Eine weitere Erkenntnis, die die Pandemie vertieft hat: Kooperationen ergeben in ohnehin vernetzten Zeiten besonders viel Sinn. «Werfen mehrere Partner ihre Entwicklungsbudgets in einen gemeinsamen Topf, steht mehr Geld fürs Ganze zur Verfügung. Damit können Software und IT-Infrastruktur laufend weiterentwickelt werden», so Stuber. «Für uns ist diese Kooperation auch ein Signal: Sie zeigt, dass wir mehr Strahlkraft entwickeln können, wenn wir gemeinsam kantonsübergreifend etwas vorantreiben», betont Sarah Lüthy.
Das Ziel ist es, Kulturveranstaltungen ein grösseres Schaufenster zu geben, als es bislang möglich war. Über eine einheitliche und benutzerfreundliche Eingabemaske müssen Veranstalter:innen voraussichtlich ab 2023 ihre Daten dann nur noch einmal eingeben, damit sie an ganz verschiedenen Orten ausgespielt werden können. Um das möglich zu machen, müssen digitale Schnittstellen errichtet und die bisherige technische Infrastruktur modernisiert und ausgebaut werden – sowohl bei Saiten als auch bei thurgaukultur.ch.
Die Agenda von thurgaukultur
Der Saiten-Kalender
Beide Projektpartner denken zudem längst über ihre Zweierbeziehung hinaus. Von der neu zu entwickelnden IT-Infrastruktur sollen nicht nur Saiten und thurgaukultur.ch profitieren, auch andere Non-Profit-Kulturportale können teilhaben. Ziel ist es, eine IT-Infrastruktur zu schaffen, die neue oder bestehende Kulturvermittlungsprojekte gegen eine Gebühr nutzen können. So sollen neue Portale schneller starten können, ohne noch eine eigene Software entwickeln zu müssen. Sie bekommen stattdessen eine vielfach erprobte IT-Infrastruktur an die Hand und können sich sofort auf die Inhalte konzentrieren.
«Mehrere Partner werden einen jährlichen Beitrag in einen gemeinsamen Entwicklungstopf geben. Damit wird die allgemeine Instandhaltung und Weiterentwicklung der IT-Infrastruktur ermöglicht. Während das Backend, also die Eingabeseite, vereinheitlicht wird, bleibt das Frontend, also das, was die Leser:innen letztendlich von den jeweiligen Websites sehen, individuell», erklärt Philip Stuber das Prinzip. Jedes Portal soll also seine eigene Wiedererkennbarkeit behalten. Wie hoch die Jahresbeiträge für neue Projektpartner sein werden, ist derzeit noch offen. Klar ist aber, dass weder Saiten noch thurgaukultur.ch mit dem Modell Profit machen wollen. Ziel sei es, dass sich das System am Ende selbst trage, betonen Stuber und Lüthy.
Entwickelt wird die neue IT-Infrastruktur auf Basis der bisherigen Software von thurgaukultur.ch. Diese wurde von dem Frauenfelder IT-Büro Kaden & Partner entwickelt. «Es ist unseres Wissens die einzige IT-Infrastruktur, welche es ermöglicht, redaktionelle Inhalte und eine Veranstaltungsdatenbank sowie ein Adressverzeichnis in einer gemeinsamen Anwendungsumgebung zu vereinen», erklärt Sarah Lüthy die Gründe für diese Entscheidung.
Zusätzlich wird für die Verwaltung der Schnittstellen und damit den automatisierten Import und Export von Veranstaltungsdaten die bisherige Software von Saiten weiterentwickelt. Somit erhält die bereits bestehende Drehscheibe für den Datenaustausch in der Ostschweiz sowie der ganzen Schweiz eine zentrale Rolle in der neuen Lösung.
Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass die IT-Infrastruktur bis Ende Oktober 2022 steht. Danach folgt eine Testphase, um das System in der Praxis auszuprobieren. Voraussichtlich ab dem ersten Quartal 2023 können Veranstalter:innen dann mit dem neuen System arbeiten.
Non-Profit-Kulturportale und Kulturvermittlungsprojekte, die sich für die Softwarelösung «Minasa» interessieren, können sich bei Sarah Lüthy (sarah.luethy@thurgaukultur.ch) und Philip Stuber (stuber@saiten.ch) melden.
Text: Michael Lünstroth, thurgaukultur
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.
Es ist seine letzte Session nach zehn Jahren im St.Galler Kantonsrat. SP-Kulturpolitiker Martin Sailer setzt künftig ganz auf den Zeltainer. Das Geld für den Neubau in Wildhaus ist fast zusammen, 2027 soll es losgehen.
Die Ansiedlung des Internet Archive Switzerland in St.Gallen ist Piero Stinelli zu verdanken. Er kontaktierte vor zehn Jahren die Verantwortlichen von archive.org aus eigenem Antrieb. In den 90er-Jahren war der Mitgründer von Vadian.net und Klang und Kleid ein Internetpionier.
Ohm41 stellen wieder aus
Das Thurgauer Pop-Phänomen Noemi Beza veröffentlicht Anfang Juni ihre neue EP. You’ll Find Me There vereint Country-Vibes mit astreinem Pop – was man ein wenig vermisst, sind Ecken und Kanten.
Kolumne: Stimmrecht im Juni
Ausstellung in Herisau