Die weitverbreitete Ansicht lautet: Ein Kulturmagazin wie Saiten ist subventioniert, bekommt Fördergelder von Kanton oder Stadt, hat vielleicht eine Leistungsvereinbarung mit den Geldgebern wie die meisten kulturellen Institutionen. Das gilt denn auch für vergleichbare Publikationen oder Online-Plattformen anderswo.
Es gilt zum Beispiel für thurgaukultur.ch, die Onlineplattform mit Magazin und Agenda im Nachbarkanton, oder AAKU, das Aargauer Kulturmagazin. Das Zentralschweizer Magazin 041 wird von der subventionierten IG Kultur getragen. Zwei Stiftungen finanzieren das Liechtensteiner Kulturmagazin KuL mit. Oder die Schaffhauser Kulturdatenbank kulturraum.sh: Die regionale Veranstaltungsplattform wird von der Stadt Schaffhausen finanziert. Alles löbliche und funktionstüchtige Modelle.
Saiten hat keine öffentliche Unterstützung.
Das war seit jeher so und das soll auch so bleiben, im Interesse der redaktionellen Unabhängigkeit. Der einzige Unterstützungsbeitrag kommt von der Ortsbürgergemeinde St.Gallen; sie trägt damit einen Anteil der Kosten des Veranstaltungskalenders. Im Schnitt zweimal jährlich gibt es zudem ein Kooperationsheft. Bei diesen Projekten arbeiten wir mit Institutionen oder Personen zusammen. Sie zahlen 5000 Franken, Saiten bietet Inserateplatz und widmet dem jeweiligen Bereich das Titelthema des Hefts, nach klaren journalistischen Standards und ohne Einschränkung der redaktionellen Freiheit.
Abgesehen davon finanzieren sich Magazin und Online-Plattform über die jährlichen Beiträge der Mitglieder, Gönnerinnen, Unterstützer und Patinnen. Ihr Geld – dein Geld – macht ziemlich genau einen Drittel der Einnahmen aus. Die anderen zwei Drittel tragen die Inserate in der monatlichen Printausgabe und (noch nicht sehr intensiv, aber mit steigender Tendenz) auf saiten.ch bei.
Zuerst aber: Was kostet Saiten?
Das gesamte Jahresbudget beträgt gut eine halbe Million Franken. In der nachstehenden Grafik haben wir die Kosten pro Monat aufgelistet. Sie umfassen die Heftproduktion (elf Ausgaben pro Jahr), die Online-Plattform mit täglichen News und Beiträgen, die Löhne und Honorare, Miete und sonstige Kosten. Die Beträge schwanken naheliegenderweise; es gibt inseratereiche und kulturintensive Monate und andere; es gibt momentan im zwischengenutzten Kulturkonsulat, wo wir seit einem Jahr arbeiten, unterdurchschnittliche Mietkosten. Das heisst: die nachstehenden Angaben sind Mittelwerte.
Klick zum Vergrössern. (Bild: Saitengrafik)
Pro Monat entstehen Gesamtkosten von circa 46’000 Franken. Den grössten Posten machen die Löhne der sieben Teilzeit-Angestellten in Redaktion, Verlag und Kalender aus: Bei einem Nettolohn von Fr. 4704.– (bei 100 %) und bei 340 Stellenprozenten (Redaktion 205 %, Kalender 35 % Verlag 60 %, Administration 40 %) ergibt dies eine Lohnsumme von knapp 16’000 Franken plus Sozialleistungen von rund 4000 Franken.
Der Saiten-Kollektivlohn bewegt sich nicht gerade in der roten Zone der Selbstausbeutung, aber im orangen Bereich, wie viele Tätigkeiten im kulturellen und alternativen Sektor: Man arbeitet selbstbestimmt und in maximaler Freiheit – um den Preis eines teilweisen Lohnverzichts.
Der Gerechtigkeit halber sei beigefügt: Die finanziellen Bedingungen sind heute komfortabler als bei unseren Vorgängerinnen und Vorgängern in Redaktion und Verlag: 2007 waren die Lohnkosten mehr als ein Drittel tiefer, die Mitgliederbeiträge ebenfalls – die Inseraterträge aber fast identisch mit heute. Das «wirtschaftliche Umfeld», wie es jeweils heisst, ist auch bei Saiten härter geworden, mehr dazu gleich.
Von den Gesamtkosten pro Monat in der Grössenordnung von 46’000 Franken geht demnach gut die Hälfte auf das Konto der Löhne und der weiteren Betriebskosten. Die knapp andere Hälfte umfasst die Produktionskosten, Gestaltung und Autorenhonorare für das Magazin und dessen Distribution.
Und woher kommt das Geld?
Die rund 46’000 Franken pro Monat müssten also erstmal verdient sein. Die Einnahmenseite bei Saiten ist übersichtlich: ca 17’000 Franken oder etwas mehr als ein Drittel tragen die Mitglieder mit ihrem Saiten-Abonnement bei. Etwa 27’000 Franken kommen durch die Inserate zusammen, circa ein Siebenundzwanzigstel davon sind Online-Inserate. Paketabos der Auflageorte, Sponsoring und gelegentlich Buchverkäufe des Saiten-Verlags bilden den Rest der Einnahmen.
Kurzfazit: Es geht auf. Es geht auf dank euch, dank dir, dank allen Mitgliedern und ihren freiwilligen Unterstützungsbeiträgen. Es geht auf dank treuer (und mit viel Einsatz betreuter) Inserentinnen und Inserenten; Saiten ist von den rundherum von den Printmedien beklagten Inserateeinbrüchen bisher nicht ganz, aber einigermassen verschont geblieben, Holz aalange. Man darf sich auf diese Inserate-Konstanz ohne Aberglaube etwas einbilden – und sich darüber freuen, dass Saiten offensichtlich als sinnvoller und attraktiver Ort gilt, seine Kulturangebote oder sonstigen Errungenschaften gezielt an die Öffentlichkeit zu bringen.
Es geht also auf – wie erwähnt: um den Preis karrieretauglicher Löhne und GAV-konformer Honorare. Und dank Eigenleistungen und Anstrengungen mit der Tendenz zum Siebentagebetrieb für Magazin und Onlineplattform. Es ginge, mit anderen Worten, ein bisschen besser auf und würde den Saiten-Spielraum für journalistische Leistungen erhöhen, wenn…
Mehr Spielraum für journalistische Leistungen: Das hiesse für uns in erster Linie:
Vielleicht findest du: Saiten reicht mir so, wie es ist. Wir selber halten es – bei allem Respekt vor den früheren Saitenmacherinnen und -machern und bei allem Selbstrespekt vor dem, was heute ist – mit der Überzeugung, Saiten könnte noch besser werden. Und sollte das auch. Die sogenannte Medienlandschaft ist in Bewegung, die Regionalzeitungen sind unter Druck, sie bauen Personal und Lokalberichterstattung ab und legen immer mehr überregionale Ressorts zusammen.
Die Entwicklung insbesondere beim «Tagblatt» und seinen Lokalausgaben macht keine Freude und freut auch uns nicht. Der «Mantelteil» ist bereits komplett fusioniert mit der «Luzerner Zeitung», neustens wird zudem über ein «Joint Venture» für die überregionalen Themen mit der AZ spekuliert – die Folge könnte sein, dass der Inlandteil künftig fast ausschliesslich von Bern-Aarau aus gedacht und gemacht wird und Ostschweizer Blickwinkel weniger denn je Platz im Blatt haben. Mit der Einstellung der gedruckten Ausgabe ist zudem die «Ostschweiz am Sonntag» faktisch von der Bildfläche verschwunden. Dafür verlagert die NZZ-Zentrale in Zürich das Korrektorat nach… – aber das Thema lassen wir besser, nachdem uns in der Novemberausgabe selber mehr als ein Tippfehler vorgeworfen worden ist (Schuld trug nicht das Korrektorat, das weiterhin unbeirrt einmal im Monat vor Ort seine Arbeit leistet – online korrigiert die Redaktion selber).
Noch einmal also: Es geht auf, aber es ginge bei Saiten ein bisschen besser auf und würde den Spielraum für journalistische Leistungen erhöhen, wenn… wenn wir dich und dich und vielleicht auch dich künftig im Kreis der Saiten-Mitglieder begrüssen dürfen. Es gibt übrigens, im Frühjahr 2018 geplant, erstmals einen Mitglieder-Anlass, bei dem wir uns herzlich bedanken wollen. Für deine Unterstützung.
Dieser Beitrag erschien im Dezemberheft von Saiten. Hier gehts zu Teil zwei, hier zu Teil drei.
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