Queere Filme im Thurgau
Zwei Spielstätten und rund 25 Filme. In Frauenfeld zeigt das Pink Apple Filmfestival vom 8. Mai bis 10. Mai eine grosse Vielfalt von queeren Spiel- und Dokumentarfilmen.
Black Burns Fast von Sandulela Asanda (Bild: pd/Filmstill)
Im Apfelkanton wirds vom 8. bis 10. Mai pink. Das 29. Pink Apple Filmfestival steigt im Cinema Luna und im KAFF in Frauenfeld. Gegründet 1997 im Thurgau, ist es heute eines der grössten queeren Filmfestivals in der Schweiz und findet jährlich in Zürich und eben in Frauenfeld statt.
Von über 600 eingereichten Filmen sind in Frauenfeld etwa 25 zu sehen. «Das diesjährige Programm hält für alle etwas bereit, wir freuen uns auf lustige Komödien, tiefgründige Dokumentarfilme und grandiose Dramen mit Starbesetzung», schreibt Andreas Bühlmann, künstlerischer Co-Leiter, in der Medienmitteilung.
Die deutsche Produktion Der Heimatlose von Regisseur Kai Stänicke eröffnet das Festival. Darin löst ein Heimkehrer Unruhe in seinem Heimatdorf aus. Für alle, die nach dem rund zweistündigen Drama etwas Auflockerung suchen, bietet sich das Pub-Quiz mit Dragqueen Lupa an.
Der zweite Festivaltag startet mit Barbara Forever von Brydie O'Connor aus den USA. Der Dokumentarfilm befasst sich mit dem Leben und Schaffen der «Queer Cinema-Pionierin» Barbara Hammer. Am Nachmittag folgt die Gesprächsrunde Queere Kultur im Thurgau damals und heute. Es diskutieren Manu Stillhard, Gründerin des Vereins LuST (Lesben und Schwule Thurgau), Eva Büchi, Gründerin und Präsidentin von Queer Thurgau, Peter Leuenberger, Vorstandsmitglied von HOT (Homosexuellen Organisation Thurgau), und weitere Personen.
Ausklingen lassen kann man den Festivalsamstag etwa mit dem spanischen Spielfilm Maspalomas von Aitor Arregi und Jose Mari Goenaga. Der 76-jährige Vicente muss in diesem Comedy-Drama aus gesundheitlichen Gründen ins Pflegeheim. Dort sieht er sich gezwungen, seine Homosexualität zu verstecken.
Auch am letzten Festivaltag gibts vieles zu entdecken. Etwa den fantasievollen Debütfilm Bouchra von Orian Barki und Meriem Bennani. Der amerikanisch-italienische Animationsfilm dreht sich um zwei Koyotinnen: Bouchra, eine queere Filmemacherin, die in New York lebt, und ihre Mutter, eine Kardiologin aus Casablanca.
Der dritte Tag schliesst dann mit Black Burns Fast von Sandulela Asanda aus Südafrika. Der Coming-of-Age-Film erzählt von der Teenagerin Luthando, die ein konservatives Eliteinternat besucht. Dann verändert eine neue Schülerin alles – die beiden jungen Frauen verlieben sich.
Pink Apple Filmfestival: vom Freitag, 8. Mai, bis Sonntag, 10. Mai, Cinema Luna und Kaff, Frauenfeld.
Neuer Dokumentarfilm
In Quir – A Palermo Love Story von Nicola Bellucci kommen in einer kleinen Lederwarenboutique queere Lebensgeschichten zusammen. Feinfühlig, politisch und sehr nah an den Figuren erzählt, vergisst man fast, dass es ein Dokumentarfilm ist.
Der nordmazedonische Film DJ Ahmet erzählt von einer kleinen Familie, die versucht, über die Runden zu kommen, und gegen Trauer kämpft. Und von zwei Jugendlichen, die rebellieren und mit Traditionen brechen.
Anders Thomas Jensen schlägt in seinem neusten Film einmal mehr Brücken zwischen tieftraurigen Geschichten und skurrilem, schwarzem Humor. Mitten drin ein brillanter Mads Mikkelsen, die Suche nach der eigenen Identität und ein Koffer voller Geld.
Vier Jahre nach ihrem Debüt kehren Lev Tigrovich mit einer neuen EP zurück. Diese handelt von Kontrollverlust, Illusionen und grossen Gefühlen – und enthält erstmals einen Song, der nicht auf Russisch gesungen ist.
Im letzten Spiel der Saison trifft der FC St.Gallen auf den neuen Schweizer Meister aus Thun - einen Sieger gibt es nicht.
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.
Der 1100. Todestag von Wiborada – Inklusin, Stadtheilige und Projektionsfläche – ist zurzeit Thema vielfältiger Aktivitäten. Zu den Highlights gehört eine mutmassliche Unterschrift, zu besichtigen in der Ausstellung im St.Galler Regierungsgebäude.
Gastkommentar
Anna Beck-Wörner hat ein Wiborada-Unterrichtsheft erarbeitet. Im Postenlauf, der durch St.Gallen führt, können Schüler:innen anhand von Wiboradas Lebensweg lehrplankonform Themen wie Gemeinschaft, Lebensform, Bücher oder Identität erarbeiten.
Am Wochenende bringt das Aufgetischt-Festival wieder über 100 Strassenkünstler:innen aus aller Welt in die Gassen der Stadt St.Gallen. Wir haben mit Daiana Mingarelli vom Duo Daiana Lou über die Eigen- und Besonderheiten des Busking gesprochen.
Heavy Psych Sounds Fest
Der peinliche bis inhaltsleere Auftritt des Tech-Faschisten Curtis Yarvin hat die Berichterstattung über das diesjährige St.Gallen Symposium dominiert. Am Montag haben – vor allem geisteswissenschaftliche – Exponent:innen der HSG in einem öffentlichen Gespräch versucht, Yarvins langen Schatten zu verwedeln.
Die St.Galler Theaterkompanie Rohstoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr aktuelles Theaterstück in der Kellerbühne. Wie in einem Rausch erzählt Orlando* von Geschlechternormen, Grenzauflösungen und Verwandlungen.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Eleanor Antin ist seit 60 Jahren künstlerisch tätig. Früh hat sie sich mit Technologie, Rassismus und Genderfluidität beschäftigt, doch zwischenzeitlich war sie fast in Vergessenheit geraten. Nun macht die erste europäische Retrospektive Station im Kunstmuseum Liechtenstein.
Der Musiker und Künstler Nicolaj Ésteban veröffentlicht ein neues Album seiner Band Loveboy And His Imaginary Friends. Es führt in eine faszinierende Welt – und in sein Inneres, wo es manchmal dunkel ist.
Nach vierzig Jahren kehrt Guido R. von Stürler in die Kunsthalle nach Wil zurück. Der Künstler, mit einem Faible für Fliegen, zeigt in «Zwischen den Systemen – Kunst im vernetzten Jetzt» eine Werkübersicht, die Organisches und Digitales vereint.
Eine halbe Million weniger von Kanton und Stadt – trotzdem machen Konzert und Theater St.Gallen vorläufig keine Abstriche beim Programm. Die Spielzeit 26/27 kündigt «Grenzgänge» an, sehr zeitgemässe insbesondere im Schauspiel.
Die Kritik an der Einladung des extremistischen und techno-libertären US-Bloggers Curtis Yarvin ans St. Gallen Symposium war gross – und berechtigt. Trotzdem war sein Auftritt am Ende vor allem eines: entlarvend. Selten traten die Widersprüche, die Selbstüberschätzung und die intellektuelle Leere der Neuen Rechten so öffentlich zutage.
In eigener Sache
Historische Überlieferungen sagen oft mehr über die Geisteshaltung der Verfasser aus als über geschichtliche Tatsachen. Was lässt sich also gesichert über die historische Person Wiborada sagen? Eine quellenkritische Spurensuche.
Ein Jahrhundert nach Thomas Manns Roman greifen Karl Kave & Durian das Motiv neu auf und erzählen mit Zauberberg ein vielschichtiges Konzeptalbum über Pflege, Perspektiven und gut betuchte Damen.
Paris, New York, Shanghai, Ittingen: Mit Fabrice Hyber gastiert mal wieder ein international renommierter Künstler im Kunstmuseum Thurgau. Eine Begegnung.