Statt Arbeitskräfte kamen Menschen
Das neue Buch der beiden St.Galler Journalisten Martin Arnold und Urs Fitze ist eine Reise durch die migrantische Ostschweiz. Es versammelt Portraits, wirft historische Schlaglichter auf Einwanderungswellen und feiert die kulturellen Bereicherungen.
Maria Pappa, Seconda und aktuelle St.Galler Stadtpräsidentin, drückt im Text über sie aus, was viele migrantische Personen in der Ostschweiz und überhaupt in der Schweiz bewegt: «Wenn man hier geboren ist oder schon lange hier wohnt, die Ausbildung hier absolviert und Steuern bezahlt, finde ich es selbstverständlich, dass man nach einer gewissen Zeit mitbestimmen darf, also die Staatsbürgerschaft automatisch erhält. Und zwar ohne administrative Hindernisse und hohe Kosten.»
Nur ist dies noch immer ein frommer Wunsch, wie die gegenwärtige Einbürgerungspraxis aufzeigt, wo oftmals die Willkür emotional geladener Bürger:innenversammlungen oder auch schlichtes Pech im Schweizquiz entscheidet. Dies zu ändern ist auch ein Hauptantrieb für das politische Engagement Arbër Bullakajs, der bei Erscheinen dieses Artikels gerade seinen Einstand im Nationalrat gegeben hat und ebenfalls zu den prominenteren Personen aus der Ostschweiz zählt, die im neuen Buch von Martin Arnold und Urs Fitze portraitiert werden.
Die beiden freischaffenden St.Galler Journalisten liefern mit Diaspora oder neue Heimat? – Migration in die Ostschweiz das erste Überblickswerk über Migration in der Region. Kernstück des 265 Seiten starken Buchs sind die 27 Portraits über Personen aus allen Teilen der Welt, die (oder deren Eltern) den Versuch wagten, sich hier eine Existenz aufzubauen.
Die Zeiten, als man in der Industrialisierung händeringend nach Arbeitskräften gesucht und entsprechend pragmatisch eine liberale Einwanderungs- und Einbürgerungspolitik betrieben hat, sind allerdings längst vorüber. Auch wenn heute wieder viele Branchen den Fachkräftemangel beklagen. Das zeigt sich in den folgenden Epochen und den verschiedenen Einwanderungswellen, die in den Portraits wie in den dokumentarischen Teilen des Buchs eingehend erörtert werden. Ausserdem feiert Diaspora oder neue Heimat? die Vielfalt, welche die Einwanderung in unsere Region seit je und immer wieder aufs Neue bereichert – kulturell, kulinarisch, menschlich.
Martin Arnold und Urs Fitze: Diaspora oder neue Heimat? – Migration in die Ostschweiz. Verlagsgenossenschaft St.Gallen, St.Gallen 2026.
Vernissage: Donnerstag, 7. Mai, 19 Uhr, Raum für Literatur (Hauptpost), St.Gallen.
Dokumentarfilm
Wann zeigt sich unsere Gesellschaft solidarisch? Und hat Solidarität auch Schattenseiten? Der Rheintaler Filmemacher David Bernet spürt in seinem neuen Dokumentarfilm Solidarity dem Phänomen nach.
Der Verein Sans-Papiers Anlaufstelle St.Gallen zieht in die Offene Kirche. Warum ein Umzug in ein enges Bürogebäude nicht in Frage kam und was alles am neuen Ort geplant ist, erzählt Matthias Rickli, der Leiter der Anlaufstelle, im Gespräch mit Saiten.
Der Dokumentarfilm Anders Anders – Was uns verbindet von Hao Hohl erzählt wortmächtig – und manchmal auch bildgewaltig – von Zugehörigkeiten und Fremdheiten. Er wird aktuell an den Solothurner Filmtagen gezeigt.
Die Ostschweiz im Dritten Reich (VIII)
Drei Ausstellungen – zwei in Altstätten, eine in Vaduz – erinnern an die Zeit während des Zweiten Weltkriegs im Rheintal. Der Fokus liegt auf persönlichen Erinnerungen von Zeitzeug:innen. Auch kritische Themen werden nicht ausgespart.
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.