«Mein Gott, da ist ja ein Mensch»
Drei Ausstellungen – zwei in Altstätten, eine in Vaduz – erinnern an die Zeit während des Zweiten Weltkriegs im Rheintal. Der Fokus liegt auf persönlichen Erinnerungen von Zeitzeug:innen. Auch kritische Themen werden nicht ausgespart.
Soldaten in Gasmasken 1938 vor dem Museumseingang der Prestegg in Altstätten. Die Aufnahme ist ein glücklicher Zufallsfund während der Ausstellungsrecherchen. (Bild: pd/Gemeindearchiv Diepoldsau)
Es muss eines Abends 1938 oder 1939 gewesen sein, als die Widnauerin Päuli Spirig, damals kaum 16 Jahre alt, von ihrer Mutter in den Schopf hinausgeschickt wurde, um Schollen zu holen. Getrocknete Torfziegel wurden im Rheintal damals wieder öfter als Brenn- und Heizmaterial genutzt, weil Kohle vor allem während des Krieges knapp war. Als Päuli in den Schopf trat und im Dunkeln nach den Schollen griff, spürte sie plötzlich ein kaltes Bein in ihren Händen.
«Mein Gott, da ist ja ein Mensch!», schrie sie und rannte hinaus. Päulis Vater eilte ins Tenn und fragte den Unbekannten, was er da mache. Als er bemerkte, dass dieser tropfnass war, berichtete er der Mutter, die den Mann sofort hereinholte, ihm trockene Kleider von Päulis Brüdern gab und eine warme Suppe auftischte. Auf die Frage der Mutter, warum er so nass sei, antwortete der Mann, dass er von Österreich hergekommen sei, sich nicht habe orientieren können in der Dunkelheit und einfach irgendwo in den Rhein gestiegen und herübergeschwommen sei.
«Wir wussten, dass er ein Jude war», erzählte Päuli Spirig in einem Interview im Dezember 2023, mittlerweile 100 Jahre alt. Einmal sei einer mit viel Geld über die Grenze gekommen, er habe den Leuten Geld bezahlt, damit sie die Polizei raushielten. «Wir haben halt die Polizei kommen lassen, damit sie ihn abholen können», sagt sie. «Das war besser so.»
Diese Episode von Päuli Spirig, die im März dieses Jahres verstarb, spiegelt den Alltag während der schwierigen Zeit um den Zweiten Weltkrieg im St.Galler Rheintal in mehrfacher Hinsicht: Flucht, Mangelwirtschaft, das Dritte Reich in unmittelbarer Nachbarschaft, die sich zuspitzende militärische Lage, Binnenflucht. Und sie verdeutlicht auch: Die Stimmen, die heute nicht sprechen, schweigen für immer. Die Generation der Zeitzeug:innen stirbt aus.
Landwirt:innen bei der Ernte (Bild: pd/Archiv der Gemeinde Au)
Hierin liegt vermutlich der grösste Wert der drei Ausstellungen unter dem Titel «Gemeinsam erinnern im Rheintal – 1938–1945», einer Kooperation des Museums Prestegg in Altstätten mit dem Jüdischen Museum Hohenems (JMH) und dem Liechtensteinischen Landesmuseum Vaduz: im Festhalten und Erzählen persönlicher Erinnerungen an diese welthistorische Zeit.
«Nah am Krieg – Liechtenstein 1939 bis 1945»: bis 11. Januar 2026, Liechtensteinisches Landesmuseum, Vaduz
«Im Schatten des Kriegs – Alltag im Rheintal»: bis 27. Januar 2027, Museum Prestegg, Altstätten
«Rettende Schweiz? – Flucht im Rheintal»: bis 27. Januar 2027, Museum Prestegg, Altstätten
Ausgewählte Begleitveranstaltungen:
Die unterbrochene Spur: Film über Antifaschist:innen in der Schweiz 1933–1945, 23. Oktober, 19 Uhr, Diogenes Theater, Altstätten
Zug der Freiheit: Vortrag der Pädagogischen Hochschule, 28. Oktober, 19 Uhr, Museum Prestegg, Altstätten
Nationalsozialismus und Krieg in Vorarlberg – Opfer, Täter, Gegner: Vortrag von Meinrad Pichler, 5. November, 18 Uhr, Liechtensteinisches Landesmuseum, Vaduz
Grüningers Fall: Filmvorführung, kommentiert von Stefan Keller, 9. November, 11 Uhr, Museum Prestegg, Altstätten
Rehabilitierung von Fluchthelfer:innen: Vortrag vonJulia Stucki, 20. November, 19 Uhr, Museum Prestegg, Altstätten
Ein «Geben und Nehmen»? – Flüchtlinge im Dienst des St.Galler Nachrichtenbüros «Speer»: Vortrag von Sophia Bosshard, 26. November, 18 Uhr, Liechtensteinisches Landesmuseum, Vaduz
gemeinsam-erinnern.ch
Die vom Prestegg kuratierte Teilausstellung «Im Schatten des Krieges» befasst sich mit dem Alltag, wie ihn die Rheintaler Bevölkerung auf Schweizer Seite von 1938 bis 1945 erlebte. Der Zeitraum ist bewusst auf ein Jahr vor Kriegsbeginn ausgeweitet, weil sich 1938 Österreich ans Dritte Reich anschloss, was eine grosse Fluchtwelle von Jüdinnen und Juden aus dem Osten in Richtung Schweiz zur Folge hatte.
Auch politisch beobachtete man natürlich genau, wie sich die Nachbarn im Vorarlberg mit dem neuen Regime arrangierten. Schweizer:innen, die sich ebenfalls einen Anschluss erhofften, blieben aber die Minderheit. Die Frontenbewegung erhielt vor allem auch im Rheintal zwar nochmals etwas Aufschub, doch verfing die vom Bundesrat propagierte «geistige Landesverteidigung» grösstenteils auch hier. In der Ausstellung wird beispielhaft die Geschichte eines Zahnarztes und NS-Sympathisanten erzählt, dessen Haus mit einem Hakenkreuz «verziert» wurde. Menschen, die sich dem Reich zu sehr anschmiegten, hatten es gesellschaftlich schwer, vor allem, als der Krieg vorbei war.
Die Ausstellung im Prestegg hat einige solche Geschichten zu bieten. Auch solche von Binnenflucht: Als sich die militärische Lage zuspitzte und ein Einmarsch in die Schweiz befürchtet wurde, zogen jene, die es vermochten oder ein Auto hatten, für einige Zeit in die Innerschweiz. Auch die eingangs erwähnte Päuli Spirig ging nach Einsiedeln, obwohl sie zuerst ablehnte, weil sie arbeiten musste und die Mutter das Geld brauchte.
Die Ausstellung in Altstätten macht ausserdem so wertvoll, dass sie auch einen Fokus auf die Rolle der Frauen zu jener Zeit legt, in der viele Männer (und Pferde!) im Aktivdienst waren. Jene, die sich eine Flucht in die Innerschweiz nicht leisten konnten, brachten in der brenzligsten Phase ihre Kinder samt deren Notrucksäckli und das Vieh ins Appenzellerland. Sofern sie die Möglichkeit dazu fanden.
Es lohnt sich, für den Besuch dieser Teilausstellung, welche die beiden Gastkuratorinnen Margrit Bartl- Frank und Ursula Stadlmüller mit Interview-Ausschnitten und biografischen Geschichten gespickt haben, genug Zeit einzuplanen.
Dasselbe gilt in noch grösserem Mass für die etwas düsterer, aber nicht minder ansehnlich gestaltete Ausstellung «Rettende Schweiz? Flucht im Rheintal» im oberen Stock des Museums Prestegg. Hier haben die beiden Kuratorinnen vom Jüdischen Museum Hohenems, Barbara Thimm und Christina Nanz, etliche Fluchtgeschichten zusammengetragen und in diversen medialen Formen erfahrbar gemacht. Und natürlich darf hier der originale Handstock des berühmten Flüchtlingsretters und St.Galler Polizeikommandanten Paul Grüninger nicht fehlen. Ein Objekt, das Hanno Loewy, dem Direktor des JMH, letztes Jahr zur Verleihung des Rheintaler Kulturpreises Goldiga Törgga geschenkt wurde.
Der Fokus liegt in «Rettende Schweiz?» aber nicht auf den Rettenden – das Fragezeichen im Titel hat seine berechtigten Gründe, viele Schutzsuchende wurden an den Grenzen abgewiesen –, sondern vor allem auf den Flüchtenden, meist Jüdinnen und Juden, aber auch Oppositionelle, Zwangsarbeitende und Deserteure.
Geflüchtete in Diepoldsau (Bild: pd)
Nebst den Biografien und der künstlerischen Videoarbeit des WOZ-Fotografen Florian Bachmann über den Fluchtraum Rheintal sind vor allem die beiden grossen Schautafeln mit Zeitstrahl interessant. Auf der ersten werden Ereignisse der NS-Politik der schweizerischen Flüchtlingspolitik von 1933 bis 1948 gegenübergestellt. Sie zeigt, wie diese stets auch eine Reaktion auf Verschärfungen der deutschen Rassengesetze gegen Jüdinnen und Juden, aber auch gegen Rom:nja und Sinti:zze war. Zum Beispiel als im November 1938 gleichzeitig in Deutschland die Reichspogrome wüteten, die Schweiz sich mit dem NS-Regime über den J-Stempel in den Pässen einigte und der Bundesrat die rassistische Unterscheidung von «arischen» und «nicht-arischen» Reichsbürger:innen übernahm. Noch 1942 wollte das Eidgenössische Justizdepartement Jüdinnen und Juden nicht als politische Flüchtlinge anerkennen. Erst ab Juli 1944 verfügte es, alle «an Leib und Leben gefährdeten» Personen aufzunehmen.
Der zweite Zeitstrahl zeigt eine «unvollständige Liste der Meilensteine der (Nicht-)Erinnerung an die NS-Verbrechen und den Zweiten Weltkrieg» von 1944 bis heute. Sie zeigt: Die Schweiz rang sich erst in den 1990er-Jahren dazu durch, ihre Rolle im Zweiten Weltkrieg ernsthaft aufarbeiten zu wollen. Und man erkennt, ohne es in der Ausstellung explizit lesen zu müssen: In der gegenwärtigen Flüchtlingspolitik changiert man bis heute zwischen humanitärer Tradition und Überfremdungsdiskurs.
Viel über Erinnerungskultur zu erzählen wüsste der Historiker Peter Geiger (1942–2025). Der ehemalige Präsident der Unabhängigen Historikerkommission Liechtenstein Zweiter Weltkrieg, dem Pendant zur schweizerischen «Bergier-Kommission», starb nach kurzer, schwerer Krankheit nur einen Monat vor der Eröffnung der von ihm kuratierten Teilausstellung «Nah am Krieg» im Liechtensteinischen Landesmuseum Vaduz. Bis zuletzt habe er noch mitgewirkt, berichten Museumsmitarbeitende, für die sein plötzlicher Tod ein Schock war. Noch im Januar an der gemeinsamen Pressekonferenz zu den drei Ausstellungen erhielt man einen Eindruck davon, mit welchem Engagement Geiger sich der Zeit um den Zweiten Weltkrieg widmete. Er stellte jedes einzelne der zwölf Themenfelder der Ausstellung kurz vor und hätte wohl noch mehr erläutert, hätten die pressanten Pressefotograf:innen nicht auf das obligate Gruppenfoto gedrängt. Als Schweizer hatte Peter Geiger von Anfang an den frischen, kritischen Aussenblick, was ihm im Ländle seit seiner Anstellung als Forschungsbeauftragter für Zeitgeschichte am Liechtenstein-Institut ab 1987 wohl nicht nur Freunde einbrachte, aber einer seriösen Aufarbeitung der Rolle des Fürstentums im Zweiten Weltkrieg sehr zuträglich war.
Regelmässig überfliegen alliierte Bomber das Fürstentum Liechtenstein. Am 22. Februar 1945 muss ein amerikanisches Jagdflugzeug im Rhein bei Schaan notlanden. (Bild: pd/Erich Goop/Liechtensteinisches, Landesarchiv, B 26/001/001)
Die kuratorischen Mitarbeiterinnen Julia Frick und Martina Sochin-D’Elia haben Geigers Arbeit an der Ausstellung fortgeführt. Die hohen Stelen sollen die Bedrücktheit der damaligen Zeit vermitteln. Dank der übrigen, lockeren und bildreichen Ausstellungsgestaltung lastet die Schwere dann doch nicht zu stark auf den Besucher:innen.
Wie in Altstätten werden auch hier kritische Aspekte nicht ausgeblendet: Die liechtensteinischen Banken und einige Industriebetriebe, die unter anderem via den schweizerisch-deutschen Rüstungsunternehmer Emil Bührle eng mit dem Dritten Reich verknüpft waren. Oder die politischen Bewegungen, die einen Anschluss forderten und deutlich stärker vertreten waren als in der Schweiz, aber als Minderheit mit wenig mehr als zehn Prozent Zustimmung politisch kaum Einfluss zu nehmen vermochten. Das Sennenkäppli mit Hakenkreuz bleibt ein Kuriosum unter den Ausstellungsobjekten.
Es gab sowohl Personen, die sich freiwillig der Waffen-SS anschlossen, als auch Fabrikarbeiter, die an ihrem Arbeitsplatz im nahen Vorarlberg wegen Ungehorsams zwangsrekrutiert wurden und an der Front umkamen. Das kleine Fürstentum ohne eigene Armee war den Mächten ringsum noch stärker ausgeliefert als die Schweiz, wo man ebenso seine Neutralität betonte, sich aber dennoch arrangieren musste und gleichzeitig immer wieder die ablehnende Haltung gegenüber der nationalsozialistischen Ideologie betonte.
So wurde die Hochzeit von Fürst Franz Josef II. von Liechtenstein mit Georgina «Gina» von Wilczek im März 1943 als Akt souveräner Selbstbehauptung betrachtet und entsprechend inszeniert. Zum ersten Mal in der Liechtensteiner Geschichte nahm der Fürst festen Wohnsitz im angestammten Staatsgebiet. Auch, weil die Ländereien in Böhmen und Mähren seit dem Anschluss Österreichs 1938 de facto von den Nazis besetzt waren. Fürstin Gina galt als volksnah und fürsorglich. Während des Kriegs gab sie Flüchtlingen an der Grenze zum werdenbergischen Sennwald Essen aus und betätigte sich zeitlebens karitativ.
Fürstin «Gina» mit Suppenkelle an der Grenze zur Schweiz: Die Liechtensteiner Monarchin half im Mai 1945 eigenhändig bei der Essens- und Hilfsgüterausgabe an Flüchtende. (Bild: pd/Liechtensteinisches Landesarchiv, B 413 001 007)
Grossandrang an der liechtensteinischen Grenze zur Schweiz (Bild: pd/Liechtensteinisches Landesarchiv, B 413 003 047)
Auch die Ausstellung in Vaduz ist sehr reichhaltig. Sie erzählt Geschichte von unten ebenso wie jene von oben, was in einem fürstlichen Museum vermutlich kaum zu umschiffen ist. Der Spagat gelingt, auch wenn hier versucht wurde, einem gewissen Vollständigkeitsanspruch zu genügen, was die Ausstellung trotz schöner Gestaltung sehr dicht und umfangreich macht. Auch hier lohnt es sich, genug Zeit für den Museumsbesuch einzuplanen, wenn man wirklich in die Biografien und die damaligen Befindlichkeiten eintauchen will.
Angestossen hat das trinationale Ausstellungsprojekt «Gemeinsam erinnern im Rheintal» die Juristin und Sozialarbeiterin Sonja Arnold vom Museum Prestegg. Das Jüdische Museum Hohenems hat auf ihre Kooperationsanfrage sofort eingewilligt. Am Rande der Tagung zum Schweizer Memorial für die Opfer des Nationalsozialismus kam man mit dem Liechtensteinischen Landesmuseum ins Gespräch, auch dieses erklärte sich bald bereit, sich im Ausstellungsprojekt einzubringen. Bei anderen Institutionen im St.Galler Rheintal biss man hingegen auf Granit. Offenbar gibt es landläufig immer noch viel Berührungsängste mit dem Thema.
Sonja Arnold präsidiert den Museumsverein Prestegg erst seit 2022 und hat die Institution durch herausfordernde personelle und finanzielle Zeiten gesteuert. Die Eröffnung der beiden Ausstellungen in Altstätten Ende August (Vaduz hat bereits im Mai eröffnet) waren so gesehen auch ein Befreiungsschlag. Und eigentlich müsste es der engagierten und umtriebigen Netzwerkerin mit diesem Meisterstück locker gelingen, die Altstätter Politik von der Wichtigkeit dieses Museums als regionale Gedächtnisinstitution zu überzeugen und zu einem entsprechenden finanziellen Bekenntnis zu motivieren.
Zur regionalen Kulturpolitik will sich Sonja Arnold im Moment allerdings nicht äussern. Nicht die Zukunft des Hauses ist jetzt Thema, sondern der Inhalt der gelungenen Sonderausstellung und deren Vermittlung. In ihrer slowakischen Heimat habe der Geschichtsunterricht einen grösseren Stellenwert als in der Schweiz, sagt die Projektleiterin. Sie will vor allem Jugendlichen und Schulklassen den Alltag während des Zweiten Weltkriegs im Rheintal näherbringen. Das überbrücke Gräben zwischen Generationen und Kulturen. Im Gespräch mit Saiten berichtet Arnold von einem Vater mit Migrationshintergrund, der sich die Ausstellung mit seinen Kindern angesehen hat. Er habe betont, wie wichtig er es finde, dass seine Kinder über die Geschichte des Ortes, an dem sie leben, Bescheid wüssten. Solche Begegnungen oder die persönlichen Erinnerungen, die Zeitzeug:innen an Erzählcafés im Haus oder auch in Alters- und Pflegeheimen in der Region teilen, sind für sie die Essenz dieses musealen Projekts.
Auch für das Jüdische Museum Hohenems hat die Teilausstellung im Prestegg eine Bedeutung, die über das Vermittelte im Saal hinausweist. Es sei auch eine Art «Hauptprobe» für das vom Bund geplante Schweizer Memorial für die Opfer des Nationalsozialismus in Diepoldsau, wie Kuratorin Barbara Thimm es formuliert. Und für Vaduz wurde «Gemeinsam erinnern im Rheintal» unverhofft auch zu einer Gedenkveranstaltung für den engagierten «Landeshistoriker» Peter Geiger. Die Kinder des Krieges sterben nach und nach, die Erinnerungen bleiben dank solcher Projekte am Leben.
Natürlich war die Ostschweiz nie Teil des Dritten Reichs. Doch gab es auch hier diverse Kräfte – Personen und Institutionen –, die nicht der Losung der sogenannten «geistigen Landesverteidigung» folgten, sondern sich für den Anschluss oder zumindest eine Annäherung an den Nationalsozialismus und den Faschismus einsetzten. Diese von Richard Butz initiierte Artikelserie will aufzeigen, wie vielfältig die Verflechtungen und Vernetzungen zwischen der Ostschweiz und Hitlers Regime waren. Aber auch die Gegenseite, der Ostschweizer Antifaschismus in den 1930/40er-Jahren, soll beleuchtet werden. 80 Jahre ist es her, seit das Dritte Reich zusammengebrochen ist. Angesichts des global erstarkenden Rechtspopulismus ist es wichtig, sich auch aus einer regionalhistorischen Perspektive an diese dunkle Zeit zu erinnern. (red.)
Die Ostschweiz im Dritten Reich (VII)
Neben den reichsdeutschen Gruppen waren auch Schweizer Bürger in der Ostschweiz aktiv. Sie setzten sich für eine helvetische Variante des Faschismus ein und forderten den Anschluss an das Dritte Reich.
Die Ostschweiz im Dritten Reich (VI)
Trotz der Bereitschaft hierzulande, dem nördlichen Nachbarn entgegenzukommen: Die Nationalsozialisten hatten es nicht nur leicht im Osten der Schweiz. 1936 wurde der Schweizer NSDAP-Landesleiter in Davos erschossen.
Die Ostschweiz im Dritten Reich (V)
Der Romanist und spätere Lokalhistoriker Hans Kläui und der Altstoffhändler Mario Karrer gehörten zu den prominentesten St.Galler Nazifreunden.
Die Ostschweiz im Dritten Reich (III)
Antisemitische und NS-freundliche Tendenzen waren in St.Gallen besonders im katholischen Milieu verbreitet – aber nicht ausschliesslich. Ein reformierter Werdenberger Pfarrer reiste 1942 illegal nach Deutschland, um dort zu arbeiten.
Die Ostschweiz im Dritten Reich (IV)
Krise und Faschismus bestimmen wesentlich den Lebensweg von Karl Hermann Lemmenmeier (1906–1958). Sein Neffe zeichnet in dieser familien- und sozialhistorischen Spurensuche nach, wie Glücksrittertum, Opportunismus und Naivität kleiner Leute mithelfen können, ein Unrechtsregime zu stabilisieren.
Die Ostschweiz im Dritten Reich (II)
Mit Ernst Rüdin, Otto Schlaginhaufen und Emil Abderhalden stammen drei namhafte Eugeniker und Rassenhygieniker aus dem Kanton St.Gallen. Alle standen in Verbindung zum Dritten Reich. Abderhaldens Nähe zum Nationalsozialismus ist allerdings umstritten.
Die Ostschweiz im Dritten Reich (I)
Max Butz (1908–1984) arbeitete während des Zweiten Weltkriegs für die schweizerische Spionageabwehr im Abschnitt Bodensee-Rheintal. Sein Sohn eröffnet mit seinen persönlichen Erinnerungen die neue Saiten-Serie «Die Ostschweiz im Dritten Reich».
Hanno Loewy, Leiter des Jüdischen Museums Hohenems, spricht im Interview über die Ausweglosigkeit im Nahostkonflikt, Hoffnungsschimmer in Zeiten einer erstarkenden FPÖ und seine Freude über die Verleihung des Rheintaler Kulturpreises an «sein» Haus.
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