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Covercocktail von Team Negroni

Die Ostschweizer Band Team Negroni hat eine Vinyl-Platte mit Coversongs herausgebracht. Am 7. Mai wird Don't Drag Me Down in der st.gallischen Grabenhalle getauft.

Die Ostschweizer Band Team Negroni (von links): Fredy Stieger, Peter Lutz, Mirco Koch und Oliver Rohner (Bild: pd/Ralph Weibel)

Die Ostschweizer Band Team Negroni (von links): Fredy Stieger, Peter Lutz, Mirco Koch und Oliver Rohner (Bild: pd/Ralph Weibel)

Als 1994 das lang­ersehn­te MTV-Un­plug­ged-Kon­zert von Nir­va­na an­steht, er­war­tet die welt­wei­te An­hän­ger:in­nen­schaft der da­mals gröss­ten Band der Welt nichts we­ni­ger als ei­ne mit Hits über­la­de­ne Best-of-Play­list von Smells Li­ke Teen Spi­rit bis He­art-Shaped Box

Aber Kurt Co­bain ent­schei­det sich ein­mal mehr für den Bruch der Er­war­tun­gen und spielt ei­ne Set­list, die mit Co­ver­ver­sio­nen von teils kom­plett un­be­kann­ten Songs nur so über­quillt. Un­ter an­de­rem spielt das Trio gleich drei Songs der be­freun­de­ten Me­at Pup­pets, aber auch Stü­cke von The Va­se­li­nes und Lead­bel­ly – und nicht nur durch die Un­be­re­chen­bar­keit der Fremd­kom­po­si­tio­nen im neu­en Ge­wand gilt die Show bis heu­te als le­gen­där.

Nun soll­te man Team Ne­gro­ni aus der Ost­schweiz beim bes­ten Wil­len nicht mit den Grunge-Le­gen­den aus Se­at­tle ver­glei­chen, und ja, die­ser Text­ein­stieg kann durch­aus als Reach ge­wer­tet wer­den. Aber ei­ne Par­al­le­le drängt sich förm­lich auf: Team Ne­gro­ni spielt mit Vor­lie­be Co­ver­ver­sio­nen und ver­zich­tet da­bei be­wusst auf Ever­greens und Welt­hits. Viel­mehr sind sie auf ei­ner stän­di­gen Su­che nach Song­per­len von meist be­freun­de­ten Schwei­zer Weg­ge­fährt:in­nen, die sie dann mit ih­rer ur­ei­ge­nen Sound­re­zep­tur über­gies­sen und sich zu ei­gen ma­chen. Ent­schei­dend ist da­bei auch die Ver­net­zung der ei­ge­nen Band- und Sze­nege­schich­ten so­wie de­ren Ar­chi­vie­rung, wie Mir­co Koch, der das Team Ne­gro­ni auf den Weg brach­te, im Ge­spräch mit Sai­ten er­klärt:

«Da la­gen nun al­so tat­säch­lich vie­le al­te und fast ver­ges­se­ne CDs und Plat­ten von frü­her in mei­nem Mu­sik­kel­ler, fein säu­ber­lich in Schach­teln ver­packt, und ich ha­be sie ir­gend­wie wie­der­ent­deckt. Beim An­hö­ren ka­men die Er­in­ne­run­gen und die Idee, den ei­nen oder an­de­ren Song zu spie­len. Mir ge­fällt der Satz: Es sind al­les Songs, die ger­ne ge­spielt oder wie­der auf­ge­nom­men wer­den wol­len. Ganz ehr­lich: Es ist ein Fun­dus von gu­ter Mu­sik, der im­mer mehr ver­lo­ren geht…»

Von der Pan­de­mie zu­sam­men­ge­bracht

Tat­säch­lich war es die Co­ro­na-Pan­de­mie, wel­che die Band­mit­glie­der von Team Ne­gro­ni zu­sam­men­brach­te, als Koch aus der Sehn­sucht, Mu­sik ma­chen zu wol­len, di­gi­ta­le Aus­tausch­for­men eta­blier­te: «Es ist nicht so spek­ta­ku­lär. Mehr, dass wir uns zur rich­ti­gen Zeit wie­der be­geg­net sind. Und es ist schon so: Di­stan­zen spie­len im In­ter­net plötz­lich kei­ne Rol­le mehr. Hin­der­nis­se sind auf­ge­löst. Man schickt sich Auf­nah­men und be­kommt Mu­sik als Ant­wort. Das lässt plötz­lich an­de­re Ar­beits­for­men und Krea­ti­vi­tät zu. Zeit spielt kei­ne Rol­le mehr. On­line ha­ben wir aber nie ge­übt. Da­zu sind wir viel zu sehr Mu­si­ker. Wir wol­len ein­an­der spü­ren. Am wohls­ten füh­len wir uns im Band­raum und auf der Büh­ne.»

Die­ser Ta­ge er­scheint die ers­te Vi­nyl-Plat­te der Band mit dem Ti­tel Don't Drag Me Down, die in in­ten­si­ven Ses­si­ons im Stadt­park Stu­dio in St.Gal­len un­ter der An­lei­tung von Mor­ten Qve­nild ent­stan­den ist. Die Lu­zer­ner Band The Mo­thers Pri­de wird da­bei gleich mehr­fach ge­co­vert, der Ope­ner Si­lence er­scheint aber als wun­der­ba­rer Start­punkt der Plat­te, der mu­si­ka­lisch kon­se­quent auf­ge­mach­ten Sehn­suchts-Coun­try mit woh­li­gen Neil-Young-An­lei­hen kom­bi­niert.

Sich nicht all­zu ernst neh­men

Das Ti­tel­stück in­des stammt von The Pri­de aus Schaff­hau­sen und of­fen­bart in sei­ner Ein­fach­heit ei­ne wirk­lich kom­ple­xe Pro­duk­ti­on: Mehr­stim­mi­ger Ge­sang, ver­schie­de­ne Riffspu­ren, die durch das Stück ga­lop­pie­ren, und ein vor­sich­tig trei­ben­des Schlag­zeug sind al­les an­de­re als ein­fach in ei­nen Guss zu brin­gen. Aber spä­tes­tens hier hö­ren wir, dass Team Ne­gro­ni die­sen Job nicht erst seit ges­tern macht. Don't Drag Me Down hät­te de­fi­ni­tiv auch in Nash­ville auf­ge­nom­men wer­den kön­nen.

Oder auch nicht: Denn im Zu­sam­men­ko­chen der viel­fäl­ti­gen Werk­zu­ta­ten er­gibt sich ein ein­deu­tig ver­an­ker­ter Zeit­rei­se­cock­tail durch den Schwei­zer In­de­pen­dent-Kos­mos der 90er Jah­re. Längst ver­ges­se­ne Kom­po­si­tio­nen wer­den wie­der­be­lebt und mit neu­en Im­pul­sen ver­se­hen, un­ter de­nen sie leb­haft zu zu­cken be­gin­nen oder aber zu kom­plett neu­ar­ti­gen Kom­po­si­tio­nen rei­fen. Songs sind eben viel mehr als ver­stei­ner­te Kon­struk­te. Sie ha­ben ein Ei­gen­le­ben und ei­ne ur­ei­ge­ne DNA, die von je­dem:je­der Klang­wis­sen­schaft­ler:in be­ar­bei­tet wer­den darf. Wäh­rend sich die klas­si­sche Mu­sik durch die ste­ti­ge Neu­in­ter­pre­ta­ti­on ih­rer Stof­fe de­fi­niert, wird das Co­ver in der Pop­mu­sik im­mer noch stief­müt­ter­lich be­han­delt. Wo aber liegt die Kunst ei­nes rich­tig gu­ten Co­vers?

«Es ist viel­leicht der feh­len­de Ehr­geiz, ein Stück 1:1 co­vern zu wol­len. Oder nein: Mir geht es oft so, dass ich beim Her­aus­schrei­ben der Ak­kor­de be­reits das Ori­gi­nal zu ver­ges­sen be­gin­ne. Das ist der Mo­ment, in dem sich das Stück selbst­stän­dig macht. Es wächst wie neu. Es kann vor­kom­men, dass in die­sem Mo­ment ein Riff oder ei­ne Me­lo­die aus dem Ori­gi­nal ver­lo­ren geht. Ich fin­de das gar nicht schlecht. Aber Ach­tung: Wir neh­men die Songs und die Au­tor:in­nen sehr ernst! Wir ver­ste­hen un­se­re Ver­si­on als Co­ver, und auf kei­nen Fall als In­ter­pre­ta­ti­on.»

Und yes, wahr­schein­lich liegt ge­nau hier das Er­folgs­re­zept: Team Ne­gro­ni nimmt sich selbst nicht zu ernst, die Ge­schich­te und die ur­sprüng­li­chen Er­schaf­fer:in­nen ih­res Song­ma­te­ri­als aber sehr wohl.

Team Ne­gro­ni – Don't Drag Me Down: auf Vi­nyl und Band­camp.
Plat­ten­tau­fe: Don­ners­tag, 7. Mai, ab 20 Uhr, Gra­ben­hal­le St.Gal­len.
Live: Frei­tag, 22. Mai, 18.30 Uhr, Ca­fé Kun­ter­bunt, Win­ter­thur.

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

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Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

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01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

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