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Vom Schmerz zur Heilung

Femi Luna im verschneiten kanadischen Ort Quyon vor der Kirche, in der sich das Studio Cimetière befindet. Dort hat sie Anfang 2025 ihr zweites Album aufgenommen. (Bild: Sara Melvin) 

Femi Luna im verschneiten kanadischen Ort Quyon vor der Kirche, in der sich das Studio Cimetière befindet. Dort hat sie Anfang 2025 ihr zweites Album aufgenommen. (Bild: Sara Melvin) 

Nach viereinhalb Jahren kehrt Femi Luna mit einem neuen Album zurück. Damit Wash My Pain Away entstehen konnte, musste sich die Singer-Songwriterin zuerst zurückziehen – und eine Schreibblockade überwinden.

Wa­sh My Pain Away: So heisst das zwei­te Al­bum von Fe­mi Lu­na. Die He­ri­sau­er Sin­ger-Song­wri­te­rin, die seit meh­re­ren Jah­ren in St.Gal­len lebt, ver­bin­det die­sen Pro­zess der Rei­ni­gung mit viel mehr: emo­tio­na­len Bal­last ab­wer­fen, Ne­ga­ti­ves hin­ter sich las­sen, Zwei­fel und Ängs­te los­las­sen und zu in­ne­rer Klar­heit fin­den. 

Das schwingt auch in den ge­fühl­vol­len In­die-Pop-Songs mit. Sie tra­gen in der ers­ten Hälf­te des Al­bums Ein-Wort-Ti­tel, die Un­be­ha­gen aus­drü­cken: Ti­red, Emp­ty, Lost, Fretful, Slee­p­less, An­xie­ty. Und ob­wohl die Me­lan­cho­lie auch in der zwei­ten Hälf­te bleibt, ist die­se licht­durch­flu­te­ter. Trust oder das wun­der­schö­ne Oce­an ver­strö­men Hoff­nung, und das er­grei­fen­de Schluss­stück Dre­a­ming mit der sa­kra­len Or­gel klingt wie ei­ne Er­lö­sung. Die zwölf Songs, die von Fe­mi Lu­nas ein­neh­men­der Stim­me ge­tra­gen wer­den, sind zu­rück­hal­tend in­stru­men­tiert, die Klän­ge be­kom­men viel Raum, um sich in ih­rer gan­zen Schön­heit zu ent­fal­ten. Es ist ein Al­bum, das schwe­re The­men mit klang­li­cher Leich­tig­keit ver­bin­det.

Wa­sh My Pain Away ist ei­ne Art Ka­thar­sis. Es han­delt von Ver­lust, von Sehn­süch­ten, von der Aus­ein­an­der­set­zung mit sich selbst. Und ge­ra­de letz­te­res war zen­tral, da­mit das Al­bum über­haupt ent­ste­hen konn­te.

«Ich brauch­te ei­ne Pau­se»

Fe­mi Fok­kens, wie sie bür­ger­lich heisst, war in die Mu­sik­sze­ne «rein­ge­rutscht», wie sie selbst sagt, ent­wi­ckel­te sich aber schnell zu ei­ner der span­nends­ten Mu­si­ke­rin­nen der Re­gi­on. 2019 ver­öf­fent­lich­te sie ih­re ers­te EP Free­dom. Im Spät­som­mer 2021 folg­te dann ihr De­büt­al­bum Li­bra­ry. Kurz dar­auf wur­de sie von SRF 3 zum «Best Ta­lent» ge­wählt, 2022 trat sie am Open­air St.Gal­len auf und ver­öf­fent­lich­te ei­ne zwei­te EP mit drei Songs (Min­d­run­ning). Doch da­nach wur­de es still um Fe­mi Lu­na.

«Die gan­ze Auf­merk­sam­keit war sehr viel. Ich merk­te, ich brau­che Platz, um zu re­flek­tie­ren und her­aus­zu­fin­den, wie ich die­sen Weg als Mu­si­ke­rin ge­stal­ten möch­te. Und ich brauch­te ei­ne Pau­se», sagt die 26-Jäh­ri­ge. Aus den ge­plan­ten drei, vier Mo­na­ten wur­den drei Jah­re, in de­nen sie we­der ei­ge­ne Shows spiel­te noch neue Mu­sik ver­öf­fent­lich­te. Nur mit Worries And Other Plants, de­nen sie sich 2022 an­ge­schlos­sen hat­te (und die sie 2024 ver­liess), trat sie noch re­gel­mäs­sig auf. 

Fe­mi Lu­na brauch­te den Ab­stand auch, um Din­ge, die in je­ner Zeit pas­siert wa­ren, zu ver­ar­bei­ten. Din­ge, die sie bei­sei­te­ge­scho­ben hat­te, weil so viel los war.

In Wien flo­gen die Songs wie­der

Im Herbst 2022 zog sich Fe­mi Lu­na für ei­nen Mo­nat in ein ab­ge­le­ge­nes süd­fran­zö­si­sches Dorf zu­rück. Dort ent­stan­den ein paar neue Songs, von de­nen An­xie­ty als ein­zi­ger über­lebt hat. Zu­rück in St.Gal­len, kämpf­te die Mu­si­ke­rin mit ei­ner Schreib­blo­cka­de. «Die Songs müs­sen mir zu­flie­gen, ich kann sie nicht er­zwin­gen», sagt sie. Doch das ta­ten sie nur sel­ten. 

Das än­der­te sich erst im Spät­som­mer 2024, als sie für ein hal­bes Jahr nach Wien ging – dank der Werk­bei­trä­ge des Kan­tons St.Gal­len und der Aus­ser­rho­di­schen Kul­tur­stif­tung konn­te sie sich ganz auf die Mu­sik kon­zen­trie­ren und muss­te nicht ne­ben­bei ar­bei­ten. Dort, weit weg von ih­rem ge­wohn­ten Um­feld und den täg­li­chen Rou­ti­nen, er­wach­te ih­re Krea­ti­vi­tät und ent­stand ein Gross­teil von Wa­sh My Pain Away.

Ein­ge­spielt und auf­ge­nom­men hat sie das Al­bum An­fang 2025 in Ka­na­da mit dem Pro­du­zen­ten Mi­cha­el Du­bue und dem Drum­mer/Per­kus­sio­nis­ten Adam Schrei­ber, die zu­letzt mit Tim­ber Tim­bre spiel­ten. Du­bues Stu­dio Cime­tiè­re in ei­ner al­ten Kir­che gab den Songs die­se spe­zi­el­le Au­ra, die über das Klang­li­che hin­aus­geht. Und die rie­si­gen Schnee­men­gen so­wie die ei­si­ge Käl­te im klei­nen Ort Quyon er­wie­sen sich als Me­ta­pher für Fe­mi Lu­nas Wie­der­erwa­chen als Mu­si­ke­rin: Ein­zel­ne Schnee­flo­cken sind luf­tig leicht, als Schnee­mas­se je­doch ei­ne gros­se Last, die Zeit braucht, um weg­zu­schmel­zen. Wie das Ver­ar­bei­ten von Ge­dan­ken und Ge­füh­len.

Mit Wa­sh My Pain Away be­ginnt für Fe­mi Lu­na ge­wis­ser­mas­sen ein neu­er Früh­ling. Das Aus­har­ren hat sich je­den­falls ge­lohnt.


Fe­mi Lu­na – Wa­sh My Pain Away: er­scheint am 17. April auf Vi­nyl und di­gi­tal.
Live: Sams­tag, 18. April, 21 Uhr, Pa­lace, St.Gal­len (Plat­ten­tau­fe).
fe­mi­luna­mu­sic.com

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