Der Grimbart zum Anfassen
Obwohl der Dachs immer stärker in unseren Siedlungsraum vordringt, sind ihm die wenigsten Menschen schon mal begegnet. Das Naturmuseum Thurgau widmet dem nachtaktiven Raubtier nun eine Ausstellung. «Wow… ein Dachs!» ist noch bis Ende November zu sehen.
Die Dachs-Illustration von Franziska Moltenbrey (Bild: pd/Naturmuseum TG)
Das Gesicht schwarz-weiss, die Nase lang, die Beine kurz und der Körper gedrungen: der Dachs – in Fabeln oder Märchen, wie Goethes Versepos Reineke Fuchs, Grimbart genannt. Dem auch in der Schweiz heimischen Raubtier widmet das Naturmuseum Thurgau seine aktuelle Sonderausstellung «Wow… ein Dachs!», die noch bis Ende November zu sehen ist.
Der zur Familie der Marder gehörende Vierbeiner wohnt eigentlich in den Wäldern, wo er tagsüber in seinem Bau schläft. Jedoch sei er ein «Kulturfolger», so das Naturmuseum in der Pressemitteilung, der immer mehr in den Siedlungsraum der Menschen vordringt. Gesehen haben ihn dennoch die wenigsten, dafür vielleicht seine Spuren: Gerne vergreift sich der nachtaktive Dachs an Siedlungsabfällen, reisst Abfallsäcke auf oder gräbt im Blumenbeet nach Regenwürmern. Die sind nämlich seine Leibspeise. Bis zu 200 davon kann er sich in einer Nacht einverleiben.
Ein Blick in die Ausstellung im Naturmuseum Thurgau (Bild: pd/Naturmuseum TG)
Anderer Funfact zum Dachs: Er mag seinen Bau sauber und buddelt deshalb ausserhalb etwa 20 Zentimeter tiefe Löcher, die er als Toilette verwendet. Und: Das Weibchen kann während einer bestehenden Schwangerschaft erneut schwanger werden. Superfötation nennt sich das, oder auf gut Deutsch: Überbefruchtung. Weil die Entwicklung der Embryos bis zu elf Monate stillstehen kann, kommen die Dachsjungen dennoch alle gleichzeitig zur Welt. Das Naturmuseum erklärt: «Die zwei bis fünf Dachsjunge eines Wurfs können daher von unterschiedlichen Männchen zu verschiedenen Zeiten im Jahr gezeugt worden sein.»
Die vom Naturmuseum Olten ausgearbeitete Wanderausstellung verspricht einen umfassenden Einblick in die Lebensweise und das Verhalten des einheimischen Wildtiers, ebenso wie in seine Interaktion mit dem Menschen. Filmaufnahmen von Wildtierkameras unterstützen die Vermittlung und geben «überraschende und einmalige Einblicke ins Dachsleben». Zudem ermöglichen 22 lebensechte Präparate von Dachsen, das Tier aus nächster Nähe zu betrachten – eines der Präparate darf sogar gestreichelt werden.
«Wow… ein Dachs!»: bis 29. November, Naturmuseum Thurgau, Frauenfeld.
Aline und Peter* sind Hirt:innen auf einer Alp im Kanton St.Gallen. Der Wolf hat den Beruf stark verändert. Wie und weshalb Herdenschutz ein heikles Thema ist, erklären sie im Gespräch.
In der Ostschweiz geht der Wolf um. Während die einen mehr Abschüsse fordern, reden die anderen von einem friedlichen Miteinander. Doch was ist möglich – und was nötig? Und geht es wirklich um die Schuld des Tiers?
Ausstellung in Urnäsch
Im Appenzeller Brauchtumsmuseum in Urnäsch geht es um die heimische Fauna und Flora sowie um die Rolle der Jagd. «Wild. Wald. Wir. Wildtiere und Jagd erleben» heisst die neue Sonderausstellung, die noch bis zum 7. Februar 2027 zu sehen ist.
Kunstausstellung
Die Wanderausstellung «Ich Tier Wir» im Open Art Museum in St.Gallen lädt zum Nachdenken über die Rolle des Tieres als Lebewesen, Symbol und Ressource ein.
Das St.Galler Theater Trouvaille entdeckt den Musiker und Juristen Mani Matter neu. «’S isch einisch eine gsy»– 90 Jahre Mani Matter verbindet zahlreiche Lieder und literarische Texte des Berners zu einem abendfüllenden Programm. Saiten hat mit dem Theaterleiter Matthias Flückiger gesprochen.
Naturmuseum Thurgau
Vier Jahre nach ihrem Debüt kehren Lev Tigrovich mit einer neuen EP zurück. Diese handelt von Kontrollverlust, Illusionen und grossen Gefühlen – und enthält erstmals einen Song, der nicht auf Russisch gesungen ist.
Im letzten Spiel der Saison trifft der FC St.Gallen auf den neuen Schweizer Meister aus Thun - einen Sieger gibt es nicht.
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.
Der 1100. Todestag von Wiborada – Inklusin, Stadtheilige und Projektionsfläche – ist zurzeit Thema vielfältiger Aktivitäten. Zu den Highlights gehört eine mutmassliche Unterschrift, zu besichtigen in der Ausstellung im St.Galler Regierungsgebäude.
Gastkommentar
Anna Beck-Wörner hat ein Wiborada-Unterrichtsheft erarbeitet. Im Postenlauf, der durch St.Gallen führt, können Schüler:innen anhand von Wiboradas Lebensweg lehrplankonform Themen wie Gemeinschaft, Lebensform, Bücher oder Identität erarbeiten.
Am Wochenende bringt das Aufgetischt-Festival wieder über 100 Strassenkünstler:innen aus aller Welt in die Gassen der Stadt St.Gallen. Wir haben mit Daiana Mingarelli vom Duo Daiana Lou über die Eigen- und Besonderheiten des Busking gesprochen.
Heavy Psych Sounds Fest
Der peinliche bis inhaltsleere Auftritt des Tech-Faschisten Curtis Yarvin hat die Berichterstattung über das diesjährige St.Gallen Symposium dominiert. Am Montag haben – vor allem geisteswissenschaftliche – Exponent:innen der HSG in einem öffentlichen Gespräch versucht, Yarvins langen Schatten zu verwedeln.
Die St.Galler Theaterkompanie Rohstoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr aktuelles Theaterstück in der Kellerbühne. Wie in einem Rausch erzählt Orlando* von Geschlechternormen, Grenzauflösungen und Verwandlungen.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Eleanor Antin ist seit 60 Jahren künstlerisch tätig. Früh hat sie sich mit Technologie, Rassismus und Genderfluidität beschäftigt, doch zwischenzeitlich war sie fast in Vergessenheit geraten. Nun macht die erste europäische Retrospektive Station im Kunstmuseum Liechtenstein.
Der Musiker und Künstler Nicolaj Ésteban veröffentlicht ein neues Album seiner Band Loveboy And His Imaginary Friends. Es führt in eine faszinierende Welt – und in sein Inneres, wo es manchmal dunkel ist.
Nach vierzig Jahren kehrt Guido R. von Stürler in die Kunsthalle nach Wil zurück. Der Künstler, mit einem Faible für Fliegen, zeigt in «Zwischen den Systemen – Kunst im vernetzten Jetzt» eine Werkübersicht, die Organisches und Digitales vereint.
Eine halbe Million weniger von Kanton und Stadt – trotzdem machen Konzert und Theater St.Gallen vorläufig keine Abstriche beim Programm. Die Spielzeit 26/27 kündigt «Grenzgänge» an, sehr zeitgemässe insbesondere im Schauspiel.
Die Kritik an der Einladung des extremistischen und techno-libertären US-Bloggers Curtis Yarvin ans St. Gallen Symposium war gross – und berechtigt. Trotzdem war sein Auftritt am Ende vor allem eines: entlarvend. Selten traten die Widersprüche, die Selbstüberschätzung und die intellektuelle Leere der Neuen Rechten so öffentlich zutage.
In eigener Sache
Historische Überlieferungen sagen oft mehr über die Geisteshaltung der Verfasser aus als über geschichtliche Tatsachen. Was lässt sich also gesichert über die historische Person Wiborada sagen? Eine quellenkritische Spurensuche.