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Eine aktivistische Künstlerin wiederentdeckt

Vilna Nights (1993–1997/2025) Installationsansicht Kunstmuseum Liechtenstein (Bild: pd/ Sandra Maier)

Vilna Nights (1993–1997/2025) Installationsansicht Kunstmuseum Liechtenstein (Bild: pd/ Sandra Maier)

Eleanor Antin ist seit 60 Jahren künstlerisch tätig. Früh hat sie sich mit Technologie, Rassismus und Genderfluidität beschäftigt, doch zwischenzeitlich war sie fast in Vergessenheit geraten. Nun macht die erste europäische Retrospektive Station im Kunstmuseum Liechtenstein.

«Der Kö­nig kam zu­erst, als ich her­aus­fin­den woll­te, wie mein männ­li­ches Selbst sein wür­de.» Ele­a­n­or An­tin po­siert mit breit­krem­pi­gem Hut, legt sich ei­nen Bart um, stutzt und zwir­belt ihn, bis er dem mar­kan­ten Spitz­bart von Karl I. gleicht. Der Mon­arch war im 17. Jahr­hun­dert in re­li­giö­se und po­li­ti­sche Macht­kämp­fe ver­strickt und wur­de schliess­lich we­gen Hoch­ver­rats ent­haup­tet. 

Po­li­ti­sche Kri­sen prä­gen auch die USA der 1970er-Jah­re. Der Viet­nam­krieg, die es­ka­lie­ren­den Pro­tes­te da­ge­gen, der Wa­ter­ga­te-Skan­dal – Ele­a­n­or An­tin wählt die Iden­ti­tät des Kö­nigs in Zei­ten schwin­den­den Ver­trau­ens in die Re­gie­rung. Sie spielt mit All­machts- und Ohn­machts­ge­füh­len und be­lässt es nicht bei der Mas­ke­ra­de im Stu­dio. Sie zieht mit we­hen­dem Um­hang durch das ur­ba­ne Ka­li­for­ni­en und lässt die Wel­ten auf­ein­an­der­pral­len. Hier der gross­spu­ri­ge Herr­scher – dort die pro­fa­ne Wirk­lich­keit: die Park­plät­ze, die Ban­ken, das öf­fent­li­che Män­ner-WC. Die Fo­to­gra­fien die­ser Per­for­mance zei­gen nicht nur den Drang der Künst­le­rin, sich un­be­que­men Si­tua­tio­nen aus­zu­set­zen, son­dern auch ihr ko­mö­di­an­ti­sches Ta­lent.

Ei­ne Ab­fol­ge von «Selbst­en»

Der Kö­nig war nicht das letz­te Selbst, das Ele­a­n­or An­tin ent­wor­fen hat. Die 91-jäh­ri­ge Künst­le­rin, die in San Die­go lebt, hat im­mer wie­der neue Iden­ti­tä­ten aus­pro­biert. Nach dem Kö­nig kam die Bal­le­ri­na, nach der Bal­le­ri­na die Kran­ken­schwes­ter, spä­ter hat sie sich mit ih­rem jü­di­schen Er­be be­schäf­tigt und sich schliess­lich lust­voll in die An­ti­ke be­ge­ben, dann al­ler­dings nicht mehr vor, son­dern hin­ter der Ka­me­ra. Die­se Rol­len­spie­le sind Teil ei­nes Wer­kes, das nicht nur Per­for­mance, Fo­to­gra­fie und Film um­fasst, son­dern auch raum­grei­fen­de In­stal­la­tio­nen, Li­te­ra­tur, Zeich­nun­gen und Ob­jek­te – und das seit 60 Jah­ren. 

Jetzt wür­digt das Kunst­mu­se­um Liech­ten­stein die US-Ame­ri­ka­ne­rin in ei­ner se­hens­wer­ten Re­tro­spek­ti­ve – ih­rer ers­ten in Eu­ro­pa. Das ist zwar spät, aber trotz­dem ein gu­ter Zeit­punkt, denn Ele­a­n­or An­tins The­men sind un­ver­min­dert ak­tu­ell und gut in der Ge­gen­wart an­schluss­fä­hig. Die Künst­le­rin ge­hört zur fe­mi­nis­ti­schen Avant­gar­de der 1960er- und 1970er-Jah­re und hat von An­fang an ei­nen bö­sen, iro­ni­schen Blick auf Weib­lich­keits­ste­reo­ty­pen ge­rich­tet. In der Se­rie CAR­VING: A Tra­di­tio­nal Sculp­tu­re hat sie bei­spiels­wei­se ih­ren ei­ge­nen Kör­per über 37 Ta­ge hin­weg ge­formt und fo­to­gra­fiert.

Ak­ti­vis­tisch, po­li­tisch und hu­mor­voll

Auf den ers­ten Blick sind die 148 Fo­to­gra­fien das Pro­to­koll ei­ner Di­ät, auf den zwei­ten zei­gen sich An­spie­lun­gen auf ge­norm­te Kör­per­bil­der, auf den als eth­no­gra­fi­sche Me­tho­de ge­tarn­ten Voy­eu­ris­mus ge­wis­ser Völ­ker­kund­le­rin­nen und Völ­ker­kund­ler, auf de­ren Drang, Men­schen zu klas­si­fi­zie­ren, zu ent­blös­sen und zu ver­mes­sen – und auf die Kunst. So nimmt sie mit der selbst­be­wuss­ten Ges­te, ei­ne Di­ät als bild­haue­ri­schen Akt zu kenn­zeich­nen, den von männ­li­chen He­ro­en ge­präg­ten Kunst­be­griff aufs Korn, ge­nau­so wie die Tat­sa­che, dass Frau­en noch in den 1970er-Jah­ren eher als Mo­del­le statt als aus­stel­len­de Künst­le­rin­nen wahr­ge­nom­men wur­den.

Sie selbst ar­bei­te­te in ei­ner Com­mu­ni­ty, die lan­ge nicht auf dem Kunst­markt prä­sent war und kei­ne Ar­chi­ve ge­pflegt hat. Das hat Ele­a­n­or An­tin und ih­re Mit­strei­te­rin­nen schlicht nicht in­ter­es­siert, Geld ver­dien­ten sie oh­ne­hin nicht mit ih­rer Kunst. Statt­des­sen leb­ten sie ak­ti­vis­tisch, po­li­tisch und hu­mor­voll. 

Für ei­ne gross an­ge­leg­te Aus­stel­lung wie je­ne im Kunst­mu­se­um Liech­ten­stein sind das Feh­len von Ar­chiv­ma­te­ria­li­en und die da­mit be­stehen­den do­ku­men­ta­ri­schen Lü­cken ei­ne schwie­ri­ge Aus­gangs­la­ge. Aber dank der Zu­sam­men­ar­beit mit dem Mu­dam Lu­xem­bourg konn­te ei­ne dich­te Aus­stel­lung ent­wi­ckelt wer­den. Al­lein das fo­to­gra­fi­sche Ma­te­ri­al ist sehr um­fang­reich. Da­zwi­schen set­zen die his­to­ri­schen Film­ku­lis­sen gros­se Ak­zen­te; und für die ge­zeig­ten Fil­me lohnt es sich, Zeit zu in­ves­tie­ren.

«Ele­a­n­or An­tin – ei­ne Re­tro­spek­ti­ve»: bis 27. Sep­tem­ber, Kunst­mu­se­um Liech­ten­stein, Va­duz.

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
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Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
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Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
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Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover