Musikalisches Fest zum 150.
Die Tonhalle Wil wurde 1876 eröffnet. Seither bereichert sie praktisch ununterbrochen das kulturelle Leben der Äbtestadt. An den kommenden zwei Wochenenden wird gefeiert.
Farbenfroher Tonhalle-Saal in Wil (Bilder: pd)
Die Semper-Oper ist es natürlich nicht. Aber gar so weit hergeholt ist der Vergleich zur Tonhalle Wil, die aktuell ihr 150-Jahr-Jubiläum feiert, auch wieder nicht. Denn immerhin war ihr Baumeister, der aus dem Toggenburg stammende Architekt Joseph Bösch (1839–1922), ein Schüler des berühmten deutschen Kulturhäusererbauers Gottfried Semper. Dessen Historismus hat definitiv auf Böschs Neu-Renaissance-Bau in Wil und wortwörtlich auch auf den in kräftigem Rot, Gelb und Grün bemalten Saal abgefärbt. Allein dieser ist einen Tonhalle-Besuch wert. Die Semper’sche Innenraumbemalung ist von Wandmalereien der antiken Stadt Pompeji inspiriert.
Angst vor Erschütterungen vulkanischen Ausmasses braucht man in der Äbtestadt natürlich nicht zu haben, weder geologisch noch kulturpolitisch. Bei aller finanzpolitischer Zurückhaltung blüht das kulturelle Leben in Wil. Und der Tonhalle-Betrieb, der zu zwei Dritteln öffentlich von Stadt, Kanton und Ortsbürgergemeinde getragen wird, trägt mit seinem kuratierten Abo-Programm zwischen Schauspiel, Musiktheater, klassischen Konzerten und manchmal auch Tanzproduktionen wesentlich zur kulturellen Vielfalt bei. Die 12 bis 14 Anlässe pro Jahr werden durch eingemietete Fremdveranstaltungen ergänzt, häufig aus dem Comedy-Bereich oder auch Festbankette. So ist die Tonhalle das ganze Jahr über genutzt.
«Wir hatten im letzten Jahr eine Auslastung von rund 85 Prozent. Wir können uns also nicht beklagen», sagt Florence Leonetti, seit 2012 Gesamtleiterin der Tonhalle. Ein generellerBesucher:innenrückgang, wie ihn andere Häuser in der Ostschweiz seit Corona beklagen, sei nicht zu verzeichnen. Allerdings spüre man, dass schwere, ernstere Themen mehr Mühe hätten als früher, ein breiteres Publikum anzulocken. «Hier müssen wir mutig sein und auch mal in Kauf nehmen, dass nicht so viel Publikum kommt, wenn uns ein Thema wirklich am Herzen liegt.»
Florence Leonetti, 1968, ist seit 2012 Gesamtleiterin der Tonhalle Wil.
Fürs diesjährige Jubiläumsprogramm muss man sich diesbezüglich aber keine Sorge machen. An zwei Wochenenden im Juni steht das Feiern im Zentrum. Zum Auftakt am Samstag, 6. Juni, wird die mittlerweile traditionelle und stets gut besuchte Saisonvorschau inklusive Musik und Imbiss gleich zweimal hintereinander durchgeführt, damit niemand den Anlass verpasst. Den Abend gestaltet das Sinfonische Orchester Wil unter dem Motto «Rhythmus im Blut», wo es Lüpfiges von Bizet über Marquez bis Gershwin zu hören gibt. Am Abend darauf spielt das Jugendorchester Wil mit Stücken aus diversen Epochen auf.
Am Samstag, 13. Juni, geht das musikalische Fest weiter mit einem Treffen der Wiler Chöre, einem filmmusikalischen Stelldichein der Universal Brass Band und der Stadtharmonie Wil und – auf vielfältigen Publikumswunsch – Irish Folk von A Little Green. Der Abschluss des Jubiläumsreigens ist den jüngeren Gästen gewidmet mit dem Kinder- und Jugendchor Singbox und einem Konzert der Zürcher Kinderhörspiel-Band Silberbüx.
Nicht berücksichtigt habe man die Theatersparte, weil nur schon für den Auf- und Abbau einer Produktion einer von vier für das Jubiläum zur Verfügung stehenden Termine besetzt gewesen wäre. Dennoch: «Im Jubiläumsprogramm ist für alle etwas dabei. Uns war wichtig, dass wir vor allem mit jenen Vereinen und Ensembles zusammen feiern können, die regelmässig bei uns zu Gast sind», sagt Florence Leonetti.
«150 Jahre Tonhalle Wil – Ein Fest für alle»: diverse Programmpunkte an den Wochenenden vom 6./7. Juni und 13./14. Juni, Tonhalle, Wil.
tonhallewil.ch
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