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Heftvorschau 06/26
archive.org, Generalverdacht, 80er-Aufbruch
Saiten 2606 01 Cover
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Editorial

«Das Internet vergisst nie», lautet ein weitverbreiteter Irrtum. Es kommt zwar vor, dass Unangenehmes oder Unwahrheiten oft länger als erwünscht im Netz schwirren. Mit wenigen Klicks sind teils Jahrzehnte zurückliegende persönlich-peinliche oder auch politisch relevante Fehltritte oder Straftaten wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Und dennoch «vergisst» auch das Internet, einfach wesentlich langsamer als Menschen: Links verfallen, Websites werden gelöscht, alte Informationen weg-upgedatet. (Im schlechtesten Fall beschleunigen gutbezahlte Anwält:innen und andere Imagepfleger:innen die digitalen Vergessensprozesse aktiv.) Mit Liegengelassenem, Updates und Löschungen verschwinden aber nicht nur die kleinen und grossen menschlichen Schweinereien, sondern auch viel Erinnerungswertes und potenziell nützliches Wissen, das einzelne oder Schwarm-­Intelligenzen einmal produziert haben.

Hier setzt das Internet Archive an, das mit seiner Wayback Machine alte, gelöschte und erneuerte Internetseiten öffentlich zugänglich hält. Gegründet hat das Non-Profit-Megaprojekt der kalifornische Informatiker und Aktivist Brewster Kahle. Mit der gemeinnützigen Stiftung Internet Archive Switzerland eröffnet er jetzt einen Standort in St.Gallen. In Zeiten, in denen es Bibliotheksprojekte politisch schwer haben, ist das ein gutes Zeichen. Philipp Bürkler hat mit Kahle und weiteren Digitalarchivexpert:innen, die kürzlich in St.Gallen waren, gesprochen und erklärt in seinem Beitrag, welche Informationen auf den Ostschweizer Servern gespeichert werden, was das mit einer alten St.Galler Tradition zu tun hat und warum Datenarchivierung kein reiner Akt des Sammelns, sondern immer auch hochpolitisch ist. Und David Gadze berichtet, wie es einem St.Galler Internetpi(n)onier gelungen ist, Brewster Kahle vom Standort St.Gallen zu überzeugen.

Ausserdem im geschichtsträchtigen Juni: die Besprechung des neuen Buchs von Ralph Hug und Corinne Schatz über die St.Galler Kulturaufbrüche der 80er-Jahre, ein Expert:innengespräch zu zunehmender häuslicher Gewalt, Femiziden in der Ostschweiz und Männern unter Generalverdacht, die Flaschenpost von der Biennale in Venedig und das Abschiedsinterview mit Matthias Peter, der zum Ende dieser Spielzeit die Leitung der Keller­bühne abgibt.Roman Hertler

Inhalt
Auftakt
2606 Redeplatz Matthias Peter

«Gros­ses Lob für die­sen Kel­ler»

Von 

Nach 22 Jah­ren gibt Mat­thi­as Pe­ter die Lei­tung der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne ab. Vom Raum ist er nach wie vor be­geis­tert. Aber dem Ka­ba­rett ging es auch schon bes­ser, er­zählt er im Ge­spräch.

Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative

Über­frem­dungs­ge­heul im Dau­er­loop

Von 

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Hor­ror un­ter dem Mi­kro­skop

Von 

Au­tor:in­nen des Hor­ror­gen­res be­die­nen sich seit je­her der Äs­the­tik der In­sek­ten­welt. Le­gen­dä­re Mons­ter­de­signs wie der Xe­no­morph in Ali­en, die Bugs in Star­ship Tro­o­pers oder «It» in Re­si­dent Evil…

Kolumne: Stimmrecht

Back to the Fu­ture

Von 

Ei­nes Ta­ges fuhr ich mit mei­nem ge­lieb­ten ro­ten Tro­gen­erb­ähn­li durch die Stadt und ir­gend­wo bei der Hal­te­stel­le Spi­ser­tor ging mir ein Licht auf. Ich blick­te auf die Schau­fens­ter der Piz­ze­ria ge­gen­über. Ich er­in­ner­te mich ganz deut­lich, wo ich sol­che Ti­sche, sol­che Piz­za und so­gar sol­chen Ka­kao…

Kolumne: 24/7 Traumacore

Spring Is Co­ming Wi­th A 425mg Pas­si­ons­blu­men-Dra­gée In The Mouth

Von 

«I can’t think of any­thing worth wri­ting / I just wri­te to you / So that you know that I am ali­ve / And that cin­ders al­ways re­main / Whe­re the­re on­ce was a fire» 1984 setz­te die Sän­ge­rin Ele­na Ló­pez aus Brie­fen, die sie nie ab­ge­schickt hat­te, die Ly­rics des Ope­ra­ting-Theat­re-Songs Spring…

Kultur
2606 80er JF Mueller 01

Der Kul­tur­kampf

Von 

Es war das Jahr­zehnt der Kul­tur: In den 80ern kam die Stadt St.Gal­len zu ei­ner Kunst­hal­le, ei­nem Pro­gramm­ki­no, der Frau­en­bi­blio­thek, der Gra­ben­hal­le, ge­nos­sen­schaft­li­chen Bei­zen und an­de­rem. Wie das ge­lang und wer die Fä­den zog, zeich­nen Ralph Hug und Co­rin­ne Schatz im Buch Der gros­se Auf­bruch nach.

2606 Psychobuch 2

Mit 1000 Um­dre­hun­gen durch den All­tags­irr­sinn

Von 

Das muss­te ja so kom­men! Es konn­te nicht bei ei­nem blei­ben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zwei­te gros­se, schwe­re Psy­cho­buch von Be­ni Bi­schof. Dar­in ver­wir­belt der Künst­ler er­neut Ei­ge­nes, Frem­des, Be­fremd­li­ches, Be­kann­tes, Neu­es, Un­kennt­li­ches mit lo­cke­rer Hand, Hu­mor und Hin­ter­sinn.

01 Florian Fuchs Theano Foto Maria Mahler

Dy­na­mik in Stein

Von 

Flo­ri­an Fuchs ar­bei­tet an ei­ner an­tik an­mu­ten­den, 2,5 Me­ter ho­hen Mar­mor­sta­tue. War­um in­ter­es­siert sich ein jun­ger Bild­hau­er für die­se klas­si­sche Her­an­ge­hens­wei­se? Ein Werk­statt­be­such in Fla­wil.

Bildschirmfoto 2026 06 10 um 15 01 03

«Wer hält uns da­von ab, frei zu sein?»

Von 

In­na Shev­chen­ko fragt im Do­ku­men­tar­film Girls and Gods, ob die mo­no­the­is­ti­schen Welt­re­li­gio­nen mit Fe­mi­nis­mus ver­ein­bar sind. Auf der Su­che nach Ant­wor­ten be­geg­net sie wi­der­sprüchli­chen Theo­rien und mu­ti­gen Frau­en. Und bleibt nicht nur stil­le Be­ob­ach­te­rin.

DSC2639

Mu­si­ka­li­sches Fest zum 150.

Von 

Die Ton­hal­le Wil wur­de 1876 er­öff­net. Seit­her be­rei­chert sie prak­tisch un­un­ter­bro­chen das kul­tu­rel­le Le­ben der Äb­te­stadt. An den kom­men­den zwei Wo­chen­en­den wird ge­fei­ert.

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Ge­trennt ge­mein­sam und mit gu­ter Aus­sicht

Von 

For­rer Stie­ger Ar­chi­tek­ten ge­lingt mit dem Drei­fach­kin­der­gar­ten und der Ta­ges­be­treu­ung im Hei­lig­kreuz­quar­tier in St.Gal­len die Qua­dra­tur des Krei­ses.