Wir wollen Rechte, keine Almosen
Liebe Nationalrätinnen und Nationalräte
Am 16. und 21. September beraten Sie im Parlament darüber, wie es mit der Inklusionsinitiative weitergeht.
Sie stellen damit die Weichen für 1,9 Millionen Menschen mit Behinderungen in diesem Land. Sie entscheiden mit darüber, ob wir endlich vollwertige Bürgerinnen und Bürger werden oder weiterhin Menschen bleiben, über deren Bedürfnisse und Selbstbestimmung andere befinden.
Die Schweiz hat gute Gesetze. Sie hat die Behindertengleichstellung in der Verfassung und die UNO-Behindertenrechtskonvention ratifiziert. Aber Rechte auf dem Papier genügen nicht, wenn sie sich im Alltag kaum durchsetzen lassen.Genau darum geht es bei der Inklusionsinitiative. Nicht um mehr Fürsorge. Nicht um mehr Wohlwollen. Sondern um Rechte: auf tatsächliche Gleichstellung, notwendige Unterstützung und Assistenz sowie die freie Wahl von Wohnort und Wohnform.Heute sind wir noch zu oft darauf angewiesen, dass Behörden, Versicherungen oder Institutionen unser Anliegen anerkennen. Man gewährt uns etwas. Oder nicht.Das ist das Prinzip Almosen.
Ein Rechtsstaat funktioniert anders: Ich muss nicht darum bitten, dass mein Recht respektiert wird. Ich habe dieses Recht.
Über Assistenz, Wohnen und Barrierefreiheit wird viel gesprochen. Über das Entscheidende erstaunlich wenig: das Recht, sein Recht durchzusetzen.Solange Menschen mit Behinderungen im Konfliktfall nicht über starke individuelle Rechtsansprüche verfügen, bleiben sie Bittsteller. Erst ein durchsetzbares Recht macht aus Wohlwollen Gleichstellung.
Der Bundesrat lehnt die Initiative ab und setzt auf einen Gegenvorschlag. Dieser bringt Verbesserungen, bleibt aber hinter diesem Anspruch zurück.Das Parlament kann das korrigieren.
Machen Sie aus 1,9 Millionen Menschen keine Empfängerinnen und Empfänger staatlichen Wohlwollens.
Machen Sie uns zu Bürgerinnen und Bürgern mit gleichen Rechten.Ich bin überzeugt, dass auch die Schweizer Bevölkerung dazu bereit ist.
Christoph Keller, Schriftsteller und Rollstuhlfahrer, St.Gallen, 10. September 2026
Christoph Keller ist Schriftsteller in St.Gallen und engagiert sich für die Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen. In Wir müssen reden veröffentlichte er einen Essay und ein Gespräch mit dem heutigen Nationalrat Islam Alijaj. Zu seinen Büchern zählt Jeder Krüppel ein Superheld. Beide sind im Limmat Verlag erschienen.
Offener Brief von Autor Christoph Keller
Aus aktuellem Anlass wendet sich der St.Galler Autor Christoph Keller in einem offenen Brief an die offizielle Schweiz.
Noch ein offener Brief von Autor Christoph Keller
Aus gegebenem Anlass wendet sich der St.Galler Autor Christoph Keller noch einmal an die offizielle Schweiz.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.