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An die WEF-Schweiz zum Zweiten

Christoph Keller (Bild: Tine Edel)

Christoph Keller (Bild: Tine Edel)

Aus gegebenem Anlass wendet sich der St.Galler Autor Christoph Keller noch einmal an die offizielle Schweiz.

St. Gal­len, am 25. Ja­nu­ar 2026

Lie­be WEF-Schweiz

Jetzt ist es vor­bei. Jetzt ha­ben wir es hin­ter uns. Es war noch spek­ta­ku­lä­rer, noch gräss­li­cher als ver­gan­ge­nes Jahr: Pri­vat­jets, Prä­si­den­ten-Sui­ten, Si­cher­heits­zir­kus – und der Zau­ber­berg als nicht bar­rie­re­freie Ku­lis­se.

Am schöns­ten aber war die Gros­se Re­de des Gros­sen Wü­te­richs. Da­von könnt ihr noch lan­ge er­zäh­len. 

Al­le habt ihr euch in den Raum ge­drängt. Zu­min­dest die, de­ren Ell­bo­gen rück­sichts­los ge­nug wa­ren. Ge­bannt habt ihr die dreis­ten Lü­gen, Be­lei­di­gun­gen und Dro­hun­gen an­ge­hört. Und auch noch ap­plau­diert. Ihr nennt das Mot­to ‹A Spi­rit of Dia­lo­gue›. Die Welt sah den Geist des Schwei­gens.

Nicht ei­ner, kei­ne hat hör­bar gemuckst. Kein schüch­ter­nes Buh. Kein Zwi­schen­ruf an­ge­sichts des ex­po­nier­ten Wahn­sinns. Kaum je­mand ging. Und falls doch, dann wohl nicht aus Pro­test, son­dern weil ein Toi­let­ten­stopp op­por­tun wur­de: Das lan­ge War­ten, die Pa­nik, den nack­ten Wahn­sinn live zu ver­pas­sen, hat auf die Bla­se ge­drückt.

Aber jetzt könnt ihr sa­gen: Das war his­to­risch, wir wa­ren da­bei.

Was ihr, CE­Os und Bun­des­rä­tin­nen, Po­lit-In­flu­en­zier und Reich­ge­bo­re­ne, nicht sa­gen könnt: Wir ha­ben da­mals die Stim­me er­ho­ben, auf den Wahn­sinn auf­merk­sam ge­macht, ge­gen ihn pro­tes­tiert. 

Und noch schlim­mer: Eu­er Schwei­gen wird die­sen Wahn­sinn nicht be­schwich­ti­gen. Im Ge­gen­teil: Es wird ihn be­flü­geln. Denn Wahn­sinn ver­ach­tet Duck­mäu­ser, Op­por­tu­nis­ten und Feig­lin­ge.

Ich er­war­te kei­ne Ant­wort, aber ei­ne an­de­re Hal­tung.

Mit freund­li­chen Grü­ßen

Chris­toph Kel­ler
Schrift­stel­ler und Fah­rer ei­nes nicht schuss­si­che­ren Roll­stuhls

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