Kategorie
Autor:innen
Jahr

Offener Brief gegen «Das Buch»

Die Skulptur «Das Buch» zum Reformationsjubiläum ist diskriminierend: Das hat der St.Galler Schriftsteller Christoph Keller den verantwortlichen Stellen von Kirche und HSG geschrieben - vergeblich. Jetzt protestiert er mit einem Offenen Brief an den Stadtrat. Hier der Brief im Wortlaut.
Von  Gastbeitrag
«Das Buch» vor der Universität St.Gallen. (Bild: Archiv Ostschweizer Kunstschaffen)

Seit bald einem halben Jahr steht «Das Buch» vor der Bibliothek der Universität; danach soll es an drei weiteren buchträchtigen Orten zu sehen sein: im Klosterbezirk, vor dem Vadian-Denkmal, schliesslich am Bahnhofsplatz. Das macht in St. Gallen, das sich gern als «Buchstadt» sieht, durchaus Sinn. Nur ist mit diesem «Buch» ein unappetitliches Problem verbunden: Es diskriminiert.

«Das Buch» ist nicht einmal ein Buch; es ist eine überdachte Treppe mit Guckloch. Ein Buch steht für den offenen Zugang zu andern Leben, Welten, Kulturen. Dieses «Buch» aber schliesst Menschen aus. Seiten sind zu Stufen geworden, die Stufen stehen für den Passionsweg Jesu. «Das Buch» verspricht biblische Erlösung, aber nur für die, die Treppen steigen können. Menschen, die gebrechlich sind oder auf einen Rollator oder einen Rollstuhl angewiesen sind, bleiben im Dunkeln. Die Symbolik dieses Werks ist eindeutig, und sie ist erschreckend.

Will St. Gallen diese Art von «Buch»-Stadt sein?

Was nur haben sich die Beteiligten gedacht? Als einer, der gleich doppelt betroffen ist, als Buchautor und Rollstuhlbenutzer, wollte ich das herausfinden. So meldete ich mich am 1. Juni 2017 mit einem Brief. Die Antworten überraschten mich. Ja, gab mir die evangelisch-reformierte Kirche und die evangelische Allianz St. Gallen, die das «Buch» im Rahmen des 500-Jahr-Jubiläums der Reformation in Auftrag gegeben hat, recht, «Das Buch» diskriminiere. Da es aber nur «temporär» zu sehen sei, habe man das in Kauf genommen. Der Künstler speiste mich mit der Art «zur Kenntnisnahme»-Formbrief ab, den man von Versicherungen gewohnt ist. Ihm tue es leid, dass ich mich «durch die Skulptur ausgeschlossen fühle», ansonsten fügte er den Kirchenbrief bei. Temporäre Diskriminierung ist auch für ihn ok.

Die Universität, die dem «Buch» Gastrecht gewährt und es auch finanziell unterstützt, kam zum selben Schluss. Ja, gab man mir auch hier recht: «Das Buch» diskriminiere. Ja, die HSG habe einen Fehler gemacht, und ja, es bestehe Handlungsbedarf. Nein, Diskriminierung gehe auch temporär nicht. Natürlich nicht. So wurde ich zum Gespräch eingeladen, um eine Lösung zu finden. Im Dialog Bewusstsein schaffen. Eine Veranstaltung mit mir. «Das Buch» umbauen, es gar entfernen. Das klang vielversprechend. Ich rollte beschwingt nach Hause.

Freie Fahrt in die Buchhandlungen

Ich habe mich zum ersten Mal zum Thema «Buch» am 19. Mai 2017 im «St. Galler Tagblatt» zu Wort gemeldet. Ich publizierte einen Aufsatz dazu, Saiten berichtete. Es änderte sich aber nichts. Doch! Es änderte sich etwas. Seither diskriminiert «Das Buch» wissentlich, mit dem Segen des Künstlers, der evangelischen Kirche, der Universität St. Gallen und der Stadt St. Gallen.

Will St. Gallen wirklich mit diesem «Buch der Ausgrenzung» ­– wissentlich – Stadtgeschichte schreiben? Kaum. Gerne mache ich einen Vorschlag. Es kostet viel Geld, allein dieses 22-Tonnen-schwere Objekt weitere drei Mal abzubrechen, zu transportieren und wieder aufzubauen. Statt dessen könnten mit diesem Geld die Buchhandlungen Comedia, zur Rose und andere barrierefrei(er) gemacht werden. (Das Rösslitor ist es schon). Auch im Namen der Reformation.

So wird in der Buchstadt St. Gallen aus temporärer Diskriminierung permanente Verbesserung.

Mit guten Grüssen

Christoph Keller

Im Septemberheft «Saiten macht mobil» hat Christoph Keller über die Tücken der St.Galler Innenstadt für Rollstuhlfahrer geschrieben. Sein Fazit: «St.Gallen, die Hauptstadt der Pflastersteinrampen».

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3.

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291