An die WEF-Schweiz

Christoph Keller (Bild: Tine Edel)

Aus aktuellem Anlass wendet sich der St.Galler Autor Christoph Keller in einem offenen Brief an die offizielle Schweiz.

St.Gal­len, am 18. Ja­nu­ar 2026

Lie­bes WEF-Da­vos, lie­be of­fi­zi­el­le Schweiz

Der Gros­se Wü­te­rich – der Mann, der mit Dro­hung und Er­pres­sung re­giert – ist da­bei, sich Grön­land ein­zu­ver­lei­ben, und Sie le­gen ihm den ro­ten Tep­pich aus. Er wird mit der gröss­ten De­le­ga­ti­on, die Da­vos je ge­se­hen hat, ein­tref­fen: Flug­zeu­ge, je­de Men­ge Si­cher­heits­be­am­te, He­li­ko­pter, Dut­zen­de ge­pan­zer­te Fahr­zeu­ge; gar das Ben­zin wird ein­ge­flo­gen. Ei­ne klei­ne Ar­mee, die in un­ser Land ein­dringt. Da­bei braucht er die­se gar nicht, um die Schweiz ein­zu­neh­men. Ei­ne Flag­ge ge­nügt.

Eu­ro­pa wird be­droht, nicht nur von Russ­land. Wir ver­harm­lo­sen hy­bri­de An­grif­fe, weil Ge­schäf­te vor­ge­hen. Wurs­teln, wie es un­ser Aus­sen­mi­nis­ter treu­her­zig nennt. Neu­tra­li­tät, die als Code für un­ser Busi­ness-Mo­dell ele­gan­ter klingt. Nun ge­schieht das Un­denk­ba­re: Die USA grei­fen Eu­ro­pa an. Wer den Gros­sen Wü­te­rich nicht jetzt stoppt, lädt ihn zu wei­te­ren Über­grif­fen ein.

Ge­nau das tun wir. Öff­nen den Räu­bern Tür und Tor in vor­aus­ei­len­dem Ge­hor­sam. Die USA könn­ten sich ja mit Zöl­len rä­chen. Ha­ben Sie es noch nicht be­grif­fen, lie­bes WEF-Da­vos, lie­be of­fi­zi­el­le Schweiz? Sie wer­den es oh­ne­hin tun. Wer im­mer Schwä­che zeigt, wird mit Stär­ke über­rollt. Es wird nicht mit Grön­land auf­hö­ren. Die Plün­de­run­gen wer­den wei­ter­ge­hen: ge­gen Schwä­che­re zu­erst, dann ge­gen Nach­barn, dann ge­gen uns.

Wir kön­nen die­sem Wahn­sinn – und dem dro­hen­den Ver­lust un­se­rer de­mo­kra­ti­schen Sou­ve­rä­ni­tät – nur mit Wi­der­stand be­geg­nen: Ehr­lich­keit. Öf­fent­lich­keit: kei­ne Ein­schrän­kung un­se­rer De­mons­tra­ti­ons­rech­te. Par­la­men­ta­ri­scher Druck: kei­ne An­bie­de­rung an Droh­po­li­tik als aus­sen­po­li­ti­sches Prin­zip. Kei­ne ex­zes­si­ve Ein­fuhr mi­li­tä­ri­scher Hard­ware. Kei­ne recht­lo­sen Si­cher­heits­zo­nen. Ma­chen wir auch noch mit, sind wir nur noch ein Va­sal­len­staat.

Als sie Ve­ne­zue­la hol­ten, ha­be ich ge­schwie­gen; ich bin ja nicht Ve­ne­zue­la.

Als sie Grön­land hol­ten, ha­be ich ge­schwie­gen; ich bin ja nicht Grön­land.

Als sie die Schweiz hol­ten, gab es nie­man­den mehr, der noch pro­tes­tier­te.

Mar­tin Niem­öl­ler, pa­ra­phra­siert (Die Zei­len des Ori­gi­nals hän­gen im United Sta­tes Ho­lo­caust Mu­se­um)

Ich er­war­te kei­ne Ant­wort, aber ei­ne Hal­tung.

Mit freund­li­chen Grüs­sen

Chris­toph Kel­ler
Schrift­stel­ler und Fah­rer ei­nes nicht ge­pan­zer­ten Roll­stuhls

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