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Zwanzig sture Schweizer Frauen 

Zwanzig Pionierinnen stellt die im St.Galler Rheintal aufgewachsene Journalistin Daniele Muscionico in ihrem neuen Buch vor. Durchaus lesenswert und mit vielen (vielen!) Ausrufezeichen.

Die Autorin Daniele Muscionico (Bild: pd/Thomas Flechtner)

Die Autorin Daniele Muscionico (Bild: pd/Thomas Flechtner)

Un­ter dem Ti­tel Star­ke Schwei­zer Frau­en er­schien 2021 im Lim­mat Ver­lag ein Band mit dreis­sig von Da­nie­le Mu­scio­ni­co ver­fass­ten Frau­en­por­träts. Von des­sen Buch­de­ckel blickt re­spekt­ein­flös­send die gros­se Me­ret Op­pen­heim in die Welt. Und ja, über den pa­trio­tisch an­ge­hauch­ten Ti­tel und den Grund, wes­halb «Stär­ke» bei Frau­en ei­gent­lich ex­pli­zit be­tont wer­den muss, soll­te man sich wei­ter strei­ten. 

Nun legt die mehr­fach aus­ge­zeich­ne­te Jour­na­lis­tin Mu­scio­ni­co mit ei­nem zwei­ten Band Star­ke Schwei­zer Frau­en zwan­zig Por­träts nach, den Ti­tel er­gänzt sie mit dem Zu­satz Pio­nie­rin­nen. Die­ser Buch­um­schlag zeigt die Pi­lo­tin und Flug­pio­nie­rin Mar­gret Fus­bahn-Bill­wi­ler. Im Flie­ger­man­tel und mit Kom­pass um den Hals, die ei­ne Hand am Ro­tor­blatt ei­nes Flug­zeugs. Die St.Gal­le­rin stell­te in den 1920er und 30er Jah­ren meh­re­re Re­kor­de auf, sam­mel­te Flug­show-Po­ka­le, un­ter­nahm mehr­mo­na­ti­ge Lang­stre­cken­flü­ge, kam bis nach Süd­afri­ka. 

Und dar­um geht es: Nach be­währ­tem Star­ke Schwei­zer Frau­en Re­zept – Ti­tel, Vor­spann, Bild, Kurz­bio­gra­phie, Fak­ten­block– ver­sam­melt die Au­torin (fast aus­schliess­lich) Ge­schich­ten von Frau­en, die in un­ter­schied­li­chen Be­rei­chen und zu un­ter­schied­li­chen Zei­ten auf die ei­ne oder an­de­re Art als Pio­nie­rin­nen gel­ten kön­nen. Frau­en, die sich über vor­ge­ge­be­ne Rol­len­bil­der hin­weg­setz­ten, da­durch Neu­es er­lebt und Neu­es ge­schafft ha­ben. 

Von Pi­lo­tin­nen und eli­tä­ren Ras­sis­tin­nen 

Da­bei ver­klärt Mu­scio­ni­co die aus­ge­wähl­ten Schick­sa­le we­der zu weib­li­chen Er­folgs­ge­schich­ten noch de­ren Haupt­fi­gu­ren zu ta­del­lo­sen Hel­din­nen. Dass die Aris­to­kra­tin und Kämp­fe­rin für po­li­ti­sche Gleich­stel­lung Me­ta von Sa­lis ei­ne eli­tä­re Ras­sis­tin war, tritt eben­so klar zu­ta­ge wie die Tat­sa­che, dass die Frau auf dem Buch­um­schlag sich nicht für Frau­en­rech­te in­ter­es­sier­te. Mar­gret Fus­bahn-Bill­wi­ler woll­te ein­fach flie­gen. 

Sie war ei­ne her­aus­ra­gen­de Pi­lo­tin, ei­ne Aben­teu­re­rin und folg­te stur ih­rer Lei­den­schaft. Sie war an­ge­passt und be­haup­te­te, sie ver­ste­he selbst­ver­ständ­lich nichts von Tech­nik. Sie flog im­mer zu­sam­men mit ih­rem ers­ten Ehe­mann, dem sie meis­tens auch das Re­den über­liess. Sie ge­hö­re «nicht zu den Frau­en­recht­le­rin­nen, die sich durch Eman­zi­pa­ti­on weit über den Mann ge­stellt ha­ben» so der Ehe­mann. Zu­min­dest ge­gen­über der Öf­fent­lich­keit be­stä­tig­te Fus­bahn-Bill­wi­ler da­mit das Rol­len­ver­ständ­nis der Zeit. In ih­rer zwei­ten Ehe muss­te sie dann nicht mehr nur die Klap­pe hal­ten, son­dern wohl auch auf dem Bo­den blei­ben.

Frau­en aus der Ober­schicht

Wie die His­to­ri­ke­rin Eli­sa­beth Jo­r­is in ih­rem er­hel­len­den Vor­wort ein­räumt, han­delt es sich bei kaum ei­ner Por­trä­tier­ten um ei­ne An­ge­hö­ri­ge der Un­ter­schicht. Die Äb­tis­sin und Kunst­mä­ze­nin Ka­tha­ri­na von Zim­mern, die der Stadt Zü­rich das Frau­en­müns­ter­klos­ter schenk­te, oder die Habs­bur­ger Po­li­ti­ke­rin Agnes von Un­garn, von frau­en­feind­li­chen Li­te­ra­ten und Den­kern zum «blut­rüns­ti­gen Weibs­stück» er­klärt, ge­hör­ten dem (Hoch-)Adel an, Er­bin­nen aus Ban­kiers- und In­dus­tri­el­len­fa­mi­li­en des 19. und 20. Jahr­hun­derts, wie die er­wähn­te flie­gen­de Fa­bri­kan­ten­toch­ter Mar­gret Fus­bahn, dem (Gross-)Bür­ger­tum. Ih­nen stand nicht nur der Weg zu teu­ren Hob­bies, son­dern auch zu (an­fangs vor al­lem kul­tu­rel­ler) Bil­dung of­fen. 

Ob Eu­phe­mia Stad­lin in den Rei­gen die­ser pri­vi­le­gier­ten Frau­en passt? Ist es nicht zy­nisch, die Zu­ge­rin «Pio­nie­rin» zu nen­nen? Als 18-Jäh­ri­ge der He­xe­rei an­ge­klagt, über­leb­te sie Mo­na­te der Fol­ter­haft. Sie wei­ger­te sich, ein Ge­ständ­nis ab­zu­le­gen. Bei ih­rer Ent­las­sung hat­te die Ob­rig­keit sie zur In­va­li­din ge­macht. Von der­sel­ben Ob­rig­keit be­kam sie zehn Jah­re lang Al­mo­sen, bis der Scharf­rich­ter sie «ku­rie­ren» soll­te und sie aus den Ak­ten ver­schwand.

Ausrufezeichen

Die Autorin lässt viele der immer nach dem gleichen Schema gebauten biographischen Texte mit einem dumpfen Paukenschlag wie bei Stadlin ausklingen – oder steigt direkt mit einer anderen Schlüsselszene ein und rollt von da den persönlichen und geschichtlichen Hintergrund aus. Das funktioniert nicht immer gleich gut. Wer es gern der Reihe nach hat, dürfte sich mit dieser Form schwertun und liest besser zuerst den kurzen Faktenblock, der die einzelnen Porträts abrundet. Sonst kann es passieren, dass man in den biographischen, im Präsens gehaltenen Fliesstexten den chronologischen Faden verliert, nicht mehr weiss, welcher Giacometti nun welcher Generation angehörte oder sich wegen verirrter Fachbegriffe versehentlich in der Vor- statt der Zwischenweltkriegszeit wähnt. 

Dank historischer, frauenrechtsrelevanter Fakten, die in den Text eingeflossen sind, bleibt die Lektüre nicht bloss informativ und kurzweilig, sie macht auch Lust auf mehr. Dass die Eigenwilligkeit und der Mut der erinnerten Frauen so erstaunlich sind, wie die Ungerechtigkeiten, mit denen sie leben mussten, himmelschreiend, mag zumindest einen Teil der vielen Ausrufezeichen erklären, die manchmal an irritierender Stelle und in seltsamer Häufung über die 184 Seiten verstreut sind. Möge ihr Ruf gehört und noch viele weitere Frauenleben ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden – da gehören sie hin.

Daniele Muscionico: Starke Schweizer Frauen, Pionierinnen. Limmat Verlag, Zürich 2025.
Lesung mit Autorin: 19. November, 20 Uhr, Kafi Otmar, St.Gallen und 3. Dezember, 19 Uhr, Kellertheater, Winterthur.

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FC St.Gal­len vs. FC Lu­ga­no 5:0 – St.Gal­len de­klas­siert ein de­zi­mier­tes Lu­ga­no

Der FC St.Gal­len nützt ei­ne frü­he ro­te Kar­te ge­gen Lu­ga­no gna­den­los aus und schickt den bis­her so sou­ve­rä­nen Lea­der gleich mit 5:0 nach Hau­se. Ein denk­wür­di­ger Nach­mit­tag zum Nach­le­sen hier im SENF-Ti­cker.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Bücherherbst

Vom Fest­hal­ten und los­las­sen

Von Karsten Redmann,
Alles in allem taschenbuch julia trachsel

Die Er­de ist nicht ge­nug

Das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len er­öff­net Mit­te No­vem­ber zum zehn­jäh­ri­gen Be­stehen sei­nes Neu­baus den Aus­stel­lungs­be­reich «Mensch und Uni­ver­sum». Zwi­schen Kli­ma­kri­se und Ster­nen­him­mel geht es um ei­ne ziem­lich gros­se Fra­ge: Wo ste­hen wir ei­gent­lich?

Von Philipp Bürkler,
Naturmuseum Mensch und Universum Niklas Thalmann

Ein ziem­lich ab­ge­fah­re­nes Ding

Seit zehn Jah­ren gibt es die Re­si­den­cy in der Bi­blio­thek An­dre­as Züst im Al­pen­hof, die­sem so schwer zu fas­sen­den Ort in In­ner­rho­den. Der run­de Ge­burts­tag wird nun mit ei­nem viel­fäl­ti­gen Fes­ti­val ge­fei­ert.

Von Hanspeter Spörri,
Alpenhof bibliothek andreas zuest residency

Ein künst­le­ri­sches Ge­ne­ra­tio­nen­tref­fen

Be­vor die Kunst­hal­le St.Gal­len im De­zem­ber we­gen Um­bau­ar­bei­ten vor­aus­sicht­lich bis April 2027 schliesst, dreht sie noch­mals voll auf. In der Aus­stel­lung «House of Ch­an­ge: Pre-Con­s­truc­tion-Warm-Up-Ga­lo­re» prä­sen­tiert sie im lau­fen­den Mo­nat ein dich­tes, bun­tes Pro­gramm an Kunst und Kul­tur.

Von Larisa Baumann,
House of change larisa baumann 1

Zwi­schen Kunst und Kör­per 

In der Aus­stel­lung «Smi­le ma­nia­cal­ly we’re ali­ve» ver­bin­det Ja­la Wa­hid schein­bar ge­trenn­te Wel­ten. Sie schlägt dar­in ei­ne Brü­cke zwi­schen Er­in­ne­rung, Emo­ti­on, Wis­sen­schaft und Po­li­tik. 

Von Sieglinde Wöhrer,
Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Von Roman Hertler,
2611 Kulturgelder gaffa rappenspalter 2 farbe

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle