Das Wetter am Premierenabend – sommerlich warme 25 Grad – passt schon mal. Wir befinden uns nämlich in Sizilien, auf dem Landgut Don Leonatos. Bühnenbildner Luis Graninger kondensiert die edle Sommerresidenz auf kleinem Raum und setzt sie in einen modernen Kontext. Sie verfügt über einen Pool und einen Sandkasten, die in ein raffiniertes Netz aus Marmorwegen eingepasst sind.
Don Leonatos Haus selbst ist ein erhaben auf Stelzen stehender Glaskasten mit modernem Interieur und rotem Wuschelteppich. «Flokati rosso!», ruft Don Pedro (souverän: Ingo Biermann), der aus einer erfolgreich geschlagenen Schlacht heimkehrende Prinz von Aragon, entzückt bei diesem Anblick.
Helden in Adiletten
Natürlich ist das Glashaus, das eher dem Office eines hip-kreativen Start-ups ähnelt, von einer mit grünem Kunstrasen ausgelegten Veranda umgeben, auf der ein ebenso hipper roter Kugelgrill drapiert ist. Don Pedro und seine Gefolgschaft Graf Claudio und Benedikt von Padua kommen als moderne Macho-Feldherren in Badehosen, Adiletten und Sonnenbrillen daher. Ein Schelm, wem dabei halbnackt durch die Taiga reitende Präsidenten in den Sinn kommen.
Derweil planscht Don Leonatos schöne Tochter Hero ganz Tussi-like gelangweilt mit pinkem Cap und Riesensonnenbrille (Kostüm: ebenfalls Luis Graninger) im Pool und zieht an einer Zigarette.
Heldenparade: Ingo Biermann, Peter Posniak, Miguel Jachmann, vorne Maëlle Giovanetti.
Schnell wird klar, dass der scheue Claudio sich für Hero mehr als nur interessiert, und da dauert es nicht lange, bis Hochzeitspläne geschmiedet werden. Viel interessanter sind jedoch die Entwicklungen zwischen Heros schlagfertiger Cousine Beatrice und dem ebenso um keine schnippische Bemerkung verlegenen Benedikt.
Sie gibt sich intelligent und als viel zu gut für einen Mann, obschon sie insgeheim fürchtet, nie den passenden «Deckel» zu finden. Er hält sich für das Beste, was einer Frau passieren kann («Andere suchen ein Abenteuer. Ich bin ein Abenteuer!»), und möchte natürlich nicht gern zugeben, dass er einer Frau verfallen ist.
Weitere Vorstellungen bis 24. Juli
theaterkonstanz.de
Wie bekommt man nun zwei Menschen zusammen, die zumindest vorgeben, sich so überhaupt nicht zu mögen («Wir sind zu schlau, um friedlich zu flirten!»)? Das fragen sich auch Claudio und Don Pedro. Während die einen versuchen, ein Paar zusammenzubringen, scheuen der besiegte Halbbruder Don Pedros, Don John und sein Begleiter Borachio nicht vor Intrigen zurück, um die Verliebten Hero und Claudio zu entzweien.
Alles halb so wild
Regisseurin Susi Weber inszeniert Peter Raffalts neu bearbeitete, auf Eindreiviertelstunden gekürzte Fassung in sportlichem Tempo, ohne Zeit auf zu viel Pathos zu verschwenden. Die überzeichneten Charaktere bilden den idealen Nährboden für eine Vielzahl verbaler wie non-verbaler Reibungen.
Maëlle Giovanetti brilliert dabei als eigensinnige Beatrice mit ihrem sehr körperlichen komödiantischen Spiel und trifft auf Peter Posniaks alias Benedikts Dandy-Attitüde aus Der perfekte Mann. Deutlich zärtlicher zelebrieren Hero (Pauline Werner) und Claudio (Miguel Jachmann) ihre Liebe – ihr Duett zu dem unfassbar kitschigen Song Eternal flame ist ein Highlight des Abends.
Was sich liebt…: Maëlle Giovanetti und Peter Posniak (oben), Miguel Jachmann und Pauline Werner(unten).
Ansonsten kommt die Inszenierung ohne viel musikalischen Pomp aus. Eine Konstante bilden die Trommelklänge von Frank Denzinger und Martin Deufel (musikalische Leitung: Rudolf Hartmann), die mit Marsch und Samba brasilianisches Karnevalsfeeling aufkommen lassen.
Insgesamt ist ein heiter-komischer Reigen aus rasanten Wortgefechten, tragischen Wehmuts- und theatralischen Liebesbekundungen entstanden. Ganz im Sinne Shakespeares löst sich dieser am Ende natürlich in Wohlgefallen auf: «Die Liebe kommt zu allen. Schiesst Cupido nicht Pfeile, stellt er Fallen». Pragmatischer ausgedrückt: Alle kommen unter die Haube.
Die Tonhalle Wil wurde 1876 eröf fnet. Seither bereichert sie praktisch ununterbrochen das kulturelle Leben der Äbtestadt. An den kommenden zwei Wochenenden wird gefeiert.
Jonas Ulrich taucht mit seinem ersten Spielfilm in die Black-Metal-Welt ab. Wolves ist eine bildstarke Geschichte über Einsamkeit und das Dazugehören, voller Gegensätze und mit etwas holprigen Dialogen.
St.Gallen bewahrt nicht mehr nur 1000-jährige Handschriften. Mit dem Internet Archive Switzerland entsteht hier ein Archiv für Webseiten, künstliche Intelligenz und das digitale Gedächtnis der Zukunft.
Mit Internet Archive Switzerland entsteht in St.Gallen ein Ableger des grössten Archivs für Websiten und Künstliche Intelligenz weltweit. Ausserdem im Juniheft: Männer unter Generalverdacht, das grosse St.Galler 80er-Buch, das Abschiedsinterview mit dem langjährigen Kellerbühnenchef und die Flaschenpost aus Venedig.
Der WWF St.Gallen wird 50 Jahre alt. Sein Geschäftsleiter Lukas Indermaur zieht bei der Beurteilung der aktuellen Situation von Natur und Umwelt eine durchzogene Bilanz.
«Urs Frei. A – Z» im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Retrospektive zum ausserordentlichen Schaffen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Arbeiten geben Einblick in ein Werk, das kaum zu fassen ist. Das gehört zu seiner Qualität.
Wie wollen wir künftig leben und unsere Nahrungsmittel produzieren? Die Ausstellung «How goes Tomorrow» der Ostschweizer Künstlerin Claude Bühler in der Shedhalle in Frauenfeld sensibilisiert für nachhaltige Handlungsstrategien.
«Das Kind zurücklassen? Wie kann man so dumm und herzlos sein», schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über seine Mutter, die keine Mutter für ihn sein konnte. In seinem neuen Buch schaut er in die Vergangenheit und hat Verständnis, nicht für die Mutter, aber doch für diese Frau, die nie Glück und immer zu wenig Geld hatte.
Gaal, Görtler und Witzig schiessen St. Gallen zum langersehnten Cupsieg!
Die Medikamentenversuche von Münsterlingen als Teil eines Vampir-Musicals? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Die Bühne Mammern wagt den Versuch. Ab 29. Mai im Zirkuszelt.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.
«Dieci», die italienische Zahl für zehn, ist das Motto des diesjährigen Heiden-Festivals. Es verweist dabei nicht nur auf das Jubiläum, sondern auch auf eine kulturpolitische Haltung.
Naturmuseum Thurgau
Das St.Galler Theater Trouvaille entdeckt den Musiker und Juristen Mani Matter neu. «’S isch einisch eine gsy»– 90 Jahre Mani Matter verbindet zahlreiche Lieder und literarische Texte des Berners zu einem abendfüllenden Programm. Saiten hat mit dem Theaterleiter Matthias Flückiger gesprochen.
Vier Jahre nach ihrem Debüt kehren Lev Tigrovich mit einer neuen EP zurück. Diese handelt von Kontrollverlust, Illusionen und grossen Gefühlen – und enthält erstmals einen Song, der nicht auf Russisch gesungen ist.
Im letzten Spiel der Saison trifft der FC St.Gallen auf den neuen Schweizer Meister aus Thun - einen Sieger gibt es nicht.
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.