Kategorie
Autor:innen
Jahr

Theater Konstanz trotzt Corona

Das Theater Konstanz will sein Freilufttheater auf dem Münsterplatz trotz Corona-Pandemie inszenieren. Um weder Publikum noch Ensemble zu gefährden, haben Christoph Nix und sein Team ein abenteuerliches Konzept erarbeitet. von Stefan Böker
Von  Gastbeitrag
Christoph Nix (zweiter von rechts) und sein Team auf dem Münsterplatz. (Bilder: Stefan Böker)

Auch am Theater Konstanz sind seit Mitte März alle Vorstellungen abgesagt. Noch steht nicht fest, wann und in welcher Form der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Hörspiele und Lesungen fürs Internet fanden zwar ein Publikum, sind aber kein richtiger Ersatz für das Theater, dessen Wesen Intendant Christoph Nix vor versammelter Presse am Dienstag als «die letzte Bastion der Unmittelbarkeit menschlicher Begegnung» bezeichnete.

Diese Direktheit soll das Sommertheater im Juli wieder ermöglichen, darauf setzen die Mitarbeitenden des Stadttheaters ihre Hoffnung. Unter freiem Himmel, so die Überlegung, lassen sich die Auflagen des Infektionsschutzes besser umsetzen. Auf dem Bild oben das Team, das den Münsterplatz bespielen will: (von links) Regieassistent Lorenz Leander Haas, Chefdramaturg Martin Stefke, Referent Daniel Morgenroth, Schauspieldirektor Mark Zurmühle, Technischer Direktor Holger Bueb, Intendant Nix und Dramaturgin Franziska Bolli.

Abstand, Vorsicht und geregelten Abläufe

Die Sicherheitsvorkehrungen betreffen zunächst das Publikum: es wird dezimiert und in fünf Gruppen geteilt. Statt über 600 passen auf die dreigeteilte Tribüne 228 Menschen. Bei Bedarf händigen ihnen die – ebenfalls maskierten – Mitarbeitenden des Theaters Masken aus. Sie führen sie einzeln zu den Plätzen, nachdem sie in den entsprechenden Arealen gewartet haben. Zeitlich sollte das nicht länger dauern als gewöhnlich, erklärte der Technische Direktor Holger Bueb den geplanten Ablauf und einige hygienische Details: «Dort, wo normalerweise die Gastronomie steht, installieren wir Waschbecken.» WCs gibt es nur als Einzelkabinen; diese werden stündlich gereinigt. Auch der gesamte Platz soll immer wieder gereinigt werden.

Der Lageplan auf dem Münsterplatz.

Für das Ensemble bedeutet dies ebenfalls eine grosse Umstellung. Es spielen acht Schauspielerinnen und Schauspieler sowie zwölf Statisten und ein 16-köpfiger Chor. Geprobt wird im Freien. Zu Beginn muss sich jedes Mitglied einem Corona-Test unterziehen, der nach zwei Wochen wiederholt wird. Körperkontakt ist nicht erlaubt, Berührungen sollen symbolisch mithilfe von Requisiten geschehen. «Die Schauspieler schminken sich selbst und kleiden sich zudem selbst um. Dazu sind die Kostüme, meist Mönchskutten, minimal gehalten», erklärte Bueb. «Und wir besetzen nicht. Die Teilnahme ist freiwillig, wer Interesse und Lust hat sowie private Kontakte auch während der Spielzeit einschränkt, kann mitmachen.»

Der streitbare Intendant Nix nutzte die Pressekonferenz ausserdem, um sich über die Folgen der von der Konstanzer Stadtverwaltung verhängten Haushaltssperre zu beklagen, welche den Alltag im Theater zur Zumutung macht. Jede Ausgabe benötige eine Genehmigung, «und wenn es nur eine kleine Software für 15 Euro ist». Er fühle sich zum Ende seiner Intendanz «finanziell kastriert».

Das Sommertheater durchzuführen, würde die Kasse indes nur minimal belasten, denn die gesamte Infrastruktur und alle Mitwirkenden stehen bereit, das Stück ist geschrieben – und könnte auch kurzfristig wieder abgesagt werden, sollte sich die Entwicklung der Pandemie verschlechtern.

Lokalheiliger mit Handicap

Hermann der Krumme oder Die Erde ist rund stammt aus Nixens Feder. Das Stück folgt dem Leben des titelgebenden Universalgelehrten, der vor rund tausend Jahren im Kloster Reichenau lebte und forschte – ein Stephen Hawking des Mittelalters, den die Mönche in einem Holzstuhl durch die Gegend trugen und der unter anderem die erste Chronik unseres Kulturkreises verfasste, die erste mobile Sonnenuhr erfand, eine eigene Notenschrift kreierte und Kompositionen von Liebe und Hoffnung verfasste.

Obwohl vor dem Ausbruch der Pandemie entstanden und somit «kein Corona-Stück», liessen sich durchaus Beziehungen zur aktuellen Situation herstellen, so Nix. «Der Inhalt handelt von unserem Umgang mit Stigmatisierung und Krankheit und spielt in post-pestalischer Zeit.» Eine weitere Parallele liegt zudem auf der Hand: Hermann der Lahme, wie er eigentlich genannt wurde, meisterte sein Leben als Mensch mit Behinderung auf vorbildliche Art und liess sich von einem Schicksalsschlag so schnell keinen Strich durch die Rechnung machen.

«Merkelsche Realpolitik»

Für Nix ginge mit dieser Inszenierung seine 14-jährigen Amtszeit zu Ende – verständlich also, dass ihm viel daran liegt, das Stück auf die Bühne zu bringen und nicht sang- und klanglos zu verschwinden, bevor der letzte Vorhang fällt. Das Konstanzer Stadttheater ist so ausserdem eines der ersten deutschen Häuser, das nach der Schliessung der Theater wegen der Corona-Krise mit Plänen für die Wiederaufnahme des Betriebes an die Öffentlichkeit geht.

Intendant und Autor Christoph Nix mit Requisit.

Aber, das stellte Christoph Nix an der Pressekonferenz klar, «nicht auf Biegen und Brechen». Sein Team habe ein Konzept erarbeitet, das den Theaterbesuch «sicherer als Einkaufen» mache. Die Massnahmen seien an «Merkelscher Realpolitik» orientiert und haben bereits das OK des Virologischen Instituts der Universität Freiburg bekommen. «Ich möchte schliesslich nicht als der Intendant in die Geschichte eingehen, der mit seiner letzten Aufführung Menschen mit einem neuartigen Virus angesteckt hat.»

Am 7. Mai soll das Konzept in den Konstanzer Gemeinderat kommen. Und wenn es nicht genehmigt wird? «Dann hat es halt nicht sollen sein. Leckt mich, Klappe zu und tschüss.»

 

 

 

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558

Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
IMG 0757 2

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
Meter 6 david gadze

WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
6085807

FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01

Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
Whats App Image 2026 08 26 at 08 36 26

Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5