Tönt etwas plakativ, aber das Zitat muss sein am heutigen 20. März. Es ist Tag fünf der «ausserordentlichen Lage», die der Bundesrat ausgerufen hat. Es ist aber auch der 250. Geburtstag des Dichters Friedrich Hölderlin. Und in dessen Hymne Patmos stehen die Zeilen, um die man gerade nicht herumkommt:
Nah ist und schwer zu fassen der Gott. Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.
Und dann ist, in dieser ersten von 15 Strophen, die Rede von den «Liebsten», die «Nah wohnen, ermattend auf / Getrenntesten Bergen». Das Bild hockt sich fest als frappierende Vision des «Social Distancing» – auch wenn Hölderlin zweifellos in anderen als alltäglichen Sphären dachte.
Die Stellungnahme des Kulturamts
Weg vom Gedicht, hin zum leider allzu Konkreten.
«Zahlreiche Anfragen von Kulturschaffenden, -veranstaltenden und -institutionen bezüglich Verschiebungen und Absagen von kulturellen Veranstaltungen sowie geschlossenen Institutionen sind bei uns eingegangen. Die Folgen der Verbreitung des Coronavirus für die Kultur sind gravierend und können existenzbedrohend sein.»
Das schreibt das Amt für Kultur des Kantons St.Gallen einleitend – und informiert auf seiner Website, wie die staatliche Kulturförderung auf die Lage reagiert. Fragen, Antworten und Aktualisierungen findet man auf kultur.sg.ch.
Projektbeiträge gehen nicht verloren
Wenn ein Projekt verschoben wird, bleiben bereits zugesagte Projektbeiträge gültig. Ist ein Projekt abgebrochen oder abgesagt, können die Betroffenen dennoch eine Projektabrechnung einreichen, in der die bereits entstandenen Kosten sowie allfällige Einnahmen aufzuführen sind. Der verfügte Beitrag wird ausbezahlt, sofern die Schlussabrechnung unter Berücksichtigung des verfügten Projektbeitrags keinen Einnahmenüberschuss ausweist.
Leistungsvereinbarungen bleiben
Bei kulturellen Institutionen und Organisationen, die einen Jahresbeitrag erhalten, haben Anpassungen ihrer Leistungen aufgrund von Massnahmen rund um die Corona-Pandemie bis auf Weiteres keine Anpassung des Jahresbeitrags zur Folge.
Gagen: Ein schwieriges Feld
Auf die Frage, ob Freischaffende Anspruch auf Gagen oder Honorare haben, wenn ihr Engagement wegen Corona abgesagt wurde, gibt es keine eindeutige Antwort. Falls eine Absage-Klausel oder eine Force-Majeure-Klausel (höhere-Gewalt-Klausel) im Vertrag stehe, sei von diesen Vereinbarungen abhängig, ob der Anspruch auf Gage bestehen bleibt.
Ohne eine solche Vereinbarung gelte gemäss Obligationenrecht: «Freischaffende Kulturschaffende haben im Fall, in dem die Kulturveranstaltung infolge der Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus verboten wird, keinen Anspruch auf Gage, Honorar oder ein anderweitiges Entgelt.»
Der Anteil selbständig Erwerbender und freischaffenden Kulturschaffender, die weder von Kurzarbeit erfasst werden können noch durch eine Arbeitslosenversicherung abgesichert sind, ist in der Kulturbranche hoch, schreibt das Amt für Kultur. Und es verweist auf den Bundesrat, der grundsätzlich angekündigt hat, zusätzliche Mittel für den Kulturbereich bereitzustellen.
Genaueres hat der Bundesrat am heutigen 20. März bekanntgegeben. Für den Kultursektor wird ein Hilfsprogramm von 280 Millionen Franken für vorerst zwei Monate aufgegleist, Infos hier. Es sieht unter anderem die Ausweitung von Kurzarbeit auch auf temporär Angestellte, Soforthilfen in Form zinsloser Darlehen oder Ausfallentschädigungen vor. Auch Laien-Kulturvereine haben Anspruch auf die Abfederung finanzieller Schäden durch den Ausfall von Aufführungen. Die Umsetzung geschieht über die Kantone und über Suisseculture social.
Keine Gesuchspause
Schliesslich betont das Amt für Kultur: «Gerade in dieser anspruchsvollen Zeit setzt die st.gallische Kulturförderung alles daran, Gesuche für finanzielle Beiträge für Projekte regulär zu bearbeiten und verfügte Beiträge auszuzahlen.»
Die vollständigen Infos des Kantons St.Gallen hier. Auch das Kulturamt des Kantons Thurgau hat ähnlich lautende Empfehlungen publiziert, ebenso der Kanton Appenzell Ausserrhoden, das Merkblatt findet sich hier.
Weitere Informationen zur Arbeitssituation Kulturschaffender rund um Corona: Dachverband: suisseculture.ch Musik: sonart.swiss Theater: tpunkt.ch Tanz: dansesuisse.ch Literatur: a-d-s.ch Bildende Kunst: visarte.ch
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.