Kategorie
Autor:innen
Jahr

Wie ich mir die Zeit totschlug

«Ich habe die Isolation schon einmal überlebt und ihr werdet sie auch überleben – auch wenn es manchmal schwer wird», schreibt die St.Galler Künstlerin Fabienne Egli. Hier ihr Gastbeitrag.
Von  Gastbeitrag
Bild: Fabienne Egli

Letzten November hatte ich eine grössere Operation und wusste damals, dass ich etwa zehn Tage im Spital das Bett gar nicht bis kaum verlassen darf. Wieder zuhause, musste ich für etwa zwei Monate meine Bewegungen auf ein Minimum beschränken.

Die härteste Zeit waren die ersten fünf Tage nach der Operation, ich durfte nicht einmal das Bett verlassen. Eine grössere Einschränkung habe ich noch nie erlebt – und will ich auch nie mehr erleben. Es war der Horror. Netflix und Bücher waren das Einzige, das mir blieb, für Games hatte ich anfangs einfach zu viele Schmerzmittel intus. Nach etwa fünf Tagen durfte ich dann wenigstens vom Bett zum Bad laufen, das war wunderbar.

Die härteste Zeit stand mir aber noch bevor, denn die Wundheilung verlangte, dass ich mich für etwa zwei Monate daheim quasi verbarrikadierte. Die einzige Bewegung bestand aus dem Einkauf im Grossverteiler um die Ecke. Die sozialen Kontakte im Ausgang waren für diese Zeit sowieso gestrichen, da ich mich auch zuhause an die Bettruhe halten musste.

Nun, die Bettruhe bin ich nun schon seit Längerem wieder los, trotzdem muss ich jetzt «dank» Corona wieder zuhause bleiben – immerhin darf ich mich in meiner Wohnung bewegen, wie ich will. Der Frühling lässt es auch zu, dass ich hin und wieder auf dem Balkon hocke. Was bleibt, ist der kleine Ausflug in die Migros. Und den reduziere ich gerade.

Nun fragen sich einige sicherlich: «Wie zur Hölle hast du das zwei Monate lang überlebt? So eine Einschränkung ist ja nicht ohne!» Ja, so eine Einschränkung ist nicht ohne. Hart, heftig, gnadenlos! Und ich behaupte von mir, dass ich ein Mensch ohne grosse Willenskraft bin. Trotzdem habe ich es überlebt. Und hey, innerhalb von kurzer Zeit bin ich jetzt sogar zum zweiten Mal dazu verdonnert, zuhause zu bleiben. Die meisten von euch erleben das zum ersten Mal.

Also, wie habe ich es überlebt: Mit Büchern, mit Filmen, mit Computerspielen, mit kreativen Tätigkeiten. Ich habe gezeichnet, ich habe gepuzzlet, ich habe geschrieben, ich habe gelesen und ich habe fast jede erdenkliche Serie auf Netflix geschaut. Zum Teil sogar zweimal. Und ich habe aus Verzweiflug geweint. Ja, es ist hart, es ist krass. Ich bin an meine Grenzen gestossen.

Jetzt muss ich den ähnlichen Scheiss nochmals erleben. Irgendwie fühle ich mich aber besser vorbereitet, denn ich weiss, was in nächster Zeit auf mich zukommt. Und ich bin nicht alleine damit. Diesmal sind wir Millionen! Alle zu Hause. Alle kämpfen mit denselben Problemen. Und als eine mit Praxiserfahrung zum Thema Isolation und eingeschränkten Kontakten kann ich euch allen ein wenig Mut machen. Wir können uns gegenseitig Mut machen. Uns unterstützen, wenn nötig.

Ich habe die Isolation überlebt und ihr werdet sie auch überleben. Auch wenn es manchmal schwer sein wird. Weint und flucht, wenn es euch hilft! Nutzt die Zeit für Sachen, die ihr schon immer machen wolltet. Lernt etwas Neues, macht Online-Sprachkurse, lest Bücher, baut alte Legomodelle zusammen, zeichnet und malt Bilder, spielt mit den Kindern, näht ein Kleid, kocht euch etwas Feines.

Stay strong, stay at home und bleibt gesund!

Jetzt mitreden: 2 Kommentare
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.
Meike Lorenz,  

Ach, ja. 10 Wochen... Als Risikopatientin lebe ich seit dem 28.02.2020 allein mit meinen Katzen. Chronisch krank und immunsupprimiert kann ich immer noch nicht wieder am Leben teilnehmen. Mir versiegen die Worte, weil ich fast nicht mehr spreche, manchmal tagelang nicht. Die Katzen sind lieb - sie sehen es mir nach. Feiert noch schön. Ich werde noch warten.

Irene Schüschner,  

Deine "Isolation" nach der Operation hatte aber doch wohl nicht das social distancing zur Folge, es sei denn, du hattest eine ansteckende Krankheit, was aus deiner Beschreibung nicht hervorgeht. Auch konntest du im Spital sicher Besuch empfangen oder auch zu Hause. Ein Freundin von mir liegt jetzt per Notfall im Spital (steht kurz vor einer Operation) und nicht einmal ihr eigener Ehemann darf sie besuchen. Aber sie wird es trotzdem überstehen. So wie wir alle - daran glauben wir fest.

Ein Pi­ra­ten­schiff am Bo­den­see­ufer

Das See-Burg­thea­ter macht aus sei­ner Pi­ra­tin­nen­ge­schich­te Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny ein akro­ba­ti­sches Spek­ta­kel vom Feins­ten. Bei al­ler Som­mer­thea­ter-Leich­tig­keit hät­te man aber doch ein biss­chen mehr Eman­zi­pa­ti­ons­ge­schich­te er­war­tet.  

Von  Maria Schorpp
Piratencrew Bildnachweis Ilja Mess

Ei­ne ein­ma­li­ge Ge­burts­tags­par­ty

Zu sei­nem 20. Ge­burts­tag hat das Kul­tur­fes­ti­val am Wo­chen­en­de Bands aus St.Gal­len und der Re­gi­on zu ei­nem zwei­tä­gi­gen Kon­zert­fest ein­ge­la­den. Die­ses war so viel­fäl­tig wie ge­lun­gen – auch we­gen der Idee, Co­vers aus der Grün­dungs­zeit des Fes­ti­vals in die Sets ein­zu­bau­en. 

Von  David Gadze
Kulturfestival 20 Jahre Jubilaeum 2026 Kasimir Hoehener

Bregenzer Festspiele

Mehr als die See­büh­ne: Ent­de­ckun­gen an den Bre­gen­zer Fest­spie­len

Von  Nathalie Grand
Pressetag broucek anjakoehler 260236

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 3

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 3: «Was der Kai­ser noch sah», Olaf Breu­ning – «Hu­mans» und Oria­na Bruseghi­ni  – Das ver­las­se­ne Ret­tungs­boot. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Colazione Sull Erba Pfister Noemi copy

Von Mo­de und Kör­pern

Wie setzt Fo­to­gra­fie Mo­de in Sze­ne? Und wer fo­to­gra­fiert da­bei ei­gent­lich wen? Das Tex­til­mu­se­um St.Gal­len gibt mit «Mi­se en Scè­ne» Ein­bli­cke in 120 Jah­re Mo­de­ge­schich­te. Es ist die letz­te Schau vor dem Mu­se­umsum­bau. 

Von  Vera Zatti
TMF 22 4 1 V

«Ich ma­che das für al­le, die auf ei­nen Ent­scheid war­ten.»

Seit elf Ta­gen be­fin­det sich Ve­lat Ay­din vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in St.Gal­len im Hun­ger­streik. Im Ge­spräch mit Sai­ten er­zählt der Kur­de, wo­her er kommt und wes­halb po­li­ti­scher Ak­ti­vis­mus so wich­tig ist.

Von  Daria Frick
DSC 6579

Lus­ti­ges Mas­sen­ar­ten­ster­ben

Die St.Gal­ler Fest­spie­le sind vor­bei. Oper war in­door, draus­sen im Stadt­park spiel­te die End­zeit­ko­mö­die Pla­net B. Näh­me man die Bot­schaft des Stücks ernst, müss­te die Fest­spiel-Oper auch künf­tig res­sour­cen­scho­nend drin­nen blei­ben.

Von  Peter Surber
Festspiele planet b tanja dorendorf 1095

Zwi­schen Pon­gal und Turn­ver­ein

Sin­du­jan* lebt schon sein gan­zes Le­ben in der Schweiz. Die Ein­bür­ge­rung ist fast ab­ge­schlos­sen, war aber mit ho­hen Kos­ten und ei­nem un­an­ge­neh­men Ge­spräch ver­bun­den.

Von  Andi Giger
260707 Saiten 0807 08

Ei­ne kur­ze In­dus­trie­ge­schichg­te des Sit­ter­tals

Be­vor die Kunst Ein­zug hielt, war das Sit­ter­tal in­dus­tria­li­siert. Hier wur­de ge­stickt, ge­wirkt, ge­färbt, mer­ceri­siert – aber auch ge­streikt und ge­liebt.

Von  István Scheibler
260708 Sitterwerk Industriegeschichte Das Sittertal zu Zeiten der Motorenstickerei Rittmeyer Staatsarchiv W 054 51 D 8

Kolumne: Stimmrecht

Wer ist die ukrai­ni­sche Dia­spo­ra?

Von  Liliia Matviiv

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 2

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 2: Ki­nok-Open-Air, So­lar­ki­no, Chris­ta Nä­her – «Ex­cess», Li­ving Mu­se­um, Pool­bar Fes­ti­val, Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny und SP-Spa­zier­gän­ge. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps 7 The Long Seat

Wie ein Fisch im Was­ser

In der Kunst­ka­bi­ne bei der St.Le­on­hard-Brü­cke in St.Gal­len stel­len bis Sep­tem­ber vier Per­so­nen mit Be­ein­träch­ti­gung ih­re Kunst aus. Den An­fang macht Son­ja Lip­pu­ner mit ih­rer «Roll­stuhl­kunst».

Von  Roman Hertler
Whats App Image 2026 07 01 at 22 09 10

«Kul­tur ist nicht de­mo­kra­tisch, aber zen­tra­le Grund­la­ge der De­mo­kra­tie»

Die Kunst­gies­se­rei St.Gal­len und die Stif­tung Sit­ter­werk strah­len weit über die Re­gi­on hin­aus. Fe­lix Leh­ner, Grün­der und Lei­ter der Kunst­gies­se­rei, Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied Till Jäck­li so­wie Pa­tri­cia Hart­mann, Co-Lei­te­rin der Stif­tung Sit­ter­werk, spre­chen im In­ter­view über die letz­ten 40 Jah­re, ak­tu­el­le Her­aus­for­de­run­gen und Zu­kunfts­plä­ne.

Von  Daria Frick  und  David Gadze
260708 Sitterwerk Andri Voehringer 01

«Schwei­gen gibt der Ge­walt Raum»

Ge­schlech­ter­spe­zi­fi­sche Ge­walt ist auch in Ap­pen­zell Rea­li­tät, und doch wird zu we­nig dar­über ge­re­det. Mit der Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung «we­r­om – schwät­ze statt schwi­ige» lu­den drei jun­ge Ap­pen­zel­le­rin­nen zum of­fe­nen Aus­tausch über Ge­walt, Prä­ven­ti­on und Zi­vil­cou­ra­ge.

Von  Marion Loher
Werom 4

Wenn Hei­mat flim­mert

Hei­mat – ein viel­schich­ti­ger Be­griff. Das Kunst­mu­se­um St.Gal­len spürt ihm ge­mein­sam mit der Werk­samm­lung der Schwei­ze­ri­schen Post nach. Zu se­hen ist die ent­stan­de­ne Schau «Hei­mat­flim­mern» bis En­de Ok­to­ber in St.Gal­len.

Von  Lisa Steurer
Ausstellungsansicht stian Stadler 1

Jung­brun­nen für den Dom

Die St.Gal­ler Fest­spie­le la­den, nach der letzt­jäh­ri­gen Pau­se, wie­der zum Tanz in die Ka­the­dra­le. Cho­reo­graf An­to­nio Ruz und die Tanz­kom­pa­nie neh­men den Raum mit Re­spekt in Be­schlag – samt dem Klos­ter­platz.

Von  Peter Surber
Bildschirmfoto 2026 06 29 um 11 44 42

Der «Landesverräter» war gern am Fluss

Ernst S. und die Sit­ter

Von  Roman Hertler
2502 Max Butz 05

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 1

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 1: Open­air-Ki­nos, Bla­bla­bor – «Gue­ril­la Ra­dio», Mi­chail Pir­ge­lis – «HYLE», «Hei­mat­flim­mern», Kul­tur­fes­ti­val St.Gal­len, Le­on­ce und Le­na, Kunst­spa­zier­gän­ge und Mu­sik im «Flööz­li» so­wie Rund­gän­ge zum Blu­men­wies und zur Schwamm­stadt. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Happily Aging Dying

Musik im Rorschacherberg

Schloss­mu­sik von Big Band bis In­die

Von  Vera Zatti
Sommerbuehne by Night

Der Wi­der­stand der Ama­zo­nas­frau­en

In Kon­stanz gas­tiert der­zeit die Grup­pe As Ka­ru­a­na – ein po­li­ti­scher Frau­en­chor aus dem Ama­zo­nas. Sie zeigt mit ih­rer Mu­sik, ih­rem Tanz, ih­rer Kunst und ih­rem Wis­sen po­li­ti­sche Ré­sis­tance und kämpft für die Rück­erobe­rung ih­rer in­di­ge­nen Kul­tur.

Von  Veronika Fischer
AS KARUANA Gruppenfoto4