Unter Prominenten gibt es diese Saumode: Niemand hat sie nach ihrer Meinung gefragt, aber sie müssen sie trotzdem in die Welt hinausposaunen. So geschehen auch diese Woche. Ein nicht weiter erwähnenswerter Künstler lästert in den Sozialen Medien über «Greta Dummberg» und will ihr seinen Pinsel geben, damit sie Blumen bestäuben kann. (Was haben die alten Männer nur immer mit ihrem Pinsel?)
Jedenfalls hat dieser Post einen Shitstorm ausgelöst. Und der Künstler, totalst überzeugt von sich selbst, kommt nicht auf die Idee, die Sache noch einmal zu überdenken, und legt stattdessen noch einen drauf: Er postet ein Anti-Greta-Video von einem anderen alten Sack mit Meinungs-Logorrhoe, der zu jener populären deutschen Partei gehört, deren Spektrum von rechtspopulistisch bis rechtsextrem reicht.
Die hämischen Reaktionen liessen natürlich nicht lange auf sich warten: Dieser Künstler malt jetzt nur noch mit brauner Farbe, schreibt jemand auf Facebook. Eine andere: Die politische Meinung des Künstlers gleicht sich langsam aber sicher dem künstlerischen Niveau seiner Bilder an. Und ein dritter findet: Knieprobleme – eine Alterserscheinung.
Diese Aufmerksamkeit hat er definitiv nicht verdient. Fabienne Luna Egli, Künstlerin aus St.Gallen, sieht das ähnlich. «Mich haben die Beleidigungen und unsachlichen Bemerkungen gegenüber Greta genervt», sagt sie – «sogar richtig gestört». Er müsse Greta nicht gut finden, «aber Beleidigungen haben nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Wenn einer der bekanntesten Schweizer Künstler so etwas erzählt, ist es für mich wichtig, dass andere Kunstschaffende Paroli bieten, also hinstehen und sagen: Uns sind das Klima und die Umwelt wichtig, deshalb setzen wir uns auch mit unserer Kunst dafür ein!»
Ihre Medizin gegen das «Knieproblem»: eine Kunst-Auktion für den guten Klimazweck. Egli wünscht sich, dass jene Künstlerinnen und Künstler, die anderer Meinung als ihr reaktionärer Kollege sind, zusammenstehen. Darum versteigert sie eines ihrer liebsten Bilder, die Antarktis. Der Erlös soll zu 100 Prozent an Greenpeace oder auf Wunsch an eine andere Umweltorganisation gehen.
Fabienne Luna Egli: Die Antarktis, Acryl auf Leinwand, 120x40cm. (Klick zum Vergrössern)
«Ich hoffe, dass ich damit auch andere Kunstschaffende animieren kann, für den Umwelt- und Klimaschutz einzustehen», sagt Fabienne Egli. Die Auktion sei eine spontane Idee gewesen. Sie habe sich gefragt, was sie ausser den kleinen Dingen wie Abfalltrennen und öV-Fahren sonst noch machen könne fürs Klima – als Künstlerin. Jetzt hofft sie, dass andere es ihr gleichtun und ebenfalls ein Werk versteigern, eine Gage spenden oder auf anderem Weg ein Zeichen setzen.
Die Auktion läuft noch bis 31. Dezember 2019, das aktuelle Höchstgebot liegt bei 120.–. Wer mitbieten will, kann das hier tun.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
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