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Klimastreik: Generationenkonflikt im Hirn

Nach dem lautstarken Auftritt der Klimastreik-Jugendlichen am Montag im St.Galler Kantonsrat sehen bürgerliche Parteien den Ratsbetrieb gefährdet. Dass die Alten die Jungen nicht verstehen, ist nicht neu, sondern neuro-logisch. Ein Kommentar.
Von  Peter Surber , 
Seit Dezember 2018 wird auch in St.Gallen regelmässig fürs Klima gestreikt. (Bild: Andri Bösch)

Man schätze zwar das Engagement der jungen Menschen. «Aber eine Debatte mit Zwischenrufen und Gebrüll zu übertönen und sie damit zu verunmöglichen, wird schärfstens verurteilt.» So steht es in der am 19. Februar eingereichten Interpellation. Unterzeichnerinnen: die Fraktionen von FDP, CVP-GLP und SVP. Der Bericht zum Vorfall hier.

Forderung nach Strafanzeige

Noch mehr als am «Gebrüll» stossen sich die Interpellanten an der Tatsache, dass die Jugendlichen verbotenerweise ein Transparent mit dabei hatten. Hat die Kontrolle versagt? fragt die Interpellation das Ratspräsidium. Beziehungsweise: Auf welchen «verschlungenen Pfaden» ist das Pièce de résistance in den Saal gekommen? Und wie soll das Einschleusen solcher Objekte «oder auch anderer verbotener Gegenstände und Propagandamaterial» künftig verhindert werden?

Schliesslich die Frage: «Ist das Präsidium bereit, im Fall vom 18. Februar 2019 Strafanzeige einzureichen?»

Letzteres würde nicht zu Ratspräsidentin Imelda Stadler passen, die an diesem Montag besonnen und de-eskalierend reagiert hat. Es wäre auch komplett unverhältnismässig. Und es wäre demokratiefeindlich – Demokratie basiert zwar, wie die Interpellation mahnt, darauf, «konstruktiv mitzuarbeiten». Aber dazu gehört, dass widerstrebende und auch mal un-konstruktive Stimmen ebenfalls zu Wort kommen. Umso mehr, als man U18 im Parlament noch gar nicht mitarbeiten kann. Und das St.Galler Kantonsparlament manchmal durchaus destruktive Entscheide fällt, siehe zum Beispiel die Kulturplafonierung.

Der Klimastreik ist gut, weil er Dinge in Gang bringt. Widerstand inklusive – die Interpellation ist drum auch verständlich und in Ordnung. Jugendbewegungen haben es seit jeher an sich, dass sie die Grenzen des Erlaubten strapazieren und dem erwachsenen Establishment Angst einjagen.

Lob der Unsicherheit

Angst wovor? Erhellendes dazu kann man bei Nathalie Knapp und ihrem Buch Der unendliche Augenblick finden, erschienen 2015. Untertitel: «Warum Zeiten der Unsicherheit so wertvoll sind.» In der menschlichen Entwicklung, sagt Knapp, sei die Pubertät eine solche Zeit der Unsicherheit. Sie führt dazu, dass Jugendliche «naturgemäss» anders ticken als Erwachsene. Nämlich sowohl kreativer als auch gelassener.

«Die neurobiologische Verwandlung verleiht Jugendlichen eine spezifische Fähigkeit, die für kreative Prozesse jeglicher Art von grosser Bedeutung ist: Sie sind in der Lage, unsichere Situationen oder ungeklärte Fragen über einen längeren Zeitraum auszuhalten. Sie besitzen ein hohes Mass an Unsicherheitstoleranz, also die Fähigkeit, Mehrdeutigkeiten und ungelöste Probleme zu ertragen.»

Zu ertragen – oder sich kreativ dagegen zu wehren, müsste man ergänzen… Knapp zitiert die Psychoanalytikerin Else Frenkel-Brunswick und deren Einsicht (bereits 1949), «dass die Fähigkeit der Unsicherheits- oder auch Ambiguitätstoleranz eine der entscheidenden Ressourcen im Umgang mit problematischen Situationen, Konflikten und Veränderungen ist».

Jugendliche seien, so Knapp, «emotional, experimentierfreudig und wahrnehmungsstark – für eine kurze kostbare Zeit». Sie könnten zugleich selbstbewusst und voller Zweifel sein, naiv-nachdenklich oder konstruktiv-unzufrieden. Solche scheinbaren Widersprüche und «paradoxalen» Charakterzüge seien typisch für diese Lebensphase.

Im Gegensatz dazu herrsche später häufig ein Zwang zu Eindeutigkeit. «Wir Erwachsenen wollen Selbstsicherheit ohne Zweifel, Kreativität ohne Unsicherheit, Glück ohne Leiden. Um Fehler zu vermeiden, halten wir uns daher an erprobte Wege, statt neue zu erkunden. Unsere Lebensroutine suggeriert uns dauerhafte Stabilität, und wir vergessen, dass gerade unsichere, unklare und widersprüchliche Situationen unser schöpferisches Potenzial aktivieren. Nur wenn wir nicht wissen, wie es geht, suchen wir nach neuen Wegen.»

Das Neue entsteht aus dem Chaos

Neuro-logisch also, dass die Jungen «schöpferisch» und assoziativ agieren und nicht an gesellschaftlichen Normen und Denkgewohnheiten kleben, die sie selber nicht geschaffen haben. Logisch aber auch, dass das den Erwachsenen nicht passt oder sie beunruhigt. Was ein «Geschenk» der Jugend sei, müsse man sich als Erwachsener später wieder «hart erarbeiten», schreibt Knapp.

Den Mitgliedern des Kantonsrats drum ins Ohr gesagt: Bevor Sie sich an die harte Arbeit machen, wieder schöpferischer denken zu lernen – freuen Sie sich am kreativen Protestieren und am politischen Engagement Ihrer Kinder oder Enkel! Denn, nochmal Nathalie Knapp: «Ohne das mentale Chaos der Jugendzeit, die damit verbundene emotionale Kraft, die Fähigkeit zur Gelassenheit und die altersbedingte Balance der beiden Denkstile, wäre unsere Kultur ganz sicher um einiges ärmer.»

Ohne Chaos kann nichts entstehen. Ohne Ordnung kann nichts bestehen. Der Satz, sinngemäss, stammt von Albert Einstein (der seine wichtigsten Erkenntnisse zur Relativitätstheorie mit 26 Jahren publiziert hat).

Ein ziem­lich ab­ge­fah­re­nes Ding

Seit zehn Jah­ren gibt es die Re­si­den­cy in der Bi­blio­thek An­dre­as Züst im Al­pen­hof, die­sem so schwer zu fas­sen­den Ort in In­ner­rho­den. Der run­de Ge­burts­tag wird nun mit ei­nem viel­fäl­ti­gen Fes­ti­val ge­fei­ert.

Von Hanspeter Spörri,
Alpenhof bibliothek andreas zuest residency

Ein künst­le­ri­sches Ge­ne­ra­tio­nen­tref­fen

Be­vor die Kunst­hal­le St.Gal­len im De­zem­ber we­gen Um­bau­ar­bei­ten vor­aus­sicht­lich bis April 2027 schliesst, dreht sie noch­mals voll auf. In der Aus­stel­lung «House of Ch­an­ge: Pre-Con­s­truc­tion-Warm-Up-Ga­lo­re» prä­sen­tiert sie im lau­fen­den Mo­nat ein dich­tes, bun­tes Pro­gramm an Kunst und Kul­tur.

Von Larisa Baumann,
House of change larisa baumann 1

Zwi­schen Kunst und Kör­per 

In der Aus­stel­lung «Smi­le ma­nia­cal­ly we’re ali­ve» ver­bin­det Ja­la Wa­hid schein­bar ge­trenn­te Wel­ten. Sie schlägt dar­in ei­ne Brü­cke zwi­schen Er­in­ne­rung, Emo­ti­on, Wis­sen­schaft und Po­li­tik. 

Von Sieglinde Wöhrer,
Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Von Roman Hertler,
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Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
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Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2