Momentaufnahmen
Raffael Rihs konserviert in seinem Kurzgeschichtenband Nie ist alles gut unterschiedliche Facetten der Einsamkeit.
In zehn Geschichten begleiten wir verschiedene Erzähler durch WGs, leerstehende Häuser, Cafés und alte Scheunen. Die Schauplätze wechseln – von Locarno bis Paris, zurück in die Schweiz. Gemeinsam ist allen die männliche Erzählperspektive sowie wiederkehrende Motive wie Kinderlosigkeit, Herzschmerz und verschiedene Facetten der Einsamkeit. Wir beobachten die Studentin Frida beim Erleben ihrer Jugend, treffen eine ältere Dame mit Notizbuch, die ihre ungelebte Zukunft notiert, und beobachten die unglückliche Schauspielerin Milena, die ihr Muttersein infrage stellt. Wir tanzen mit Cleo durch den italienischen Regen und knutschen mit Marie – in ihrem «weissen Gesicht leuchtete der Lippenstift wie das Himbeersorbet auf der Dessertkarte».
In seinem neuen Erzählband Nie ist alles gut richtet der Winterthurer Autor Raffael Rihs den Blick auf scheinbar unspektakuläre Momente. Zehnmal berichten männliche Ich-Erzähler vom Warten, Hoffen und Bangen – und den leisen Zwischentönen, die in der Tristesse solcher Augenblicke entstehen. Es geht dabei weniger um die grossen Wendepunkte als um das, was zuvor und danach geschieht: das Zögern, Beobachten und Zurückweichen.
Rihs schreibt sehr genau und mit einem Sinn für kleine Momentaufnahmen, für zufällige Begegnungen und deren scheinbare Unbedeutsamkeit. Durch die klare Sprache und den sehr gekonnten Erzählstil werden die beschriebenen Passagen ihrer Alltäglichkeit enthoben und erhalten eine besondere Bedeutsamkeit – wie gerahmte Fotografien. Dabei gelingt es den dargestellten Figuren selten bis gar nicht, die beschriebene Tiefe des einzelnen Moments selbst zu begreifen. Sie driften wieder auseinander, verpassen einander oder bleiben lieber Beobachtende des Lebens. Nie ist alles gut ist ein leises, gestochen scharf erzähltes Buch über Menschen, die sich nach etwas sehnen und gleichzeitig nicht bereit sind für grosse Veränderungen.
Raffael Rihs: Nie ist alles gut. Caracol Verlag, Warth 2026. Lesung (mit Matthias Müller): Samstag, 14. November, 14:15 bis 15 Uhr, Stadtbibliothek, Winterthur.
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Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Daniel Badraun beleuchtet in Mondläufer ungelebte Möglichkeiten und körperliche Grenzen. Der Autor aus dem Thurgau greift in seinem Roman auch philosophische Fragen auf.
Bücherherbst: Réduit von Alexander Raschle
In seinem Romandebüt Réduit nimmt der St.Galler Autor Alexander Raschle die Leser:innen mit in die alpine Festungsanlage – und in die Zeit des Kalten Krieges, als die Welt auch in der Schweiz am Abgrund stand.
Jock Kobels zweiter Fall
In seinem zweiten Krimi schickt Christian Johannes Käser den Polizisten Jock Kobel erneut auf eine Ermittlung im Appenzellerland. Ein Roman, der geschickt eine Brücke zwischen Tradition und Progression baut und dabei immer wieder poetisches Potential entfaltet.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Gion Mathias Cavelty nimmt in seinem neuen Roman die Schweizer Uhrmacherkunst auf die Schippe. Seine mit viel Humor geschriebene Chronik ist so unterhaltsam wie skurril.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.