Kategorie
Autor:innen
Jahr

Wenn Museumsobjekte einen neuen Sinn bekommen

Comedienne Martina Hügi, Kabarettist Thomas Götz, und Historiker Stefan Keller batteln sich im Blitz-Geschichtenerfinden, moderiert von Etrit Hasler. (Bild: jsu)

Comedienne Martina Hügi, Kabarettist Thomas Götz, und Historiker Stefan Keller batteln sich im Blitz-Geschichtenerfinden, moderiert von Etrit Hasler. (Bild: jsu)

Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.

Ein di­cker Me­tall­zy­lin­der, in­nen hohl, der Bo­den ge­schlos­sen: «Ganz klar, ei­ne Blu­men­va­se aus der Bron­ze­zeit», fin­det Tho­mas Götz, der als ers­ter an der Rei­he ist. Für Mar­tin Hü­gi ist es ein Shot-Glas, das «im wil­den Wes­ten vom na­hen Os­ten, al­so Hütt­wi­len», ge­fun­den wur­de. Nun stösst Ro­bin aus dem Pu­bli­kum da­zu, denn al­le im Saal dür­fen mit­ra­ten und er­fin­den, da­für lie­gen Stif­te und Schreib­bret­ter be­reit. Auch er denkt an ein Trink­ge­fäss – für be­wusst­seins­er­wei­tern­de Ge­trän­ke mit hal­lu­zi­no­ge­nen Pil­zen.

Rät­sel­haf­ten Ge­gen­stän­den aus Mu­se­ums­de­pots ei­ne Funk­ti­on an­zu­dich­ten, hat sich als be­lieb­tes Un­ter­hal­tungs­pro­gramm eta­bliert. Das His­to­ri­sche Mu­se­um Thur­gau kom­bi­niert das Ob­jek­teer­ra­ten mit ei­nem wei­te­ren Spiel, dem Icon Po­et. Hier­zu wer­den fünf Wür­fel mit ver­schie­de­nen Sym­bo­len ge­wor­fen. An­schlies­send ha­ben al­le Spie­ler:in­nen drei Mi­nu­ten Zeit, sich da­zu ei­ne Ge­schich­te aus­zu­den­ken. Er­fin­der von Icon Po­et sind die Ge­brü­der Frei, Spie­le­ent­wick­ler aus dem Thur­gau, de­nen die­se Idee auf ei­ner Afri­ka­rei­se kam. «Wir dach­ten, auf Rei­sen gibt es im­mer et­was zu er­le­ben und vie­le Ge­schich­ten zu er­zäh­len», sagt Lu­kas Frei, der eben­falls vor Ort ist. Mit den Sym­bol­wür­feln wird die Fan­ta­sie noch ein we­nig an­ge­regt.

De­pot als Schatz­kam­mer für skur­ri­le Ge­schich­ten 

Am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag fand im Rat­haus Frau­en­feld un­ter dem Ti­tel «Ge­schich­ten die­ser Welt – oder was Mu­se­ums­ob­jek­te zu er­zäh­len ha­ben» solch ein Icon Po­et statt. Samm­lungs­ku­ra­to­rin Pe­tra Hor­nung brach­te hier­für fünf Ob­jek­te aus dem De­pot mit. Be­hut­sam und be­hand­schuht hol­te sie eins nach dem an­de­ren aus den Kis­ten und prä­sen­tier­te sie dem Pu­bli­kum so­wie den drei «Fach­per­so­nen» aus dem Thur­gau: Ka­ba­ret­tist Tho­mas Götz, Co­me­di­en­ne Mar­ti­na Hü­gi so­wie Ste­fan Kel­ler, His­to­ri­ker, Jour­na­list und Sai­ten-Ko­lum­nist.

Als der me­tal­le­ne Zy­lin­der auf der Lein­wand er­scheint, mur­melt je­mand im Pu­bli­kum schon et­was von Ka­no­ne – und liegt da­mit gar nicht so falsch: «Es ist ein Ei­sen­mör­ser, der fürs Hoch­zeit­schies­sen be­nutzt wur­de», löst Pe­tra Hor­nung auf. Man füll­te Schwarz­pul­ver hin­ein, um das Braut­paar mit lau­tem Knall zu be­grüs­sen. We­gen der Ge­fähr­lich­keit und Lärm­emis­si­on wur­de die­ser Brauch ir­gend­wann ver­bo­ten.

Kat­zen­hals­band, Na­del­kis­sen oder Trans­port­hil­fe?

Ein run­des Patch­work-Kis­sen in Ba­gel-Form tauch jetzt auf der Lein­wand auf. Hund, Kat­ze, Giess­kan­ne, Feu­er und Fe­der sind die ge­wür­fel­ten Sym­bo­le. Ein­deu­ti­ger geht es nicht für Ste­fan Kel­ler: Es hand­le sich hier­bei um ein Kat­zen­hals­band. We­gen des klei­nen Durch­schlupfs in der Mit­te muss es den Kat­zen­ba­bys di­rekt nach Ge­burt an­ge­zo­gen wer­den und soll sie im Wei­te­ren da­von ab­hal­ten, Vö­gel zu ja­gen. Tho­mas Götz er­kennt dar­in ein Na­del­kis­sen, doch Pe­tra Hor­nung muss bei­de ent­täu­schen. Es ist ein Trag­ring, den vor al­lem Frau­en frü­her da­zu nutz­ten, Las­ten auf dem Kopf zu trans­por­tie­ren. «Die­ses Ar­beits­ge­rät war weit ver­brei­tet und wohl die äl­tes­te Me­tho­de für den Gü­ter­trans­port.»

Bei ei­ner ku­gel­för­mi­gen Fla­sche mit Rie­men, die von den Sym­bo­len Ziel­schei­be, Föhn, Wi­kin­ger und Zapf­säu­le be­glei­tet wird, hat Mar­ti­na Hü­gi hat auf «Wi­kin­ger-Pe­dia» nach­ge­schaut und her­aus­ge­fun­den, dass es sich auch hier­bei um ein Ge­trän­ke­be­hält­nis han­delt, das zu dem Shot-Glas von vor­hin passt. Ge­füllt wird die Ku­gel­fla­sche an der Zapf­säu­le. «Das ei­gent­li­che Ziel ist, da­bei nichts zu ver­schüt­ten, da­mit man spä­ter nicht tro­cken­föh­nen muss.»

Zu­falls­er­fin­dung Schnee­ku­gel

Am nächs­ter dran – da­zu mit er­staun­lich gu­ter Ge­schich­te – ist ein Bub, der sei­ne gros­se Schwes­ter Mil­la vor­tra­gen lässt: Es ist ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne, wel­che die Wi­kin­ger be­nutz­ten, weil sie beim Föh­nen der Haa­re zu we­nig Licht hat­ten. Und tat­säch­lich ist die glä­ser­ne Ku­gel ei­ne so­ge­nann­te Be­leuch­tungs­ku­gel auch Schus­ter­ku­gel ge­nannt, weil sie vor al­lem in Schus­ter­werk­stät­ten ge­nutzt wur­de, um den Ef­fekt ei­ner Licht­quel­le zu ver­stär­ken. «Sie wur­de mit Was­ser ge­füllt und vor Ker­zen oder Pe­tro­le­um­lam­pen ge­stellt. Die Be­leuch­tungs­ku­gel funk­tio­nier­te nach dem Prin­zip der op­ti­schen Lin­se», sagt Pe­tra Hor­nung.

Die­sen Ef­fekt woll­te Er­win Per­zy, ein Wie­ner Me­cha­ni­ker für chir­ur­gi­sche In­stru­men­te, noch ver­stär­ken, in­dem er ver­schie­de­ne re­flek­tie­ren­de Stof­fe wie Griess da­zu­gab. Zu­sam­men mit ei­ner Mi­nia­tur­fi­gur im In­ne­ren der Ku­gel er­fand er so die ers­te Schnee­ku­gel. Viel ge­lernt al­so, und auch viel ge­lacht. Das Icon Po­et mit Aus­stel­lungs­ob­jek­ten ist ein un­ter­halt­sa­mes mu­se­ums­päd­ago­gi­sches Kon­zept, das vie­le Men­schen al­len Al­ters ins Rat­haus lock­te, dar­un­ter si­cher­lich auch ei­ni­ge, die für ge­wöhn­lich nicht un­be­dingt in den De­pots stö­bern.

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
DSC09196

Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0505 max

Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von Jeremias Heppeler,

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
3 F1 A4812 web

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,