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Im Regen tanzen

Al­le ken­nen doch die­sen Spruch, dass man nicht war­ten soll, bis der Re­gen auf­hört, oder?
Nun, wer ei­ne PT­BS (Post­trau­ma­ti­sche Be­las­tungs­stö­rung) hat, dia­gnos­ti­ziert oder nicht (denn nicht al­le küm­mern sich dar­um), kann nicht «im Re­gen tan­zen», so gern er oder sie das auch möch­te. Denn das Ner­ven­sys­tem friert in den trau­ma­ti­schen Er­eig­nis­sen ein, auf Jah­re hin­aus. Und gut, wenn die Be­trof­fe­nen sich des­sen we­nigs­tens be­wusst sind.

Wer es sich be­wusst ge­macht hat, be­ginnt mit der Zeit, die Etap­pen des «Auf­tau­ens» zu be­mer­ken.

Sie kom­men lang­sam. Nicht dann, wenn du es dir wünschst. Son­dern dann, wenn die Zeit da­für ge­kom­men ist.

Und ei­nes Ta­ges wird dir klar, dass es völ­lig nor­mal ist, zum Bei­spiel in die Fe­ri­en zu fah­ren. Vor dem gros­sen Krieg bin ich im­mer ge­fah­ren. Und dann ka­men plötz­lich fünf Jah­re oh­ne Meer. Aber ich er­in­ne­re mich noch an mich selbst: Auch ich ha­be mich auf den Som­mer ge­freut, weil da un­be­dingt das Meer sein muss­te. Fürs Meer wur­de ein be­son­de­rer Kof­fer ge­packt, in dem auf je­den Fall die Klei­der fürs Abend­essen la­gen. Manch­mal zog man sie nur ein­mal an. Drin wa­ren auch Son­nen­creme, Son­nen­bril­le und all das Zeug.

Als wä­re das in ei­nem frü­he­ren Le­ben ge­we­sen.

Und du be­greifst, dass es ei­gent­lich nor­mal ist, dass je­ne, die den Krieg nicht ken­nen, bis heu­te so le­ben. Und dass es auch ab­so­lut nor­mal ist, den ei­ge­nen Kör­per nicht wie­der­zu­er­ken­nen, weil der sich nicht mehr freut wie frü­her.

Du be­greifst über­haupt vie­les über dich selbst.

Die­se ers­te «Läh­mung» geht vor­bei. Weil du wirk­lich Angst hast, dass du dich über gar nichts mehr freu­en kannst. Tan­zen, Mu­sik, Thea­ter, Na­tur, Ber­ge: Al­les, was du liebst, ist wie aus­ge­schal­tet. Du bist zwar an­we­send, aber nur no­mi­nell.

So fühlt sich der Krieg an. Egal, wo du bist.

Und in ir­gend­ei­nem Jahr be­ginnst du zu ver­ste­hen, dass die­se «neue Nor­ma­li­tät» ei­gent­lich nor­mal ist. Dass die­ses «Fest fürs Le­ben» für im­mer bleibt.

Du hörst auf zu war­ten, dass der Krieg en­det und du dann end­lich et­was fühlst, ir­gend­wann et­was fühlst – und dann rich­tig lebst … Du hörst auf, die Per­son sein zu wol­len, die du frü­her warst. Denn die wird es nie mehr ge­ben.

Und in ei­nem die­ser Jah­re, nach lan­gen Ver­su­chen, das frü­he­re Ich zu wer­den, fin­dest du dich da­mit ab. Denn so klingt Trau­er.

Aber dann ge­schieht et­was Selt­sa­mes: Wenn du auf­hörst, pa­nisch hin und her zu ren­nen, al­les fest­hal­ten zu wol­len, zu wei­nen «wo ist mein Ich» – dann tritt ei­ne gros­se Stil­le ein. Und du be­ginnst zu ver­ste­hen, aus welch rie­si­gem Leid du dich ge­ret­tet hast.

Du be­ginnst, all die­se Men­schen an­zu­schau­en, die sich zum Kaf­fee ver­ab­re­den, ge­nau wie wir da­mals in Lwiw, und zu den­ken: Mein Gott, was steht ih­nen wohl be­vor … Du be­ginnst über­haupt, vie­les zu ver­ste­hen, über al­le und über al­les.

Und so be­ginnst du ei­nes Ta­ges, dein neu­es Ich auf­zu­bau­en.

Dan­ke, Schweiz, dass du mich in die­sem ver­letz­lichs­ten Zu­stand auf­ge­fan­gen hast.

Li­li­ia Matviiv, 1988, stammt aus Lviv in der Ukrai­ne. Die Jour­na­lis­tin, Es­say­is­tin und So­zi­al­ak­ti­vis­tin ist im Früh­ling 2022 in die Schweiz ge­kom­men und lebt der­zeit in St.Gal­len. Ol’ha Gn­eu­pel hat den Text über­setzt.

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
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Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
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Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
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Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

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Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
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