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Volksbadsanierung: Trauerspiel seit über 40 Jahren

2028 will der Stadtrat das Volksbad schliessen. Es handelt sich um das älteste noch existierende Hallenbad der Schweiz. Es ist aber stark sanierungsbedürftig. (Bild: Reto Voneschen) 

2028 will der Stadtrat das Volksbad schliessen. Es handelt sich um das älteste noch existierende Hallenbad der Schweiz. Es ist aber stark sanierungsbedürftig. (Bild: Reto Voneschen) 

Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.

Das äl­tes­te noch in Be­trieb ste­hen­de Hal­len­bad der Schweiz, das Volks­bad St.Gal­len, ist ein ge­schütz­tes Bau­denk­mal. 1906 in Be­trieb ge­nom­men, wur­de im Haus und an der Bä­der­tech­nik im­mer nur das Al­ler­nö­tigs­te re­pa­riert. In­zwi­schen wird ei­ne Sa­nie­rung so teu­er, dass der Stadt­rat das Volks­bad am liebs­ten los­wer­den will. Er ver­han­delt des­halb mit der Stif­tung für Ju­gend­her­ber­gen. Über den In­halt der Ge­sprä­che ist al­ler­dings nichts be­kannt. 

Mit dem jüngs­ten Spar­pa­ket «Al­li­ance» hat­te die Stadt an­ge­kün­digt, den Be­trieb des Volks­bads nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies ein­zu­stel­len, was lau­te Pro­tes­te aus­lös­te. SP-Stadt­par­la­men­ta­ri­er Gal­lus Hu­fens brach­te ein Pos­tu­lat durch, mit dem er un­ter dem Ti­tel «Vi­si­on und Stra­te­gie statt Ka­pi­tu­la­ti­on» ei­nen Be­richt ein­for­dert, der auf­zei­gen soll, wel­che Zu­kunfts­sze­na­ri­en es fürs Volks­bad gibt, statt ei­ner Schlies­sung. Al­le Frak­tio­nen, mit Aus­nah­me der FDP, stimm­ten da­für. Auch der Stadt­rat war be­reit, ei­nen sol­chen Be­richt zu ver­fas­sen. Wie lan­ge die­ser auf sich war­ten las­sen wird, ist je­doch völ­lig of­fen.

Im­mer wie­der ver­spro­chen – im­mer wie­der ver­scho­ben 

Lan­ges War­ten ist beim The­ma Volks­bad nichts Neu­es! Schon 1985 – vor 41 Jah­ren – war die Sa­nie­rung ver­langt wor­den. Der da­ma­li­ge SP-Stadt­par­la­men­ta­ri­er Pe­ter Blu­mer hat­te ei­ne von 21 Par­la­men­ta­ri­er:in­nen mit­un­ter­zeich­nen­den Mo­ti­on ein­ge­reicht, mit der er die «Er­hal­tung und Wie­der­in­stand­stel­lung» des Volks­ba­des for­der­te. Der Stadt­rat war schon da­mals mit der For­de­rung ein­ver­stan­den und ver­sprach, aus dem Volks­bad ein Er­ho­lungs­bad zu ma­chen. Ru­he und Ent­span­nung wur­den als Stich­wor­te ge­nannt. Man ar­bei­te an ei­nem Bä­der­kon­zept. Mit ei­nem Bau­be­ginn sei frü­hes­tens 1987 zu rech­nen, hiess es. 

Doch aus­ser den al­ler­nö­tigs­ten Re­pa­ra­tu­ren ge­schah nichts. Der Auf­trag, der mit der Mo­ti­on von Pe­ter Blu­mer zu er­fül­len ge­we­sen wä­re, wur­de von Jahr zu Jahr ver­scho­ben und 2001 schliess­lich ab­ge­schrie­ben. Man wer­de ei­nen Ar­chi­tek­tur­wett­be­werb aus­schrei­ben und das Volks­bad zu sei­nem 100-Jahr-Ju­bi­lä­um, 2006, sa­nie­ren, lau­te­te das nächs­te Ver­spre­chen der Stadt. Und wie­der ge­schah nichts. Die Be­grün­dun­gen wa­ren im­mer die glei­chen: zu teu­er. Wäh­rend da­mals noch 12 Mil­lio­nen Fran­ken für ei­ne Sa­nie­rung ge­nannt wur­den, fiel in der ak­tu­el­len De­bat­te, En­de Au­gust, die Zahl von 20 Mil­lio­nen. Das Bei­spiel zeigt die teu­ren Fol­gen des auf­ge­scho­be­nen Un­ter­halts.

Fas­sa­de und Fi­gur er­neu­ert – Tech­nik am Li­mit

In den 120 Jah­ren sei­ner Exis­tenz wur­de zwar 1981 die Fas­sa­de des Volks­ba­des für ei­ne knap­pe hal­be Mil­li­on Fran­ken denk­mal­pfle­ge­risch re­no­viert, doch im Bad und in den Woh­nun­gen dar­über ge­schah kaum et­was. Die Woh­nun­gen ha­ben bis heu­te kei­ne Ba­de­zim­mer. Die Be­woh­ner:in­nen be­nüt­zen die Du­schen im Volks­bad. Die stol­ze Schwimm­hal­le mit ih­rer run­den De­cke – da­mals ge­plant von Stadt­bau­meis­ter Al­bert Pfeif­fer – hat ei­ni­ges von ih­rem Ju­gend­stilch­ar­me ein­ge­büsst. Nur die Fi­gur am Be­cken­rand wur­de 2016 er­neu­ert und zeigt wie­der den Faun und vor ihm die Bu­ben, die ver­su­chen, ei­ne Schild­krö­te zu­rück­zu­hal­ten. Das Ori­gi­nal stamm­te von Hen­ri Gis­bert Geene, war aber durch die chlor­hal­ti­ge Luft so stark ver­stüm­melt, dass an­hand von al­ten Fo­tos ei­ne Ko­pie her­ge­stellt wur­de. 

Seit Jah­ren ist auch die Re­de da­von, dass die Tech­nik des Ba­des am Li­mit läuft. Der Hei­mat­schutz er­kun­dig­te sich im Rah­men der ak­tu­el­len Schlies­sungs­dis­kus­si­on nach be­reits vor­han­de­nen Stu­di­en und be­kam – vor­erst als Lis­te – von der Di­rek­ti­on Bau und Pla­nung ei­ne lan­ge Auf­zäh­lung von Gut­ach­ten zur Sa­nie­rung. Auch be­kann­te Ar­chi­tek­ten hat­ten sich da­mit be­schäf­tigt, dar­un­ter der St.Gal­ler Hein­rich Graf oder aus Hei­den stam­men­de Ot­to Glaus. Es exis­tie­ren auch zahl­rei­che tech­ni­sche und ein denk­mal­pfle­ge­ri­sches Gut­ach­ten. Ge­nü­gend Ma­te­ri­al für ei­ne «Vi­si­on und Stra­te­gie statt Ka­pi­tu­la­ti­on», wie Gal­lus Hu­fens sie for­dert.

De­fi­zi­te und die Su­che nach ei­ner Lö­sung für die Zu­kunft

Die Zu­kunft des Volks­bads wird seit der Er­öff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies 1973 im­mer wie­der dis­ku­tiert. Da­mals kam es zu ei­nem mar­kan­ten Be­su­cher­rück­gang. Mit­te der 1980er-Jah­re lag das Be­triebs­de­fi­zit bei 250’000 Fran­ken pro Jahr. Heu­te kos­ten laut der Lie­gen­schaf­ten- und Bau­kom­mis­si­on des Stadt­par­la­ments al­lein die jähr­lich nö­ti­gen Re­pa­ra­tu­ren so viel und der Be­trieb ist wei­ter­hin de­fi­zi­tär.

Die Stadt ver­han­delt ak­tu­ell mit der Stif­tung für Ju­gend­her­ber­gen über ei­nen neu­en Stand­ort als Er­satz für das bis­he­ri­ge Haus bei der Hal­te­stel­le Birn­bäu­men der Ap­pen­zel­ler­bah­nen. Das Volks­bad­ge­bäu­de wä­re ei­ne Mög­lich­keit. In der ak­tu­el­len Dis­kus­si­on im Stadt­par­la­ment wur­de al­ler­dings da­vor ge­warnt, al­lein auf die­se Ver­hand­lun­gen zu hof­fen. Aus­ser­dem brau­che es laut dem Ge­mein­de­s­port­an­la­gen­kon­zept (Ge­sak) auch nach der Wie­der­eröff­nung des Blu­men­wies die Was­ser­flä­che des Volks­bads. 

Gal­lus Hu­fe­nus for­dert wie­der mehr Pio­nier­geist in der Stadt. Das Ju­gend­stil­bad sei ein wich­ti­ger Teil der Stadt­iden­ti­tät und könn­te zur At­trak­ti­on wer­den. Doch ein­mal ge­schlos­sen, wer­de es wohl nie mehr auf­ge­hen, zu­mal dann auch Still­stand­schä­den ent­ste­hen könn­ten.

Stadt­rat Mar­kus Busch­or be­dau­er­te, dass es in über 40 Jah­ren trotz al­ler Be­kennt­nis­se nie ge­lun­gen sei, ei­ne Re­no­va­ti­on an­zu­pa­cken. Und er schloss: «Mö­ge es die­ses Mal ge­lin­gen.»

Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad reto voneschen

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