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Mitspielen dürfen. Aber auch die Spielregeln mitbestimmen?

Die jährliche Kulturkonferenz fand am Samstag in Wil statt. (Bilder: Philipp Bürkler)

Die jährliche Kulturkonferenz fand am Samstag in Wil statt. (Bilder: Philipp Bürkler)

Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?

Auf den Ti­schen lie­gen Spiel­fi­gu­ren, Kar­ten und Auf­ga­ben. Die Teil­neh­mer:in­nen müs­sen mit­ein­an­der re­den, Ent­schei­dun­gen tref­fen und ge­mein­sam Lö­sun­gen fin­den. Für knapp zwei Stun­den gleicht die jähr­lich statt­fin­den­de kan­to­na­le Kul­tur­kon­fe­renz in Wil we­ni­ger ei­ner klas­si­schen Kon­fe­renz mit Vor­trä­gen und Po­di­ums­dis­kus­sio­nen als viel­mehr ei­nem Spiel­nach­mit­tag.

Die Spiel­an­lei­tung: Mög­lichst rasch durch ei­ne le­bens­feind­li­che und tro­cke­ne Wüs­te in ei­ne blü­hen­de «Oa­se» ge­lan­gen, dort mög­lichst vie­le Setz­lin­ge sam­meln und sie da­nach si­cher zu­rück­brin­gen, um das «Zu­hau­se» mit den Pflänz­chen zum Er­blü­hen zu brin­gen. Be­tei­ligt sind et­wa ein Dut­zend «Teams» à je et­wa fünf Per­so­nen. Je­de Per­son über­nimmt ei­ne an­de­re Rol­le, bei­spiels­wei­se Or­ga­ni­sa­tor:in, Kom­mu­ni­ka­tor:in oder Über­mitt­ler:in. Ent­wi­ckelt und durch­ge­führt wur­de das Spiel von der Zür­cher Fir­ma Game So­lu­ti­ons im Auf­trag des Kan­tons.

Das Spiel soll­te sicht­bar ma­chen, wie ei­ne Grup­pe mit Her­aus­for­de­run­gen um­geht: Wer über­nimmt Ver­ant­wor­tung? Wer wel­che Rol­le? Wer teilt In­for­ma­tio­nen? Ent­steht Kon­kur­renz zu den an­de­ren Teams oder Zu­sam­men­ar­beit? Für die rund 90 Kul­tur­schaf­fen­den im Raum, Leu­te aus Mu­se­en, Künst­ler:in­nen oder Ver­an­stal­ter:in­nen, scheint die Ant­wort rasch klar zu sein. Sie kom­mu­ni­zie­ren, tau­schen sich aus und han­deln gröss­ten­teils aus­ge­spro­chen ko­ope­ra­tiv.

An ei­nem der Spiel­ti­sche sitzt auch Re­gie­rungs­rä­tin Lau­ra Bucher. Sie er­lebt ei­nen sol­chen Spiel­tag nicht zum ers­ten Mal. Mehr­fach wur­de sie in der Ver­gan­gen­heit in an­de­ren Bran­chen zu ähn­li­chen Spiel­ver­an­stal­tun­gen ein­ge­la­den. Sie stellt fest: Dort sei je­weils stär­ker über Rol­len, Zu­stän­dig­kei­ten und Macht­ver­tei­lung ver­han­delt wor­den. Un­ter den Kul­tur­schaf­fen­den je­doch er­leb­te sie die un­kom­pli­zier­te Zu­sam­men­ar­beit als fast selbst­ver­ständ­lich.

Neue Kul­tur­stra­te­gie ab 2028

Ein­ge­la­den nach Wil hat das Amt für Kul­tur des Kan­tons St.Gal­len. Ge­mein­sam mit Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­den soll­te an der Kon­fe­renz über die künf­ti­ge Kul­tur­stra­te­gie des Kan­tons nach­ge­dacht und dis­ku­tiert wer­den. Kul­tur­schaf­fen­de sol­len sich ein­brin­gen, so die Idee.

Denn die ak­tu­el­le Kul­tur­för­der­stra­te­gie gilt seit 2020 und läuft 2027 aus. Für die dar­auf­fol­gen­den acht Jah­re bis 2035 muss nun ei­ne neue Stra­te­gie aus­ge­han­delt wer­den. Wich­tig ist die be­griff­li­che Ver­än­de­rung: Was seit 2020 «Kul­tur­för­der­stra­te­gie» heisst, soll ab 2028 ver­kürzt «Kul­tur­stra­te­gie» ge­nannt wer­den. Die ein­zel­nen Ab­tei­lun­gen wie Kul­tur­er­be, Ar­chi­ve, Bi­blio­the­ken oder kul­tu­rel­le Teil­ha­be er­ar­bei­ten da­zu ih­re ei­ge­nen Stra­te­gien. An der Kul­tur­kon­fe­renz stand al­ler­dings vor al­lem die Kul­tur­för­de­rung im Mit­tel­punkt – auch weil sich die teil­neh­men­den Kunst­schaf­fen­den be­son­ders da­für in­ter­es­sier­ten. Ver­an­stal­tet wur­de die Kon­fe­renz vom Amt für Kul­tur, or­ga­ni­siert von des­sen Ab­tei­lung für Kul­tur­för­de­rung.

Das Amt für Kul­tur ist dem­nach über­rascht, dass die An­zahl Teil­neh­mer:in­nen an der dies­jäh­ri­gen Kon­fe­renz tie­fer ist als in den ver­gan­ge­nen Jah­ren, ge­ra­de weil es um das wich­ti­ge The­ma der künf­ti­gen Kul­tur­stra­te­gie geht. Sind es dies­mal knapp 100 Per­so­nen, ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren rund 140 Per­so­nen teil­ge­nom­men.

Fünf The­men und zwei­mal zwan­zig Mi­nu­ten

Im Früh­ling wur­den Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de in ei­ner On­line­um­fra­ge zu ih­ren Er­war­tun­gen an die neue Kul­tur­stra­te­gie be­fragt. Zu den Er­kennt­nis­sen der Er­ar­bei­tung und der Um­fra­ge stell­te der Kan­ton kon­kre­te Fra­gen zu­sam­men:

Wie er­reicht Kul­tur mehr Men­schen? Wie blei­ben kul­tu­rel­le An­ge­bo­te auch aus­ser­halb der städ­ti­schen Zen­tren le­ben­dig? Wo fin­det An­spruchs­vol­les und Ex­pe­ri­men­tel­les noch Platz? Un­ter wel­chen Be­din­gun­gen kön­nen Kul­tur­schaf­fen­de lang­fris­tig ar­bei­ten? Und wie muss die För­de­rung aus­ge­stal­tet sein, da­mit ne­ben Be­währ­tem auch Neu­es ent­ste­hen kann?

Das Amt für Kul­tur hat die­se Fra­gen fünf Schwer­punk­ten zu­ge­teilt: Zu­gang, Re­gio­nen, Ori­en­tie­rung, Ar­beits­be­din­gun­gen und För­de­rung. Zu je­dem The­ma gibt es am Nach­mit­tag ei­nen Work­shop. Die Teil­neh­men­den konn­ten zwei da­von be­su­chen. Für die Dis­kus­si­on stan­den je­weils 20 Mi­nu­ten pro The­ma zur Ver­fü­gung. Ich ent­schei­de mich für die The­men «Zu­gang» und «Ar­beits­be­din­gun­gen».

Kul­tur auf Re­zept?

Um den Zu­gang zu Kunst und Kul­tur für die Be­völ­ke­rung zu ver­ein­fa­chen, for­dern Dis­kus­si­ons­teil­neh­mer:in­nen bei­spiels­wei­se ei­ne ver­ständ­li­che und mehr­spra­chi­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on, die Hemm­schwel­len ab­baut. So sol­len et­wa Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen wie Thea­ter oder Mu­se­en auch ak­ti­ver auf Schu­len zu­ge­hen und ih­re An­ge­bo­te dort ver­ständ­li­cher kom­mu­ni­zie­ren, da­mit auch jün­ge­re Schü­ler:in­nen auf die kul­tu­rel­len An­ge­bo­te auf­merk­sam wer­den und dar­an teil­ha­ben kön­nen.

Ei­ne Teil­neh­me­rin ver­weist auf ein pro­gres­si­ves Pi­lot­pro­jekt in Neu­en­burg: In der West­schwei­zer Stadt kön­nen Ärzt:in­nen mit der so­ge­nann­ten «Or­don­nan­ce mu­séa­le» Men­schen mit psy­chi­schen oder chro­ni­schen Er­kran­kun­gen seit 2025 ei­nen kos­ten­lo­sen Be­such in ei­nem Mu­se­um oder im Bo­ta­ni­schen Gar­ten ver­schrei­ben. Kul­tur auf Re­zept, wä­re das even­tu­ell auch ein Re­zept für die St.Gal­ler Kul­tur­po­li­tik?

Kunst ist Ar­beit

Im ers­ten Work­shop geht es vor al­lem dar­um, wie das Pu­bli­kum und ver­schie­de­ne ge­sell­schaft­li­che Grup­pen Zu­gang zu Kul­tur fin­den. Die Grup­pe «Be­din­gun­gen» be­fasst sich da­ge­gen mit der Si­tua­ti­on der Kunst­schaf­fen­den selbst: Was brau­chen sie, um ar­bei­ten zu kön­nen? Be­ruf­lich, or­ga­ni­sa­to­risch und tech­nisch? Und wie hal­ten Künst­ler:in­nen den Wi­der­spruch aus, in ei­ner Ge­sell­schaft zu le­ben, der Kunst wich­tig ist, die da­für aber im­mer we­ni­ger be­zah­len will?

Zen­tra­le Ein­wän­de in der Dis­kus­si­on sind ge­ne­rell die «feh­len­de Wert­schät­zung des Kunst­schaf­fens». Kunst ist in der Ge­sell­schaft zwar ge­fragt, aber un­ter wel­chen Be­din­gun­gen sie ent­steht, wird oft nicht ge­nug an­er­kannt.

Mireille Loher und Marina Pondini vom kantonalen Kulturamt.

Mireille Loher und Marina Pondini vom kantonalen Kulturamt.

Zwischen all den Diskussionen und Spielen unterhielt Spoken-Word-Künstlerin Miriam Schöb das Publikum.

Zwischen all den Diskussionen und Spielen unterhielt Spoken-Word-Künstlerin Miriam Schöb das Publikum.

Ei­ne Teil­neh­me­rin spricht an, wie «be­las­tend» das Ge­fühl für vie­le Kul­tur­schaf­fen­de sei, bei För­der­stel­len als Bitt­stel­ler:in­nen auf­tre­ten zu müs­sen. Als An­trag­stel­ler:in müs­se man fast dank­bar sein, über­haupt fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung zu er­hal­ten. Mit an­de­ren Wor­ten: Wer Kunst und Kul­tur macht, muss bet­teln, wäh­rend In­ves­ti­tio­nen in Mil­lio­nen­hö­he in an­de­ren Wirt­schafts­zwei­gen als selbst­ver­ständ­lich gel­ten.

The­ma ist auch das Di­lem­ma «Ei­gen­leis­tung». Bei För­der­an­trä­gen an die öf­fent­li­che Hand, aber auch an pri­va­te Stif­tun­gen er­war­ten die geld­ge­ben­den In­sti­tu­tio­nen von den An­trag­stel­ler:in­nen in der Re­gel, ei­nen sub­stan­zi­el­len Teil der Fi­nan­zie­rung als Ei­gen­leis­tung zu ver­bu­chen; ei­nen Teil des Pro­jekts al­so als frei­wil­li­ge und un­be­zahl­te Ar­bei­ten zu ver­rich­ten. In den Köp­fen vie­ler Men­schen und För­der­stel­len wer­de Ei­gen­leis­tung oft mit un­be­zahl­ter Ar­beit gleich­ge­setzt, gibt ei­ne Teil­neh­me­rin zu be­den­ken. Noch im­mer sei die Vor­stel­lung ver­brei­tet, künst­le­ri­sches Schaf­fen sei eher ei­ne Frei­zeit­be­schäf­ti­gung als pro­fes­sio­nel­le Ar­beit.

Das sind nur zwei, drei The­men, die am Sams­tag in den Räum­lich­kei­ten der Psych­ia­trie in Wil, wo die Kul­tur­kon­fe­renz in die­sem Jahr zu Gast ist, zur De­bat­te ste­hen. In den an­de­ren Work­shops geht es um die Kul­tur in den Re­gio­nen, um Ori­en­tie­rung und um die zu­künf­ti­ge För­de­rung. Dis­ku­tiert wur­de bei­spiels­wei­se dar­über, wie Kul­tur­ange­bo­te aus­ser­halb der Städ­te ge­stärkt, bes­ser sicht­bar und ein­fa­cher zu­gäng­lich ge­macht wer­den kön­nen. Auch ein­fa­che­re Ge­su­che und ei­ne bes­se­re Be­ra­tung ka­men zur Spra­che. Da­bei zeig­te sich: 20 Mi­nu­ten für die Auf­ar­bei­tung und Be­spre­chung sol­cher The­men rei­chen bei Wei­tem nicht. Je­des The­ma hät­te für sich al­lei­ne ei­nen gan­zen Nach­mit­tag Zeit be­an­sprucht.

Kul­tur­schaf­fen­de ha­ben zu vie­le The­men, zu vie­le of­fe­ne Fra­gen. Die vie­len, mit un­ter­schied­li­chen Hand­schrif­ten ge­schrie­be­nen Flip­chart-Sei­ten sind ein­drück­lich und zei­gen das Be­dürf­nis nach Dia­log mit den aus­füh­ren­den Stel­len des Kan­tons deut­lich.

Un­kla­rer Ein­fluss der Kul­tur­sze­ne

Das Amt für Kul­tur will im Ja­nu­ar 2027 ei­nen ers­ten Ent­wurf der neu­en Kul­tur­stra­te­gie prä­sen­tie­ren. Be­glei­tet wird die Er­ar­bei­tung der Kul­tur­stra­te­gie von Con-Sen­se, ei­ner Zür­cher Be­ra­tungs­fir­ma und Spin-off des Cen­ter for Phil­an­thro­py Stu­dies (CEPS) der Uni­ver­si­tät Ba­sel. Con-Sen­se be­glei­tet den ge­sam­ten Pro­zess bis zur fer­ti­gen Stra­te­gie.

Wie ver­bind­lich die Be­tei­li­gung der Kul­tur­schaf­fen­den ist, bleibt den­noch of­fen. Un­klar ist ins­be­son­de­re, wie die Er­geb­nis­se der Work­shops und der On­line­be­fra­gung ge­wich­tet wer­den und wel­chen Ein­fluss die Kul­tur­sze­ne auf den ers­ten Ent­wurf neh­men kann.

Vor der ein­tä­gi­gen Kul­tur­kon­fe­renz in Wil konn­te die Kul­tur­sze­ne im Ju­ni an ei­ner On­line­be­fra­gung teil­neh­men. Ver­schie­de­ne Kul­tur­ver­tre­ter:in­nen be­män­gel­ten je­doch, dass die Um­fra­ge zu kurz­fris­tig ver­schickt wur­de und of­fen­bar auch nicht al­le re­le­van­ten Per­so­nen auf dem Ver­tei­ler wa­ren. Auf die Um­fra­ge im Ju­ni gin­gen nur we­ni­ge Ant­wor­ten ein. Das Amt für Kul­tur ver­mu­tet, dass die Ein­la­dung nicht al­le Kul­tur­schaf­fen­den er­reicht hat, und sieht bei den Adress­lis­ten Ver­bes­se­rungs­be­darf.

Das Amt be­tont auf Nach­fra­ge, dass Kul­tur­schaf­fen­de wei­ter­hin An­re­gun­gen zur Kul­tur­för­de­rung ein­brin­gen kön­nen. Noch die­se Wo­che soll ei­ne neue Web­sei­te über den Stand des Pro­zes­ses in­for­mie­ren und ei­ne Mög­lich­keit für Rück­mel­dun­gen bie­ten. Ge­gen En­de 2026 soll die Kul­tur­sze­ne aus­ser­dem noch­mals auf die Vor­schlä­ge re­agie­ren kön­nen, be­vor sie an die Re­gie­rung ge­hen; die Form da­für steht noch nicht fest. Auch an der Kon­fe­renz der re­gio­na­len För­der­or­ga­ni­sa­tio­nen von En­de Ok­to­ber wird die Stra­te­gie The­ma sein.

Im März 2027 will sich der Re­gie­rungs­rat zu ei­nem aus­ser­or­dent­li­chen Work­shop tref­fen, an dem der ers­te Ent­wurf be­spro­chen wird. Wie stark die Rück­mel­dun­gen der Kul­tur­sze­ne den Ent­wurf tat­säch­lich noch ver­än­dern kön­nen, bleibt of­fen. Ver­tre­ter:in­nen von Kul­tur­or­ga­ni­sa­tio­nen und In­ter­es­sen­ge­mein­schaf­ten be­fürch­ten, dass die Stra­te­gie letzt­lich in ei­nem Top-down-Ver­fah­ren von oben vor­ge­ge­ben wird und Kunst­schaf­fen­de am En­de vor voll­ende­ten Tat­sa­chen ste­hen. Ge­gen En­de 2027 dürf­te der Kan­tons­rat über die end­gül­ti­ge Fas­sung der Kul­tur­stra­te­gie ent­schei­den. Er kann die Stra­te­gie ge­neh­mi­gen, Än­de­run­gen ver­lan­gen oder sie ab­leh­nen.

Das Spiel um die fra­gi­len Setz­lin­ge hat ge­zeigt, dass die Kul­tur­sze­ne aus­ge­spro­chen ko­ope­ra­tiv, kom­mu­ni­ka­tiv und agil mit­ein­an­der um­geht. Das ge­mein­sa­me Ziel, die ge­sam­mel­ten jun­gen Pflan­zen zum Blü­hen zu brin­gen, taugt als Sinn­bild für die wei­te­re Stra­te­gie­ar­beit. Nun muss sich zei­gen, ob die­se Zu­sam­men­ar­beit auch im Pro­zess und der Aus­ar­bei­tung der Kul­tur­stra­te­gie mit dem Kan­ton funk­tio­niert.

Lotteriefonds: Wie viel Geld bleibt für die Kultur?

Im März 2026 hat der Kan­tons­rat ei­ne Mo­ti­on über­wie­sen, die ei­ne neue Ver­tei­lung der Lot­te­rie­fonds­gel­der ver­langt. Für Kul­tur, Brauch­tum, So­zia­les, Ge­sund­heit und Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit sol­len künf­tig 50 bis 55 Pro­zent zur Ver­fü­gung ste­hen. Der Sport soll mit 30 bis 35 Pro­zent ei­nen deut­lich grös­se­ren An­teil er­hal­ten. Bis zu zehn Pro­zent sind für stra­te­gi­sche Ent­wick­lungs­pro­jek­te und wei­te­re zehn Pro­zent als Re­ser­ve für gros­se kan­to­na­le Vor­ha­ben vor­ge­se­hen. (Sai­ten be­rich­te­te)

Gleich­zei­tig soll die Kul­tur min­des­tens so vie­le Mit­tel er­hal­ten wie im Durch­schnitt der Jah­re 2022 bis 2024. Ob die­se Zu­si­che­rung lang­fris­tig aus­reicht, ist um­strit­ten. Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen be­fürch­ten, dass bei stei­gen­den Kos­ten und ei­ner wach­sen­den Zahl von Pro­jek­ten trotz­dem we­ni­ger Geld für ein­zel­ne In­sti­tu­tio­nen und Kul­tur­schaf­fen­de üb­rig­bleibt.

Die neue Auf­tei­lung gilt al­ler­dings noch nicht un­mit­tel­bar. Die Re­gie­rung muss zu­erst ei­ne ent­spre­chen­de Ge­set­zes­vor­la­ge aus­ar­bei­ten. Trotz­dem zeigt die De­bat­te ei­nen zen­tra­len Wi­der­spruch: Wäh­rend der Kan­ton an ei­ner neu­en Kul­tur­stra­te­gie ar­bei­tet, wird gleich­zei­tig dar­über ver­han­delt, wie viel Geld künf­tig für de­ren Um­set­zung zur Ver­fü­gung steht.

 

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Die Schwei­zer Rock­le­gen­den Kro­ko­dil ha­ben kürz­lich ihr neu­es Al­bum Bey­ond The Eye ver­öf­fent­licht. Ur-Kro­ko­dil Dü­de Dürst schwärmt von der En­er­gie der 2019 wie­der­be­leb­ten Band – und hat noch lan­ge nicht ge­nug. Am Frei­tag spie­len sie in der Gra­ben­hal­le.

Von Pius Frey und David Gadze,
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von Mia Nägeli,

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von Vera Zatti,
Dieses

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von Richard Butz,
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von Philipp Bürkler,
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von Kristin Schmidt,
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von René Hornung,
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von Christoph Keller,

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von Peter Surber,
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von Lilli Kim Schreiber,
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Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von Vera Zatti,
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