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Mitspielen dürfen. Aber auch die Spielregeln mitbestimmen?

Die jährliche Kulturkonferenz fand am Samstag in Wil statt. (Bilder: Philipp Bürkler)

Die jährliche Kulturkonferenz fand am Samstag in Wil statt. (Bilder: Philipp Bürkler)

Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?

Auf den Ti­schen lie­gen Spiel­fi­gu­ren, Kar­ten und Auf­ga­ben. Die Teil­neh­mer:in­nen müs­sen mit­ein­an­der re­den, Ent­schei­dun­gen tref­fen und ge­mein­sam Lö­sun­gen fin­den. Für knapp zwei Stun­den gleicht die jähr­lich statt­fin­den­de kan­to­na­le Kul­tur­kon­fe­renz in Wil we­ni­ger ei­ner klas­si­schen Kon­fe­renz mit Vor­trä­gen und Po­di­ums­dis­kus­sio­nen als viel­mehr ei­nem Spiel­nach­mit­tag.

Die Spiel­an­lei­tung: Mög­lichst rasch durch ei­ne le­bens­feind­li­che und tro­cke­ne Wüs­te in ei­ne blü­hen­de «Oa­se» ge­lan­gen, dort mög­lichst vie­le Setz­lin­ge sam­meln und sie da­nach si­cher zu­rück­brin­gen, um das «Zu­hau­se» mit den Pflänz­chen zum Er­blü­hen zu brin­gen. Be­tei­ligt sind et­wa ein Dut­zend «Teams» à je et­wa fünf Per­so­nen. Je­de Per­son über­nimmt ei­ne an­de­re Rol­le, bei­spiels­wei­se Or­ga­ni­sa­tor:in, Kom­mu­ni­ka­tor:in oder Über­mitt­ler:in. Ent­wi­ckelt und durch­ge­führt wur­de das Spiel von der Zür­cher Fir­ma Game So­lu­ti­ons im Auf­trag des Kan­tons.

Das Spiel soll­te sicht­bar ma­chen, wie ei­ne Grup­pe mit Her­aus­for­de­run­gen um­geht: Wer über­nimmt Ver­ant­wor­tung? Wer wel­che Rol­le? Wer teilt In­for­ma­tio­nen? Ent­steht Kon­kur­renz zu den an­de­ren Teams oder Zu­sam­men­ar­beit? Für die rund 90 Kul­tur­schaf­fen­den im Raum, Leu­te aus Mu­se­en, Künst­ler:in­nen oder Ver­an­stal­ter:in­nen, scheint die Ant­wort rasch klar zu sein. Sie kom­mu­ni­zie­ren, tau­schen sich aus und han­deln gröss­ten­teils aus­ge­spro­chen ko­ope­ra­tiv.

An ei­nem der Spiel­ti­sche sitzt auch Re­gie­rungs­rä­tin Lau­ra Bucher. Sie er­lebt ei­nen sol­chen Spiel­tag nicht zum ers­ten Mal. Mehr­fach wur­de sie in der Ver­gan­gen­heit in an­de­ren Bran­chen zu ähn­li­chen Spiel­ver­an­stal­tun­gen ein­ge­la­den. Sie stellt fest: Dort sei je­weils stär­ker über Rol­len, Zu­stän­dig­kei­ten und Macht­ver­tei­lung ver­han­delt wor­den. Un­ter den Kul­tur­schaf­fen­den je­doch er­leb­te sie die un­kom­pli­zier­te Zu­sam­men­ar­beit als fast selbst­ver­ständ­lich.

Neue Kul­tur­stra­te­gie ab 2028

Ein­ge­la­den nach Wil hat das Amt für Kul­tur des Kan­tons St.Gal­len. Ge­mein­sam mit Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­den soll­te an der Kon­fe­renz über die künf­ti­ge Kul­tur­stra­te­gie des Kan­tons nach­ge­dacht und dis­ku­tiert wer­den. Kul­tur­schaf­fen­de sol­len sich ein­brin­gen, so die Idee.

Denn die ak­tu­el­le Kul­tur­för­der­stra­te­gie gilt seit 2020 und läuft 2027 aus. Für die dar­auf­fol­gen­den acht Jah­re bis 2035 muss nun ei­ne neue Stra­te­gie aus­ge­han­delt wer­den. Wich­tig ist die be­griff­li­che Ver­än­de­rung: Was seit 2020 «Kul­tur­för­der­stra­te­gie» heisst, soll ab 2028 ver­kürzt «Kul­tur­stra­te­gie» ge­nannt wer­den. Die ein­zel­nen Ab­tei­lun­gen wie Kul­tur­er­be, Ar­chi­ve, Bi­blio­the­ken oder kul­tu­rel­le Teil­ha­be er­ar­bei­ten da­zu ih­re ei­ge­nen Stra­te­gien. An der Kul­tur­kon­fe­renz stand al­ler­dings vor al­lem die Kul­tur­för­de­rung im Mit­tel­punkt – auch weil sich die teil­neh­men­den Kunst­schaf­fen­den be­son­ders da­für in­ter­es­sier­ten. Ver­an­stal­tet wur­de die Kon­fe­renz vom Amt für Kul­tur, or­ga­ni­siert von des­sen Ab­tei­lung für Kul­tur­för­de­rung.

Das Amt für Kul­tur ist dem­nach über­rascht, dass die An­zahl Teil­neh­mer:in­nen an der dies­jäh­ri­gen Kon­fe­renz tie­fer ist als in den ver­gan­ge­nen Jah­ren, ge­ra­de weil es um das wich­ti­ge The­ma der künf­ti­gen Kul­tur­stra­te­gie geht. Sind es dies­mal knapp 100 Per­so­nen, ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren rund 140 Per­so­nen teil­ge­nom­men.

Fünf The­men und zwei­mal zwan­zig Mi­nu­ten

Im Früh­ling wur­den Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de in ei­ner On­line­um­fra­ge zu ih­ren Er­war­tun­gen an die neue Kul­tur­stra­te­gie be­fragt. Zu den Er­kennt­nis­sen der Er­ar­bei­tung und der Um­fra­ge stell­te der Kan­ton kon­kre­te Fra­gen zu­sam­men:

Wie er­reicht Kul­tur mehr Men­schen? Wie blei­ben kul­tu­rel­le An­ge­bo­te auch aus­ser­halb der städ­ti­schen Zen­tren le­ben­dig? Wo fin­det An­spruchs­vol­les und Ex­pe­ri­men­tel­les noch Platz? Un­ter wel­chen Be­din­gun­gen kön­nen Kul­tur­schaf­fen­de lang­fris­tig ar­bei­ten? Und wie muss die För­de­rung aus­ge­stal­tet sein, da­mit ne­ben Be­währ­tem auch Neu­es ent­ste­hen kann?

Das Amt für Kul­tur hat die­se Fra­gen fünf Schwer­punk­ten zu­ge­teilt: Zu­gang, Re­gio­nen, Ori­en­tie­rung, Ar­beits­be­din­gun­gen und För­de­rung. Zu je­dem The­ma gibt es am Nach­mit­tag ei­nen Work­shop. Die Teil­neh­men­den konn­ten zwei da­von be­su­chen. Für die Dis­kus­si­on stan­den je­weils 20 Mi­nu­ten pro The­ma zur Ver­fü­gung. Ich ent­schei­de mich für die The­men «Zu­gang» und «Ar­beits­be­din­gun­gen».

Kul­tur auf Re­zept?

Um den Zu­gang zu Kunst und Kul­tur für die Be­völ­ke­rung zu ver­ein­fa­chen, for­dern Dis­kus­si­ons­teil­neh­mer:in­nen bei­spiels­wei­se ei­ne ver­ständ­li­che und mehr­spra­chi­ge Kom­mu­ni­ka­ti­on, die Hemm­schwel­len ab­baut. So sol­len et­wa Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen wie Thea­ter oder Mu­se­en auch ak­ti­ver auf Schu­len zu­ge­hen und ih­re An­ge­bo­te dort ver­ständ­li­cher kom­mu­ni­zie­ren, da­mit auch jün­ge­re Schü­ler:in­nen auf die kul­tu­rel­len An­ge­bo­te auf­merk­sam wer­den und dar­an teil­ha­ben kön­nen.

Ei­ne Teil­neh­me­rin ver­weist auf ein pro­gres­si­ves Pi­lot­pro­jekt in Neu­en­burg: In der West­schwei­zer Stadt kön­nen Ärzt:in­nen mit der so­ge­nann­ten «Or­don­nan­ce mu­séa­le» Men­schen mit psy­chi­schen oder chro­ni­schen Er­kran­kun­gen seit 2025 ei­nen kos­ten­lo­sen Be­such in ei­nem Mu­se­um oder im Bo­ta­ni­schen Gar­ten ver­schrei­ben. Kul­tur auf Re­zept, wä­re das even­tu­ell auch ein Re­zept für die St.Gal­ler Kul­tur­po­li­tik?

Kunst ist Ar­beit

Im ers­ten Work­shop geht es vor al­lem dar­um, wie das Pu­bli­kum und ver­schie­de­ne ge­sell­schaft­li­che Grup­pen Zu­gang zu Kul­tur fin­den. Die Grup­pe «Be­din­gun­gen» be­fasst sich da­ge­gen mit der Si­tua­ti­on der Kunst­schaf­fen­den selbst: Was brau­chen sie, um ar­bei­ten zu kön­nen? Be­ruf­lich, or­ga­ni­sa­to­risch und tech­nisch? Und wie hal­ten Künst­ler:in­nen den Wi­der­spruch aus, in ei­ner Ge­sell­schaft zu le­ben, der Kunst wich­tig ist, die da­für aber im­mer we­ni­ger be­zah­len will?

Zen­tra­le Ein­wän­de in der Dis­kus­si­on sind ge­ne­rell die «feh­len­de Wert­schät­zung des Kunst­schaf­fens». Kunst ist in der Ge­sell­schaft zwar ge­fragt, aber un­ter wel­chen Be­din­gun­gen sie ent­steht, wird oft nicht ge­nug an­er­kannt.

Mireille Loher und Marina Pondini vom kantonalen Kulturamt.

Mireille Loher und Marina Pondini vom kantonalen Kulturamt.

Zwischen all den Diskussionen und Spielen unterhielt Spoken-Word-Künstlerin Miriam Schöb das Publikum.

Zwischen all den Diskussionen und Spielen unterhielt Spoken-Word-Künstlerin Miriam Schöb das Publikum.

Ei­ne Teil­neh­me­rin spricht an, wie «be­las­tend» das Ge­fühl für vie­le Kul­tur­schaf­fen­de sei, bei För­der­stel­len als Bitt­stel­ler:in­nen auf­tre­ten zu müs­sen. Als An­trag­stel­ler:in müs­se man fast dank­bar sein, über­haupt fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung zu er­hal­ten. Mit an­de­ren Wor­ten: Wer Kunst und Kul­tur macht, muss bet­teln, wäh­rend In­ves­ti­tio­nen in Mil­lio­nen­hö­he in an­de­ren Wirt­schafts­zwei­gen als selbst­ver­ständ­lich gel­ten.

The­ma ist auch das Di­lem­ma «Ei­gen­leis­tung». Bei För­der­an­trä­gen an die öf­fent­li­che Hand, aber auch an pri­va­te Stif­tun­gen er­war­ten die geld­ge­ben­den In­sti­tu­tio­nen von den An­trag­stel­ler:in­nen in der Re­gel, ei­nen sub­stan­zi­el­len Teil der Fi­nan­zie­rung als Ei­gen­leis­tung zu ver­bu­chen; ei­nen Teil des Pro­jekts al­so als frei­wil­li­ge und un­be­zahl­te Ar­bei­ten zu ver­rich­ten. In den Köp­fen vie­ler Men­schen und För­der­stel­len wer­de Ei­gen­leis­tung oft mit un­be­zahl­ter Ar­beit gleich­ge­setzt, gibt ei­ne Teil­neh­me­rin zu be­den­ken. Noch im­mer sei die Vor­stel­lung ver­brei­tet, künst­le­ri­sches Schaf­fen sei eher ei­ne Frei­zeit­be­schäf­ti­gung als pro­fes­sio­nel­le Ar­beit.

Das sind nur zwei, drei The­men, die am Sams­tag in den Räum­lich­kei­ten der Psych­ia­trie in Wil, wo die Kul­tur­kon­fe­renz in die­sem Jahr zu Gast ist, zur De­bat­te ste­hen. In den an­de­ren Work­shops geht es um die Kul­tur in den Re­gio­nen, um Ori­en­tie­rung und um die zu­künf­ti­ge För­de­rung. Dis­ku­tiert wur­de bei­spiels­wei­se dar­über, wie Kul­tur­ange­bo­te aus­ser­halb der Städ­te ge­stärkt, bes­ser sicht­bar und ein­fa­cher zu­gäng­lich ge­macht wer­den kön­nen. Auch ein­fa­che­re Ge­su­che und ei­ne bes­se­re Be­ra­tung ka­men zur Spra­che. Da­bei zeig­te sich: 20 Mi­nu­ten für die Auf­ar­bei­tung und Be­spre­chung sol­cher The­men rei­chen bei Wei­tem nicht. Je­des The­ma hät­te für sich al­lei­ne ei­nen gan­zen Nach­mit­tag Zeit be­an­sprucht.

Kul­tur­schaf­fen­de ha­ben zu vie­le The­men, zu vie­le of­fe­ne Fra­gen. Die vie­len, mit un­ter­schied­li­chen Hand­schrif­ten ge­schrie­be­nen Flip­chart-Sei­ten sind ein­drück­lich und zei­gen das Be­dürf­nis nach Dia­log mit den aus­füh­ren­den Stel­len des Kan­tons deut­lich.

Un­kla­rer Ein­fluss der Kul­tur­sze­ne

Das Amt für Kul­tur will im Ja­nu­ar 2027 ei­nen ers­ten Ent­wurf der neu­en Kul­tur­stra­te­gie prä­sen­tie­ren. Be­glei­tet wird die Er­ar­bei­tung der Kul­tur­stra­te­gie von Con-Sen­se, ei­ner Zür­cher Be­ra­tungs­fir­ma und Spin-off des Cen­ter for Phil­an­thro­py Stu­dies (CEPS) der Uni­ver­si­tät Ba­sel. Con-Sen­se be­glei­tet den ge­sam­ten Pro­zess bis zur fer­ti­gen Stra­te­gie.

Wie ver­bind­lich die Be­tei­li­gung der Kul­tur­schaf­fen­den ist, bleibt den­noch of­fen. Un­klar ist ins­be­son­de­re, wie die Er­geb­nis­se der Work­shops und der On­line­be­fra­gung ge­wich­tet wer­den und wel­chen Ein­fluss die Kul­tur­sze­ne auf den ers­ten Ent­wurf neh­men kann.

Vor der ein­tä­gi­gen Kul­tur­kon­fe­renz in Wil konn­te die Kul­tur­sze­ne im Ju­ni an ei­ner On­line­be­fra­gung teil­neh­men. Ver­schie­de­ne Kul­tur­ver­tre­ter:in­nen be­män­gel­ten je­doch, dass die Um­fra­ge zu kurz­fris­tig ver­schickt wur­de und of­fen­bar auch nicht al­le re­le­van­ten Per­so­nen auf dem Ver­tei­ler wa­ren. Auf die Um­fra­ge im Ju­ni gin­gen nur we­ni­ge Ant­wor­ten ein. Das Amt für Kul­tur ver­mu­tet, dass die Ein­la­dung nicht al­le Kul­tur­schaf­fen­den er­reicht hat, und sieht bei den Adress­lis­ten Ver­bes­se­rungs­be­darf.

Das Amt be­tont auf Nach­fra­ge, dass Kul­tur­schaf­fen­de wei­ter­hin An­re­gun­gen zur Kul­tur­för­de­rung ein­brin­gen kön­nen. Noch die­se Wo­che soll ei­ne neue Web­sei­te über den Stand des Pro­zes­ses in­for­mie­ren und ei­ne Mög­lich­keit für Rück­mel­dun­gen bie­ten. Ge­gen En­de 2026 soll die Kul­tur­sze­ne aus­ser­dem noch­mals auf die Vor­schlä­ge re­agie­ren kön­nen, be­vor sie an die Re­gie­rung ge­hen; die Form da­für steht noch nicht fest. Auch an der Kon­fe­renz der re­gio­na­len För­der­or­ga­ni­sa­tio­nen von En­de Ok­to­ber wird die Stra­te­gie The­ma sein.

Im März 2027 will sich der Re­gie­rungs­rat zu ei­nem aus­ser­or­dent­li­chen Work­shop tref­fen, an dem der ers­te Ent­wurf be­spro­chen wird. Wie stark die Rück­mel­dun­gen der Kul­tur­sze­ne den Ent­wurf tat­säch­lich noch ver­än­dern kön­nen, bleibt of­fen. Ver­tre­ter:in­nen von Kul­tur­or­ga­ni­sa­tio­nen und In­ter­es­sen­ge­mein­schaf­ten be­fürch­ten, dass die Stra­te­gie letzt­lich in ei­nem Top-down-Ver­fah­ren von oben vor­ge­ge­ben wird und Kunst­schaf­fen­de am En­de vor voll­ende­ten Tat­sa­chen ste­hen. Ge­gen En­de 2027 dürf­te der Kan­tons­rat über die end­gül­ti­ge Fas­sung der Kul­tur­stra­te­gie ent­schei­den. Er kann die Stra­te­gie ge­neh­mi­gen, Än­de­run­gen ver­lan­gen oder sie ab­leh­nen.

Das Spiel um die fra­gi­len Setz­lin­ge hat ge­zeigt, dass die Kul­tur­sze­ne aus­ge­spro­chen ko­ope­ra­tiv, kom­mu­ni­ka­tiv und agil mit­ein­an­der um­geht. Das ge­mein­sa­me Ziel, die ge­sam­mel­ten jun­gen Pflan­zen zum Blü­hen zu brin­gen, taugt als Sinn­bild für die wei­te­re Stra­te­gie­ar­beit. Nun muss sich zei­gen, ob die­se Zu­sam­men­ar­beit auch im Pro­zess und der Aus­ar­bei­tung der Kul­tur­stra­te­gie mit dem Kan­ton funk­tio­niert.

Lotteriefonds: Wie viel Geld bleibt für die Kultur?

Im März 2026 hat der Kan­tons­rat ei­ne Mo­ti­on über­wie­sen, die ei­ne neue Ver­tei­lung der Lot­te­rie­fonds­gel­der ver­langt. Für Kul­tur, Brauch­tum, So­zia­les, Ge­sund­heit und Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit sol­len künf­tig 50 bis 55 Pro­zent zur Ver­fü­gung ste­hen. Der Sport soll mit 30 bis 35 Pro­zent ei­nen deut­lich grös­se­ren An­teil er­hal­ten. Bis zu zehn Pro­zent sind für stra­te­gi­sche Ent­wick­lungs­pro­jek­te und wei­te­re zehn Pro­zent als Re­ser­ve für gros­se kan­to­na­le Vor­ha­ben vor­ge­se­hen. (Sai­ten be­rich­te­te)

Gleich­zei­tig soll die Kul­tur min­des­tens so vie­le Mit­tel er­hal­ten wie im Durch­schnitt der Jah­re 2022 bis 2024. Ob die­se Zu­si­che­rung lang­fris­tig aus­reicht, ist um­strit­ten. Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen be­fürch­ten, dass bei stei­gen­den Kos­ten und ei­ner wach­sen­den Zahl von Pro­jek­ten trotz­dem we­ni­ger Geld für ein­zel­ne In­sti­tu­tio­nen und Kul­tur­schaf­fen­de üb­rig­bleibt.

Die neue Auf­tei­lung gilt al­ler­dings noch nicht un­mit­tel­bar. Die Re­gie­rung muss zu­erst ei­ne ent­spre­chen­de Ge­set­zes­vor­la­ge aus­ar­bei­ten. Trotz­dem zeigt die De­bat­te ei­nen zen­tra­len Wi­der­spruch: Wäh­rend der Kan­ton an ei­ner neu­en Kul­tur­stra­te­gie ar­bei­tet, wird gleich­zei­tig dar­über ver­han­delt, wie viel Geld künf­tig für de­ren Um­set­zung zur Ver­fü­gung steht.

 

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
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Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
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Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
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