Beispiellose Kulturfeindlichkeit

Die St.Galler SVP versucht vermehrt, aus ideologischen Gründen Beiträge aus dem Lotteriefonds zu streichen. Es laufen verschiedene Bestrebungen, die Vergabepolitik neuzuregeln. Eine Motion der bürgerlichen Fraktionen wirft diverse Fragen auf.

(Bild: Studio Toericht)

In der ver­gan­ge­nen Som­mer­ses­si­on fand der Mel­ser Mit­te-Kan­tons­rat Tho­mas War­zi­nek deut­li­che Wor­te: «Der Lot­te­rie­fonds ist kein Spiel­feld oder kei­ne Spiel­wie­se. Sie müs­sen sich fra­gen, ob es Ih­nen um ein ernst zu neh­men­des po­li­ti­sches An­lie­gen zum Lot­te­rie­fonds geht oder dar­um, Lärm zu er­zeu­gen und Auf­merk­sam­keit zu er­ha­schen.»

An­ge­spro­chen war da­mit sein Rats­kol­le­ge Chris­ti­an Vo­gel von der SVP. Nicht zum ers­ten Mal hat­te die­ser die Strei­chung ei­nes Bei­trags aus dem Lot­te­rie­fonds an ein Kul­tur­pro­jekt be­an­tragt, das ihm nicht ge­nehm war. Dies­mal galt Vo­gels An­griff dem que­er­fe­mi­nis­ti­schen au­dio-vi­su­el­len Glitch-Fes­ti­val in St.Gal­len. Zu­vor wa­ren es der Think & Act Tank INES, der Mi­gra­ti­ons­ge­schich­ten in der Re­gi­on auf­ar­bei­ten will, und jüngst der in­ter­kan­to­na­le Ver­ein Art-Link, der Kunst­pro­jek­te mit Per­so­nen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund för­dert, die dem 29-jäh­ri­gen Tog­gen­bur­ger Hard­li­ner nicht in den Kram pass­ten.

Mit die­sen An­trä­gen fiel er im Rat zwar durch. Er­folg hat­te er aus sei­ner War­te ein­zig beim Pro­jekt «Grau­er Him­mel», bei dem ein Kol­lek­tiv um Künst­le­rin Ani­ta Zim­mer­mann den «kleins­ten Ski­lift der Welt» in St.Gal­len bau­te. In der Win­ter­ses­si­on 2024 kipp­te der Kan­tons­rat 45’000 Fran­ken kur­zer­hand aus dem Lot­te­rie­fonds, ob­wohl die Re­gie­rung wie die kan­tons­rät­li­che Fi­nanz­kom­mis­si­on das Pro­jekt be­reits gut­ge­heis­sen hat­ten.

Ver­po­li­ti­sie­rung der Kul­tur­för­de­rung

«Wir von der SVP ha­ben nichts ge­gen Kul­tur, aber im Kan­ton St.Gal­len wer­den ver­hält­nis­mäs­sig zu vie­le lin­ke, grü­ne, que­e­re und an­de­re ideo­lo­gi­sche Kul­tur­pro­jek­te aus städ­ti­schen Ge­bie­ten staat­lich un­ter­stützt», sagt Chris­ti­an Vo­gel auf An­fra­ge. Und oft sei­en Ge­su­che in den Lot­te­rie­fonds­bot­schaf­ten zu kurz be­grün­det und nicht nach­voll­zieh­bar. Zu­dem sol­le sei­ner Mei­nung nach künf­tig kein Fran­ken ins Aus­land flies­sen.

SVP-Kantonsrat Christian Vogel ist eigentlich kein Glücksspieler: «Ich spiele kein Lotto, höchstens Tombola an einer Turnerunterhaltung oder ich kaufe Lösli an der Viehschau.» (Bild: pd)

Aus die­sen Grün­den durch­käm­men er und sei­ne Tog­gen­bur­ger Frak­ti­ons­kol­le­gen die Lot­te­rie­fonds­bot­schaf­ten in letz­ter Zeit je­weils et­was ge­nau­er. «Frü­her hat der Kan­tons­rat im­mer al­les durch­ge­wun­ken, das ge­nügt un­se­rem An­spruch nicht mehr. Wir wol­len bei al­len staat­li­chen Aus­ga­ben hin­schau­en», so Vo­gel, das sei man der Kan­tons­be­völ­ke­rung schul­dig. Auch Lot­te­rie­fonds­gel­der sei­en letzt­lich Steu­er­gel­der, be­haup­tet er, nur tä­ten die­se den Be­zah­len­den halt nicht gleich weh wie die Ein­kom­mens­steu­ern, für die man mor­gens auf­ste­hen und zur Ar­beit ge­hen müs­se.

Auf die Fra­ge, wes­halb er und sei­ne Par­tei ih­re An­trä­ge je­weils erst we­ni­ge Stun­den vor Ses­si­ons­be­ginn ein­reich­ten und ob man da­mit ei­ne fun­dier­te De­bat­te ver­hin­dern wol­le, ant­wor­tet der Diet­fur­ter, dass dies vor al­lem mit der Ter­mi­nie­rung der Frak­ti­ons­sit­zun­gen zu tun ha­be. Da­von ge­be es vor je­der Kan­tons­rats­sit­zung zwei, und oft rei­che die Zeit nicht mehr, das Trak­tan­dum Lot­te­rie­fonds­bot­schaft noch in der ers­ten Sit­zung ab­zu­han­deln, wes­halb sei­ne An­trä­ge dann oft erst am Mor­gen des Ses­si­ons­auf­takts auf den Ti­schen der Kol­leg:in­nen des Par­la­ments auf­lie­gen.

Kri­tik an die­ser neu­en po­li­ti­schen Last-mi­nu­te-An­trags­kul­tur im Lot­te­rie­fonds gibt es nicht nur aus der Mit­te-EVP-Frak­ti­on, son­dern vor al­lem auch von links. Der Tog­gen­bur­ger Kul­tur­ver­an­stal­ter und SP-Kan­tons­rat Mar­tin Sai­ler et­wa spricht von ei­ner «un­nö­ti­gen Ver­po­li­ti­sie­rung der Kul­tur­för­de­rung». Er hat sich im Par­la­ment schon mehr­fach ge­gen Strei­chungs­an­trä­ge sei­tens der SVP ge­wehrt und er­klärt, wie auf­wän­dig die Ein­rei­chung ei­nes fun­dier­ten Ge­suchs ist.

SP-Kantonsrat Martin Sailer liebt Glücksspiele: «Ich kaufe mir regelmässig Lose, vor allem Win for Life, Hauptache was zum Rubbeln. Ich jasse und pokere auch gerne.» (Bild: pd)

Und Ma­ria Pap­pa, St.Gal­ler Stadt­prä­si­den­tin und SP-Kan­tons­rä­tin, fin­det: «Wenn es so wei­ter­geht, müs­sen wir die Spiel­re­geln än­dern.» Da­bei ge­he es auch um das Ver­trau­en in die In­sti­tu­tio­nen. Ei­gent­lich ist für sie klar: Der Kan­tons­rat de­fi­niert die Kri­te­ri­en, nach de­nen sich die Ver­ga­be­pra­xis rich­tet. Die ein­zel­nen Pro­jek­te be­wil­li­gen dann die zu­stän­di­gen kan­to­na­len Äm­ter und der Re­gie­rungs­rat. Sie plä­diert al­so für ei­ne kla­re­re Tren­nung zwi­schen ope­ra­ti­vem und stra­te­gi­schem Ge­schäft. So wie es die al­ler­meis­ten Kan­to­ne auch hand­ha­ben.

Was vie­le Kan­tons­rät:in­nen bis­lang noch gar nicht mit­be­kom­men ha­ben: Das De­par­te­ment des In­nern hat im Hin­ter­grund die Neu­re­ge­lung sei­ner Ver­ga­be­pra­xis der Lot­te­rie­fonds­gel­der be­reits an die Hand ge­nom­men. In der Fi­nanz­kom­mis­si­on ha­be es ent­spre­chen­de An­deu­tun­gen ge­ge­ben, wie aus gut in­for­mier­ten Quel­len zu er­fah­ren ist.

Ei­ne Quo­ten­re­ge­lung zu Las­ten der Kul­tur

Oh­ne dass das zu­stän­di­ge De­par­te­ment des In­nern schon of­fi­zi­ell über sei­ne Re­form­plä­ne in­for­miert hät­te, pre­schen die bür­ger­li­chen Frak­tio­nen nun mit ei­ner Mo­ti­on vor. Und tra­gen das The­ma da­mit – frü­her als vom Kan­ton ge­plant – an die Öf­fent­lich­keit. Zum Auf­takt der Win­ter­ses­si­on ha­ben die Frak­tio­nen von SVP, FDP und Mit­te-EVP die Mo­ti­on «Lot­te­rie­fonds: För­de­rung von Sport, Bil­dung, In­no­va­ti­on, So­zia­les und Kul­tur im Gleich­schritt» ein­ge­reicht.

Sie ste­he in Zu­sam­men­hang mit den «ge­gen­wär­tig lau­fen­den An­pas­sun­gen in der Mit­tel­ver­ga­be aus dem Lot­te­rie­fonds durch das De­par­te­ment des In­nern», sagt Bo­ris Tschir­ky, Prä­si­dent der Mit­te-EVP-Frak­ti­on. Man wol­le die Mit­tel­ver­ga­be «schär­fen, da auf­grund der On­line-Glücks­spie­le mehr Gel­der zur Ver­fü­gung ste­hen». Die Mo­ti­on sei ein An­stoss, wie das Vor­ha­ben, die Lot­te­rie­fonds­be­stim­mun­gen an­zu­pas­sen, aus­se­hen könn­te – «ein Steil­pass an die Re­gie­rung.»

Mitte-Kantonsrat Boris Tschirky ist kein Spieler: «Ich spiele nur Klavier und die Kirchenorgel.» (Bild: pd)

Kon­kret möch­ten die Bür­ger­li­chen mit de­fi­nier­ten Quo­ten dem Sport­fonds künf­tig 30 Pro­zent der Gel­der spre­chen, wäh­rend Kul­tur, Brauch­tum (neue Ka­te­go­rie), So­zia­les und Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit zu­sam­men bei 40 Pro­zent ge­de­ckelt wer­den sol­len. Ge­mäss bis­he­ri­ger Pra­xis flos­sen rund 80 Pro­zent der Lot­te­rie­fonds­gel­der in Pro­jek­te aus den Be­rei­chen Bil­dung und For­schung, Ge­sund­heit, So­zi­al­we­sen, Um­welt- und Ent­wick­lungs­hil­fe so­wie Kul­tur und 20 Pro­zent in den Sport­fonds. Dies geht aus der Be­richt­erstat­tung des Kan­tons an die in­ter­kan­to­na­le Geld­spiel­auf­sicht (Ge­spa) her­vor. Auf kan­to­na­ler Ebe­ne sind die­se Be­rei­che aber nicht spe­zi­fisch de­fi­niert.

Die Mo­ti­on schlägt zu­dem un­ter «stra­te­gi­sche Ent­wick­lungs­pro­jek­te des Kan­tons» neue För­der­spar­ten vor: «In­no­va­ti­on» und «wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung». Die­se sol­len – zu­sam­men mit dem bis­he­ri­gen Be­reich «Bil­dung» – mit 20 Pro­zent der Gel­der ge­för­dert wer­den. Wei­te­re zehn Pro­zent sol­len zur Sei­te ge­legt wer­den für «aus­ser­ge­wöhn­li­che kan­to­na­le Vor­ha­ben» wie Gast­auf­trit­te an Mes­sen und der­glei­chen.

Dass über­haupt ein­mal auf Ge­set­zes- oder Ver­ord­nungs­ebe­ne ein­heit­li­che Ka­te­go­rien fest­ge­legt wer­den soll­ten, ist an sich un­be­strit­ten. Aber von we­gen «Schär­fung»: Was ge­nau mit «In­no­va­ti­on» und «wirt­schaft­li­cher Ent­wick­lung» ge­meint sei und wel­che zu­sätz­li­che Ka­te­go­rien es brau­che, müs­se zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt kon­kre­ti­siert wer­den, sagt Bo­ris Tschir­ky. Auf die Fra­ge, war­um es mehr Geld brau­che im Sport, er­wähnt der Mit­te-Po­li­ti­ker das bis­lang in­exis­ten­te kan­to­na­le Sport­för­de­rungs­ge­setz, von dem man nicht wis­se, ob, wann und in wel­cher Form es kom­me.

Lott­ri­ges Ver­spre­chen und vie­le of­fe­ne Fra­gen

Auch Jens Jä­ger, Spre­cher der FDP-Frak­ti­on, weicht der Fra­ge, ob denn ein kon­kre­ter För­der­be­darf im Sport herr­sche, aus. Und auch auf die schrift­li­che Rück­fra­ge, in­wie­fern sich die Ka­te­go­rien «In­no­va­ti­on» und «wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung» von der Stand­ort­för­de­rung – no­ta­be­ne ei­ne Staats­auf­ga­be – ab­gren­zen wür­den, be­kom­men wir von der FDP kei­ne Ant­wort.

Ist FDP-Kantonsrat Jens Jäger ein Spieler: «Wenn die Tombola bei einer Turnunterhaltung dazugehört – ja.» (Bild: pd)

Heu­te flies­se ein gros­ser Teil der Lot­te­rie­fonds­gel­der in die Kul­tur, sagt Jä­ger. «Wir wol­len die­se Mit­tel trans­pa­ren­ter, zu­kunfts­ge­rich­te­ter und brei­ter ein­set­zen – Kul­tur, So­zia­les, Sport so­wie Bil­dung und In­no­va­ti­on sol­len aus­ge­wo­gen pro­fi­tie­ren. Da­mit schaf­fen wir mehr Wir­kung für den gan­zen Kan­ton.»

Tschir­ky und Jä­ger be­to­nen, die Mo­ti­on sol­le auch da­zu füh­ren, dass im Par­la­ment we­ni­ger über die Ver­ga­be der Mit­tel ge­strit­ten wer­de. Laut Tschir­ky sei­en die De­bat­ten um die Gel­der im Kan­tons­rat zu­wei­len «der Sa­che, der In­sti­tu­tio­nen un­wür­dig». Jens Jä­ger er­klärt: «Un­se­re Mo­ti­on schafft trans­pa­ren­te Quo­ten und stärkt da­mit die Sach­ori­en­tie­rung, nicht die Ideo­lo­gie.»

Auch SP-Po­li­ti­ke­rin Ma­ria Pap­pa plä­diert für ei­ne Ver­sach­li­chung der Dis­kus­si­on. Sie be­tont aus­ser­dem, dass Bei­trags­ent­schei­de fach­lich fun­diert ge­fällt und De­bat­ten red­lich ge­führt wer­den müss­ten. Dar­um wür­den bei städ­ti­schen Ent­schei­den ex­ter­ne Fach­per­so­nen und -kom­mis­sio­nen bei­gezo­gen. Die­se Pra­xis ha­be sich sehr be­währt.

Zu Kon­flik­ten kam es bis­lang höchs­tens, wenn die Stadt­re­gie­rung nicht den Emp­feh­lun­gen der Fach­gre­mi­en folg­te, zu­letzt ge­sche­hen bei der Nicht-Ver­ga­be des städ­ti­schen Kul­tur­prei­ses an Thea­ter­ma­cher Mi­lo Rau. Be­kannt­lich ist dort dann – aus­ge­rech­net – der Kan­ton in die Bre­sche ge­sprun­gen.

Die St.Galler Stadtpräsidentin und SP-Kantonsrätin Maria Pappa kann Glückspielen nicht viel abgewinnen: «Wenn schon spiele ich Strategiespiele – oder einfach etwas, das Spass macht.» (Bild: pd)

Die kan­tons­rät­li­che Lot­te­rie­fonds-Mo­ti­on wirft in ih­rer jet­zi­gen Form zahl­rei­che Fra­gen auf: Was, wenn bei­spiels­wei­se der Sport we­ni­ger als 30 Pro­zent der ver­füg­ba­ren Mit­tel im Lot­te­rie­fonds nach­fragt? Er­hal­ten dann auch die an­de­ren Spar­ten we­ni­ger, da­mit die Quo­te am Schluss ge­wahrt bleibt? Und sind die neu­en Ka­te­go­rien «In­no­va­ti­on» und «wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung» noch mit dem Ge­mein­nüt­zig­keits­ge­dan­ken der Lot­te­rie­fonds­gel­der ver­ein­bar? Wie sol­len ideo­lo­gisch ge­führ­te Rats­de­bat­ten über Bei­trags­ge­su­che künf­tig ver­hin­dert wer­den mit die­sen neu­en, schwam­mi­gen För­der­ka­te­go­rien? Und war­um soll St.Gal­len der ein­zi­ge Kan­ton weit und breit blei­ben, in dem das Par­la­ment zu je­dem ein­zel­nen Bei­trags­ge­such das letz­te Wort hat?

Kon­kre­te Ant­wor­ten der Mo­tio­när:in­nen dar­auf blei­ben auch nach mehr­ma­li­gem Nach­fra­gen aus. Im­mer­hin zur Mög­lich­keit, die Ver­ga­be­pra­xis zu ent­po­li­ti­sie­ren, in­dem man die Kom­pe­ten­zen des Kan­tons­rats in die­ser Sa­che zu­rück­bin­det, ant­wor­tet Mit­te-Po­li­ti­ker Bo­ris Tschir­ky: «Ein sol­ches Vor­ha­ben wür­de in St.Gal­len kei­ne Mehr­heit fin­den.»

Wer ent­schei­det

Wel­che Frak­ti­on die Lot­te­rie­fonds-Mo­ti­on an­ge­regt und die bei­den an­de­ren mit ins Boot ge­holt hat, wur­de Sai­ten bis­her nicht mit­ge­teilt. Kei­ne der drei Frak­tio­nen will sich zu die­ser Fra­ge äus­sern. Al­le be­to­nen, dass man hier ge­mein­sam vor­an­ge­hen wol­le. Ganz der ge­schlos­se­ne Bür­ger­block, wie man ihn von sei­nem Auf­tritt in der Bud­get­ses­si­on ver­gan­ge­nen De­zem­ber her kennt.

Hört man sich al­ler­dings ein we­nig um, ist da und dort auch ein leich­tes Brö­ckeln im Block fest­zu­stel­len. Ei­ni­ge bür­ger­li­che Po­li­ti­ker:in­nen schei­nen nicht ganz so glück­lich mit dem Mo­ti­ons­text zu sein, wie der ein­heit­li­che Auf­tritt der Frak­ti­ons­spre­cher sug­ge­rie­ren könn­te. Man­chen riecht es in der kon­kre­ten Aus­for­mu­lie­rung et­was zu stark nach SVP-Duk­tus. Öf­fent­lich da­zu äus­sern will sich der­zeit aber nie­mand. Ein­zig Bo­ris Tschir­ky deu­tet an, dass die Fra­ge, wer kon­kret von ei­ner wort­ge­treu­en Um­set­zung der Mo­ti­on be­trof­fen sein könn­te, zu «Un­klar­hei­ten» ge­führt ha­be.

Jetzt ist erst­mal die Re­gie­rung am Zug. Re­gie­rungs­rä­tin Lau­ra Bucher, die Che­fin des De­par­te­ments des In­nern, hält sich er­war­tungs­ge­mäss be­deckt: «Zur Mo­ti­on kann ich mich nicht äus­sern, be­vor die Re­gie­rung die­se be­han­delt hat. Wir ar­bei­ten be­reits seit ei­ni­ger Zeit an ei­nem neu­en Ver­ga­be­sys­tem für den Lot­te­rie­fonds.» Die Mo­ti­on wird vor­aus­sicht­lich im Fe­bru­ar im Kan­tons­rat be­han­delt. Dort ent­schei­det sich, ob sie im ak­tu­el­len Wort­laut für er­heb­lich er­klärt wird oder ob noch in­halt­li­che An­pas­sun­gen vor­ge­nom­men wer­den.

Höchs­te Zeit al­so, dass auch die Rats­lin­ke Po­si­ti­on be­zieht punk­to Neu­re­ge­lung des Ver­ga­be­sys­tems. Da­bei wird es aber nicht nur um ei­ne sinn­vol­le De­fi­ni­ti­on der För­der­ka­te­go­rien und die Aus­ar­bei­tung ei­ner För­der­stra­te­gie im Lot­te­rie­fonds ge­hen. Zur De­bat­te steht vor al­lem auch der his­to­risch ge­wach­se­ne Um­stand, dass der Kan­tons­rat bei der Spre­chung der Lot­te­rie­fonds­gel­der ein aus­ser­ge­wöhn­lich gros­ses Mit­spra­che­recht hat. Ob sich das Par­la­ment hier wirk­lich in sei­nen Rech­ten be­schnei­den las­sen will, ist aus heu­ti­ger Sicht zu­min­dest frag­lich. Und viel­leicht ha­ben die Bür­ger­li­chen ge­nau des­we­gen pro­phy­lak­tisch mit der Mo­ti­on ih­ren «Steil­pass» ge­spielt.

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