Fantasieloser Aderlass

Mit dem Entlastungspaket 27 will der Bund sparen. Ein Blick in die 59 Massnahmen zeigt: Viele davon haben direkte und indirekte Folgen für die Schweizer Kultur – es sind die wohl schädlichsten seit langer Zeit.

Für diesen Schwerpunkt haben Kunstschaffende ihre Gedanken zum Thema Kulturförderung visualisiert. Hier abgebildet: Weil (Löwen-)Mensch von Katalin Deér.

Wenn man den Pro­gno­sen des Bun­des­rats glaubt, so hal­ten sich in der Schweiz Ein­nah­men und Aus­ga­ben so gar nicht die Waa­ge. Auf­grund stei­gen­der Kos­ten für Al­ters­vor­so­ge und Ar­mee ste­he die Schweiz tief in den ro­ten Zah­len, heisst es. Um den Bun­des­haus­halt wie­der ins Gleich­ge­wicht zu brin­gen, soll ge­spart wer­den. Da­für hat die Re­gie­rung ein Spar­pa­ket ge­schnürt: Das «Ent­las­tungs­pa­ket 27» – kurz EP27. Es sieht Ent­las­tun­gen von 2,4 Mil­li­ar­den Fran­ken im Jahr 2027 so­wie rund 3 Mil­li­ar­den in den Jah­ren 2028 und 2029 vor. Wäh­rend sich die Ent­las­tun­gen klar be­zif­fern las­sen, sind die Fol­gen vie­ler Mass­nah­men schwer ein­zu­schät­zen. Be­son­ders auch je­ne für die Kul­tur.

Wäh­rend das BAK auf die Fra­ge, wel­che Kon­se­quen­zen die Kür­zun­gen auf ein­zel­ne Pro­jek­te und In­sti­tu­tio­nen ha­ben wür­den, ver­lau­ten lässt, dass sich dies zur­zeit noch nicht be­ant­wor­ten las­se, spricht Alex Meszmer von be­wusst ge­wähl­ter In­trans­pa­renz sei­tens Bun­des­rat. Meszmer ist Mit­glied der Taskforce Cul­tu­re, Ge­schäfts­lei­ter von Su­is­se­cul­tu­re (dem Dach­ver­band der Or­ga­ni­sa­tio­nen der pro­fes­sio­nel­len Kul­tur­schaf­fen­den der Schweiz) und Kunst­schaf­fen­der. «Es ist ei­ne Art Hüt­chen­spiel des Bun­des­rats: Wo ge­nau ge­kürzt wird, weiss nie­mand. So wehrt sich nie­mand und man merkt es erst, wenn es zu spät ist.» Das BAK will sich da­zu nicht äus­sern.

Im Ver­nehm­las­sungs­pro­zess mel­de­ten sich Par­tei­en, Dach­ver­bän­de, Kan­to­ne, Städ­te und wei­te­re In­ter­es­sens­grup­pen zu Wort. Aus­ser dem Kan­ton Zug hat kein Kan­ton das Pa­ket voll­stän­dig un­ter­stützt. Und aus­ser der SVP und der FDP hat kei­ne an­de­re Par­tei das Vor­ha­ben so weit­ge­hend be­grüsst. Ein Gross­teil der An­spruchs­grup­pen lehnt das Pa­ket je­doch ab.

Gros­se Be­den­ken äus­sern auch die Kul­tur­ver­bän­de. So bei­spiels­wei­se der Ver­band der Mu­se­en der Schweiz (VMS) oder eben auch die Taskforce Cul­tu­re, ei­ne in­for­mel­le Ar­beits­grup­pe der Kul­tur­ver­bän­de, die sich in der Co­ro­na­zeit als ge­wich­ti­ge Stim­me der Kul­tur­lob­by eta­bliert hat. Die Taskforce «warnt» vor dem Pa­ket, des­sen Kür­zun­gen in der Kul­tur «ein schwer­wie­gen­der Feh­ler» für die Schweiz und ih­re Wer­te sei­en. Laut Alex Meszmer ste­hen die Mass­nah­men schein­bar harm­los ne­ben­ein­an­der, da­bei sei­en ei­ni­ge hoch­gra­dig ge­fähr­lich.

Wo über­all Kul­tur drin steckt

Denn ei­ni­ge Mass­nah­men des Pa­kets wir­ken sich di­rekt auf die Kul­tur(-För­de­rung) aus, zahl­rei­che an­de­re in­di­rekt, wie bei­spiels­wei­se je­ne, die den Kan­to­nen mehr fi­nan­zi­el­le Ver­ant­wor­tung auf­er­le­gen und die Kul­tur­för­de­rung über den Bund de­zi­mie­ren.

Mitt­ler­wei­le hat der Bun­des­rat die Bot­schaft zum EP27 ver­ab­schie­det und schickt es da­mit in die par­la­men­ta­ri­sche Be­ra­tung. Das Pa­ket wer­de nicht nur da­für sor­gen, dass «aus­ge­gli­che­ne Bud­gets si­cher­ge­stellt», son­dern auch ein «fi­nanz­po­li­ti­scher Hand­lungs­spiel­raum er­reicht» wer­den kön­ne, kom­men­tiert das Eid­ge­nös­si­sche Fi­nanz­de­par­te­ment (EFD) die Spar­plä­ne des Bun­des schein­bar stolz. Ei­ne ro­si­ge Zu­kunft dank schwar­zer Zah­len al­so, könn­te man mei­nen – so­fern man die ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen des Pa­kets igno­riert.

Auf­grund der Ver­nehm­las­sungs­ant­wor­ten ist die Bot­schaft zwar et­was vor­sich­ti­ger for­mu­liert als das ur­sprüng­lich ge­plan­te Pa­ket, ins­be­son­de­re sei man den Kan­to­nen ent­ge­gen­ge­kom­men, heisst es dort. Doch auch bei der Kli­ma­po­li­tik und der Sport­för­de­rung will das EFD mitt­ler­wei­le et­was we­ni­ger spa­ren. Für so­zia­le Be­rei­che (et­wa Al­ters­vor­sor­ge, Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit oder Op­fer­hil­fe), die Bil­dung und be­son­ders auch für die Kul­tur sieht es je­doch wei­ter­hin düs­ter aus. Ers­te Ge­set­ze wür­den 2027 in Kraft tre­ten, so­fern nie­mand das Re­fe­ren­dum er­greift.

Ver­sucht man her­aus­zu­fin­den, wel­che der rund 60 Mass­nah­men im Ent­las­tungs­pa­ket 27 die Kul­tur be­tref­fen, wird es rasch un­über­sicht­lich. Die Mass­nah­me «Ein­frie­ren der Aus­ga­ben im Kul­tur­be­reich bis 2030» be­trifft of­fen­sicht­lich den Be­reich Kul­tur. Doch auch an­de­re Punk­te tref­fen den Be­reich Kul­tur im wei­tes­ten Sinn – mal mehr, mal we­ni­ger hart: So soll bei der Sport­för­de­rung ge­spart wer­den, bei der aus­ser­schu­li­schen Kin­der- und Ju­gend­för­de­rung, beim Aus­lands­an­ge­bot der SRG, im Be­reich Zi­vil­dienst, bei den Aus­bil­dun­gen von Pro­gramm­schaf­fen­den (Jour­na­lis­mus), bei der Ver­brei­tung von Ra­dio­pro­gram­men in Berg­re­gio­nen, bei den Hoch­schu­len, bei der in­ter­na­tio­na­len Mo­bi­li­tät im Bil­dungs­be­reich (Ko­ope­ra­ti­on bei Bil­dungs­pro­gram­men), bei der fi­nan­zi­el­len För­de­rung von Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­ten, dem Na­tio­nal­fonds, beim Tou­ris­mus, bei der Pres­se­för­de­rung und den Sub­ven­tio­nen für Kul­tur­be­trie­be.

Spa­ren, spa­ren, spa­ren

Grund­sätz­lich ba­siert die Kul­tur­för­de­rung des -Bun­des auf dem Kul­tur­för­de­rungs­ge­setz (KFG). Dem­nach müs­sen Kul­tur, mu­si­ka­li­sche Bil­dung, Spra­chen, Film so­wie Na­tur- und Hei­mat­schutz ge­för­dert wer­den. Da­zu de­fi­niert der Bun­des­rat für je­weils vier Jah­re ei­ne Bot­schaft zur Fi­nan­zie­rung der För­de­rung. Die ak­tu­el­le Bot­schaft be­trifft die Jah­re 2025 bis 2028 und um­fasst Aus­ga­ben des Bun­des­am­tes für Kul­tur (BAK) so­wie die Bud­gets der Schwei­zer Kul­tur­stif­tung Pro Hel­ve­tia und des Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­mu­se­ums.

In die­ser Bot­schaft wur­den Schwer­punk­te in sechs Be­rei­chen ge­setzt: Kul­tur als Ar­beits­welt (be­trifft bei­spiels­wei­se auch das Ein­kom­men von Kul­tur­schaf­fen­den), Ak­tua­li­sie­rung der Kul­tur­för­de­rung (das heisst, es müs­sen För­der­mass­nah­men ent­wi­ckelt wer­den), di­gi­ta­le Trans­for­ma­ti­on in der Kul­tur, Kul­tur als Di­men­si­on der Nach­hal­tig­keit, Kul­tur­er­be als le­ben­di­ges Ge­dächt­nis (be­trifft die För­de­rung, Er­hal­tung und Ver­mitt­lung von Kul­tur­er­be) und Kul­tur als Zu­sam­men­ar­beit (Zu­gang zur Kul­tur und Ko­ope­ra­ti­on al­ler Ak­teu­re).

Zum Beitrag von Anna Zimmermann:

Ich schweis­se im Mo­ment viel. Nicht nur, weil ich das Schweis­sen lie­be, son­dern weil ich – wie vie­le an­de­re Kul­tur­schaf­fen­de – von Kür­zun­gen in der Kul­tur­för­de­rung be­trof­fen bin. Vor zwei Jah­ren ha­be ich den Fe­mi­nist Wel­ding Club ge­grün­det, um Frau­en, quee­ren und trans Per­so­nen das Schweis­sen bei­zu­brin­gen. Aus Über­zeu­gung. Mitt­ler­wei­le ist das Schweis­sen aber auch zu ei­ner mei­ner Ein­kom­mens­quel­len ge­wor­den: Ich ver­die­ne durch das Kurs­ge­ben Geld, ar­bei­te mit der Me­talin­dus­trie zu­sam­men, su­che Spon­so­ren – dort, wo frü­her viel­leicht ei­ne För­de­rung ge­stan­den hät­te. Kür­zun­gen im Kul­tur­bud­get ma­chen mir Angst. Gleich­zei­tig zwingt mich ge­nau die­se Un­si­cher­heit da­zu, er­fin­de­risch zu blei­ben. Ich ma­che ge­ra­de die Aus­bil­dung zur ISO-zer­ti­fi­zier­ten Schweis­se­rin –neu­lich las ich, dass Schweis­ser:in­nen zu den we­ni­gen Be­ru­fen ge­hö­ren, die ver­mut­lich auch in zwan­zig Jah­ren noch ge­fragt sein wer­den – und nicht von KI er­setzt wer­den. Das ist jetzt mein Plan B. Das mei­ne ich na­tür­lich nicht su­per ernst, aber ir­gend­wie auch schon. Für mich ist die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Schweis­sen auch ei­ne theo­re­ti­sche, künst­le­ri­sche, die in mei­ne Pra­xis fliesst.

Oh­ne Kul­tur­för­de­run­gen wä­re ich heu­te nicht hier, wo ich jetzt bin. Die Stu­di­en­ge­büh­ren für mei­nen Mas­ter in Lon­don konn­te ich nur stem­men, weil ich ein Sti­pen­di­um und spä­ter auch den Werkbei­trag er­hal­ten ha­be. Wer Kul­tur­för­de­run­gen streicht, schafft ei­ne Welt, in der es nur ei­ni­gen we­ni­gen mög­lich ist, sich krea­tiv zu ent­fal­ten oder neue Din­ge zu ler­nen.

An­na Zim­mer­mann, 1994

the­wel­ding­club.com
@the.wel­ding.club

Laut der Taskforce Cul­tu­re wür­den die ge­setz­ten Schwer­punk­te mit dem Ent­las­tungs­pa­ket nun enorm un­ter Druck ge­setzt. Und auch der Ver­ein der Schwei­zer Mu­se­en be­fürch­tet, dass die ak­tu­el­le Kul­tur­bot­schaft des Bun­des künf­tig nicht mehr um­ge­setzt wer­den könn­te.

Sei­ne Haupt­sor­ge gilt al­ler­dings ei­ner kon­kre­ten Spar­mass­nah­me: Das EP27 sieht un­ter der Mass­nah­me «Ein­frie­ren der Aus­ga­ben im Kul­tur­be­reich bis 2030» ein Null­wachs­tum der Kul­tur­bot­schaft bis ins Jahr 2030 vor. Weil aber be­reits im Vor­anschlag mit in­te­grier­tem Auf­ga­ben- und Fi­nanz­plan (IAFP) 2025 die Bud­gets von Pro Hel­ve­tia (um 1,5 Mil­lio­nen Fran­ken) und für die Bau­kul­tur (um 3 Mil­lio­nen) ge­kürzt wur­den und die ge­nann­te Mass­nah­me des EP27 ei­ne Wei­ter­füh­rung die­ser Kür­zun­gen vor­sieht, kommt die­se Pla­fo­nie­rung ei­ner Kür­zung gleich. Ein wei­te­rer Punkt der Mass­nah­me sieht Spar­po­ten­zi­al bei den Schwei­zer Schu­len im Aus­land. Ins­ge­samt er­gibt sich ge­mäss dem er­läu­tern­den Be­richt des EFD durch die­se Ein­frie­rungs­mass­nah­me ei­ne Ent­las­tung von rund 6,1 Mil­lio­nen 2027, al­so 3 Pro­zent we­ni­ger als im Bud­get vor­ge­se­hen und 9,8 Mil­lio­nen 2028, was 4 Pro­zent des vor­ge­se­he­nen Bud­gets ent­spricht.

Für die Um­set­zung der Kul­tur­bot­schaft 2025–2028 hat­te der Bun­des­rat ur­sprüng­lich 987,9 Mil­lio­nen Fran­ken be­an­tragt, 0,1 Pro­zent mehr als im Vor­anschlag von 2024 ein­ge­plant. Doch schon die­ser Vor­anschlag lag 2 Pro­zent un­ter dem ur­sprüng­li­chen Fi­nanz­plan. Fak­tisch, sagt Kul­tur­lob­by­ist Alex Meszmer, ha­be al­so da­mit die ak­tu­el­le Kul­tur­bot­schaft be­reits et­wa 1,9 Pro­zent we­ni­ger Mit­tel zur Ver­fü­gung als ge­plant. Das wer­de aber im Ent­las­tungs­pa­ket und den Er­läu­te­run­gen zu des­sen Aus­wir­kun­gen auf die Kul­tur nicht er­wähnt.

«Dann kön­nen wir al­le zu­ma­chen»

Die be­reits er­folg­ten Kür­zun­gen und das Ein­frie­ren der Kul­tur­för­de­rungs­bei­trä­ge ha­be kon­kre­te Fol­gen für die Kul­tur, aber auch für das Image der Schweiz, fügt Meszmer an. So fin­den sich un­ter «Bau­kul­tur» Pro­jek­te im Be­reich Hei­mat­schutz, Denk­mal­pfle­ge oder auch Kul­tur­er­be (UNESCO). «Die Schweiz schiesst sich selbst ins Knie, wenn sie auf­hört, Kul­tur­er­be und Denk­mä­ler zu för­dern oder zu un­ter­hal­ten», sagt Meszmer, haupt­be­ruf­lich selbst Künst­ler und Ku­ra­tor.

Pro Hel­ve­tia fi­nan­ziert mit den Bun­des­mit­teln bis an­hin Ver­an­stal­tun­gen, Pro­jek­te und Künst­ler:in­nen in der Schweiz und schwei­ze­ri­sches Kunst­schaf­fen im Aus­land. Die Kür­zung die­ser Mit­tel ha­be di­rek­te Fol­gen, er­klärt Meszmer. «Es wird we­ni­ger Re­si­den­cy-Pro­jek­te ge­ben, we­ni­ger Aus­stel­lun­gen und we­ni­ger Kon­zer­te.» Es be­deu­te aber auch, dass Schwei­zer Künst­ler:in­nen im Aus­land vom Bund nicht mehr un­ter­stützt wer­den könn­ten und künf­tig bei ih­ren Hei­mat­kan­to­nen För­der­gel­der be­an­tra­gen müss­ten. Doch auch dort kann im­mer we­ni­ger ge­för­dert wer­den, weil die Kan­to­ne sel­ber spa­ren müs­sen (sie­he Bei­trag ab Sei­te 20).

Zu­sätz­lich wür­de sich das Pro­blem mit der ge­plan­ten Än­de­rung des Sub­ven­ti­ons­ge­set­zes mas­siv ver­schär­fen. Denn die­se EP27-Mass­nah­me sieht vor, dass künf­tig kei­ne In­sti­tu­ti­on mehr als 50 Pro­zent ih­rer Aus­ga­ben über För­der­mit­tel de­cken dürf­te. Die Aus­wir­kun­gen auf die Mu­se­en, die Kul­tur, die Kunst­schaf­fen­den so­wie auf den Tou­ris­mus in be­stimm­ten Re­gio­nen wä­ren fa­tal. Das wür­de das Aus für die Schwei­zer Kul­tur be­deu­ten, so Meszmer: «Dann kön­nen wir al­le zu­ma­chen.»

Al­ler­dings hat die Fi­nanz­kom­mis­si­on des Stän­de­ra­tes En­de Ok­to­ber be­an­tragt, die An­pas­sung des Sub­ven­ti­ons­ge­set­zes aus dem Pa­ket her­aus­zu­lö­sen und an den Bun­des­rat zu­rück­zu­wei­sen, da sie «in der Ver­nehm­las­sung und im Rah­men der An­hö­run­gen vie­le Fra­gen, Ängs­te und Ver­un­si­che­rung aus­ge­löst» ha­be, wie es da­zu in ei­ner Me­di­en­mit­tei­lung der Kom­mis­si­on heisst. Da­für hat sich auch der St.Gal­ler Stän­de­rat Be­ni Würth ein­ge­setzt, «ins­be­son­de­re für mehr Klar­heit dar­über, wel­che Sub­ven­tio­nen kon­kret be­trof­fen wä­ren», wie er auf An­fra­ge sagt. Nun soll der Bun­des­rat noch­mals über die Bü­cher. Da­mit dürf­te zu­min­dest die­se Mass­nah­me vor­erst nicht im Ent­las­tungs­pa­ket ent­hal­ten sein. «Das Pro­blem ist da­mit nicht vom Tisch, aber im­mer­hin et­was Zeit ge­won­nen», sagt Alex Meszmer.

To­te Film­fes­ti­vals und teu­re Bil­dung

Die meis­ten Kul­tur­för­de­rungs­mass­nah­men des Bun­des lau­fen über das De­par­te­ment des In­nern, ei­ni­ge we­ni­ge je­doch auch über die Di­rek­ti­on für Ent­wick­lung und Zu­sam­men­ar­beit (DE­ZA), wel­che dem Eid­ge­nös­si­schen De­par­te­ment für aus­wär­ti­ge An­ge­le­gen­hei­ten (EDA) un­ter­stellt ist. Auch die DE­ZA för­dert un­ter an­de­rem (in­ter-)na­tio­na­le Kul­tur­platt­for­men und -pro­jek­te.

Doch schon im Fe­bru­ar wur­de be­kannt, dass im ak­tu­el­len Jahr die För­de­rung kul­tu­rel­ler Zu­sam­men­ar­beit um 45 Pro­zent jähr­lich ge­kürzt wer­de (auf 2 Mil­lio­nen jähr­lich) und ab 2029 die Part­ner­schaf­ten mit Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen kom­plett auf­ge­löst wür­den. Da­von be­trof­fen sind das Lo­car­no Film Fes­ti­val, das Fes­ti­val Cul­ture­s­capes, das Dok­film­fes­ti­val Vi­si­ons du Ré­el, Art­link, das Frei­bur­ger Film­fes­ti­val FIFF, die In­ter­na­tio­na­len Kurz­film­ta­ge Win­ter­thur, der Sa­lon af­ri­cain du sa­lon du li­v­re de Genè­ve, der Film­ver­leih Tri­gon-Film, der Unesco Fonds in­ter­na­tio­nal pour la di­ver­si­té cul­tu­rel­le, der Film­pro­duk­ti­ons­fonds Vi­si­ons Sud Est, das Zür­cher Thea­ter Spek­ta­kel und der Süd­kul­tur­fonds.

Von der Mass­nah­me «Kür­zung der Sub­ven­tio­nen für aus­ser­schu­li­sche Kin­der- und Ju­gend­för­de­rung» ist eben­so die Kul­tur be­trof­fen. Denn un­ter den Non­pro­fit-Or­ga­ni­sa­tio­nen fin­den sich nicht nur sol­che im Be­reich Ju­gend­ar­beit, son­dern bei­spiels­wei­se auch Mu­sik­ver­ei­ne. Eben­so wer­den die Kür­zun­gen bei den Hoch­schu­len und Aus­bil­dungs­pro­gram­men Aus­wir­kun­gen auf die An­zahl Stu­die­ren­der ha­ben und das An­ge­bot der Ein­rich­tun­gen. Das feh­len­de Bun­des­geld an den Hoch­schu­len soll ge­mäss EP27 bei­spiels­wei­se künf­tig von den Kan­to­nen, aber vor al­lem auch von den Stu­dent:in­nen selbst durch hö­he­re Stu­di­en­bei­trä­ge ge­tra­gen wer­den. So könn­te auch die­se Mass­nah­me Ein­fluss auf das An­ge­bot von Mu­sik- oder Kunst­hoch­schu­len so­wie ei­ne klei­ne­re An­zahl an Ab­gän­ger:in­nen zur Fol­ge ha­ben. Sei­tens Taskforce be­stehe so die Ge­fahr, dass künf­tig we­ni­ger und nur noch ver­mö­gen­de Per­so­nen sich leis­ten kön­nen, in der Kul­tur zu ar­bei­ten.

Wer­te statt Waf­fen

Be­züg­lich der Kür­zun­gen im Be­reich Ju­gend und Sport ist der Bun­des­rat in sei­ner Bot­schaft zum EP27 mitt­ler­wei­le zu­rück­ge­ru­dert, sie ent­fal­len ganz. Hier ha­ben sich nicht nur die Pfadis er­folg­reich ge­wehrt. Trotz Wi­der­stand bleibt in­des die Mass­nah­me, die das Aus­lands­an­ge­bot der SRG be­trifft, im Pa­ket ent­hal­ten. Künf­tig wird auf die fi­nan­zi­el­len Bei­trä­ge so­wie auf den Ab­schluss ei­ner Leis­tungs­ver­ein­ba­rung ver­zich­tet. Da­mit ste­hen Aus­land­schwei­zer:in­nen we­ni­ger In­for­ma­ti­ons­quel­len zur Ver­fü­gung, es wird schwie­ri­ger, an In­for­ma­tio­nen rund um Ab­stim­mun­gen her­an­zu­kom­men. Das könn­te Aus­wir­kun­gen auf das po­li­ti­sche Ge­sche­hen in der Schweiz ha­ben. Und auf das Bild der Schweiz im Aus­land.

Auch die Un­ter­stüt­zungs­gel­der im Um­fang von 3,4 Mil­lio­nen Fran­ken jähr­lich an hand­werk­lich auf­wän­di­ge Pro­jek­te von Be­trie­ben, die Zi­vil­dienst­leis­ten­de an­stel­len, will der Bund strei­chen. Be­trof­fen sind zur­zeit fast aus­schliess­lich Be­trie­be im Be­reich Land­schafts- und Na­tur­schutz, 2025 er­hielt nur ein ein­zi­ger Be­trieb im Kul­tur­gü­ter­schutz­be­reich sol­che Bun­des­gel­der (sie­he Bei­trag ab Sei­te 20). Al­ler­dings spricht die Taskforce ih­rer­seits von «vie­len Ein­sät­zen», wel­che die «Kul­tur­gü­ter­er­hal­tung (Ar­chi­ve, Mu­se­en und Denk­mal­pfle­ge)» be­tref­fen wür­den. Das Par­la­ment be­rät nun das Ent­las­tungs­pa­ket 27 wäh­rend der Win­ter­ses­si­on im De­zem­ber und der Früh­lings­ses­si­on im März 2026. Ob die­ses nach ge­nau­er Lek­tü­re zur sel­ben nie­der­schmet­tern­den Ana­ly­se zur Kul­tur­för­de­rung kommt wie die Taskforce Cul­tu­re, bleibt ab­zu­war­ten.

Die­se schrieb schon im April in ei­ner ers­ten Me­di­en­mit­tei­lung zum The­ma, dass Kul­tur «in ei­ner Zeit wach­sen­der geo­po­li­ti­scher Un­si­cher­hei­ten» kei­ne «Lu­xus­aus­ga­be» sei, son­dern «stra­te­gi­sche Not­wen­dig­keit». Kul­tur sei iden­ti­täts­stif­tend, för­de­re In­klu­si­on und Teil­ha­be so­wie de­mo­kra­ti­sche Wer­te. Nicht zu­letzt schreibt die Taskforce, dass für die Ab­wehr nicht die Ar­mee, son­dern Schwei­zer Wer­te, De­mo­kra­tie und Kul­tur «ul­ti­ma­tiv wich­tig» sei­en und es wä­re des­halb «fa­tal» letz­te­rer die Mit­tel zu kür­zen.

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