Die Pandemie hat die Kulturbranche ziemlich heftig durcheinander gewirbelt. Manches Projekt musste seit 2020 verschoben werden oder konnte überhaupt nicht stattfinden. Dann waren da auch die finanziellen und existenziellen Fragen, mit denen sich Kulturschaffende konfrontiert sahen. Gefehlt haben vielen aber auch die physischen Kontakte und der persönliche Austausch mit anderen Kultur- und Kunstschaffenden.
Am Donnerstagabend versammelten sich Dutzende Vertreter:innen der städtischen Kunst- und Kulturszene deshalb erstmals seit Ausbruch der Pandemie zum sogenannten Stadtkulturgespräch im Hektor im Lattich-Quartier.
Die Vor- und Nachteile von digitalen Formaten
Mehrere Vierer- oder Fünfergruppen haben innerhalb eines Workshops unter dem Motto «Den Faden aufnehmen. Gemeinsam weiterdenken» beispielsweise die Coronakrise reflektiert, aber auch über mögliche zukünftige Potenziale und allfällige Forderungen an die städtische Kulturförderung diskutiert.
Dabei wurde rasch klar: Die Pandemie hat zwar kulturelle Aufträge vernichtet, aber gleichzeitig auch neue Formen von Kulturangeboten entstehen lassen. Beispielsweise digitale Formate wie Streams, die buchstäblich über Nacht entstanden sind.
Diese haben jedoch vor allem etablierte Institutionen wie Museen oder Theater vor Herausforderungen gestellt. Andererseits – so eine gruppenübergreifende Feststellung – wurden dadurch aber auch Hierarchien flacher und schlanker; digitale Formate konnten nämlich sofort getestet werden, ohne erst langwierige Konzeptphasen durchlaufen zu müssen.
Die Forderungen zu Themen wie «Früchte aus Covid» oder «Wünsche an die Kulturförderung» wurden zusammengetragen…
Die Dutzenden Vertreter:innen der städtischen Kunst- und Kulturszene waren sich auch einig darin, dass Kultur – genauso wie das Gesundheitssystem – ebenfalls systemrelevant für eine Gesellschaft ist. Das Problem jedoch: Kultur wird von ihren Produzent:innen oft anders wahrgenommen als von der breiten Öffentlichkeit, für die Kunst und Kultur eigentlich bestimmt ist. Kunst und Kultur müssten im öffentlichen Raum deshalb sichtbarer werden, so eine der Forderungen an die Kulturpolitik.
Polizei soll keine Veranstaltungen mehr bewilligen können
Neben dem Rückblick auf die Covid-Krise bot sich den anwesenden auch die Gelegenheit, den beiden Vertreterinnen der städtischen Kulturförderung, Barbara Affolter und Kristin Schmidt, Forderungen an eine zukünftige Kulturförderung zu stellen.
…und diskutiert.
Neben der üblichen Feststellung, dass es mehr Geld bräuchte, gab es auch Ideen, wie Förderung künftig noch innovativer gestaltet werden könnte. Einig waren sich die städtischen Kulturmacher:innen auch darin, dass es Mut zu neuen Formaten braucht. Formate, die in der Öffentlichkeit etwas auslösen und bewegen.
Eine Teilnehmerin forderte beispielsweise, dass künftig nicht mehr nur fertige Produkte wie Theateraufführungen, Ausstellungen oder andere Veranstaltungen finanziell gefördert werden sollten, sondern auch die einzelnen Schritte und Prozesse, die für ein Kulturprojekt notwendig sind. Auch das Nachdenken und Recherchieren zu einem Kulturprojekt sei kreative Arbeit und solle honoriert werden.
Gefordert wurden auch mehr Subventionen für Kunst- und Kulturräume, von denen es in der Stadt noch immer zu wenig gebe, wie einer der Teilnehmer bemerkte. Zur Diskussion stand auch die Forderung, dass kulturelle Veranstaltungen künftig nicht mehr von der Polizei, sondern von einer Kultureinrichtung bewilligt werden sollten.
Die städtische Kulturförderung will die Kulturstadtgespräche künftig mehrmals im Jahr durchführen, um damit die St.Galler Kulturszene noch mehr und besser untereinander zu vernetzen.
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