555’000 Franken: Diesen Betrag hat der St.Galler Kantonsrat vor einer Woche gutgeheissen. Kommentarlos. Dabei ist er fast doppelt so hoch wie in anderen Jahren. Der Grund, gemäss Lotteriefonds-Botschaft: damit eine grössere Zahl «der durch die Corona-Pandemie sehr hart getroffenen Kulturschaffenden» 2021 von der Förderung profitieren könne.
460’000 Franken gehen in den Werkbeitrags-Topf, 55’000 Franken sind für Atelier-Aufenthalte eingesetzt, 15’000 Franken für Beiträge an die 2. oder 3. Säule – letzteres ein kleiner Betrag, aber ein bemerkenswertes Plädoyer des kantonalen Amts für Kultur dafür, die soziale Sicherheit von Kulturschaffenden zu verbessern.
Die Werkbeiträge (10’000, 20’000 oder 30’000 Franken) werden wie üblich in den Sparten Bildende Kunst, Angewandte Kunst und Design, Literatur, Musik, Tanz und Theater ausgeschrieben. Seit drei Jahren kommt zusätzlich die Sparte «Geschichte und Gedächtnis» hinzu, mit der historische oder journalistische Recherchen unterstützt werden können. Nach einem ersten Schwung mit 18 Eingaben stagnierte das Interesse an dieser Rechercheförderung in den letzten zwei Jahren allerdings.
Run auf Thurgauer Recherchestipendien
Ganz im Gegensatz zum Thurgau: Dort hat die Kulturstiftung im Mai als rasche Reaktion auf den Lockdown erstmals Recherchestipendien ausgeschrieben. Über 100 Bewerbungen gingen ein, 30 Stipendien à 4000 Franken wurden vergeben. Zum Beispiel an die Theaterwerkstatt Gleis 5 in Frauenfeld, die neue digitale Formate für Theater konzipieren will, an den Fotografen Fritz Franz Vogel zur Aufarbeitung seines Archivs mit 150’000 Negativen oder an die Tänzerin Mirjam Bührer, die sich dem Begriff des Contact Tracing mit den Mitteln des Tanzes annähern will.
Infos zum neuen Thurgauer Recherchestipendium gibt es ab Januar 2021.
kulturstiftung.ch
Jetzt schreibt die Thurgauer Kulturstiftung das Förderinstrument zum zweiten Mal aus. Der Betrag wird sogar erhöht, neu gibt es 40 Stipendien à 6000 Franken. An Bedingungen, wie eine Ausstellung oder Auftritte ist die Vergabe nicht geknüpft, hingegen an klare Ziele, etwa die Weiterentwicklung der künstlerischen Arbeit oder Formatwechsel, die das Werk erweitern. Eine Jury entscheidet über die Vergabe. In einer Stellungnahme zur Initiative der Kulturstiftung schreibt der Regierungsrat, Recherche-Stipendien seien ein «niederschwelliges Mittel, die Corona-Krise produktiv und zukunftsgerichtet zu nutzen».
Der politische Hintergrund: Anders als Kulturunternehmen haben Künstlerinnen und Künstler 2021 keine Möglichkeit mehr, bei den Kantonen für abgesagte oder verschobene Veranstaltungen und andere Covid-bedingte Ausfälle eine Entschädigung zu beantragen, wie dies in der ersten Phase der Pandemie der Fall war. Vielen bleibt so nur der Gang zur Nothilfe, für deren Vergabe Suisseculture Sociale zuständig ist. Oder eben: die Bewerbung für Stipendien und Werkbeiträge.
Der Kanton St.Gallen und die Thurgauer Kulturstiftung stehen mit ihrer förderlichen Haltung nicht allein. Auch der Kanton Zürich erhöht seinen Kredit für Werkbeiträge um nicht weniger als 2,5 Millionen Franken. Und die nationale Kulturstiftung Pro Helvetia hat Recherchebeiträge für die Tanz- und Theatersparte ausgeschrieben.
Eingabefrist bei der Stiftung Landis & Gyr ist der 29. Januar 2021.
lg-stiftung.ch
Ähnlich die Stiftung Landis & Gyr: «Angesichts der aktuell schwierigen Situation im Kulturbereich, welche für Kulturschaffende massive Einschränkungen und Entbehrungen mit sich bringt, hat die Stiftung ein Massnahmenpaket verabschiedet», teilte sie Anfang Dezember mit. Ausserordentliche Mittel in der Höhe von total 300‘000 Franken stehen für Recherche und Produktion zur Verfügung, ausdrücklich für Gruppen oder Ensembles verschiedener Sparten, «welche in normalen Zeiten von Auftritten leben und bis auf weiteres nicht oder nur sehr eingeschränkt auftreten können».
Parlament korrigiert Stadtrat
Anders der St.Galler Stadtrat: Er hatte im Sommer eine Hauruck-Sparrunde für 2021 angekündigt, begründet mit Corona-Defiziten – unter anderem schob er die Sanierung des Kunstmuseums auf die lange Bank und setzte auch bei der freien Kulturförderung den Rotstift an: Die Kredite für freie Veranstaltungen und für das aktuelle Kulturschaffen sollten um 10 bzw. 16 Prozent gekürzt werden. Zwei Werkbeiträge wären weggefallen. Mehr zum Protest dagegen hier.
Davon wollte allerdings schon die Geschäftsprüfungskommission des Parlaments vor Wochenfrist nichts wissen: Sie stellte die Beträge wieder ins Budget ein und sparte dafür andernorts, bei Projekten oder beim baulichen Unterhalt. Dem Vorschlag der GPK hat sich heute abend das St.Galler Stadtparlament angeschlossen. Es bleibt damit auch für St.Galler Kunstschaffende wie bisher bei acht Werkbeiträgen.
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
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