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Werkbeiträge: Die Rettung in der Not

Bühne zu, Konzert verschoben: Damit Kulturschaffende trotz Corona arbeiten können, gibt es Werkbeiträge und Stipendien. Kantone wie Zürich, Thurgau und St.Gallen erhöhen ihre Zahl. Bloss die Stadt St.Gallen wollte ihre Werkbeiträge kürzen. Das hat das Stadtparlament gestern verhindert.
Von  Peter Surber
Arbeiten trotz geschlossenen Türen: Eines der Thurgauer Recherchestipendien ging an die Theaterwerkstatt Gleis 5 in Frauenfeld.

555’000 Franken: Diesen Betrag hat der St.Galler Kantonsrat vor einer Woche gutgeheissen. Kommentarlos. Dabei ist er fast doppelt so hoch wie in anderen Jahren. Der Grund, gemäss Lotteriefonds-Botschaft: damit eine grössere Zahl «der durch die Corona-Pandemie sehr hart getroffenen Kulturschaffenden» 2021 von der Förderung profitieren könne.

460’000 Franken gehen in den Werkbeitrags-Topf, 55’000 Franken sind für Atelier-Aufenthalte eingesetzt, 15’000 Franken für Beiträge an die 2. oder 3. Säule – letzteres ein kleiner Betrag, aber ein bemerkenswertes Plädoyer des kantonalen Amts für Kultur dafür, die soziale Sicherheit von Kulturschaffenden zu verbessern.

Die Werkbeiträge (10’000, 20’000 oder 30’000 Franken) werden wie üblich in den Sparten Bildende Kunst, Angewandte Kunst und Design, Literatur, Musik, Tanz und Theater ausgeschrieben. Seit drei Jahren kommt zusätzlich die Sparte «Geschichte und Gedächtnis» hinzu, mit der historische oder journalistische Recherchen unterstützt werden können. Nach einem ersten Schwung mit 18 Eingaben stagnierte das Interesse an dieser Rechercheförderung in den letzten zwei Jahren allerdings.

Run auf Thurgauer Recherchestipendien

Ganz im Gegensatz zum Thurgau: Dort hat die Kulturstiftung im Mai als rasche Reaktion auf den Lockdown erstmals Recherchestipendien ausgeschrieben. Über 100 Bewerbungen gingen ein, 30 Stipendien à 4000 Franken wurden vergeben. Zum Beispiel an die Theaterwerkstatt Gleis 5 in Frauenfeld, die neue digitale Formate für Theater konzipieren will, an den Fotografen Fritz Franz Vogel zur Aufarbeitung seines Archivs mit 150’000 Negativen oder an die Tänzerin Mirjam Bührer, die sich dem Begriff des Contact Tracing mit den Mitteln des Tanzes annähern will.

Infos zum neuen Thurgauer Recherchestipendium gibt es ab Januar 2021.

kulturstiftung.ch

Jetzt schreibt die Thurgauer Kulturstiftung das Förderinstrument zum zweiten Mal aus. Der Betrag wird sogar erhöht, neu gibt es 40 Stipendien à 6000 Franken. An Bedingungen, wie eine Ausstellung oder Auftritte ist die Vergabe nicht geknüpft, hingegen an klare Ziele, etwa die Weiterentwicklung der künstlerischen Arbeit oder Formatwechsel, die das Werk erweitern. Eine Jury entscheidet über die Vergabe. In einer Stellungnahme zur Initiative der Kulturstiftung schreibt der Regierungsrat, Recherche-Stipendien seien ein «niederschwelliges Mittel, die Corona-Krise produktiv und zukunftsgerichtet zu nutzen».

Der politische Hintergrund: Anders als Kulturunternehmen haben Künstlerinnen und Künstler 2021 keine Möglichkeit mehr, bei den Kantonen für abgesagte oder verschobene Veranstaltungen und andere Covid-bedingte Ausfälle eine Entschädigung zu beantragen, wie dies in der ersten Phase der Pandemie der Fall war. Vielen bleibt so nur der Gang zur Nothilfe, für deren Vergabe Suisseculture Sociale zuständig ist. Oder eben: die Bewerbung für Stipendien und Werkbeiträge.

Der Kanton St.Gallen und die Thurgauer Kulturstiftung stehen mit ihrer förderlichen Haltung nicht allein. Auch der Kanton Zürich erhöht seinen Kredit für Werkbeiträge um nicht weniger als 2,5 Millionen Franken. Und die nationale Kulturstiftung Pro Helvetia hat Recherchebeiträge für die Tanz- und Theatersparte ausgeschrieben.

Eingabefrist bei der Stiftung Landis & Gyr ist der 29. Januar 2021.

lg-stiftung.ch

Ähnlich die Stiftung Landis & Gyr: «Angesichts der aktuell schwierigen Situation im Kulturbereich, welche für Kulturschaffende massive Einschränkungen und Entbehrungen mit sich bringt, hat die Stiftung ein Massnahmenpaket verabschiedet», teilte sie Anfang Dezember mit. Ausserordentliche Mittel in der Höhe von total 300‘000 Franken stehen für Recherche und Produktion zur Verfügung, ausdrücklich für Gruppen oder Ensembles verschiedener Sparten, «welche in normalen Zeiten von Auftritten leben und bis auf weiteres nicht oder nur sehr eingeschränkt auftreten können».

Parlament korrigiert Stadtrat

Anders der St.Galler Stadtrat: Er hatte im Sommer eine Hauruck-Sparrunde für 2021 angekündigt, begründet mit Corona-Defiziten – unter anderem schob er die Sanierung des Kunstmuseums auf die lange Bank und setzte auch bei der freien Kulturförderung den Rotstift an: Die Kredite für freie Veranstaltungen und für das aktuelle Kulturschaffen sollten um 10 bzw. 16 Prozent gekürzt werden. Zwei Werkbeiträge wären weggefallen. Mehr zum Protest dagegen hier.

Davon wollte allerdings schon die Geschäftsprüfungskommission des Parlaments vor Wochenfrist nichts wissen: Sie stellte die Beträge wieder ins Budget ein und sparte dafür andernorts, bei Projekten oder beim baulichen Unterhalt. Dem Vorschlag der GPK hat sich heute abend das St.Galler Stadtparlament angeschlossen. Es bleibt damit auch für St.Galler Kunstschaffende wie bisher bei acht Werkbeiträgen.

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