Die Nachfrage sei gross, vor allem von Musikerinnen und Musikern, sagt Sarah Fuhrmann von der Lokremise St.Gallen. Kein Wunder bei dem Angebot: Bis Weihnachten öffnet die Kunstzone der Lokremise ihre Tore täglich für ein neues «Lok-Fenster». Interessierte Kunstschaffende aller Sparten konnten und können sich melden und ihr Konzert, ihre Ausstellung, ihre Lesung, ihre Diskussion dort veranstalten.
Erstes fixes «Lok-Fenster» ist die Installation «Wellen» (Vernissage am 5. Dezember, Ausstellung bis 10. Dezember). Weitere Infos: lokremise.ch
Vom 1. bis 24. Dezember kündigt das Lok-Fenster unter anderem ein Figurentheater-Stück für Kinder, eine Ausstellung, eine Performance und diverse Konzerte (Soli, Bands, Kammerorchester) an. Die Lokremise stellt den Raum, eine Tonanlage, Beamer, Licht sowie die Betreuung und Werbung für den Anlass kostenlos zur Verfügung.
Der Hintergrund: Die Kunstzone der Lokremise wird im Advent normalerweise für Weihnachtsessen, Firmenanlässe, Galadinners etc. freigehalten. Im Coronajahr ist alles abgesagt – jetzt ist für einmal Platz für die freie Kulturszene.
Diese hat den Goodwill denn auch nötig. Den «Freien» geht es in der zweiten Welle der Pandemie besonders hart an die Existenz. Die Unterstützungsmassnahmen des Covid-19-Gesetzes greifen in erster Linie für Kulturunternehmen und -institutionen, die bei den Kantonen Ausfallentschädigung oder Transformationsbeiträge beantragen können. Das gilt aber nicht für freischaffende Künstlerinnen und Künstler; vielen bleibt nur der Griff zum Ersparten, falls vorhanden, oder die Nothilfe via Suisseculture Sociale.
«Gerade jetzt nötiger denn je»
Umso unverständlicher findet der St.Galler Stadtparlamentarier Etrit Hasler, dass der Stadtrat im Budget 2021 ausgerechnet bei der freien Kulturförderung sparen will. Die Kürzungen, die in der Budgetsitzung vom 8. Dezember zur Debatte stehen, betreffen die Kredite für freie Veranstaltungen und für das aktuelle Kulturschaffen, die um 10 bzw. 16 Prozent gekürzt werden sollen. Zwei Werkbeiträge werden gestrichen, zudem wird die Werbung für Kulturanlässe zurückgefahren.
Gespart werde damit genau an jenem Ort, wo die Coronakrise am stärksten spürbar sei, sagt Hasler. «Wir reden von akuten Notlagen. Menschen müssen zur Sozialhilfe, Selbständige gehen konkurs.» Er weiss, wovon er spricht: Bei Suisseculture Sociale leitet Hasler das Projekt Nothilfe für Kulturschaffende im Auftrag des Bundes.
Dieser Ansicht war letzte Woche auch die Geschäftsprüfungskommission des Stadtparlaments, deren Mitglied Hasler ist: Eine Mehrheit der GPK beantragt, auf die Zehnprozent-Kürzung der freien Kredite und die Reduktion der Zahl der Werkbeiträge zurückzukommen und diese Beiträge im Budget 2021 wieder einzustellen.
Dass in Coronazeiten die Kantone die von ihnen geförderten Institutionen unterstützen und damit die Strukturen erhalten wollen, findet Hasler korrekt. Aber umso mehr müsste auf der kommunalen Ebene für die Einzel-Kulturschaffenden gesorgt werden – St.Gallen würde mit den vom Stadtrat vorgeschlagenen Kürzungen oder Verzichten hingegen ein Signal in die falsche Richtung aussenden. Gerade Werkbeiträge seien eine Möglichkeit, Kunstschaffenden trotz Corona die Weiterarbeit zu ermöglichen. «Wann, wenn nicht jetzt war dieses Instrument nötiger denn je?», fragt Hasler.
IG Kultur Ost appelliert an die «Kulturstadt St.Gallen»
Ähnlich sieht dies auch die IG Kultur Ost. In einer Medienmitteilung von heute Dienstag protestiert sie ihrerseits gegen den Plan, ausgerechnet bei den freien Krediten und dem Geld für Werkbeiträge zu sparen. «Vielen Künstlerinnen und Künstlern steht das Wasser bis zum Hals. Und die Aussichten sind mehr als ungewiss – Engagements für 2021 bleiben aus, Projekte werden aufgeschoben, Veranstalter halten sich zurück.» Vor diesem Horizont seien die Kürzungen, die der St.Galler Stadtrat vorschlägt, fatal, schreibt die IG.
Die Beträge fielen im gesamten Haushalt der Stadt finanziell kaum ins Gewicht – «für diverse Projekte könnten sie aber das Aus bedeuten. Denn Kulturfördergeld bedeutet in erster Linie: Löhne.»
Das vollständige Communiqué der IG Kultur Ost hier.
Als beispielhaft nennt die IG die Stadt Zürich: Sie stocke den Kredit für die freie Szene um 2,5 Millionen Franken auf und ermögliche so Autorinnen, Filmern, Musikern, Künstlerinnen etc., trotz Corona weiterzuarbeiten und ihre Projekte und Programme zu entwickeln. «Die IG Kultur Ost fordert Stadtrat und Stadtparlament auf, St.Gallen als Kulturstadt ernst zu nehmen und in der Coronakrise ebenfalls ein positives Zeichen zu setzen – statt dort zu sparen, wo viele Kleine betroffen sind und der Protest entsprechend leise bleibt», heisst es in der Medienmitteilung.
Auch im Kanton Baselland wird vorwärts gedacht. Im dortigen Landrat, dem Parlament kommt im Dezember ein Antrag für einen Sonderkredit zur Abstimmung: 50’000 Franken sollen als Covid-19-Sofortmassnahme zur Unterstützung der bildenden Kunst mit zusätzlichen Ankäufen und Projektgeldern eingesetzt werden.
Kulturförderung hilft
So grosszügig die St.Galler Lokremise auf die Misere der veranstaltenden Kultur reagiert, so kulant gibt sich übrigens auch die Kulturförderung der Stadt St.Gallen: Wer in der Lok eines der adventlichen «Fenster» plant, hat die Möglichkeit, dafür bei der Kulturförderung eine Defizitgarantie zu beantragen. Die Gesuche würden auch kurzfristig behandelt, heisst es bei der Lokremise.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.