Mit über 40’000 Klicks seien die Online-Formate des Theaters und des Sinfonieorchesters St.Gallen in den vergangenen Wochen «auf ein überwältigendes Interesse» gestossen. Trotzdem habe man gehofft, «die Saison mit kleineren Bühnenformaten doch noch live und leibhaftig vor Publikum abschliessen zu können», meldet das Theater heute, einen Tag nachdem der Bundesrat die Lockerungsschritte im Kulturbereich bekannt gegeben hat.
«Nach dieser Botschaft haben wir uns seit Wochen gesehnt. Wir sind hoch erfreut, dass das Konzert- und Theaterschaffen damit wieder seinen Platz im Alltag findet und wir einen Beitrag zur Wiederbelebung und Bereicherung des Stadtlebens leisten können», wird Werner Signer, Geschäftsführender Direktor von Konzert und Theater St.Gallen, in der Mitteilung zitiert.
Wichtig sei insbesondere, nochmal alle Sparten zur Geltung zu bringen, ergänzt Signer am Telefon. Und: Die Angebote sind gratis. «Die öffentliche Hand hat nach dem Lockdown sehr schnell und grosszügig reagiert, um Ausfälle zu kompensieren. Das Theater ist von der Öffentlichkeit finanziert; jetzt können wir dem Publikum dafür etwas zurückgeben.»
Im Container und in der Arena
Das Theater greift dabei unter anderem auf den Container zurück, den Schauspieldirektor Jonas Knecht 2016 eingerichtet und unter anderem 2018 mit Philippe Heules Spekulanten auf Tournee geschickt hat. Diese Saison stand er unbenutzt – bis jetzt. Vom 9. Juni an aber wird er vor dem Stadthaus in der St.Galler Innenstadt zum Vehikel fürs Fernweh: Mitglieder des Schauspielensembles lesen über Mittag literarische «Reisen im Kopf», das Publikum hört draussen mit.
Mehr zum «Corona-Programm» des Theaters St.Gallen: theatersg.ch
Zweiter Schauplatz des coronatauglichen Ersatzprogramms ist die ans Theater angebaute, kaum je genutzte Arena gegen den Stadtpark hin. Dort kommen je rund einstündige musikalische, tänzerische und textliche «Parkspiele» zur Aufführung. Unter anderem auf dem Programm: die Salonoperette Cendrillon der französischen Komponistin Pauline Viardot für sieben Solisten und Klavier, die Tanzproduktion Pause + Play zu Bachs Cello-Suiten sowie konzertante Serenaden.
Unter dem Titel 2 Meter Theater – ausgespu(c)kt spielt zudem das Schauspiel auf Distanz und, so die Ankündigung, «wagt trotz engem Corona-Korsett eine humorvolle und poetische Begegnung mit einer Handvoll bekannter, unsterblicher Theaterfig uren».
Jonas Knecht vor der Arena im Stadtpark, die jetzt zur Bühne wird. (Bild: Hannes Thalmann)
Wie macht man Theater mit Einschränkungen? Was bedeutet Nähe und Distanz? Welche Formen funktionieren wie? Solche Fragen sollen die eigens dafür entstehenden Stücke aufwerfen und erforschen, sagt Schauspieldirektor Jonas Knecht. Und dies «auch mit einem Augenzwinkern». Möglicherweise werde man dabei einer Figur namens C. begegnen, diesem C., der das Theater «zu Tode anstecken wollte».
Statt Corona soll jetzt aber «die Kraft des gemeinsamen Spiels» den Sieg davon tragen. Gültig bleiben dabei jedoch die Abstandsvorschriften: Für das Publikum wird ein Teil des Stadtparks abgegrenzt, die Kontrolle der Besucherzahlen werde mit Zählkarten gewährleistet, teilt das Theater mit.
Ersatz für die Festspiele
Das Programm ersetzt die vor zehn Tagen definitiv abgesagten St.Galler Festspiele, die am 26. Juni mit der Oper auf dem Klosterplatz gestartet wären. Werner Signer trauert ihnen trotz dem Ersatzprogramm nach. «Ja sicher, das hat wehgetan, es war eine ganz traurige Zeit», sagt er. Umso erfreulicher sei es jetzt für die Ensembles, die Spielzeit doch noch «zurück an ihrem angestammten Platz auf der Bühne» abschliessen zu können.
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