Was tun, wenn man nicht arbeitet? In meinem Fall: arbeiten! Wir Schauspieler*innen tun dies, auch wenn wir nicht proben oder auf einer Bühne stehen. Denn unser Beruf ist weit mehr, als nur auswendig gelernte Texte zu stemmen. Wir sind darum bemüht, Zustände und Ängste in und um uns herum zu erspüren und erfahrbar zu machen.
Vielleicht ist gerade dies eine Chance: Wenn die Theater ihre Bühnen wieder öffnen, und wir diese vielen Stücke über Notzustände spielen, finden wir vielleicht endlich die richtigen und wahren Gesten. Ich bin mir sicher, dass diese dann erkannt und verstanden werden. Denn wir teilen in dieser Zeit etwas, das uns alle angeht. Der schönste Moment des Tages ist für mich momentan das Ende der Tagesschau. Wenn die Sprecherin oder der Sprecher sich mit den Worten verabschiedet: «Bliibet Sie gsund!»
Einerseits ist da immer wieder diese mich selbst irritierende leichte Euphorie. Auch durchaus ein kindliches Interesse an der Katastrophe. Dann lächle ich über die Verhaltensweisen gewisser Menschen. Fühle mich erfinderisch und leicht. Hecke Ideen aus.
Andrerseits bleibt diese Krise trotz der krassen Veränderungen im Alltag und der existenzbedrohenden finanziellen Ausfälle auch abstrakt. Denn die Ängste spielen sich im Innern ab. Und dort sind sie stark. Dann bricht alles zusammen. Die Routinen wirken aufgesetzt. Warum soll ich morgens aufstehen? Warum mich waschen? Mich fit halten? Pläne schmieden, wo doch gerade nichts planbar ist? Ich bin, und man kann es nicht anders sagen, überflüssig geworden. Das ist nicht leicht für eine Schauspielerin, wo man doch angetreten ist, um gesehen zu werden und präsent zu sein.
Aber was, wenn wir nicht zurückmüssen zu den altbewährten Rollen? Wenn sich durch diese Krise womöglich sogar die Machtstruktur an den Theatern ändert? Und wir in der Arbeit solidarischer miteinander umgehen werden?
Mir ist klar, dieser Gedanke ist utopisch, aber ich habe ja jetzt genügend Zeit zu träumen.
Dieser Beitrag erschien im Aprilheft von Saiten.
Jeanne Devos ist freischaffende Schauspielerin. Sie ist in Appenzell Ausserrhoden aufgewachsen und lebt in Zürich. Unter anderem spielte sie 2016 Hamlet am Theater St.Gallen und schrieb auf saiten.ch das Tagebuch «Dans-Boek» aus Belgien.
Wie man Kultur schlau unter die Leute und die Leute zur Kultur bringt, zeigt die Wanderbühne Ledi der Kantone AR und AI exemplarisch. Bis Sonntag steht sie in Teufen.
Ohm41 stellen wieder aus
Das Thurgauer Pop-Phänomen Noemi Beza veröffentlicht Anfang Juni ihre neue EP. You’ll Find Me There vereint Country-Vibes mit astreinem Pop – was man ein wenig vermisst, sind Ecken und Kanten.
Kolumne: Stimmrecht im Juni
Ausstellung in Herisau
Nach 22 Jahren gibt Matthias Peter die Leitung der St.Galler Kellerbühne ab. Vom Raum ist er nach wie vor begeistert. Aber dem Kabarett ging es auch schon besser, erzählt er im Gespräch.
Die Thurgauer Künstlerin Micha Stuhlmann befasst sich in ihrem neuen Projekt mit dem Dasein im Moment. Am 7. Juni findet dazu ein Workshop in St.Gallen statt und am 26. Juni zeigt sie mit ihrem Ensemble die finale Performance in Kreuzlingen.
Die Tonhalle Wil wurde 1876 eröffnet. Seither bereichert sie praktisch ununterbrochen das kulturelle Leben der Äbtestadt. An den kommenden zwei Wochenenden wird gefeiert.
Jonas Ulrich taucht mit seinem ersten Spielfilm in die Black-Metal-Welt ab. Wolves ist eine bildstarke Geschichte über Einsamkeit und das Dazugehören, voller Gegensätze und mit etwas holprigen Dialogen.
St.Gallen bewahrt nicht mehr nur 1000-jährige Handschriften. Mit dem Internet Archive Switzerland entsteht hier ein Archiv für Webseiten, künstliche Intelligenz und das digitale Gedächtnis der Zukunft.
Mit Internet Archive Switzerland entsteht in St.Gallen ein Ableger des grössten Archivs für Websiten und Künstliche Intelligenz weltweit. Ausserdem im Juniheft: Männer unter Generalverdacht, das grosse St.Galler 80er-Buch, das Abschiedsinterview mit dem langjährigen Kellerbühnenchef und die Flaschenpost aus Venedig.
Der WWF St.Gallen wird 50 Jahre alt. Sein Geschäftsleiter Lukas Indermaur zieht bei der Beurteilung der aktuellen Situation von Natur und Umwelt eine durchzogene Bilanz.
«Urs Frei. A – Z» im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Retrospektive zum ausserordentlichen Schaffen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Arbeiten geben Einblick in ein Werk, das kaum zu fassen ist. Das gehört zu seiner Qualität.
Wie wollen wir künftig leben und unsere Nahrungsmittel produzieren? Die Ausstellung «How goes Tomorrow» der Ostschweizer Künstlerin Claude Bühler in der Shedhalle in Frauenfeld sensibilisiert für nachhaltige Handlungsstrategien.
«Das Kind zurücklassen? Wie kann man so dumm und herzlos sein», schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über seine Mutter, die keine Mutter für ihn sein konnte. In seinem neuen Buch schaut er in die Vergangenheit und hat Verständnis, nicht für die Mutter, aber doch für diese Frau, die nie Glück und immer zu wenig Geld hatte.
Gaal, Görtler und Witzig schiessen St. Gallen zum langersehnten Cupsieg!
Die Medikamentenversuche von Münsterlingen als Teil eines Vampir-Musicals? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Die Bühne Mammern wagt den Versuch. Ab 29. Mai im Zirkuszelt.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.