In Brüssel findet man an jeder Ecke einen Pralinenladen. Die Stadt ist voll von Schokolade. Laurent Gerbaud ist derzeit einer der angesagtesten Chocolatiers hier. Und er ist ein Freund des Freundes einer Freundin. Deshalb sind wir heute zum Gesprek verabredet. Vor seinem Laden sitzend, koste ich seine Pralinen, von denen jede einzelne eine neue Geschmacksexplosion ist. Er erzählt viel und gerne. Dazwischen begrüsst er die zahlreichen Passanten, von denen er die meisten zu kennen scheint. Kein Wunder, denn Laurent lebt schon sein ganzes Leben lang in dieser Stadt.
Laurent: Das stimmt nicht ganz. Nach meiner Ausbildung zum Chocolatier habe ich zwei Jahre in China verbracht. Ich hätte dort gerne einen Laden eröffnet. Ein unmögliches Unterfangen allerdings, denn die meisten Chinesen mögen keine Schokolade.
Und wie hat alles angefangen?
Laurent: Angefangen hat eigentlich alles damit, dass ich gerne koche. Das habe ich von meiner Mutter. Es macht mir grosse Freude, mit Zutaten und Gewürzen zu experimentieren. Während meines Studiums habe ich Abendkurse besucht und an den freien Tagen bei einem Chocolatier gearbeitet. Es war also erst einmal alles nur ein grosses Hobby. Irgendwann habe ich angefangen, meine Produkte auf dem Markt zu verkaufen. So kam eines zum anderen. Nach der Rückkehr aus China habe ich dann acht Jahre lang nur exportiert. Seit 2009 besitze ich meinen eigenen Laden. Mittlerweile produziere und verkaufe ich alles hier.
Exportiert Belgien viel Schokolade?
Laurent: Etwa 90 % der Schokolade in Belgien wird für den Export hergestellt. Das bedeutet natürlich Massenproduktion. Und das wiederum hat zur Folge, dass viel zu viel Zucker und chemische Zutaten verwendet werden. Denn schlechte Schokolade ist einfach länger haltbar. Ich arbeite nur mit sehr wenig Zucker und ohne Alkohol. Das habe ich übrigens schon getan, bevor es ein Trend geworden ist. Vor ein paar Jahren wurde ich von meinen Kollegen dafür noch belächelt.
Weisst du bei allen deinen Zutaten, wo sie herkommen?
Laurent: Ich halte es für Bullshit-Marketing, wenn jemand behauptet, er kenne jede Biene oder jeden Feigenbaum persönlich. Aber ich reise viel. Dann besuche ich beispielsweise Slow-Food-Festivals und probiere mich durch die Stände. Ich habe sehr gute Geschmacksnerven und erkenne sofort, wenn etwas Qualität hat und für mich interessant sein könnte.
Ich habe gelesen, dass du jeden Samstagmorgen in deinem Laden Workshops gibst. Was macht ihr da?
Laurent: Die Teilnehmer stellen selber Pralinen her. Es geht mir aber bei diesen Workshops in erster Linie darum, den Geschmack der Leute zu sensibilisieren. Zuerst reiche ich ihnen schlechte Schokolade. Dann testen sie verschiedene Kreationen, die ich für sie vorbereitet habe. Dazu erzähle ich ihnen kleine, lustige Geschichten. Am Ende kriegen sie nochmals die schlechte Schokolade vorgesetzt und erschmecken dann hoffentlich den Unterschied.
Du siehst dich also nicht als Schokoladen-Guru, dessen Können ein grosses Geheimnis bleiben soll?
Laurent: Im Gegenteil – es macht mir grossen Spass, mein Wissen weiterzugeben. Ausserdem möchte ich wirklich den Geschmack der Leute verändern. Ich finde,, das sollte man auch mit anderen Produkten machen, wie beispielsweise Käse oder Wein.
Kommst du überhaupt noch dazu, neue Kreationen auszutüfteln?
Laurent: Seit einem Jahr habe ich ein Team von sieben Leuten, die alle dazu aufgefordert sind, mit Zutaten zu experimentieren. Falls dabei etwas Interessantes rauskommt, wird es produziert.
Was sind deine weiteren Pläne?
Laurent: Ein Restaurant, eine Online-Plattform für Hauslieferung, Workshops überall auf der Welt und a lot of fun!
Jeanne Devos, in Heiden aufgewachsen, hat Schauspiel in Bern und Zürich studiert, war 2010-2013 am Deutschen Nationaltheater Weimar engagiert und ist seither als freischaffende Schauspielerin tätig. In «Hamlet», der Eröffnungspremiere der Spielzeit 2016/17, war sie als Gast am Theater St.Gallen zu sehen sein. Ihr erstes «Dans-Boek» aus Brüssel, wo sie mit einem Artist-in-Residence-Stipendium von Kanton und Kulturstiftung von Appenzell Ausserrhoden Tanz studierte, erschien seit Anfang Mai 2016 auf saiten.ch. Jetzt berichtet sie von ihrem zweiten Brüssel-Aufenthalt.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.