Kategorie
Autor:innen
Jahr

Een Gesprek 5: Laurent und sein Schoggi-Job

Schauspielerin Jeanne Devos ist als Artist in Residence von Appenzell Ausserrhoden in Brüssel, um sich in Tanz weiterzubilden. Sie berichtet in wöchentlichen Interviews - und lernt dabei auch die Schokoladenseite des Landes kennen.
Von  Gastbeitrag

In Brüssel findet man an jeder Ecke einen Pralinenladen. Die Stadt ist voll von Schokolade. Laurent Gerbaud ist derzeit einer der angesagtesten Chocolatiers hier. Und er ist ein Freund des Freundes einer Freundin. Deshalb sind wir heute zum Gesprek verabredet. Vor seinem Laden sitzend, koste ich seine Pralinen, von denen jede einzelne eine neue Geschmacksexplosion ist. Er erzählt viel und gerne. Dazwischen begrüsst er die zahlreichen Passanten, von denen er die meisten zu kennen scheint. Kein Wunder, denn Laurent lebt schon sein ganzes Leben lang in dieser Stadt.

Laurent: Das stimmt nicht ganz. Nach meiner Ausbildung zum Chocolatier habe ich zwei Jahre in China verbracht. Ich hätte dort gerne einen Laden eröffnet. Ein unmögliches Unterfangen allerdings, denn die meisten Chinesen mögen keine Schokolade.

Und wie hat alles angefangen?

Laurent: Angefangen hat eigentlich alles damit, dass ich gerne koche. Das habe ich von meiner Mutter. Es macht mir grosse Freude, mit Zutaten und Gewürzen zu experimentieren. Während meines Studiums habe ich Abendkurse besucht und an den freien Tagen bei einem Chocolatier gearbeitet. Es war also erst einmal alles nur ein grosses Hobby. Irgendwann habe ich angefangen, meine Produkte auf dem Markt zu verkaufen. So kam eines zum anderen. Nach der Rückkehr aus China habe ich dann acht Jahre lang nur exportiert. Seit 2009 besitze ich meinen eigenen Laden. Mittlerweile produziere und verkaufe ich alles hier.

Exportiert Belgien viel Schokolade?

Laurent: Etwa 90 % der Schokolade in Belgien wird für den Export hergestellt. Das bedeutet natürlich Massenproduktion. Und das wiederum hat zur Folge, dass viel zu viel Zucker und chemische Zutaten verwendet werden. Denn schlechte Schokolade ist einfach länger haltbar. Ich arbeite nur mit sehr wenig Zucker und ohne Alkohol. Das habe ich übrigens schon getan, bevor es ein Trend geworden ist. Vor ein paar Jahren wurde ich von meinen Kollegen dafür noch belächelt.

Weisst du bei allen deinen Zutaten, wo sie herkommen?

Laurent: Ich halte es für Bullshit-Marketing, wenn jemand behauptet, er kenne jede Biene oder jeden Feigenbaum persönlich. Aber ich reise viel. Dann besuche ich beispielsweise Slow-Food-Festivals und probiere mich durch die Stände. Ich habe sehr gute Geschmacksnerven und erkenne sofort, wenn etwas Qualität hat und für mich interessant sein könnte.

Ich habe gelesen, dass du jeden Samstagmorgen in deinem Laden Workshops gibst. Was macht ihr da?

Laurent: Die Teilnehmer stellen selber Pralinen her. Es geht mir aber bei diesen Workshops in erster Linie darum, den Geschmack der Leute zu sensibilisieren. Zuerst reiche ich ihnen schlechte Schokolade. Dann testen sie verschiedene Kreationen, die ich für sie vorbereitet habe. Dazu erzähle ich ihnen kleine, lustige Geschichten. Am Ende kriegen sie nochmals die schlechte Schokolade vorgesetzt und erschmecken dann hoffentlich den Unterschied.

Du siehst dich also nicht als Schokoladen-Guru, dessen Können ein grosses Geheimnis bleiben soll?

Laurent: Im Gegenteil – es macht mir grossen Spass, mein Wissen weiterzugeben. Ausserdem möchte ich wirklich den Geschmack der Leute verändern. Ich finde,, das sollte man auch mit anderen Produkten machen, wie beispielsweise Käse oder Wein.

Kommst du überhaupt noch dazu, neue Kreationen auszutüfteln?

Laurent: Seit einem Jahr habe ich ein Team von sieben Leuten, die alle dazu aufgefordert sind, mit Zutaten zu experimentieren. Falls dabei etwas Interessantes rauskommt, wird es produziert.

Was sind deine weiteren Pläne?

Laurent: Ein Restaurant, eine Online-Plattform für Hauslieferung, Workshops überall auf der Welt und a lot of fun!

Jeanne Devos, in Heiden aufgewachsen, hat Schauspiel in Bern und Zürich studiert, war 2010-2013 am Deutschen Nationaltheater Weimar engagiert und ist seither als freischaffende Schauspielerin tätig. In «Hamlet», der Eröffnungspremiere der Spielzeit 2016/17, war sie als Gast am Theater St.Gallen zu sehen sein. Ihr erstes «Dans-Boek» aus Brüssel, wo sie mit einem Artist-in-Residence-Stipendium von Kanton und Kulturstiftung von Appenzell Ausserrhoden Tanz studierte, erschien seit Anfang Mai 2016 auf saiten.ch. Jetzt berichtet sie von ihrem zweiten Brüssel-Aufenthalt.

 

 

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Von  Pius Frey  und  David Gadze
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von  Mia Nägeli

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von  Vera Zatti
Dieses

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von  Richard Butz
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von  Philipp Bürkler
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von  René Hornung
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01