Nur Vorwärts
In der Lokremise präsentiert Emilija Škarnulytė ihre Filminstallation Arrow of Time – ein Werk über Vergänglichkeit und die Spuren, die alles hinterlässt.
Es war der Astrophysiker Arthur Stanley Eddington, der das Konzept des «Arrow of Time» prägte und damit eine bis heute ungelöste Frage der Physik aufwarf: Zeit verhält sich asymmetrisch, also nur in eine Richtung – immer vorwärts. Oft in Richtung der Entropie, einer physikalischen Zustandsgrösse, bei der eine Art Energie-Ausgleich angestrebt wird. Wäre Zeit symmetrisch, wäre Altern vermutlich kein Thema und eine Videosequenz würde realistisch wirken, egal ob man sie vorwärts oder rückwärts abspielt.
Mit diesem Phänomen beschäftigt sich die Litauerin Emilija Škarnulytė in ihrer Videoinstallation Arrow of Time. Zu sehen ist diese demnächst in der St.Galler Lokremise. Über die weitläufigen Wände der Halle flackern dann Bilder, die zwischen Fiktion und Realität oszillieren und ein mulmiges Gefühl von Vergänglichkeit hinterlassen.
Die 1987 geborene Künstlerin hat bereits in zahlreichen bedeutenden Galerien ausgestellt, darunter im Kunsthaus Graz oder im Museum of Modern Arts in New York sowie an diversen Biennalen. Sie arbeitet mit bewegten Bildern, Installationen, Skulpturen oder Zeichnungen und untersucht die Verflechtungen des Menschen mit Zeit und Raum, Natur und Wissenschaft.
Dabei richtet die Künstlerin ihren Blick aber auch auf die Politik und die Zukunft. So entstanden viele Aufnahmen für Arrow of Time im stillgelegten litauischen Kernkraftwerk Ignalina, einem «Schwesterkraftwerk» von Tschernobyl. Hier treffen hochkomplexe Technologien auf die Natur, die sich über deren Skelett hermacht und sich zurückholt, was einst ihr gehörte: Eine Python gleitet über Knöpfe und Schalter eines Bedienpults. Die Zeit, die Ereignisse lassen sich nicht zurückspulen – sie läuft einfach immer weiter, nur vorwärts.
Arrow of Time: Samstag, 22. August, bis Sonntag, 8. November, Lokremise, St.Gallen.lokremise.ch
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Es war das Jahrzehnt der Kultur: In den 80ern kam die Stadt St.Gallen zu einer Kunsthalle, einem Programmkino, der Frauenbibliothek, der Grabenhalle, genossenschaftlichen Beizen und anderem. Wie das gelang und wer die Fäden zog, zeichnen Ralph Hug und Corinne Schatz im Buch Der grosse Aufbruch nach.
Tunneleröffnung
Am Sonntag wird das Fussgäger:innen- und Velotunnel zwischen Lokremise und der Reithalle in der Stadt St.Gallen mit Sprints, Musik, E-Bike-Testfahrten und vielen weiteren Attraktionen eingeweiht.
Ausstellung
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.