Das Kunstenfestivaldesarts ist ein internationales Kunstfestival, welches zeitgenössische Kreationen aus den Bereichen Theater, Tanz, Performance, Film und bildende Kunst zeigt. Innerhalb von drei Wochen treten belgische und internationale Künstlerinnen und Künstler in über 20 Theatern, Galerien und im öffentlichen Raum auf.
Es ist also nicht verwunderlich, dass ich seit einer Woche immer wieder auf bekannte Gesichter treffe. Sie alle suchen nach neuen und ungewohnten Theaterformen. Manche suchen aber auch einfach nur etwas zu essen. Wie beispielsweise mein Besuch aus München. Da ich mir aber die Aufführungen des Festivals nicht entgehen lassen will, habe ich ein nahrhaftes Programm aus Restaurant- und Theaterbesuchen zusammengestellt.
Spanische Konzept-Frittes
Am Freitag gibt es zur Vorspeise Wildspargelsalat, dann esoterisches, einschläferndes Tanztheater und als Nachspeise ein, zwei Bierentdeckungen.
Am Samstag starten wir klassisch mit Moules et Frittes, gehen dann über zu Konzepttheater aus Spanien mit einer sehr guten Grundidee und einer sehr dummen Umsetzung und beenden das Ganze mit dem Runterspülen des Hauptgangs zusammen mit vielen Vertretern verschiedener europäischer Festivals. Diese reden im übrigen allesamt begeistert über die neue Arbeit von Milo Rau, hier die Nachtkritik-Besprechung.
Am Sonntag werden uns zur Vorspeise köstliche libanesische Kleinigkeiten serviert. Als Hauptgang wählen wir überwältigendes thailändisches Lichttheater. Da ich dann die Kolumne schreiben muss, fällt die Nachspeise aus. Das ist aber nicht schlimm. Nach diesem fantastischen Hauptgericht brauche ich nichts mehr.
Was ist Realität, was ist Bühne?
Wer jetzt glaubt, ich hätte die ganze Woche nur Theater geschaut, der irrt sich. Zehn Tage lang habe ich selber mit einer kleinen Gruppe aus Schauspielerinnen, Schauspielern und Dramaturgen sieben Stunden pro Tag über Theater nachgedacht. Die dabei entstandenen Ideen haben wir versucht, szenisch umzusetzen, was in eine öffentliche Präsentation am Ende des Workshops mündete.
Der Workshop wurde vom iranischen Theaterregisseur Amir Reza Koohestani geleitet und hatte eigentlich bereits eine Woche vorher begonnen; Koohestani gab uns Teilnehmern den Auftrag, Tagebuch zu führen. Dieses mussten wir dann am ersten Tag vor den anderen auf der Bühne präsentieren. Damit hatten wir also das Grundmaterial dessen, was uns nun zehn Tage lang beschäftigte: Was ist Realität? Was ist Realität auf der Bühne? Und kann es unterhaltend sein, wenn wir diese Realität selbst sind? Erstaunlicherweise ja, sagten uns zumindest Zuschauer unserer Abschluss-«Vorstellung».
Für mich selbst bleiben von diesem Workshop lange Momente erstaunlicher Intimität, die aufregende Begegnung mit Amir und den Kursteilnehmern und vier iranische Filme auf meinem Laptop. Die gab mir Koohestani in der vollen Überzeugung, dass die Weitergabe bedeutenden Kulturguts wichtiger sei als die strikte Befolgung des Urheberrechts.
Jeanne Devos, in Heiden aufgewachsen, hat Schauspiel in Bern und Zürich studiert, war 2010-2013 am Deutschen Nationaltheater Weimar engagiert und ist seither als freischaffende Schauspielerin tätig. In «Hamlet», der Eröffnungspremiere der Spielzeit 2016/17, wird sie als Gast am Theater St.Gallen zu sehen sein. Sie berichtet auf saiten.ch bis zum Sommer im Tagebuch «Dans-Boek» aus Brüssel.
Ohm41 stellen wieder aus
Das Thurgauer Pop-Phänomen Noemi Beza veröffentlicht Anfang Juni ihre neue EP. You’ll Find Me There vereint Country-Vibes mit astreinem Pop – was man ein wenig vermisst, sind Ecken und Kanten.
Kolumne: Stimmrecht im Juni
Ausstellung in Herisau
Nach 22 Jahren gibt Matthias Peter die Leitung der St.Galler Kellerbühne ab. Vom Raum ist er nach wie vor begeistert. Aber dem Kabarett ging es auch schon besser, erzählt er im Gespräch.
Die Thurgauer Künstlerin Micha Stuhlmann befasst sich in ihrem neuen Projekt mit dem Dasein im Moment. Am 7. Juni findet dazu ein Workshop in St.Gallen statt und am 26. Juni zeigt sie mit ihrem Ensemble die finale Performance in Kreuzlingen.
Die Tonhalle Wil wurde 1876 eröffnet. Seither bereichert sie praktisch ununterbrochen das kulturelle Leben der Äbtestadt. An den kommenden zwei Wochenenden wird gefeiert.
Jonas Ulrich taucht mit seinem ersten Spielfilm in die Black-Metal-Welt ab. Wolves ist eine bildstarke Geschichte über Einsamkeit und das Dazugehören, voller Gegensätze und mit etwas holprigen Dialogen.
St.Gallen bewahrt nicht mehr nur 1000-jährige Handschriften. Mit dem Internet Archive Switzerland entsteht hier ein Archiv für Webseiten, künstliche Intelligenz und das digitale Gedächtnis der Zukunft.
Mit Internet Archive Switzerland entsteht in St.Gallen ein Ableger des grössten Archivs für Websiten und Künstliche Intelligenz weltweit. Ausserdem im Juniheft: Männer unter Generalverdacht, das grosse St.Galler 80er-Buch, das Abschiedsinterview mit dem langjährigen Kellerbühnenchef und die Flaschenpost aus Venedig.
Der WWF St.Gallen wird 50 Jahre alt. Sein Geschäftsleiter Lukas Indermaur zieht bei der Beurteilung der aktuellen Situation von Natur und Umwelt eine durchzogene Bilanz.
«Urs Frei. A – Z» im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Retrospektive zum ausserordentlichen Schaffen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Arbeiten geben Einblick in ein Werk, das kaum zu fassen ist. Das gehört zu seiner Qualität.
Wie wollen wir künftig leben und unsere Nahrungsmittel produzieren? Die Ausstellung «How goes Tomorrow» der Ostschweizer Künstlerin Claude Bühler in der Shedhalle in Frauenfeld sensibilisiert für nachhaltige Handlungsstrategien.
«Das Kind zurücklassen? Wie kann man so dumm und herzlos sein», schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über seine Mutter, die keine Mutter für ihn sein konnte. In seinem neuen Buch schaut er in die Vergangenheit und hat Verständnis, nicht für die Mutter, aber doch für diese Frau, die nie Glück und immer zu wenig Geld hatte.
Gaal, Görtler und Witzig schiessen St. Gallen zum langersehnten Cupsieg!
Die Medikamentenversuche von Münsterlingen als Teil eines Vampir-Musicals? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Die Bühne Mammern wagt den Versuch. Ab 29. Mai im Zirkuszelt.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.